Monatsthema: Kraft zur Hoffnung
Predigtthema: Hoffnung für Rechtlose
Bibelstelle: Lukas 18,1-8
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung)
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,1-8) bieten z.B.
* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 374-381)
* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 417-422)
* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 369-372)
* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 79-85)
* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 607-611)
* Charles H. Spurgeon. Wachet und betet: 12 Predigttexte zur Erweckung. CLV (S. 167-184 – Download unter http://www.clv-server.de/pdf/255304.pdf)
Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1461). Anregend ist auch die Predigt von Pfr. Hermann Traub mit dem Titel „Himmlisches Feuer für eine erkaltete Welt“ (Lk 18,1-8 – einsehbar beim ERF unter http://www.erf.de/service/predigten/himmlisches-feuer-fuer-eine-erkaltete-welt/117-2466?range=detailDataset&content_item=2466&record=2466).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 12.11.1989 mit dem Titel „Keiner ist allein“ (Lk 18,1-8). Diese Predigt findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 18] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose – Rechtlose (= Predigtthema) – Ahnungslose – Machtlose – Orientierungslose – Verständnislose – Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,1-8) entfalten wir den beharrlichen, aber nicht erzwingenden Aspekt des Gebets. Bitte achtet darauf, wer der Herr ist, auch beim Bitten. Wir bitten, aber Gott weiß was gut ist, deshalb beten wir entsprechend seinem Willen. Konkret wird dies, wenn wir entsprechend den biblischen Verheißungen leben und bitten. Beachtenswerte Parallelstellen dazu sind z.B. Lk 11,1-13; 21,36; 22,39-46; Joh 14,13f; 15,7.16; Jak 5,17f.
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Ausführliche Anmerkungen zum Predigttext enthält der Predigttipp von Albrecht Wandel vom 11.05.2003 zu Lk 18,1-14 (Erbarmen für Rechtlose) unter www.studienbibel.de.
Alfred Christlieb entdeckt in unserem Predigttext (Lk 18,1-8) folgende Zusammenhänge:
„Jesus will uns zum anhaltenden Gebet ermuntern. Darum zeigt er uns das Bild einer Witwe, die in ihrer Not unablässig einen menschlichen Machthaber angeht, bis sie von ihm Hilfe erfährt. Wir wollen das Bild dieser Frau näher anblicken und ihre Not, ihr einziges Rettungsmittel und ihre Hilfe betrachten:
* Die notvolle Lage: Die Frau ist Witwe. Ihres Beschützers, ihres Mannes, war sie beraubt. Ein schlimmer Mensch verübt nun an dieser armen Frau eine Ungerechtigkeit. Ihre Lage wird entsetzlich schwer und drückend. Der Heiland sieht in der trostlosen Lage der armen Frau ein Bild der Not, in welcher seine Gemeinde am Ende der Tage sich befinden wird. Demnach haben sich die Jünger Jesu in der »letzten Zeit« nicht auf sonnige, liebliche, angenehme Tage gefasst zu machen. Im Gegenteil! Es werden Zeiten der Unterdrückung, der Ungerechtigkeit kommen. Die Gemeinde wird die rohe Selbstsucht des Widersachers zu fühlen bekommen. Zeiten werden hereinbrechen, wo die Welt beweisen wird, dass sie im Grunde die gleiche Art hat wie zur Zeit Jesu, da sie den Herrn an das Kreuz brachte. Was soll die Gemeinde Jesu nun tun? Soll sie sagen: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott? Soll sie zur Selbsthilfe greifen und gegen jenen Widersacher eine rachsüchtige Unternehmung veranstalten? Nein! Die Witwe geht den vorschriftsmäßigen Weg, indem sie sich an die für solche Fälle vorhandene Obrigkeit, an den Richter der Stadt wendet mit der Bitte um Abhilfe ihrer Not. Der Richter an jenem Ort aber war ein ungerechter Mann. Er fürchtete Gott nicht und fragte auch nicht nach den Menschen. Er ließ den Bösewicht ruhig gewähren und kümmerte sich nicht um die der Witwe immer wieder aufs neue widerfahrende Ungerechtigkeit. »Er wollte lange nicht.«
* Anhalten mit Flehen: Was tut die Witwe? Sie geht immer aufs neue zum Richter. Sie hält ihm ihre Not vor. Sie fleht ihn an, seines Amtes zu walten und ihr Recht zu verschaffen. Und das tut sie immer aufs neue. Trotz aller Abweisung lässt sie nicht nach. Immer wieder bittet sie von ihm, zu tun, was seine Pflicht und Schuldigkeit ist. Das sind gewiss saure Gänge. Wie mag der ungerechte Mensch sie angefahren haben! Aber sie lässt sich nicht abschrecken und wird nicht müde. Mit diesem Verhalten der Witwe zeigt Jesus den Gemeinden der Endzeit ihren gottgewiesenen Weg. Wenn es wieder und wieder so aussieht, als ob alles Beten gar nichts nütze, so soll sich die Gemeinde der Auserwählten nicht abschrecken lassen durch solche scheinbaren Misserfolge ihrer Gebete, sondern fortfahren und anhalten mit Flehen zu Gott. Jesus ermuntert zum zähen Aushalten am Gebet. Welch eine freundliche Erlaubnis gibt er uns damit! Menschen könnten es unverschämt finden, wenn man sie nach wiederholter Abweisung wieder bemüht. Man könnte solches Verhalten zudringlich, frech und dreist und unbescheiden nennen. Gott aber lässt uns geradezu auffordern, so zu handeln. Er, der heilige, gerechte Richter, will angelaufen sein. Er hat es direkt angeordnet und bestimmt: Immer wieder zu mir kommen! Nicht müde werden mit Beten und Anrufen! Wohlan, so lasst uns von dieser Erlaubnis Gebrauch machen! Solche Aufforderung stärkt den Mut in schwerer Zeit und gibt Aussicht auf endlichen Erfolg. Nur nicht matt werden! Nur nicht im Gebet nachlassen! Der Sieg muss endlich kommen, so gewiss Gottes Wort Wahrheit ist!
* Die herrliche Hilfe: Die Hilfe brach endlich herein. Zwar war sie lange ausgeblieben. Die Worte »Er wollte lange nicht« deuten auf eine lange Gedulds- und Wartezeit jener armen Frau. Der ungerechte Richter, der weder Gott noch Menschen scheute, wurde durch das anhaltende Bitten der Witwe zuletzt doch bewogen, ihr Hilfe zu schaffen. Jesus fordert die Jünger auf, den Urteilsspruch jenes Richters anzuhören und aus ihm zu lernen: »Höret hier!« Ja, aus den Worten eines gottlosen Menschen sollen sie etwas Gott Wohlgefälliges lernen. »Höret hier!« ruft Jesus auch uns zu. Wenn jener ungerechte Richter durch das anhaltende Bitten gegen seinen Willen zum hilfreichen Eingreifen bewogen wurde, wie viel mehr wird Gott, der nicht ungerecht, sondern gerecht, der nicht lieblos, sondern barmherzig ist, zur rechten Zeit ganz gewiss seine rettende Hand ausstrecken. Hört den Urteilsspruch des Richters! Wie mag der Witwe zumute gewesen sein, als sie endlich sein Machtwort hörte: »Es soll dir geholfen werden!« Wie mag der Widersacher gezittert haben, als nun endlich seine Ungerechtigkeit ans Licht kam und er verurteilt wurde! Gott wird auch seine Auserwählten retten, die am Rufen bleiben. Der Widersacher ist nicht der höchste Gewalthaber. Er hat nicht das letzte Wort zu sprechen. Das tut der, zu dem die Auserwählten bei Tag und Nacht schreien. Wenn Gottes Eingreifen zu seiner Zeit plötzlich erfolgt, wird die Wahrheit der Worte offenbar werden: »Die Leiden dieser Zeit sind nicht wert der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll « (Röm 8,18). Lasst uns nur den Glauben halten, der mit der Witwe immer wieder zur rechten, höchsten Instanz eilt, bis uns Hilfe zuteil wird! Je länger sie ausbleibt, um so herrlicher wird sie werden“ (entnommen aus Alfred Christlieb. Ich suche, Herr, dein Antlitz).
4. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Unter dem Stichwort „Schreien“ veranschaulicht Konrad Eißler unserem Predigttext (Lk 18,1-8) folgendermaßen: „Ein schillernder Typ, dieser Richter, der mit der Akte einer bittenden Witwe kurzen Prozess macht und sie auf die lange Bank schiebt. Eine dubiose Persönlichkeit, dieser Rechtsprecher, der sich um die aufgebrachte Klägerin einen Dreck kümmert. Was die Götter über ihn denken, lässt ihn kalt, und was die Leute von ihm halten, ist ihm schnuppe. »Ich bin mir selbst genug«, steht auf dem Wappenspruch dieses fiesen Kerls. Diesem Rechtsverdreher geht eines Tages dies unablässige Bitten und Betteln jener Antragstellerin über die Hutschnur. »Ich kann diese Nervensäge nicht mehr sehen. Ich muss mir diese Quengeltante vom Halse schaffen. Ich brauch‘ endlich meine Ruhe vor diesem geifernden Weibsstück, das schlussendlich noch handgreiflich wird und mir die Augen auskratzt. «Deshalb greift er nach der Akte, verfügt die Testamentsvollstreckung und erledigt den Fall. Wahrlich keine Idealfigur, dieser Herr Gerichtsvorsitzende, aber eine Kontrastfigur. Wenn schon dieser Rechtsbrecher schließlich Recht schafft, bloß weil er die ständige Belästigung loshaben will, wie viel mehr wird dieser Rechtsbringer, dieser Richtergott schließlich alles recht und richtig machen? Gott hört die Armen. Er sieht die Elenden. Er leiht den Rufenden sein Ohr. Ihm gegenüber berufen wir uns nicht nur auf das, was er tun soll, sondern auf das, was er tun will. Er bekennt sich förmlich als Vater der Waisen und Witwen. Er verbürgt sich ausdrücklich als Heiland der Schutzlosen und Wehrlosen. Er wendet sich uns ganz zu. Warum zweifeln wir an unseren ungeahnten Möglichkeiten bei ihm? Warum glauben wir nicht, dass er wegen uns sein Konzept zerreißt und neu schreibt? Es ist recht, ihn in allen Nöten anzurufen. Wir liegen richtig, wenn wir in allen Schwierigkeiten bei ihm vorstellig werden. Schreien gehört zum guten Ton im Reich Gottes. Kein Schrei ist aussichtslos, denn diese Verheißung steht: »Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze«“ (zitiert nach Konrad Eißler. Kurz gesagt. Wuppertal: R. Brockhaus, 1992. S. 56f).
5. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Nach Gottfried Voigt:
Wir wollen beherzt und ausdauernd beten, denn wir haben einen Gott,
a) der gern erhört,
b) der bald errettet,
c) der besorgt wartet.
oder nach Michael Herbst:
a) Sprich dir das von der Seele, was dir wirklich wichtig ist.
b) Erwarte vor allem eines: Du musst nicht mehr alleine klarkommen!
c) Fang an und bleib dran!
oder nach Alfred Christlieb:
a) Die notvolle Lage
b) Anhalten mit Flehen
c) Die herrliche Hilfe