Jesaja

Predigthilfe vom 24. Dezember 2016 – Jesaja 1, 2+3

Predigtthema: Mach’s wie Ochs und Esel, komm zur Krippe!

Predigttext: Jesaja 1, 2+3 (Lesung von Lukas 2, 1-14 an Heiligabend ist obligatorisch)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a).

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000/ Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

  • Zusammenhang

Der Verfasser Jesaja steht in einer Reihe von Propheten, die Israel zur Umkehr aufgerufen haben. Der Predigttext ist kein erbaulicher Text, sondern Gerichtswort an Israel. Das Wehe in Vers 4 ist ein Wort, das aus der Totenklage kommt, es zeigt den Zustand Israels: Die Diagnose, die Jesaja durch Gottes Offenbarung dem Volk Israel stellt, ist verheerend (4- 15). Rein äußerlich hält Israel seinen Gottesdienst zwar aufrecht, aber es lebt schon lange nicht mehr nach Gottes Willen. Israel ist einem totkranken Patienten gleich, an dessen Händen Blut klebt.

Und doch leuchtet inmitten dieser Gerichtsworte Gottes Gnade auf (Vers 18), wie überhaupt das Buch Jesaja zugleich Gericht und Gnade predigt. Israel (und mit Israel alle Menschen) ist hoffnungslos in seine Sünde verstrickt und verloren, aber durch Gottes Liebe gibt es Rettung für diejenigen, die zur Umkehr bereit sind (Vers 16- 20).

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Dieter Schneider, Der Prophet Jesaja

V 2 Höre, du Himmel, und horch auf, du Erde! Denn der HERR hat geredet: Ich habe Kinder großgezogen und auferzogen, sie aber haben mit mir gebrochen.

V 3 Ein Rind kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn. Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.

Vers 2: „Höre, du Himmel, und horch auf, du Erde“: Diese einleitenden Worte Gottes erinnern sehr stark an die einleitenden Worte aus 5. Mose 32. Und hier wie dort geht es um das gleiche Thema. Für das Verständnis des Textes sollte unbedingt das Kapitel 32 des 5. Buches Mose gelesen werden. Denn es ist davon auszugehen, dass Israel diese Worte kannte und dass Gott sie daran erinnerte. Schon dort beklagte sich Gott über sein Volk, das so undankbar ist. Hier wie dort geht es um die unfassbare Tatsache, dass sich Israel von demjenigen, dem es seine Existenz überhaupt verdankt, abwendet und ihn vergisst. Statt seinem Gott die Ehre zu geben (5. Mose 32, 3), versündigen sie sich an ihm, obwohl er doch ihr Vater ist (5. Mose 32, 6).

Israels wachsen und werden wird mit dem Wachstum eines Kindes verglichen, um das sich Gott wie ein Vater gekümmert hat. Z. B. 5. Mose 1, 30: Der HERR, euer Gott, der vor euch herzieht, wird für euch streiten, ganz so, wie er’s an eurer Seite getan hat in Ägypten vor euren Augen und in der Wüste. Da hast du gesehen, wie dich der HERR, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid, bis ihr an diesen Ort kamt.

Vers 3: Wie dumm Israel handelt, wird nun mit einem Beispiel aus der alltäglichen Lebenswelt der Israeliten gezeigt. Rind und Esel- obwohl als Nutztiere gehalten, kehren doch immer wieder zu ihrem Besitzer und in ihren Stall zurück. Das ist ihr natürlicher Instinkt. In der Regel verbringen Haustiere ihr Leben bei ihrem Besitzer, dort, wo sie auch geboren wurden. Sie lernen ihren Besitzer schon als Kalb bzw. als Fohlen kennen und es entsteht eine Beziehung zwischen Tier und Mensch, die sehr vertraut sein kann. Rind und Esel erkennen ihren Besitzer sofort an seiner Stimme (vgl. dazu die Aussage von Jesus in Johannes 10, 27: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir…) und wissen, dass sie an ihrer Krippe versorgt werden. Entgegen der Volksmeinung sind Esel keineswegs dumme Tiere. Sie haben ein ausgezeichnetes Gehör und ein Gespür, das sie sehr vorsichtig macht. So verhalten sie sich manchmal stur, weil sie eine Gefahr wahrnehmen, die der Mensch noch gar nicht erkannt hat (vgl. dazu auch die Geschichte mit Bileams Eselin in 4. Mose 22, 21 ff. Die Eselin erkannte den Engel des HERRN, Bileam war blind für ihn).

Israel steht nun im Gegensatz zu den treuen Haustieren. Obwohl es ebenfalls von klein auf an Gottes Versorgung und seine Stimme gewöhnt war, kehrt es sich von seinem Gott und Vater ab. Israel hat keine Gotteserkenntnis. Erkenntnis nicht im Sinne von Wissen: Wissen über Gott gab es in Israel. Erkenntnis ist aber mehr als Wissen: Gottes- Erkenntnis ist lebendige Beziehung zu Gott. Ebenso meint Einsicht nicht einfach nur Klugheit, sondern Umkehr zu Gott. Genau darin liegt der Widerspruch im Verhalten Israels: obwohl es von Gott weiß, wendet es sich bewusst von ihm ab und tut nicht, was es eigentlich weiß. Obwohl Israel weiß, dass Gott ein gerechter, lebendiger und liebender Gott ist, hält es einen toten Gottesdienst aufrecht (Jes 1, 13-16) und duldet im totalen Gegensatz zu Gottes Gerechtigkeit die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

In den Versen klingt eine Wehmütige Klage des Vaters mit, der um seine Söhne trauert, weil sie sich so ganz widernatürlich verhalten.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Der Heiligabendgottesdienst ist sicher der Gottesdienst, an den die größten Erwartungen geknüpft werden. An diesem Gottesdienst haben wir teils Hörer, die sonst das ganze Jahr über nicht in den Gottesdienst kommen. Von daher versteht es sich von selbst, dass die Predigt evangelistisch und einladend sein sollte. Das ist sicher eine große Herausforderung. Die 2 Verse können nicht für sich stehen, sondern müssen in den Zusammenhang der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 mit hineingenommen werden.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Exkurs: Wie kommen Ochs und Esel in die Krippe?

Im Neuen Testament werden Ochs und Esel in der Weihnachtsgeschichte nicht erwähnt. Die Rede ist lediglich von einer Krippe. Von der Krippe kann man aber auf einen Stall schließen. Dass zur Zeit der Geburt Jesu tatsächlich Tiere im Stall waren, ist aber sehr unwahrscheinlich. Wir können davon ausgehen, dass die Tiere auf den Feldern waren, denn die Hirten waren nachts bei ihren Herden auf den Feldern (Lukas 2, 8).

Ochs und Esel kamen erst später zur Weihnachtsgeschichte hinzu. Zum ersten Mal werden sie in den Auslegungen von Origenes von Alexandrien zu Lukas 2, 13- 16 erwähnt:

„…fanden sie also Joseph … und Maria, die Jesus auf die Welt gebracht hatte, und den Heiland selber „in der Krippe liegend“ (Lk 2,16). Es war jene Krippe, von der der Prophet vorausgesagt hatte: „Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn“. Das Volk Israel kennt nicht die Krippe seines Herrn, wohl aber das unreine Tier aus den Heidenvölkern. „Israel aber“, heißt es, „hat mich nicht erkannt, und mein Volk mich nicht verstanden (Jes 1,3).

Zitiert aus: Chrisoph Sensche, „Ochs und Esel?“ Theologische Beiträge 15-6.

Christoph Sensche schreibt weiter: „von diesen Erwähnungen an treten Ochs und Esel ihren Siegeszug durch Literatur, Kunst und Liedgut an.“ Weiter weist er darauf hin, dass die früheren Verfasser in der Erwähnung der Krippe auf die Haltung von Ochs und Esel schlossen und darin Erfüllung biblischer Prophetie sahen. Ob dem wirklich so ist, sei einmal dahingestellt. Interessant ist aber sicher, dass der zweite Teil des Jesajawortes: „Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht“ ebenso auf die Weihnachtsgeschichte passt: „Während die Weisen aus dem Zweistromland dem neugeborenen König der Juden, dem Christus Gottes, nach den Strapazen einer langen Reise huldigten (Mt 2,1- 11), bleiben die Bevölkerung Jerusalems, die Hohenpriester und Schriftgelehrten merkwürdig passiv. Es bleiben Einzelne, wie die Hirten, Simeon und Hanna, die erkennen, was wirklich geschehen ist. Auch am Anfang des Johannesevangeliums wird die Ablehnung Jesu durch sein Volk thematisiert: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (1,10f). Später in den Evangelien und in der Apostelgeschichte wird die Ablehnung des Evangeliums durch einen Teil Israels und der Weg des Evangeliums zu den Heiden beschrieben (vgl. z. B. Apg 13, 46-48).“

2000 Jahren Kirchengeschichte haben gezeigt, dass die Kritik, die zunächst einmal Israel galt, durchaus auch dem Christentum gilt. Zeiten großer Erweckung folgten immer wieder Zeiten geistlichen Niedergangs. Undankbarkeit für erlebten geistlichen und auch oft materiellen Segen gibt es hier wie dort. Insofern gilt die Kritik Jesajas auch uns heute. Wir Menschen heute sind genauso vergesslich wie Israel damals. Und dieses Verhalten ist genauso unentschuldbar angesichts unserer Geschichte wie die Untreue Israels.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Die Weihnachtsgeschichte ist sehr bekannt. Der Text aus Jesaja 1 bietet die Möglichkeit, die Weihnachtsgeschichte unter einem anderen Aspekt zu betrachten. Dem Aspekt, dass uns Menschen manchmal das Verständnis für die wahre Bedeutung mancher Dinge fehlt. So auch besonders dessen, was an Weihnachten geschehen ist.

Als Einstieg kann untenstehende Geschichte dienen (nur ein blöder Kasten).

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Wir weisen darauf hin, dass uns das Entscheidende an Weihnachten fehlt, wenn es uns nicht um Jesus geht. Dann ist unser ganzes Feiern wert- und inhaltslos (vgl. Zusammenhang in Jes 1). Dann sind wir wie Israel- dümmer als Ochs und Esel, die wenigstens ihren Besitzer kennen.

Gott aber lädt uns ein, zurück zu kommen! Wie Ochs und Esel. An die Krippe. Und damit zu dem, der sich vom Himmel auf die Erde erniedrigt hat, um uns zu retten. Denn von ihm kommen wir alle her, er hat uns geschaffen. Es ist nur natürlich, zu ihm zurück zu kehren, aber widernatürlich, ihm den Rücken zuzuwenden.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Mach‘s wie Ochs und Esel- komm zur Krippe!

3.3 Predigtveranschaulichung – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

„Nur ein blöder Kasten?

Ein Rekrut der Bundeswehr muss zum ersten Mal Nachtwache schieben. Er ist zu vier Stunden Torposten vergattert. Wegen der Witterung darf er immerhin in einem Wachhäuschen stehen. Schon nach einer halben Stunde bekommt er eiskalte Füße. Irgendwann hält er es vor Langeweile nicht mehr aus. Er tritt aus seinem Büdchen heraus und schaut sich das schmale Häuschen nachdenklich von allen Seiten an – wie ein Förster, wenn er einen Baum begutachtet. Dann murmelt er. »Ich möchte bloß wissen, was die an dem blöden Kasten finden, dass ich die ganze Nacht darauf aufpassen muss!«

Wie diesem Rekruten mit seinem Wachhäuschen geht es vielen Menschen: Sie haben kein Verständnis für die wahre Bedeutung mancher Dinge. So auch keins für das, was Weihnachten ausmacht – das Kind in der Krippe. »Auch nur so ein hölzerner Kasten?! Was soll da Besonderes dran sein?«

»Hört, ihr Himmel, und horche auf, du Erde! Denn der HERR hat geredet«, so beginnt unser Tagesabschnitt (Jesaja 1,1.3). Dort in Bethlehem hat Gott uns besucht – zu uns geredet in seinem geliebten Sohn. Dort kam der Retter zu uns.

Ja, ein Kind ist uns gebor’n – Gott beginnt mit uns von vorn.

Ja, ein Sohn ist uns geschenkt, in die Krippe eingezwängt.

In der Krippe geschah sein Wille: Endlich nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Gott hat uns seinen Retter geschickt. Martin Luther sagte einmal: »Achte es, dass du die göttliche Weisheit finden mögest, welche Gott hie so albern und einfältig vorlegt, dass er allen Hochmut dämpfe. Hie wirst du die Windeln und die Krippe finden, da Christus innen liegt, dahin auch der Engel die Hirten weiset. Schlechte und geringe Windeln sind es, aber teuer ist der Schatz, Christus, der drinnen lieget.«

Das kleine Kind in der Krippe ist Gottes großes Geschenk an Sie – eingewickelt in Windeln statt in Weihnachtspapier. „

Von Andreas Fett, Leben ist mehr, 25.Dez. 2013.

 

Karlheinz Deininger