Predigttext: Markus 6, 1-6
Predigtthema: Jesus, der Herr, und der Unglaube
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)
Und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Wuppertaler Studienbibel
* Edition C
* Evtl. Markus aus der Reihe HTA (theologisch, aber doch auch immer wieder mit verständlichen Infos für Laien – sehr für die Vorbereitung zu empfehlen – evtl. hat es ein Hauptamtlicher und kann die entsprechenden Seiten zur Verfügung stellen)
* Hilfreiche Querverweise in die ganze Bibel bietet die Thompson Studienbibel.
* Hilfreiche Infos zum Text liefert hier die MacArthur Studienbibel (gibt es als pdf zum Downloaden auch auf sermon-online.de.)
Die besondere Herausforderung des Textes ist der Zusammenhang von Glaube und Wundern: Bekommt nur der ein Wunder, der auch genug an Jesus glaubt? Manche Gemeindeströmungen machen aus diesem Abschnitt eine ganze Theologie: Wer krank bleibt glaubt nicht genug/richtig …
Hier gilt es wirklich genau zu schauen und zu arbeiten: Um welchen Glauben geht es eigentlich? Was bedeutet, dass er dort kein Wunder tun „konnte“ (Vers 5)?
Vers 1:
Jesus war nach Kapernaum gezogen (Mt4,13) und kam nun wieder einmal in seine „Vaterstadt“ (Nazareth).
Vers 2:
Lukas 4,16ff berichtet, wie Jesus einmal in Nazareth in die Synagoge kam, um dort zu vorzulesen und zu predigen. Es ist dort direkt nach der Versuchung und anschließend wurde Jesus aus der Stadt gejagt, evtl. war das der Grund für seinen Umzug nach Kapernaum. Es ist wohl eher nicht der Parallelbericht zu Mk 6, 1-6.
Aber auf jeden Fall sieht man dort, was Jesus in der Synagoge machte, bzw. predigte. Es wird deutlich, welchen Selbstanspruch er vertrat.
Und alle geschilderten Reaktionen zielen auch darauf ab, die Frage zu beantworten: Wer ist Jesus wirklich?
– Woher hat er das? / Was oder wer ist seine Quelle?
– Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? siehe Mt 12,42 Jesus ist mehr als Salomo!
– Was ist eigentlich Weisheit und wo hat sie ihren Ursprung?
– Woher kommen seine Wunderwerke? (Evtl. hatte Jesus auch vorher in Nazareth mal schon Wunder getan, aber auf jeden Fall waren seine Wunder in Nazareth bekannt! Damit ist auf jeden Fall auch offensichtlich, dass es nicht darum geht zu glauben, ob Jesus Wunder tun kann oder nicht. Selbstverständlich konnte er Wunder tun, das war offensichtlich. Die (Glaubens)Frage war, warum oder woher er es konnte bzw. WER ER WAR, dass er solche Wunder tun konnte.)
Vers 3:
(Wer ist Jesus?)
„Zimmermann“ (Mt 13,55 „Sohn des Zimmermanns“) – ER ist
a) kein Gelehrter, Schriftgelehrter oder gar Lehrer
b) Sohn von einem „Normalo“, Sohn von Josef …
„Sohn der Maria“ – diese Anrede ohne Vater wählte man auch, wenn der Vater „unbekannt“ war – das Gerücht von Jesu „ungeklärter Herkunft“ machte evtl. die Runde.
einer aus einer Großfamilie ABER eben nicht der Sohn Gottes!
Vers 4:
Jesus erhebt hier den „Minimalanspruch“ „Prophet“ zu sein. Er tut, was ein Prophet tut, er sagt den Willen Gottes. Aber Prophet heißt eigentlich wörtlich „Für-Sprecher“, aber Jesus spricht natürlich nicht „für“ Gott, sondern „als“ Gott. Somit ist er letztlich natürlich mehr als ein Prophet. ABER es wäre schon viel gewonnen, wenn die Leute ihn wirklich als Prophet Gottes anerkennen würden!
Aber die Leute, die den Propheten von klein auf kennen, die tun sich schwer, ihn wirklich anzuerkennen. Man ist halt doch immer der „kleine“ …
Vers 5:
„können“ ist zumindest ein „relativer“ Begriff: Der Aussätzige in Mk 1,40 sagt „wenn du willst, kannst du“ Aber natürlich könnte Jesus auch, wenn er nicht will. Wir kennen das auch unserem Sprachgebrauch auch, dass wir oft sagen: „ich kann nicht“, aber damit nicht meinen, dass uns die Fähigkeit grundsätzlich fehlt, sondern dass alle Gesamtfaktoren uns (innerlich) „binden“, es nicht zu tun. Genau genommen ist es eher ein nicht wollen, weil wir sonst andere nicht genannte Grundsätze brechen müssten, aber wir erleben es als ein nicht können.
Oder wir sagen z. B. „ich kann nicht“, weil wir es nicht „dürfen“.
In Mk 1,45 heißt es dann, dass Jesus nicht mehr in die Stadt gehen „konnte“, auch das bezeichnet ja nicht den Punkt, dass Jesus die Fähigkeit nicht mehr hatte, sondern den Punkt, dass er unter diesen neuen Umständen nicht mehr in die Stadt gehen wollte.
Jesus „kann“ nicht, heißt also nicht, dass ihm die Fähigkeit fehlen würde, sondern dass er es aufgrund aller Faktoren einfach nicht tut, letztlich weil er bzw. sein Vater es nicht will!
„Kranke“ ist hier im griech. ein etwas anderes Wort, als es meistens benutzt wird. Es wird oft dann auch mit „Schwache“ übersetzt, aber trotzdem sind es immer wieder eben Menschen, die dann „geheilt“ werden.
Jesus „konnte“ also definitiv heilen, aber er hat es eben hier nicht mehr in der Breite gemacht!
In dieser Formulierung klingt das, als hätte Jesus dort sehr wenig getan, wir würden uns heute wahrscheinlich freuen, wenn wenigstens „einige wenige“ tatsächlich geheilt werden würden.
Hier ist es wichtig, dass Wesen der „Wunder und Zeichen“ herauszuarbeiten: Die Wunder sind kein Selbstzweck, sie sind auch nicht in erster Linie dazu da, um uns das Leben zu erleichtern, sondern sie sollen in erster Linie zeigen, wer Jesus ist. Wenn sich Menschen trotz vieler „Zeichen“ genau dem verschließen, dann machen die Zeichen in dieser Breite keinen Sinn mehr und Jesus heilt nur noch vereinzelt, um Menschen Erleichterung zu verschaffen!
Evtl. ist genau das eine Erklärung dafür, dass in unserer westlich geprägten Kultur nicht so viele Zeichen passieren, weil sie hier alle „weg-rationalisiert“ werden. In Kulturen dagegen, wo der Glaube an einen Gott/an Götter lebendig ist und sich Jesus wirklich durch Zeichen als der Stärkere beweisen kann, dort geschehen auch diese Wunder!
Vers 6
„er wunderte sich“ – auch das ist eine erstaunliche Aussage, denn „wundern“ tut man sich ja eigentlich, wenn man überrascht wird, bzw. persönliche Erwartungen nicht erfüllt werden. War Jesus überrascht? Trat hier etwas Anderes ein, als Jesus (vorher) gedacht hatte?
Zunächst einmal würden wir erwarten, dass Jesus genau wusste, was passieren würde und sich deshalb eben auch nicht wundert. Aber manchmal ist es dann eben doch so: Wir wissen genau was kommt, wir wissen, dass jemand etwas total „Sonderbares“ tun wird, aber wenn es dann wirklich passiert, „wundern“ wir uns doch und schütteln den Kopf, weil wir nicht verstehen, warum tatsächlich jemand so etwas tut.
Insofern steht das „wundern“ für „Unglaublichkeit“, wieso jemand nicht erkennen kann, wer Jesus ist, weil es einfach so offensichtlich ist!
Es wäre eigentlich das Normalste, dass sie glauben, wer Jesus ist, weil er es durch seine Wunder „bewiesen“ hat (vgl. Lukas 7,22), wer er ist.
Genau hier zeigt es sich, dass Wunder keinen Glauben bewirken! Sie können den Glauben stärken, bei dem, der schon glaubt, aber ein Zweifler wird immer neue Gegenargumente finden …
Wie ist nun der Zusammenhang von Glaube/Unglaube und Wundern?
Unglaube an die Fähigkeiten Jesu verhindert keine Wunder, mindestens mal nicht im Abschnitt vorher bei der Auferweckung von Jairus Tochter.
Unglaube im Blick auf die Frage wer Jesus ist, kann sehr wohl Wunder verhindern, zumindest tut er es hier, aber dennoch hat Jesus viele seiner Wunder in der Öffentlichkeit gemacht, auch vor Menschen, die ihm unterstellten, mit dem Teufel im Bunde zu sein.
Andererseits ist auch feststellbar, dass Wunder oder Zeichen nicht zwingend Glauben bewirken. Wunder/Zeichen sollen zwar zeigen, dass Jesus der Christus ist, aber es „funktioniert“ eben nicht bei jedem!
Festzuhalten ist:
Jesus handelt völlig souverän, er bindet sich grundsätzlich weder an unseren Glauben noch an unseren Unglauben!
Er tut Zeichen, damit an ihn geglaubt wird, und doch bleibt auch der Glaube an sich sein souveränes Handeln und letztlich das größte Wunder.
Krank sein und bleiben heißt nicht automatisch, dass ich falsch glaube, aber es fordert mich heraus, weiter an Jesus, den Sohn Gottes und Christus, zu glauben, ihm alles zuzutrauen, aber auch alles aus seiner Hand zu nehmen: ER kann sich durch Heilung verherrlichen, aber auch dadurch, dass er uns die Kraft zum Krank-Bleiben gibt. (2. Kor 12,9)
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Der Hörer „steckt im Alltag fest“ und besonders wenn irgendwelche unvorhergesehene „Schicksalsschläge“ kommen, dann zweifelt man und fragt sie, wo Gott ist und warum er nicht gehandelt hat – hat er nicht gehandelt?
Hier gilt es mit Einfühlungsvermögen zu zeigen, was Jesus kann, aber dass er nicht immer das tut, was er kann, und dass das aber auch nicht an uns liegen muss!
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Wie so oft bei Markus ist dies auch eine Wundergeschichte bzw. in diesem Fall eher eine „nicht-Wundergeschichte“ und es gilt wirklich genau herauszuarbeiten,
warum Jesus hier (nicht) Wunder tut. Welcher Glaube wäre/ist nötig?
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text dürfte grundsätzlich bekannt sein, ist aber eher ein „schwieriger Text“, weil er Selbstzweifel auslöst. Wenn man es richtig anpackt, dann dürfte der Zuhörer wirklich interessiert sein.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte diese Predigt, damit die Zuhörer den Zusammenhang von Glaube und Wundern richtig einordnen können, in der richtigen Weise selbstkritisch sind, aber nicht in falsche Selbstzweifel kommen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Wenn Jesus nicht hilft …
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Einleitung:
Man kann Situationen schildern, wo Menschen krank waren, krank geblieben sind und evtl. sogar gestorben sind – was haben sie oder andere falsch gemacht?
In Nazareth war es auch mal so, dass Menschen krank waren und Jesus hat nicht geholfen. Und das hat wohl tatsächlich auch was mit den Menschen zu tun.
Schauen wir uns an, was wir davon lernen können …
Textlesung
a) Jesus ist da! (Vers 1-2)
– Seine Weisheit ist offenkundig (Weisheit erklären …)
– Seine Predigt wird gehört (anhand von Lukas 4,14ff veranschaulichen)
– Seine Wunderwerke werden nicht angezweifelt!
Was Jesus kann ist offensichtlich und wird auch nicht in Zweifel gezogen!
b) Aber wer ist Jesus? (Vers 3)
– Sohn von Josef?
– ungebildet?
– Sohn der Maria?
– normaler Bruder?
… und sie ärgerten sich an ihm!
Würden sie erkennen bzw. wissen wer er ist, würden sie sich nicht ärgern! Sie hätten Angst oder sie würden sich freuen, aber ärgern würden sie sich nicht!
– Der Glaube, um den es geht, ist nicht der Glaube, was Jesus kann oder was Jesus will (heilen), sondern es geht um den Glauben „Wer Jesus ist“.
Alle „Wunder“ sind nicht nur „Wunder“, sondern „Zeichen“, sie sollen etwas zeigen! Aber wenn Menschen eben trotz vieler Zeichen, sich nichts zeigen lassen, dann machen weitere Zeichen keinen Sinn.
– Es gilt hier das Wesen von Wunder und Zeichen zu erklären.
c) Jesus ist (mehr als) ein Prophet! (Vers 4)
Hier gilt es, dem Missverständnis vorzubeugen, dass Jesus „nur“ ein Prophet ist. Er ist natürlich mehr als das, weil er selber Gott und Gottes Wort ist!
d) Jesus sucht den richtigen Glauben! (Vers 5-6)
Was bedeutet „er konnte nicht“?
Jesus hatte so viele messianische Zeichen getan und doch war dort „Unglaube“
Es gibt Leute, die einem vorwerfen, dass man zu wenig glaubt, wenn man krank bleibt, und sie berufen sich dabei auch auf diese Stelle: Jesus „kann“ nicht heilen, wenn du nicht richtig glaubst …
ABER: Es geht hier gar nicht um den Glauben, dass Jesus „jeden Kranken gesundmachen will oder kann“, sondern es geht darum, dass Jesus als Messias und Sohn Gottes erkannt werden will! Es geht also nicht um das, was Jesus zugetraut wird, sondern Wer Jesus ist!
Und genau das sollen die Zeichen untermauern und genau diesen Glauben sucht Jesus!
Dass er heilen kann ist für die Leute nicht das Thema, weil es offensichtlich ist und in Mk 5,35ff weckt Jesus eine Tote auf, obwohl dafür auch kein Glaube da ist!
Wer also trotz Gebet krank bleibt, der bleibt nicht krank, weil er es Jesus nicht zutraut, sondern zunächst einmal einfach, weil Jesus das so in dem Moment (nicht) will.
Aber grundsätzlich kann schon richtig sein, dass in Regionen, die besonders „atheistisch“ geprägt sind, Jesus weniger Zeichen tut, weil die Zeichen ihren tiefsten Sinn nicht erfüllen können, während wir sehen, dass in Ländern, die für „göttliches Handeln“ grundsätzlich offen sind, mehr Wunder und Zeichen passieren.
– Wichtig ist der Glaube an den Sohn Gottes und Messias und weniger an das, was Jesus in speziellen Situationen kann und will!
Natürlich ist die Frage immer gut, wer denn Jesus wirklich in meinem Leben ist, aber Jesus hilft dem, der sagt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
Dass Jesus nicht heilt, ist keine Konsequenz für das, was ich ihm (nicht) zutraue, sondern eher die Konsequenz für ein „Klima, dass seine Göttlichkeit und Messianität grundsätzlich in Frage stellt“.
Aber ich darf erkennen, dass Jesus der Christus und der Sohn Gottes ist und mich dann diesem Herrn anvertrauen!
Er wird seinen Vater verherrlichen, indem er mich heilt oder indem er mich in meiner Schwachheit mit seiner Stärke gebraucht!
(Mirko Lau – bei weiteren Fragen zu Text und Predigt stehe ich gerne zur Verfügung: )