Lukas

Predigthilfe vom 23.11.2003 – Lukas 21,32-38

Monatsthema: Jesu Blick der Rettung
Predigtthema: Der wache Blick

Bibelstelle: Lukas 21,32-38

Verfasser: Boris Paschke

Benutzte Lukas-Kommentare
Darrell L. Bock, Luke, Vol.2, Grand Rapids: Baker Books, 1994.
Walter L. Liefeld, „Luke“, Expositor’s Bible Commentary, Vol.8, Grand Rapids: Zondervan, 1984, S.797-1059.
Gerhard Maier, Lukas-Evangelium, Bd.2, Edition C, Bd.5, Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1996.
Fritz Rienecker, Das Evangelium des Lukas, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal: Brockhaus, 1974.

1. Zusammenhang
Der vorliegende Abschnitt bildet den Schluss der sog. Endzeitrede Jesu (Lk 21,5-36). Aus den Paralleltexten Mt 24 und Mk 13 geht hervor, dass er diese Rede auf dem Ölberg gehalten hat (Mt 24,3; Mk 13,3). Die Themen der Rede sind die Zerstörung des Tempels und Jerusalems sowie die Rückkehr Jesu. Für Jesus gehört all dies zur Endzeit. Im Vergleich zu Matthäus und Markus findet sich bei Lukas eine detailliertere chronologische Abfolge der Ereignisse. Grund für diese chronologische Klarheit sind Zeit-Ausdrücke wie „Es wird die Zeit kommen“ (V.6), „aber das Ende ist noch nicht so bald da“ (V.9) „Aber vor diesem allen“ (V.12) „nahe herbeigekommen“ (V.20) „in jenen Tagen“ (V.23). Jesus redet von Dingen, die in einigem zeitlichen Abstand vor dem Ende geschehen werden bzw. müssen (Verse 8-11). Zeitlich vor diesen jedoch wird es noch Christenverfolgungen geben (Verse 12-19). Jesus kommt dann auf Ereignisse zu sprechen, die mit dem unmittelbaren Ende einhergehen (Verse 20-24) und leitet damit über zur Ankündigung seiner Wiederkunft (Verse 25-28). Die Rede schließt mit dem zusammenfassenden Gleichnis vom Feigenbaum (Verse 29-31), Jesu Versicherung über die Wahrheit seiner Aussagen sowie einigen sich daraus ergebenden Handlungsanweisungen (Verse 32-36).

2. Biblische Parallelen
Endzeitrede: Matthäus 24 und Markus 13. In Bezug auf Lukas 21 reden die Ausleger von „Jesu zweiter Endzeitrede“. Die erste Endzeitrede findet sich in Lk 17,20-37.

3. Aufbau/Gliederung des Textes
A. Beendigung der Endzeitrede (V.32-36)
A.1 Versicherung Jesu in Bezug auf die Wahrheit seiner Aussagen (V.32-33)
A.2 Anweisungen Jesu in Bezug auf das Leben seiner Jünger (V.34-36)
1.2.1 Lasst euch nicht vom Diesseits vereinnahmen! (Fressen, Saufen, Sorgen)
1.2.2 Seid wachsam! (V.36a)
1.2.3 Betet! (V.36b)

B. Rahmenhandlung (V.37-38): Jesu Lehrtätigkeit im Tempel & Übernachtung am Ölberg

4. Einzelerklärungen
Vers 32
„Wahrlich, ich sage euch“: Eine „feierliche Versicherung“ (Rienecker, Lukas, S.488)
„dieses Geschlecht“: „Geschlecht“ (gr. genea): vgl. 1Mose 7,1; Ps 12,8 in der gr. AT-Übersetzung (LXX) Bei dieser Aussage von V.32 handelt es sich um eine schwierige und vieldiskutierte Stelle. Mit „Geschlecht“ kann nicht die damals lebende Generation der Jünger gemeint sein, denn dann hätte Jesus sich geirrt, weil Die Generation der Jünger ja das „alles“, d.h. all die endzeitlichen Ereignisse inkl. Wiederkunft Jesu nicht miterlebt hat. Auch andere Deutungen („menschliches Geschlecht“/“die Gläubigen“/“das Geschlecht der Auserwählten“) sind nicht haltbar. Rienecker & Maier legen den Vers dahingehend aus, dass mit „Geschlecht“ das jüdische Volk gemeint ist (Maier, S.544; Rienecker, S.488-499). Auch Liefeld ist offen für diese Auslegung (S.1023), entscheidet sich dann aber dafür, „dieses Geschlecht“ als Bezeichnung für eine „zukünftige Generation“, die das Ende miterleben wird, zu verstehen (S.1023). Bock geht in genau dieselbe Richtung (S.1691-1692). In seinem Kommentar zur Parallelstelle Mt 24,34 bringt D.A.Carson zum Ausdruck, dass die Bezeichnung „diese Generation“ nur mit allergrößter Mühe und überaus gekünzelt dahingehend umgedeutet werden könne, irgendetwas anderes als die damals lebende Jüngergeneration zu bezeichnen. Die bei dieser Deutung auftretenden Spannungen (s.o.) löst er so, dass er in der von den Jüngern ja miterlebten Tempelzerstörung von 70 n.Chr. eine Vorschattung und Typus für die gesamte Endzeit sieht (D.A. Carson, „Matthew“, Expositor’s, Vol.8, S.507).

Vers 33
„meine Worte“: Jesus versichert den Jüngern hier die Vertrauenswürdigkeit und Beständigkeit seiner Worte. Seine Aussage erinnert an das, was in den Psalmen in Bezug auf Gottes Wort gesagt wird (Ps 119,89.160; vgl. Jes 40,8).

Verse 34-35
Was nun folgt, sind Handlungsanweisungen bzw. Befehle (Imperative). Auf der Grundlage der wahren prophetischen Aussagen verlangt Jesus nun von seinen Jüngern, dass diese das Gehörte anwenden und es Konsequenzen für ihr Leben hat. Er nennt im Einzelnen drei Gebote/Befehle.
Beim ersten Befehl handelt es sich um „eine Mahnung, sich nicht vom Diesseits vereinnahmen zu lassen.“ (Maier, S.545)
„Fressen und Saufen“ (Mt 24,49; Röm 13,13; Gal 5,21; Eph 5,18). Gerhard Maier schreibt: „Darüber hinaus bezeichnen sie alles, was Menschen – auch geistig! – berauschen kann: Musikleidenschaft, Kunstbesessenheit, Sammlerwut, Genuss von Ehren und Auszeichnungen, geistige Überlegenheit, Nationalismus, Verfallenheit an Ideologien. Jeder prüfe sich selbst!“ (S.545)
„Sorgen“ (Mk 4,19; Lk 8,14; Mt 6,27; Mt 13,22, 1Petr 5,7; Phil 4,6)
„dieser Tag“ = Wiederkunft Jesu zum Gericht; dieser Tag kommt plötzlich (1Thess 5,3). Gerhard Maier schreibt: „Wer sich dem Materialismus oder Idealismus hingibt, dem wird Jesu Wiederkunft zum ‚Fallstrick!‘ (V.35), oder zur ‚Schlinge‘, die um das ewige Leben bringt (vgl. Pred 9,12; Jes 24,17ff; Lk 17,26ff; 1Tim 3,7; 6,9; 2Tim 2,26).“ (S.545)

Vers 36
„So seid allezeit wach!“ (1Petr 5,8; 1Thess 5,5-6; Mt 24,42; 26,41; 1Kor 16,13; Eph 6,18; Off 3,3)
Wachen – Wie geht das?: Im Gespräch mit Jesus bleiben (Gebet); Bibellesen, in eine Gemeinde gehen.
„betet“ (1Thess 5,17; Lk 18,1; Mt 26,41; Apg 2,42; Röm 12,12; Eph 6,18; Phil 4,6; Kol 4,2; 1Tim 2,1) Gott erhört Gebet? (Ps 65,3) Wir beten zu einem allmächtigen Gott? (1.Mose 18,14; Ps 115,3) Gottes Macht, unser Gebet zu erhören, ist unvorstellbar groß (Eph 3,20). Mit dieser Aufforderung in V.36 endet die Endzeitrede Jesu. Für Gerhard Maier lassen sich die Anweisungen in V.34-36 auch mit dem Befehl „Haltet Glauben!“ (vgl. 2Tim 4,7) gleichsetzen. Nur so kann ein Mensch vor dem Menschensohn bestehen (S.546)

Verse 37-38
Diese Verse gehören nicht mehr zur Endzeitrede, sondern sozusagen zur Rahmenhandlung: Nachdem Lukas die Endzeitrede Jesu wiedergegeben hat, informiert er uns darüber, dass Jesus fortfuhr, tagsüber im Tempel zu lehren und dann am Ölberg zu übernachten.

5. Spitze des Textes
Jesus versichert seinen Jüngern, dass seine Worte wahr sind somit die in seiner Endzeitrede angekündigten Ereignisse eintreffen werden (V.32-33). Auf dieser Grundlage gibt er seinen Jüngern drei Handlungsanweisungen/Gebote (V.34-36):
1. Lasst euch nicht vom Diesseits vereinnahmen! (Fressen, Saufen, Sorgen)V.34-35
2. Seid wachsam! (V.36a)
3. Betet! (V.36b)

6. Der Text heute
Auch heute dürfen wir sicher sein, dass Gottes Wort, d.h. die Bibel, absolut zuverlässig & wahr ist. Auch heute dürfen wir wissen, dass die von Jesus angekündigten Endzeitereignisse eintreffen werden Auch heute müssen wir aufpassen, uns nicht vom Diesseits vereinnahmen zu lassen
Auch heute sind wir aufgerufen, wachsam zu sein (d.h. Gebet, Bibellesen, Gemeinschaft)
Auch heute sollen & dürfen wir zu unserem liebenden & allmächtigen Gott beten.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
zur Vertrauenswürdigkeit von Gottes Wort (V.32-33): In dem kleinen & bekannten Büchlein/Traktat „Ein Brief für Dich“ (Postkartengröße) finden sich erstaunliche Beispielgeschichten (Tatsachenberichte) dafür, wie Gott sich zu seinem Wort gestellt und für dessen Bewahrung und Fortbestehen gesorgt hat.
zur Vereinnahmung vom Diesseits (V.34-36): evtl. Beispielgeschichte aus dem eigenen Leben erzählen. Wie das Zitat von Gerhard Maier (S.545) zeigt, gibt es viele verschiedene Dinge, die einen vereinnahmen können (vgl. hierzu auch folgende Bibelstellen: 2Kor 5,1; Phil 3,20; Hebr 11,16; Kol 3,2; Hebr 11,13; 2Tim 4,10; 1Joh 2,16)
zum Thema „Gebet“: Zu Gott dürfen wir „mit Zuversicht“, d.h. „ohne Angst“ (Hoffnung für alle) kommen (Hebr 4,16). Wir dürfen „Abba“ (=„Papa“) zu ihm sagen (Röm 8,15; Gal 4,6). Wir dürfen also jederzeit zu Gott kommen, wie ein kleines Kind, dass mutig die Empfangshallen und Sekretärinnen eines erfolgreichen Unternehmens passiert, mit Getöse die Tür des Firmenchefs aufreißt, und auf dessen Schoß Platz nimmt – dem Schoß des Firmenbosses, dem Schoß des eigenen Vaters. Die Telefon-Nummer Gottes lautet 5015 (Ps 50,15).

8. Material und Gliederung zur Predigt
Predigtgliederung
1. Lasst euch nicht vom Diesseits vereinnahmen! (Fressen, Saufen, Sorgen)
2. Seid wachsam! (V.36a)
3. Betet! (V.36b)