1.Timotheus

Predigthilfe vom 22. Mai 2016 – 1 Timotheus 4,1-11

Monatsthema: Der Christ und die Gemeinde

Predigtthema: Worauf ein Diener Jesu achtet

Predigttext: 1 Timotheus 4,1-11

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt

suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs

Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen,  nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen findet man z.B. unter www.bibleserver.com

(Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Fritz Grünzweig (Edition C Bibelkommentar NT Bd.18)

und von Hans Bürki (Wuppertaler Studienbibel NT Bd.10).

1.2 Hinweise zum Verständnis des Predigttextes

In unserem Textabschnitt wird nochmals das besondere Verhältnis des Apostels zu Timotheus betont.

Dieser, für damalige Verhältnisse, junge Mitarbeiter war wie ein Sohn für Paulus.

Deshalb tat es dem Apostel doppelt weh, von den vielen Nöten in Ephesus zu hören.

Timotheus hatte keinen leichten Stand in der Gemeinde.

Er hatte unter anderem mit Autoritätsproblemen zu kämpfen.

Für einen Mann in leitender Funktion, war er damals noch recht jung.

Erst ab dem 50. Lebensjahr galt man als bewährt.

Deshalb ermutigt Paulus den Timotheus, dass ihn niemand wegen seiner „Jugend“ verachten darf (4,12).

Ein gesegneter Dienst hängt nicht vom Alter ab, das verdeutlicht Paulus im folgenden Abschnitt.

Er zeigt Dinge auf, die wirklich von grundlegender Bedeutung sind.

V.1-5: Gemeinde ist stark umkämpft

Falsche Lehre machte sich breit in Ephesus. Die Irrlehrer bezweifelten, dass der Glaube an Jesus ausreichend ist, um ewiges Leben zu bekommen.

Es ist interessant, wie sich der Charakter dieser Unruhestifter von den berufenen Gemeindeältesten (3,1-7) unterscheidet. Diese gefährlichen Lehrer sind Lügner, mit einem abgestumpften Gewissen (V.2). Sie haben ihr Gewissen ganz bewusst unterdrückt. Das war der Beginn ihres gefährlichen Kurses. Paulus beschreibt es mit folgenden Worten: „Ihr Gewissen ist abgestumpft, als wäre es mit einem glühenden Eisen ausgebrannt worden“. So ein Brandmal bekamen damals Sklaven, als Zeichen ihrer Unfreiheit. Die Irrlehrer waren innerlich getrieben und wollten zusätzlich auch noch andere in die Sklaverei der „Werksgerechtigkeit“ ziehen (V.1).

An anderer Stelle werden sie auch als reißende Wölfe, Fallensteller und Scheinheilige bezeichnet (Mt 7,15; 2Petrus 2,1-22).

Potentielle Opfer waren Gemeindebesucher, die noch keine feste Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus getroffen haben. Diese gefährlichen Lehrer forderten dazu auf, bestimmte Regeln einzuhalten. So verboten sie beispielsweise die Ehe (V.3), da sie in ihr lediglich eine Lustbefriedigung sahen. Sie galt als störend, was ein „geistliches“ Leben betrifft.

Unser Herr zeigt uns dagegen in seinem Wort deutlich auf, dass er die Ehe, zwischen Mann und Frau, von Anfang an gewollt hat (1Mose 2,18.24).

Außerdem waren die Unruhestifter der festen Überzeugung, dass der Verzehr von einigen Speisen eine Trennung von Gott herbeiführt (V.3).

Dabei hat Gott sie geschaffen. Alles was er macht ist ausschließlich gut (V.3.4).

Wir dürfen die Nahrung mit Dank zu uns nehmen (V.4) und Freude an ihr haben (6,17).

Sie ist ein Geschenk vom Schöpfer selbst. Auch in der täglichen Versorgung wird seine Liebe, uns gegenüber, sichtbar.

Die Ehe und die tägliche Nahrung sind also ein Geschenk Gottes.

Das Hauptproblem besteht darin, dass wir Menschen Gottes gute Gaben vom Schöpfer lösen (die Gaben zum Gott machen).

Das äußert sich in unserer Zeit z.B. in der frei gelebten Sexualität (zum reinen Spaßfaktor verkommen).

Wenn wir den Geber und damit das Danken vergessen, dann gerät die Befriedigung des Egos schnell in den Vordergrund.

Als Kinder Gottes, dürfen wir uns auch hier immer wieder vom Heiligen Geist leiten lassen (Epheser 5,18).

V.6-11:

Wir haben in den vorherigen Versen die gefährliche Irrlehre vor Augen gestellt bekommen.

Der Apostel Paulus zeigt Timotheus nun auf, wie er dieser Lehre gegenübertreten soll.

Sei daheim in Gottes Wort (V.6)

Bevor ich anderen etwas weitergeben kann, muss ich mich selber von Gottes Wort füllen und „sättigen“ lassen (fortlaufend und immer wieder neu).

Ich muss daheim sein in Gottes Wort und mich nicht nur lediglich für Vorbereitungszwecke mit ihm beschäftigen.

Wenn wir „hungrig“Gottes Wort austeilen, fehlt es an geistlicher Tiefe.

Menschen spüren uns das ab.

Nur wenn wir täglich aus der Quelle leben (Psalm 1), können wir mehr weitergeben, als

abgestandenes Wasser.

Zeit mit Gottes Wort zu verbringen ist niemals verlorene Zeit, wir profitieren davon.

Es ist die Basis für einen gesegneten Dienst.

Konzentriere dich auf das Wesentliche (V.7)

In Ephesus waren viele Geschichten im Umlauf.

Es ging um jüdische und griechische Mythen und Legenden, die einen großen Stellenwert bei den Irrlehrern hatten.

Timotheus soll sich nicht zu stark mit ihnen auseinandersetzen, sondern sich ganz auf seine Kernaufgabe konzentrieren (V.7).

Alles andere kostet nur unnötige Kraft und führt zu nichts.

Trainiere deinen Glauben (V.8)

Timotheus soll sich in Gottseligkeit üben, also in der Beziehung zu Jesus.

Im Urtext steht für „üben“ das Wort „gymnazo“. Daraus leitet sich das bekannte Wort „Gymnastik“ ab.

Es geht um ein tägliches „Training“ im Leben mit Jesus (Gebet, Wort Gottes, Gemeinschaft), ein immer mehr zu ihm hin wachsen.

Der Apostel stellt dem geistlichen Training das körperliche gegenüber. Auch der Körper soll gepflegt (trainiert) werden.

Er ist schließlich der Tempel des Heiligen Geistes.

Aber diese Art von Training hat nur eine begrenzte Wirkung, nur einen zeitlichen Wert.

Wer sich dagegen täglich in der Jesusbeziehung übt, der investiert in Dinge, die nicht „rosten“. So zu „trainieren“ ist mit Verheißungen für dieses und das zukünftiges Leben  verbunden (V.8).

Paulus bekräftigt das noch einmal in Vers 9: „Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert“.

Behalte das Ziel vor Augen (V.10)

Timotheus soll standhaft und treu bleiben, trotz aller Anfechtungen und Schwierigkeiten in der Gemeinde.

Es geht nicht in erster Linie um einen glänzenden Start im Glaubensleben (den hatte Timotheus), sondern um Ausdauer bis zur Ziellinie.

Dieses herrliche Ziel (Ewigkeit), soll dem jungen Mitarbeiter Ansporn und Kraftquelle sein.

Es lohnt sich am Evangelium festzuhalten und nicht nachzugeben.

Diese Wahrheiten sollten in der Gemeinde gelehrt werden, damit sie im Leben mit Jesus gestärkt und ermutigt wird (V.11).

Falsche Lehre sollte so entschieden abgewiesen werden.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Unser Predigttext ruft uns zur Wachsamkeit auf.

„Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre“ (4,16).

Auch heute noch werden falsche und gefährliche Lehren verbreitet.

Oft kommen sie schleichend in unsere Gemeinden hinein.

Falsche Lehre erkennen wir an folgendem Muster: „Jesus + Werke, Leistung…“.

Irrlehre betont, dass Rettung durch Jesus (aus Gnade) nicht ausreichend ist.

Wir sollen entschieden gegen solche Tendenzen vorgehen, ehe sie Wurzeln schlagen können.

 

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Die Timotheusbriefe gehören, wie auch der Titusbrief, zu den sogenannten „Pastoralbriefen“.

Sie werden so bezeichnet, da diese Schreiben wichtige Anleitungen und Ermahnungen zur Leitung der Gemeinde Jesu enthalten. Deshalb sind sie auch für unsere Gemeinden sehr bedeutungsvoll.

Paulus wendet sich in den Timotheusbriefen an seinen geistlichen Sohn.

Timotheus war dem Apostel bereits über viele Jahre ein Schüler und treuer Mitarbeiter gewesen. Zunächst hatte er den Dienst des Apostels lediglich unterstützt.

Aber Timotheus Verantwortungsbereich wuchs ständig. Jetzt stand er als ein Abgesandter und Stellvertreter des Paulus selbst im übergemeindlichen Dienst. Paulus hatte ihn inzwischen in die Gemeinde nach Ephesus gesandt, da es dort schwerwiegende Probleme vor Ort gab, die es zu klären galt.

Timotheus Auftrag bestand darin, den Glauben der Gemeinde zu festigen, da sie durch Irrlehre erschüttert wurde.

Durch die Briefe wollte der Apostel den jungen Mitarbeiter ermutigen, in einem schwierigen Umfeld weiterhin Vorbild zu sein (1Tim 4,12).

Unter allen Umständen sollte Timotheus dabei am Wort Gottes festhalten (1Tim 4,6.13).

 

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Die „Bibelfestigkeit“ lässt, auch gerade in den heranwachsenden Generationen, immer mehr nach.

Wir stehen hier als Verantwortliche vor einer sehr wichtigen Aufgabe.

Wenn wir, auch in Zukunft, gesunde Gemeinden haben wollen, dann müssen wir Gottes Wort in aller Klarheit lehren und verkündigen.

Das ist auch gerade in den Teen – und Jugendkreisen von entscheidender Bedeutung.

Es gibt immer wieder die Sorge, dass man den jungen Leuten zu viel „zumutet“ und so bleibt vieles an der Oberfläche.

Wie soll ich aber falsche Lehre erkennen, wenn ich nicht in Gottes Wort gefestigt und „daheim“ bin?

 

Paulus spricht davon täglich an unserer Jesusbeziehung zu üben, zu trainieren.

Es stellt sich uns eine spannende, herausfordernde Frage:

Verbringen wir mehr Zeit mit der Pflege unseres Körpers, oder mit der Beziehungspflege zu unserem Herrn?

Wie ist da das persönliche Verhältnis zueinander?

Es gilt immer wieder die richtige Gewichtung zu finden, zwischen dem Blick in den Wohnungsspiegel und den Blick in den „Spiegel“ Jesu.

Beides sollten wir nicht vernachlässigen.

Letztendlich ist es eine Frage unserer Prioritäten (V.7).

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Wir leben in unruhigen Zeiten.

So vieles verschwimmt und Gottes gute Maßstäbe verlieren immer mehr an Bedeutung in unserer Gesellschaft.

An der Gemeinde Jesu geht das auch nicht spurlos vorbei.

Die Situation ist vergleichbar mit der in Ephesus damals.

Deshalb gilt es um so mehr, an Jesus und seinem lebendigen Wort festzuhalten (V.6-11).

Allein dadurch können wir Antworten geben in einer Zeit, die Jesus dringend braucht.

Wie viele Menschen sind innerlich leer und hoffnungslos!

Deshalb sollen wir Gottes ewig geltende Maßstäbe klar bezeugen und auf Jesus Christus hinweisen.

 

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Worauf ein Diener Jesu achtet“

Man könnte es in einem Satz zusammenfassen:

Er achtet auf eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus, unserem Herrn.

Die Antwort ist eigentlich so einfach und doch ist sie so schwer in unserem Alltag zu leben.

Wenn wir uns allerdings Zeit für Gottes Wort nehmen und immer wieder Freiräume für das Gebet schaffen, dann werden wir im Glauben wachsen (Jesus ähnlicher werden).

Dann sehnen wir uns nach Gemeinschaft mit anderen Kindern Gottes (Gemeinde) und verlieren das herrliche Ziel (Ewigkeit) nicht aus den Augen.

 

 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Gemeinde ist stark umkämpft (V.1-5)

Deshalb:

  1. Sei daheim in Gottes Wort (V.6)
  2. Konzentriere dich auf das Wesentliche (V.7)
  3. Trainiere deinen Glauben (V.8.9)
  4. Behalte das Ziel vor Augen (V.10)

 

(Andreas Gerlach)