Galater

Predigthilfe vom 24. Mai 2015 – Galater 5, 13-26

Monatsthema: Ganzes Christsein VI
Leben aus Gottes Geist ist fruchtbares Leben

Predigttext: Galater 5,13-26
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Heiko Krimmer (Edition C Bd. 13) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel, erklärt von Hans Brandenburg).
1.2. Wichtige Gedanken in unserem Abschnitt
Paulus entfaltet in seinen Briefen oft ein doppeltes Prinzip. Im ersten Teil geht es darum, was Gott zu unserem Heil getan hat und im zweiten Teil zeigt er die Konsequenzen auf, die sich aus dieser Tatsache für ein Leben in der Nachfolge ergeben. (z.B. im Epheserbrief Kapitel 1-3 und 4-5, oder im Galaterbrief 1-4 und 5-6.) Jesus hat uns erlöst und in eine völlig neue Freiheit gestellt. Wie gehen wir mit dieser geschenkten Freiheit nun um.

2. Verstehen, worum es geht
Es geht Paulus in seinem Brief an die Galater um die Klarstellung, dass Gerechtigkeit aus Werken keine Möglichkeit zur Erlösung ist. Die Freiheit, die uns in Christus geschenkt wurde ist nicht die Freiheit zur Zügellosigkeit sondern die Freiheit, Jesus gehorsam zu sein, ihn zu lieben und mit dieser Freiheit auch dem Nächsten zu dienen.

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Paulus und Barnabas waren auf ihrer ersten Missionsreise zwischen 45 und 47 n.Chr. in Galatien (der heutigen, mittleren Türkei) unterwegs. In Apg. 13 und 14 wird beschrieben wie in diesem Gebiet vorwiegend heidenchristliche Gemeinden entstanden sind. Paulus hat, zusammen mit Silas, diese Gemeinden auf seiner zweiten Missionsreise besucht.
(Apg. 15,36 ff‘. ) In Gal. 4,13 ff. erinnert er die Galater an ihre bereitwillige Aufnahme des Evangeliums und ihren guten Anfang. Den Brief hat Paulus nach der zweiten Missionsreise geschrieben. Es ging ihm um die Sorge, dass die Galater in ihrem guten und fröhlichen Anfang im Glauben stecken bleiben und wieder zurückfallen in die alten Strukturen. Gal. 1, 6. Der Grund für die Verwirrung waren judenchristliche Gesetzesprediger, die in der Gemeinden Galatiens unterwegs waren.

Paulus verwendet ganz starke Begriffe in seinem Brief:
• Sie verwirren und verhexen Gal. 1,7; 3,1; 5,10.
• Sie hetzen sie gegen Paulus auf und wollen sie von ihm abspenstig machen, Gal. 4,17 und 5,12.
• Sie zwingen die Gemeindeglieder zur Beschneidung Gal. 6,12,
• sie verlangen die Beachtung des jüdischen Festkalenders
• und die Beachtung der Reinheitsgebote, Gal. 4,10 und Gal. 2,11.

Fazit: Sie predigen das Heil nach dem alttestamentlichen Gesetz als Weg, Gal. 4,21.
und bauen damit nicht auf die Gnade und Erlösung durch Jesus, sondern auf die Forderungen aus dem Gesetz. Paulus duldet diese Menschen nicht in der Gemeinde und spricht sehr klar und deutlich aus: Gal. 1,9 “ Wer ein anderes Evangelium predigt, verflucht sei er.“

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

a. zur Freiheit berufen
Christen sind zum Leben in Freiheit berufen, sie sind befreit von der Knechtschaft der Sünde und von der Knechtschaft des Gesetzes. Diese Freiheit ist bestimmt von der persönlichen Beziehung und der Liebe zu Jesus. Das Motiv für christliches Verhalten ist nicht mehr die Angst vor dem Gesetz oder der Strafe sondern die Liebe. Deshalb dürfen Christen diese Freiheit nicht leichtsinnig verlassen und sie damit missbrauchen. Die Gefahr besteht, wenn wir meinen der Glaube an Jesus reiche nicht aus, um ein geordnetes und geheiligtes Leben zu führen.

Falscher Gebrauch der Freiheit führt zu Zügellosigkeit und Bindungslosigkeit und damit eindeutig wieder zurück in die Versklavung durch unsere alte Natur. Der richtige Gebrauch der Freiheit zeigt sich in echter Jesusliebe und der Nächstenliebe. Die Nächstenliebe ist die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Das Gesetz fordert die restlose Hingabe an Gott und den Nächsten, 3. Mose 19,18; 5. Mose 6,5. Aus eigener Kraft ist der natürliche Mensch, wegen seiner egoistischen Begierden nicht fähig. Der Jesusnachfolger, der in Christus ist, ist befreit von der Herrschaft des Egoismus und befähigt zur wahren Liebe. Vers 15 zeigt, dass infolge der Irrlehrer in den galatischen Gemeinden, Hass, Verleumdung und Streit aufgekommen sind. Deshalb gibt Paulus eine Anleitung zum Kampf gegen diese Verirrungen. Verse 13-15

b. der Kampf gegen die eigene Sündhaftigkeit Verse 16-24
Der Kampf gegen das „Fleisch“ gegen meine alte Art, die mir so tief in den Knochen steckt. Ein Nachfolger Jesu, der in Gemeinschaft mit ihm lebt, empfindet die Abscheu gegen Sünde.
Er will widerstehen und überwinden. Wie kämpfen wir richtig und auch „erfolgreich“?
Mit menschlichen Mitteln ist der Kampf nicht zu gewinnen. Paulus lässt aber nicht resigniert den Kopf hängen nach dem Motto „wir sind halt alle Sünder“, sondern gibt klare Anweisungen an die Galater, wie der Kampf zu gewinnen ist.

c. Lasst euch vom Geist Gottes leiten
Wenn wir Jesus kennen und lieben gelernt haben, wenn uns die Tragweite der Erlösung bewusst ist, dann folgen wir Jesus gerne, dann hören wir gern auf seine Anweisungen. Deshalb haben wir den Heiligen Geist als Tröster und Unterweiser für unser Leben bekommen. „Wandelt im Geist, dann werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollenden“. Vers 16.

Wer den Kampf gegen die eigenen egoistischen Begierden aufnehmen will, muss lernen auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören. Der Geist ist es, der uns in die Gemeinschaft mit Jesus erhält, er zeigt uns immer wie sehr wir auf Jesus angewiesen sind. Er fördert in uns den Wunsch, das Wort Gottes besser kennen zu lernen und im Gebet die Gemeinschaft mit Jesus zu pflegen. Er lässt die Liebe, die nach Römer 5 ausgegossen ist in unsere Herzen zum Tragen kommen. Wenn wir als Nachfolger Jesu in dieser geistlichen Wirklichkeit leben, dann hilft uns der Heilige Geist unseren Egoismus der Herrschaft Jesu zu unterstellen und der Sünde zu widerstehen. Paulus gibt auch dazu in Römer 12,21 einen ganz praktischen Tipp: „Überwindet das Böse mit Gutem“. Wenn der Egoismus das Ruder übernehmen will, dürfen wir dem, den Geist der Liebe entgegensetzen.

Die Folgen wenn Christen ihre Freiheit verlassen und aus eigener Kraft kämpfen ist verheerend. Paulus führt nun einen Katalog der Sündhaftigkeit an, der den Menschen zerstören will. Vers 19-21. Das Ergebnis: der Mensch ist von all diesen Dingen versklavt und gefangen. Das beste Beispiel ist die „Befreiung“ des verlorenen Sohnes von seinem Vater, der alles auskosten konnte und doch im Elend gelandet ist. Der Egoismus, der das eigene ICH in den Mittelpunkt stellt, zerstört Gemeinschaft und erzeugt unsagbares Leid in Ehen, Familien, Gemeinden und unserem Lebensalltag. Die Frage ist: „wo werde ich landen wenn ich dem Egoismus und der Triebhaftigkeit in meinem Leben nachgebe. Vielleicht sind uns einige Dinge bewusst, die auch in unserem Leben zerstörerisch wirken, wenn ich ihnen nachgebe.

Paulus stellt den Ernst der Lage noch einmal sehr deutlich heraus und geht so weit zu sagen: „keiner, der so lebt wird Anteil am Erbe und am Reich Gottes haben“.

d. Die Frucht des Geistes.
Wer mit Jesus lebt und in ihm bleibt den beginnt der Hl. Geist nach der Art Jesu zu prägen und zum Ebenbild Gottes umzuformen. Diesen Prozess beschreibt Paulus auch in 2. Kor. 3,18. Jesus nimmt wachstümlich immer mehr Gestalt in mir an und macht mich ihm ähnlich.
Deshalb kann Paulus nun die Art Jesu beschreiben: Liebe, Freude, Frieden…

Deshalb ist der Abschnitt an die Galater eine ernste Mahnung aber zugleich auch eine Mut machende Aussage: wo Christen in der Kraft des Hl. Geistes die egoistischen Begierden durch die Liebe überwinden, können sie in der Kraft des Hl. Geistes auch über die Sünde herrschen.

Vers 26 Die Liebe Gottes hilft uns, die eigene Profilierungssucht zu überwinden. Wer wirklich liebt, denkt nicht an seine eigene Ehre.

3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung kann die Bibelarbeit über Galater 5,1-26 und Galater 5,13-25 von Winrich Scheffbuch hilfreich sein, die sich bei Sermon Online findet www.sermon-online.de.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir sind erlöst allein aus Gnade und zur Freiheit in Jesus Christus berufen.
Die Freiheit in Christus befähigt uns zum Gehorsam durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Wir müssen nicht mehr der Sünde dienen, wir sind ihr gestorben und haben die Voraussetzung durch den Geist Gottes über die Sünde zu herrschen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
1. Freiheit durch Jesus und Gehorsam aus Liebe Verse 13-15
2. Selbstsucht des Menschen und die tödliche Auswirkung Vers 16- 21
3. der neue Mensch und die Früchte des Geistes Vers 22-26

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt
siehe Punkt 2.3 Homiletische Überlegungen
Freiheit funktioniert dort wo ich mich vertrauensvoll binde.

1. Wir werden immer geführt, entweder von unserem Egoismus oder vom Geist Gottes
2. es gibt in uns immer wieder den Kampf um den Führungsanspruch in unserem Leben
3. dieser Kampf muss entschieden werden, Neutralität gibt es an diesem Punkt nicht.

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Wenn ich (was selten vorkommt) durch bestimmte Kaufhäuser schlendere, die eher dem nordischen Raum zugeordnet werden, dann ärgere ich mich immer wieder, dass ich so wenig Möglichkeiten habe meinen eignen Weg zu gehen. Durch den Aufbau der Regale und Möbel wird vorgegeben, welchen Weg ich zu nehmen habe. Nur ungern lassen wir Menschen uns führen.
Ganz anders sieht es aus wenn ich einen Menschen habe, der mir z.B. auf einer schwierigen Gebirgstour vorausgeht und mir den besten Weg vorangeht. Noch besser ist es, wenn ich diesen Menschen kenne und er mein Vertrauen hat, dann werde ich mich ihm gerne anvertrauen in der Gewissheit er wird mich gut führen.

Gal. 2.20 ich lebe mein vergängliches Leben im Vertrauen auf Jesus Christus, den Sohn Gottes, der mich geliebt und sein Leben für mich gegeben hat.

Hans Pfau