Jahresthema: Leben im Horizont der Ewigkeit
Predigtthema: Glaube, der eine Berufung annimmt
Predigttext: Hebräer 11,23-29
Verfasser: Thomas Richter
Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext von euch persönlich gehörten Botschaft Gottes: „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). Deshalb suchen wir in der Vorbereitung der Predigt nach dem, was der Herr durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht dabei um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Dabei hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Hebr 11,23-29) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Hebr 11,23-29) bieten z.B.
* Arnold G. Fruchtenbaum. Der Hebräerbrief: Eine Auslegung aus messianisch-jüdischer Perspektive. Christlicher Mediendienst (S. 216-220).
* Fritz Laubach. Der Brief an die Hebräer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 239-242).
* Sören Ruager. Hebräerbrief. NT Edition C-Bibelkommentar 22. Hänssler (S. 231-237).
* Jim M. Flanigan. Hebräerbrief. Was die Bibel lehrt 13. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 342-349).
* Eduard Riggenbach. Der Brief an die Hebräer. Kommentar zum NT Bd. 14. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_14_Buecher_58_1913.pdf; S. 367-374).
* Ernst Modersohn. Durch den Glauben: Gedanken zu Hebräer 11. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 83-103).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 07.05.20004 mit dem Titel „Mehr als alle Schätze“ (Hebr 11,23-29). Diese Predigt findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [Hebräer 11] und „Autor“ [Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Beachtenswerte Anmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet auch die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/58-Der_Brief_An_Die_Hebraeer.pdf; S. 1840).
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Im Februar betonen wir, was es bedeutet wenn Gott seine Kinder „durch den Glauben“ führt bzw. seine Kinder „durch den Glauben“ leben. Nachdem wir die Lebensgeschichten (= Glaubensgeschichte) der „Urväter“ (Abel / Henoch / Noah) und der Glaubensväter (Abraham / Isaak / Jakob / Josef) studiert haben, kommen wir nun zu Mose. Die alttestamentlichen Biographien sind immer auch praktische Veranschaulichungen für unseren Glaubensweg (vgl. z.B. Röm 15,4; 1Kor 10,1-13; 2Tim 3,16f). Das Leben von Mose veranschaulicht z.B. in besonderer Weise biblische Wahrheiten wie Mt 10,38f; 16,24-26. Wir entdecken: Dem Herrn entgleitet unser Leben nicht und weil er das Ziel kennt, sind seine Wege zielführend. „Durch den Glauben“ nehmen wir diese Wahrheit auf und an und deshalb nehmen auch wir unsere Berufung an (= Predigtthema). Das Leben von Mose veranschaulicht, was auch ein altes Kirchenlied treffend ausdrückt (in Auszügen): „Ich bin entschieden zu folgen Jesus. Niemals zurück, niemals zurück. / Die Welt liegt hinter mir, das Kreuz steht vor mir. Niemals zurück, niemals zurück. / Wenn niemand mit mir geht, will ich doch folgen. Niemals zurück, niemals zurück“.
Zum Nachdenken (Otto Michel zu Hebr 11,24-26 – aus „Aufsehen zu Jesus“):
„Gelassenheit durch Geborgenheit. Es gibt einen Weg zwischen Gleichgültigkeit und Aufgeregtheit“
„Die Burg und das Sich-Bergen sind in der sprachlichen Bedeutung vergleichsweise miteinander verwandt wie die Gelassenheit des Glaubens und etwas lassen können. Wer gelassen ist, muss etwas lassen können. Wenn man etwas lassen kann, ist man aber nicht gleichgültig, denn in der Gleichgültigkeit geht man gerade nicht durch die Situation hindurch, in der man lernt, etwas lassen zu können. Gelassenheit bedeutet: Ich will nicht krampfhaft etwas festhalten, wenn es mir auch für mein Leben als unbedingt wichtig erscheint. So lange ich noch krampfhaft an etwas festhalte, bin ich nicht geborgen in Gott. Dann suche ich den Maßstab in mir selbst und komme mit dem Leben nicht zurecht. Gelassenheit des Glaubens bedeutet zunächst Geborgensein in Gott. Es ist also nicht ein Gleichgültigsein, aber auch nicht ein Aufgeregtwerden, sondern in der Gelassenheit denke ich in jeder Situation daran, dass ich in Gott geborgen bin, so wie Jesus Christus als der Sohn in Gott geborgen war“.
„Handle nicht so, wie dein Herz es will, sondern handle danach, wie das biblische Wort durch dein fühlendes Herz und deinen denkenden Kopf hindurchgeht“.
„Gelassen werde ich, wenn ich mir klar mache, dass der Mensch sieht und denkt, was vor Augen ist, dass Gott aber sieht und denkt, was er will. Und das entscheidet, denn die Menschen sind dümmer als Gott. Das vergisst man heute manchmal. Die Menschen meinen vielfach, sie seien klüger als Gott. In der ganzen Menschheitsgeschichte waren sie aber noch nie wirklich klüger als Gott. Dazu wird es auch nie kommen. Also muss man sich auf den klügeren Gott einstellen und darüber nachdenken, wie man die Klugheit Gottes im Verkehr unter uns Menschen wirklich zum Tragen bringt“.
Hilfreiche Anmerkungen zu Hebr 11,28 unter dem Titel „Das Passah-Lamm“ bietet Wilhelm Busch. Spuren zum Kreuz: Christus im Alten Testament. Die Wilhelm-Busch-Bibliothek Bd. 9. Neukirchen-Vluyn: Aussaat, 2006. S. 249-255 (unter http://clv-server.de/pdf/255681-09.pdf) und zu Hebr 11,24-26 unter dem Titel „Moses Entscheidung“ Charles H. Spurgeon. Der gute Kampf des Glaubens: Alttestamentliche Predigten. 5. Aufl. Bielefeld: CLV, 2012. S. 55-76 (unter http://clv-server.de/pdf/255302.pdf).
Zu Hebr 11,24-26 merkt Alfred Christlieb an: „Dieser Text erzählt von einer Entscheidung. Aber nicht etwa, wie oft irrtümlich angenommen wird, von einer Entscheidung zwischen Glauben und Unglauben. Als Mose die hier berichtete Entscheidung traf, hatte er Glauben. Durch den Glauben entschied er sich. Wir wollen das beachten, damit wir recht milde gegen solche sind, die noch nicht die Kraft haben, sich recht zu entscheiden, weil sie noch nicht in dem Glauben stehen, aus dem heraus Mose seine Entscheidungen traf. Wir wollen die Glaubenstat des Mose anschauen, indem wir drei Worte unterstreichen.
* ‚Nicht mehr‘ (V. 24): Lange hieß Mose: ‚Sohn der Tochter Pharaos‘. Dieser Name brachte ihm viel Ehre und Gewinn, aber bestimmt auch innere Unruhe. Er fühlte, dass dieser Titel nicht der Wahrheit entsprach. Er hatte kein Heimatgefühl am Hof Pharaos, es zog ihn zu seinem verachteten Volk Israel. Nun gab ihm der Glaube die Kraft, dass er sagen konnte: ‚Nicht mehr‘! Der Glaube gibt Kraft, sich von alten Vergangenheiten zu trennen. Hiskias Untertanen hatten ein gesegnetes Passahfest gefeiert. Nun zogen sie aus, überall den alten Götzendienst auszurotten (2Chr 31,1). Manasse hatte nach den Jahren seines schändlichen Götzendienstes im Gefängnis den Herrn, seinen Gott, anrufen gelernt und sich vor ihm gedemütigt. Er gewann das Königreich zurück. Nun ging er daran, die Götzenbilder zu stürzen und die falschen Altäre aus dem Tempel und der Stadt hinauszuwerfen (2Chr 33,15). Aus dem Glauben kam das Nein zu der sündigen und götzendienerischen Vergangenheit. Solche Glaubenskraft ließ den Mose seinen Fürstentitel aufgeben. Solche Glaubenskraft brauchen wir alle.
* ‚Viel lieber‘ (V. 25): Wir müssen uns die Entscheidung des Mose nicht unbiblisch so vorstellen, als ob ihm die Wahl zwischen zeitlicher Sündenergötzung und dem Ungemach mit Gottes Volk ungeheuer schwer gefallen wäre. Etwa so, wie es einem Geizhalse schwer wird, eine Summe Geldes für den kranken Nachbarn zu geben. Nein, der Glaube bewirkte, dass die Wahl überschwenglich einfach wurde: ‚Er erwählte viel lieber‘. Es handelte sich nicht um oberflächliche Begeisterung. Mose war groß, klug und gelehrt. Er hatte klar und richtig geprüft, und das Ergebnis war eindeutig: viel lieber Ungemach mit dem Volk Gottes! Ja, solche klaren Wähler macht der Glaube. Der Verstand hätte dem Mose anders geraten: ‚Sei kein Narr! Du hast auf der Seite Israels nichts Gutes, keine Ehre zu erwarten. Bleib bei Pharao, und es wird dir nichts fehlen‘. – Aber Mose wählte viel lieber die Drangabe der zeitlichen Ergötzung. Der Kaufmann im Gleichnis gab hin, was er hatte, und wählte viel lieber die eine köstliche Perle (Mt 13,46). Daniel hatte zu wählen, ob er sein Leben in Gefahr bringen oder das Beten aufgeben sollte. Er blieb viel lieber bei dem köstlichen Geschäft, mit seinem Gott zu sprechen (Dan 6,11), und scheute die Löwengrube nicht. So fest und klar war es auch für Mose: ‚Weg mit dem kümmerlichen Weltkram! Ich halte mich zu dem verachteten Volk Gottes und trage sein Ungemach‘. 0 lasst uns auch diese Gnade suchen, diese Glaubenskraft erflehen, durch die wir mit überschwenglicher Klarheit des Herrn Weg erwählen!
* ‚Größerer Reichtum‘ (V. 26): Bei einem solchen Ausdruck werden manche schläfrigen Leute lebendig! Das ist ein Thema, das sie interessiert. Zwei merkwürdige Besitztümer werden hier verglichen: die Schmach Christi und die Schätze Ägyptens. Der Unglaube hätte seine Wahl schnell getroffen. Die Schmach Christi hätte ihn nicht locken können, er hätte sich für die Schätze Ägyptens entschieden. Aber auch Mose musste nicht lange wählen: Für ihn kam nur die Schmach Christi in Frage. Ein Weltmensch hätte bei solcher Wahl ausgerufen: ‚An diesem Mose kann man sehen, wie der Glaube die Leute verrückt macht. Dieser Narr lässt seine großartige Stellung bei der Tochter Pharaos fahren, um es mit den frommen Leuten zu halten, unter denen es doch allezeit so viele Heuchler gibt‘. Der Glaube aber sagt: ‚Die Schmach der Frommen ist mir ein größerer Reichtum als alle Ägypterschätze‘. Mose muss also das Bewusstsein gehabt haben, dass die mit seiner Entscheidung verbundene Schmach ihm einen wirklichen Besitz einbrachte. Und er hatte recht. Durch alles Vordergründige, das er verlor, sah er das Wesenhafte, das er bleibend gewann: die Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn in Zeit und Ewigkeit, auf dieser Erde und in der kommenden Welt. So erfuhr es auch schon Abraham, der von dem König von Sodom keinen Faden noch Schuhriemen annehmen wollte, (1Mose 14,22f) dem aber Gott verhieß: ,Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn‘ (1Mose 15,1). Ist es denn schwer zu erkennen, wo der größere Reichtum liegt? In Sodoms Gütern oder im Herrn selber? Ach, die hellen Glaubensaugen sind so selten, die Mose hatte. Der Glaube ist die beste Staroperation, die es gibt. Da sieht man die Dinge, wie sie wirklich sind: in ihrer Kleinheit und Größe, in ihrem Wert und Unwert, in ihrer Vergänglichkeit und in ihrem Bestand. Unsere Bitte soll sein: ‚Herr, lass mich Mose nicht äußerlich nachmachen, gib mir seine Kraftquelle, aus der heraus er sich richtig entschied: einen festen, klaren Glauben‘!“ (entnommen aus Alfred Christlieb. Licht von oben. Bd. 3: Allerlei Reichtum aus dem Alten und Neuen Testament).
3. PREDIGTGLIEDERUNG
Glaube, der eine Berufung annimmt:
(Gliederung nach Wilhelm Wagner vom 28.09.1997)
a) Wir bekennen uns zum Volk Gottes (V. 23-26)
* da sind Schritte zu wagen (V. 23-25)
* da sind Lasten zu tragen (V. 25)
* da sind Gewissheiten, die durchtragen (V. 26)
b) Wir rechnen mit der Gegenwart Gottes (V. 27 – vgl. 2Mose 13,20-22)
* unsichtbar – aber dennoch anwesend
* verborgen – aber dennoch wegweisend
* nicht fassbar – aber dennoch erfahrbar
c) Wir erfahren das Eingreifen Gottes (V. 28f – vgl. 2Mose 14)
* in der rettenden Aktion
* in der ungewöhnlichen Aktion (2Mose 14,21)
* in der erstaunlichen Reaktion (2Mose 14,25)
oder nach Martin Plieninger
Wenn unser Leben spannend wird
a) durch fällige Entscheidungen – rechnen mit echten Werten (V. 23-26)
b) durch Widerstand – rechnen mit dem Unsichtbaren (V. 27)
c) durch Strafandrohung – rechnen mit Vergebung (V. 28)
d) durch Unmöglichkeiten (Ausweglosigkeiten) – rechnen mit Gottes Eingreifen (V. 29)
oder nach Friedhelm Marx
Vier Grundfragen des Lebens:
a) Identität – wer bin ich? (V. 23f)
b) Verantwortung – wem gehöre ich? (V. 25)
c) Prioritäten – was ist mir wichtig? (V. 26)
d) Position – woran halte ich fest? (V. 27-29)