Jahresthema: Leben im Horizont der Ewigkeit
Predigtthema: Glaube, der es trotz Mauern wagt
Predigttext: Hebräer 11,30-40
Verfasser: Thomas Richter
Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext von euch persönlich gehörten Botschaft Gottes: „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). Deshalb suchen wir in der Vorbereitung der Predigt nach dem, was der Herr durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht dabei um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Dabei hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Hebr 11,30-40) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Hebr 11,30-40) bieten z.B.
* Arnold G. Fruchtenbaum. Der Hebräerbrief: Eine Auslegung aus messianisch-jüdischer Perspektive. Christlicher Mediendienst (S. 220-225).
* Fritz Laubach. Der Brief an die Hebräer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 242-253).
* Sören Ruager. Hebräerbrief. NT Edition C-Bibelkommentar 22. Hänssler (S. 237-246).
* Jim M. Flanigan. Hebräerbrief. Was die Bibel lehrt 13. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 349-359).
* Eduard Riggenbach. Der Brief an die Hebräer. Kommentar zum NT Bd. 14. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_14_Buecher_58_1913.pdf; S. 374-383).
* Ernst Modersohn. Durch den Glauben: Gedanken zu Hebräer 11. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 104-185).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 14.05.2000 mit dem Titel „Die extreme Kraft des Glaubens“ (Hebr 11,31) und vom 21.05.2000 mit dem Titel „Erprobt und bewährt“ (Hebr 11,32-40). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [Hebräer 11] und „Autor“ [Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Beachtenswerte Anmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet auch die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/58-Der_Brief_An_Die_Hebraeer.pdf; S. 1840f).
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Zum Abschluss (Predigttext: Hebr 11,30-40) unserer kleinen Monatsreihe über den „Glauben“ wollen wir noch einmal in besonderer Weise unser Jahresthema betonen: „Leben im Horizont der Ewigkeit“ (vgl. Hebr 11,39f). In unserem Predigttext treten nun neben die „bekannten“ Glaubensgestalten (Abel / Henoch / Noah / Abraham / Isaak / Jakob / Josef / Mose / Rahab / Gideon / Barak / Simson / Jeftah / David / Samuel und die Propheten – Hebr 11,4-32) die „unbekannten“ Glaubenshelden (Hebr 11,35b-38). Während bei den „bekannten“ Glaubensgestalten viel „Erstaunliches“ und „Beeindruckendes“ berichtet werden kann, so stehen die „unbekannten“ Glaubensgestalten für eine andere irdische Erfahrung: scheinbar nichts „Beeindruckendes“ (beachtet V. 35b: „Andere aber“ bzw. V. 36: „Andere“). Eine Glaubensgeschichte kennt nicht nur den irdischen „Sieg“, sondern auch die scheinbare „Niederlage“ und gerade hier zeigt sich dann Glaube als ein „Leben im Horizont der Ewigkeit“: „Ihnen allen stellte Gott aufgrund ihres Glaubens ein gutes Zeugnis aus, und doch haben sie die endgültige Erfüllung dessen, was er ihnen zugesagt hatte, nicht erlebt. Gott hat für unsere Zeit etwas vorgesehen, was besser ist ´als alles Frühere`, und deshalb können sie erst zusammen mit uns die Vollkommenheit erreichen“ (Hebr 11,39f – NGÜ). Damit schließt sich wieder der Kreis zum Anfang, zu Hebr 11,1-3!
Ein Glaube, der mit dem Herzen denkt (und nicht nur mit dem Kopf – Hebr 11,1-7), geht in die Füße (Hebr 11,8-22) wenn er seine Berufung annimmt (Hebr 11,23-29) und es trotz „Mauern“ wagt (Hebr 11,30-40). Im Rahmen unserer Verkündigung beachten wir die zusammenfassende Funktion von Hebr 11,30-40 und betonen das „dennoch“ bzw. „gerade deshalb“ des Glaubens im Kontext von Hebr 11,1-40. Glaube erschöpft sich nicht im Irdischen, sondern lebt von seinen himmlischen Verheißungen und so gilt für uns: „Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“ (2Kor 5,7).
Zum Nachdenken:
„Der Unglaube glaubt, was er sieht; der Glaube sieht, was er glaubt“. (Saturnin Wasserzug)
„Nur Menschen vom Heiligen Geist gesandt können mit Erfolg die schärfsten Wahrheiten sagen“. (Saturnin Wasserzug)
„Wir sind nicht bekehrt worden, um unser altes Leben weiterzuleben“. (Saturnin Wasserzug)
„Wer nicht die Heilige Schrift hat, muss seine eigenen Gedanken hegen. Und wer nicht Zement hat, muss mit Dreck mauern“. (Martin Luther
Anmerkungen zu Hebr 11,31 unter dem Titel „Rahab bietet Charles H. Spurgeon. Der gute Kampf des Glaubens: Alttestamentliche Predigten. 5. Aufl. Bielefeld: CLV, 2012. S. 32-54 (unter http://clv-server.de/pdf/255302.pdf).
Abschließend zu Hebr 11 merkt Alfred Christlieb auf der Grundlage von Hebr 11,35 treffend an: Das elfte Kapitel des Hebräerbriefes schildert uns zwei Arten von Glaubensmenschen. Die einen tun im Glauben allerlei Taten. Sie machen herrliche Erfahrungen von Gottes helfender, rettender und bewahrender Macht (V. 34.35 a). Ihr Anblick ist erquickend und glaubensstärkend. V. 35b-38 schildern eine zweite Art von Vorbildern des Glaubens. Ihr Anblick ist äußerlich nicht so anziehend. Sie erfahren keine wunderbaren Errettungen und Bewahrungen wie jene ersten. Sie gehen den stillen Leidensweg. Es sieht aus, als ob Gott sich gar nicht um sie kümmere. Die Feinde können mit ihnen machen, was sie wollen. Sie verspotten, schlagen und geißeln sie. Diese treuen Zeugen liegen in Ketten und Gefängnissen. Wüsten, Klüfte und Löcher der Erde sind ihre Behausung. Kein Engel kommt wie bei Petrus, sie aus dem Gefängnis zu holen. Kein Erdbeben öffnet ihre Kerkermauern wie bei Paulus. Sie scheinen vergessen und verlassen. Beim Anblick dieser zweiten Art von Glaubensmenschen können leicht falsche Gedanken entstehen. Sieht es nicht aus, als ob Gott ungerecht handele? Scheinen nicht die duldenden, leidenden Christen Gottes Stiefkinder und die, welche wunderbar errettet werden, Gottes Lieblinge zu sein? In der Tat sind solche Gedanken immer wieder aufgestiegen. Man bewunderte oft einen solchen, der durch den Glauben aus allerlei Nöten herauskam, und sah mitleidig bedauernd auf den andern, der im Elend ausharren musste. Ja, man ging noch weiter und ließ nur die als echte Glaubensmenschen gelten, welche durch den Glauben aus der Not herauskamen. Wenn man den andern, die im Leiden blieben und untergingen, auch nicht allen Glauben abzusprechen wagte, so sah man sie doch als Gläubige zweiten Grades an, die weit hinter den andern zurückstanden. Ist solche Anschauung nach der Heiligen Schrift haltbar? Darf man nur die als echte Gläubige ansehen, die mit Gebet und Glauben aus Krankheit, Not und Drangsal heraus dringen, und darf man den Glauben der andern, die Gott bestimmt hat, dass sie in Leid und Schwachheit ihn verherrlichen, in Zweifel ziehen? Unsere Stelle belehrt uns anders. Hier stellt der Verfasser beide Arten von Glaubensvorbildern nebeneinander, als wollte er sagen: »Schaut die einen und die andern an, wie sie einen siegreichen Glauben bewiesen haben, und tretet in ihre Fußstapfen ein!« Man kann im Text nicht die leiseste Andeutung entdecken, dass die leidenden Glaubensmenschen hinter die andern in der Beurteilung zurückgestellt werden. Sie werden klar und deutlich mit den andern gleichgestellt. So wollen wir uns niemals hinreißen lassen, diejenigen geringer zu schätzen, die Gottes Wort hoch schätzt“ (entnommen aus Alfred Christlieb. Licht von oben. Bd. 3: Allerlei Reichtum aus dem Alten und Neuen Testament).
3. PREDIGTGLIEDERUNG
Glaube, der es trotz Mauern wagt erlebt
a) viel Freude (V. 30-35a)
b) oft Leid (V. 35b-38)
c) die Vollendung (V. 39f)
oder nach Wilhelm Wagner:
a) Glauben – denn unser Gott lebt
b) Glauben – denn unser Gott handelt
c) Glauben – denn unser Gott rettet