Hesekiel

Predigthilfe vom 25.11.2001 – Hesekiel 34, 1-10

Monatsthema: Christus – der Verheißene
Predigtthema: Christus gegen die falschen Hirten

Bibelstelle: Hesekiel 34, 1-10

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

1. Zusammenhang
Als „Einleitung“ zu den Heilsweissagungen (Kap. 33-48) wird zuerst der Schaden, die Schuld – hier der Führer Israels – deutlich benannt.

2. Biblische Parallelen
Die falschen Hirten (vgl. Jer. 23, 1-4). Der Mietling aus Johannes 10. Das Volk ohne rechte Hirten, wie Jesus es erbarmend sieht (Matth. 9, 35ff). Dazu die großen Hirtenbilder (Psalm 23 und Joh. 10).

3. Der Aufbau / Gliederung des Textes
V. 1-4 Hirten, die ausbeuten
V. 5-6 Schafe, die zerstreut sind
V. 7-10 Das Gericht über die Hirten

4.Einzelerklärungen
V. 1: Die „Botenformel“: Es ist nicht das Wort Hesekiels, sondern Gottes Wort, das der Prophet Wort für Wort weitersagt.
V. 2: Ein schweres Amt: „Weissagen gegen“ – wörtlich: vom Gottesgeist ergriffen gegen jemand laut rufen. Gott redet nie „hintenherum“, sondern in aller Öffentlichkeit. Die Hirten, die Führer des Volkes werden ganz direkt angesprochen und das „Wehe“ vor ihnen ausgesprochen – wörtlich: Unheil über euch! Sie „weiden“ sich selbst, das ist die entscheidende Anklage. „Weiden“ – hebr.= ganz umsorgen; sogar: heiraten, bzw. Brautführer sein. Das ist der Auftrag des Hirten – erst in Jesus vollkommen zu sehen. Die Hirten Isarels weiden nur sich selbst. Die Eigensucht ist die Urform der Sünde!
V. 3: Sie leben ganz von den Schafen, aber sie sorgen in keiner Weise für die Herde.
V. 4: Der Zustand der Herde wird in deutlichen Worten beschreiben: „Schwach = körperlich am Ende; krank = psychisch fertig; verwundet = wörtl.: ausgedroschen, zerschlagen; verirrt = ohne festen Halt; verloren = umhergestoßen. Ein jämmerlicher Zustand (vgl. Matth. 9, 36) und was noch einigermaßen gesund ist, das „trampeln sie nieder“, dem brechen die Hirten das Genick (so wörtlich).
V. 5: Schutzlos ist die Herde den wilden Tieren ausgeliefert.
V. 6: Die auseinandergesprengte Herde irrt hoffnungslos umher. Niemand „fragt nach ihnen“, wörtl.: erforscht sie, im Sinne von: ist interessiert an ihrem Ergehen. Niemand „achtet“ auf sie = in die Tiefe gehen, also wirklich nach den Ursachen der Not fragen.
V. 7: Darum ergeht das Wort = der Urteilsspruch Gottes gegen die Führer Israels.
V. 8: Gott schwört bei seinem Sein, so wichtig ist ihm die Herde; – Jesus gibt sogar sein Leben für die Schafe! – und er wiederholt die Schuld der Hirten, ihre Eigensuche!
V. 9: Feierlich wird der Urteilsspruch noch einmal eingeleitet.
V. 10: Vierfach ist das Gericht: 1. „Ich will an sie“ – eigentlich: gegen sie. Gott stellt sich gegen sie. 2. Er fordert Rechenschaft = er wird unerbittlich, bis ins Kleinste ihre Schuld aufdecken. 3. Er wird ein Ende machen = Gott wird die Hirten vertreiben aus ihrem Amt und 4. Sie werden sie nicht mehr fressen = die Hirten werden keinerlei Nutzen mehr haben von der Herde, ihnen wird die Lebensgrundlage entzogen.
Die Schafe aber wird Gott retten, wörtl.: herausziehen (aus dem Rachen des Todes). das ist der Jesushorizont.

5. Die Spitze des Textes
Die eigensuchenden Hirten verfallen Gottes Gericht; sie haben Gott zum Feind.

6. Der Text heute
a) „Hirten“, das sind alle, die in der Gemeinde Leitung für andere tun. Sie haben eine besondere Verantwortung. Ihr Dienst ist Fürsorgedienst. „Weiden“ heißt völlige Fürsorge in Selbsthingabe. Das sollten wir als Gemeindeleiter neu hören.
b) Die Sünde des Hirten ist die Eigensucht. Wie viel Dienst geschieht aus Ehrsucht? Auch unter uns. Dass vor Gott unsere Motive rein sind!
c) Auf diesem dunklen Bild der bösen Hirten erstrahlt das Vorbild des guten Hirten Jesus. Wir predigen Johannes 10 (Psalm 23) bewusst mit!

7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) „Hirte“, das ist der wehrhafte Beschützer. Der Einzige, dem erlaubt war ständig eine Waffe bei sich zu führen zum Schutz der Herde.
b) Der Hirte David, der seine Schafe aus dem Rachen des Löwen rettete (vgl. 1. Sam. 17,34ff)
c) Der Hirte Jesus, der sein Leben hingibt für die Schafe (Joh. 10, 11)
d) Heutige Hirten, die nicht sich selber suchten, sondern ganz für die Herde da waren: Etwa im 3. Reich Landesbischof Wurm, Pfarrer Busch in Essen, Gemeindeleiter in der Sowjetunion, die ins Gefängnis gingen, weil sie Taufunterricht gaben etc.
e) Hirtendienst dient nie zur Selbstbestätigung, sondern sucht immer das Wohlergehen der Herde, ist deshalb Selbsthingabe.
f) Wie viel Treue so vieler Mitarbeiter über lange Jahre. Wer will sich heute noch längerfristig binden? Der Chorleiter, der 30 Jahre lang Sonntag für Sonntag seinen Dienst tut ist ein guter Hirte!
g) Wie viel falsche Lehre gibt es heute in den Kirchen! Da wird die Herde irregeleitet! Gute Weide ist biblische Lehre.
h) Die Bibelkritik treibt die Herde auseinander. Die Bibel ist der sichere Pferch.
i) Ein Schaf braucht den Hirten, denn es hat keinen Orientierungssinn, findet allein nie zur Herde zurück.
j) Und ganz praktisch: Wir tun unseren Dienst im WBB ohne finanzielle Interessen.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Gott sieht die Not ganz deutlich: Die bösen Hirten, die kaputte Herde. Damals in Israel, heute so viel Verwirrung in der Gemeinde. Dagegen tritt er an.

1. Jeder sucht das Seine
Das ist die Grundnot, die Urform der Sünde: Das ICH, die Eigensucht. Damals: die Führer Israels „bringen ihr Schäfchen ins Trockene!“ Fett essen = sich ein Polster zulegen, wollene Kleider = sich schützen! Nur die da oben? Das setzt sich fort: Jeder sucht nur seinen Vorteil. Hirten = alle, denen andere anvertraut sind. Bsp: Eltern: ich suche mich in meinen Kindern; sie sollen machen, was meinen Stolz befriedigt. Im Betrieb: Ellbogenmentalität; Mobbing. Die fromme Variante: „Was bringt´s mir (der Jugendkreis, die Gemeinde)? Ich bin dabei, solange es mir Spaß macht! Mitarbeite? Ja, ich habe meinen Ehrgeiz! Solange es mir nützt, nicht meine „Entfaltung“ verhindert. Ich kann mich nicht für längerfristig binden!
Die falschen Hirten in Kirche und Gemeinde: Falsche Lehre verwundet, zerstreut, zerschlägt die Gemeinde. Das klare biblische Wort ist schützender Pferch, gute Weide!
Die kaputte Herde: Wie viele Christen sind orientierungslos geworden, gerade heute, in den Zeiten wachsender, weltweiter Angst. Es fehlt eine nachgehende, wirklich nachfragende Seelsorge.

2. Gott sucht uns
„Ich will meine Schafe erretten“. Das ist Gottes Programm. So viel sind wir ihm wert! Er setzt sich ganz ein. Das gilt auch und besonders für Israel – gerade heute: Er wird sie retten, trotz aller Aussichtslosigkeit der aufgipfelnden Probleme (Intifada!)
Die Such-Bewegung Gottes: Deshalb kam Jesus. Er ist der große „Heimsucher“! Ihn erbarmt, wörtl: bis in die Eingeweide erschüttert, der Zustand der Herde.
Verloren = ohne Lebensperspektive: Depressiv, Diagnose Krebs. Er sagt: Ich gehe mit dir, ich lasse dich nicht los (Psalm 23, 4). Verwundet = angeschlagen, resigniert: In meiner Ehe ändert sich doch nichts mehr!? Ich bin dem Druck in Beruf und Familie nicht mehr gewachsen: Bei Jesus aufschnaufen. Er befreit von dem Treiberstecken des Ehrgeizes.
Er sammelt seine Herde = zur Gemeinde zusammenbringen. Dort lebt man anders. Leben wir als Christen anders in unserer Gemeinde? Danke für deine Gemeinde! Der erste Ton macht die Musik!

3. In Jesus sind wir gefunden
Er ist der gute Hirte. Er ließ sein Leben für die Schafe. Jetzt können wir leben mit ihm, bei ihm und hinter ihm her. Ihm gerne folgen: Er führt uns nicht am Strick. Lied: „Jesu geh voran… und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nach zu eilen…“
Bei Jesus haben wir Schutz. Joh. 16, 33: „Ihr habt Angst, aber seid getrost…“ Das heute ganz neu ergreifen. Er 2weidet“ uns: sein klares Wort. Nur wer die Bibel ganz verbindlich hört, hat wirkliche Leitung, echte Orientierung, hoffenden Durchblick.

Schluss: „Weiden“, hebr. Brautführer sein, sogar: heiraten: Die Hochzeit des Lammes. Wir sind die Braut. Darauf leben wir freuend zu.