4.Mose

Predigthilfe vom 22. April 2018 – 4. Mose 9, 1-14

Predigtthema:         Unterwegs im Auftrag des Herrn – das Passah 

Predigttext:              4Mose 9,1-14 und 1Kor 5,6+7 (Vorschlag zur Textlesung)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! 

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Die Predigtreihe für den Monat April und Mai behandeln Texte aus dem 4. Buch Mose und steht unter dem Hauptgedanken:

In der Wüste unterwegs – nicht mehr in Ägypten, noch nicht im verheißenen Land.

Das Volk Israel befindet sich seit zwölf Monaten in der Wüste Sinai und lagert am Gottesberg Horeb. Die Stiftshütte ist inzwischen fertiggestellt. Gott rüstet und organisiert nun sein Volk. Er gibt eine Lager- und Marschordnung vor, wie sich die zwölf Stämme um die Stiftshütte her lagern und in welcher Reihenfolge sie aufbrechen sollen (4Mo 1+2). Die Priester und Leviten bekommen konkrete Anweisung was sie zu tun und zu lassen haben (4Mo 3-4). In den Kapiteln 5-8 gibt Gott Gebote betreffs der Reinheit, der Nasirärer (Gottgeweihte) und des Gottesdienstes. Alles gehörte zur inneren und äußeren Vorbereitung des Volkes auf die Wüstenwanderung. Denn schließlich sollte der Gottesdienst unterwegs nicht ruhen, sondern praktiziert werden können.

In 4Mo 9,1-14 handelt es sich nicht nur um eine Wiederholung der bisherigen Passahordnung, sondern um eine Erweiterung für Menschen, die wegen ihrer Unreinheit zum Zeitpunkt des Festes nicht teilnehmen konnten oder auf Grund einer Reise nicht pünktlich zum Fest anwesend waren. Diese Sonderregelung gab die Möglichkeit, ein zweites Passahfest bzw. ein Nachpassah zu halten, das genau einen Monat später nachgeholt werden konnte.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Maier, Gerhard, Wuppertaler Studienbibel, „Das vierte Buch Mose“, Brockhaus Verlag

Wiersbe, Warren.W, „Sei zuverlässig“ Studien des Alten Testamentes 4Mo 1-16, CLV

Mackintosh, C.H., „Die fünf Bücher Mose- Gedanken zum 4.Buch Mose“, CSV

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

4Mo 9,1-4      Ein jährliches Passahfest

Es gibt drei zu unterscheidende Orte an denen das Passah gefeiert wurde:

  1. Passah in Ägypten 1Mo 12
  2. Passah in der Wüste 4Mo 9
  3. Passah im Land Kanaan Jos 5

Beim ersten Passahfest in Ägypten, welches die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei markierte, befahl Gott das Passahfest als eine ewige Ordnung zu feiern (2Mo 12,14.17.24). Jahr für Jahr sollten sie auch während der Wüstenzeit sich an die wunderbare Erlösung aus der Knechtschaft erinnern (2Mo 13,10). Dabei sollten sie sich genau an die Vorschriften halten. Dazu gehörte das vollständige Aufessen des gebratenen Lammes, das ungesäuerte Brot, die bitteren Kräuter und dass kein Knochen zerbrochen werden durfte. Die ausführliche Passahordnung finden wir in 2Mo 12+13 und 4Mo 23.

Wichtig ist die Bedeutung im Blick auf die Erfüllung in Jesus Christus, der unser Passahlamm geworden ist (1Kor 5,6+7). Siehe das Lamm Gottes (Joh 1,28).

Ein Vergleich von 1Mo 12 und den Ereignissen im Leben Jesu zeigen wichtige Parallelen.

  • Jesus wurde mit Freude in Jerusalem aufgenommen (2Mo 12,3 vgl. Joh 12,1+12)
  • Jesus ist das Lamm ohne Fehl (2Mo 12,5 vgl. 1Pet 2,22)
  • Jesus ging durch das Feuer des Leidens und des Gerichtes (2Mo 12,8f vgl. Jes 53,5, Eph 5,2; 1Pet 2,24)
  • Durch das Blut Jesu sind wir befreit und verschont (2Mo 12,13 vgl. Eph 1,7; 1Joh 1,7+9)
  • Jesu Beine wurden nicht zerbrochen (2Mo 12,46 vgl. Joh 19,33-36)

4Mo 9,5-8      Ein begehrtes Passahfest

Es gab Männer, die eine Teilnahme am zweiten Passahfest am Berg Horeb begehrt haben, aber zum festgesetzten Zeitpunkt nicht rein waren. Unter den Israeliten, die aus Ägypten geflohen waren, gab es Sterbefälle, ob auf Grund von Alter oder Folgen der Leiden in Ägypten muss offenbleiben. Ob Männer, die sich an Toten verunreinigt hatten, evtl. durch ihr Beisein starben oder bei einer Beisetzung – sie durften nun nicht am heiligen Passah teilnehmen. Mit einem offenen Bekenntnis kamen sie zu Mose und Aaron und erbaten eine Lösung für diese unvorhergesehene Situation. Mose zeigt Verständnis und geht bereitwillig auf die praktische Angelegenheit ein und klärt diese im Zwiegespräch mit Gott.

In dieser wichtigen Frage, die bis hierher kein Vorbild oder vergleichbare Situation kannte, war Mose demütig und abhängig genug, dass er hier keine vorschnelle oder eigene Antwort gibt. Es schadete dem Ansehen Moses nicht, als er auf diese Frage keine Antwort hatte. Es zeugt vielmehr von einer inneren Größe, wenn man auch mal sagen kann: „Ich weiß es nicht“ oder sich für eine Antwort Zeit lässt (Spr 12,23; 15,2.28).

Die besten Lösungen kommen da zustande, wo

  • ein Problem offen benannt und bekannt wird
  • ein aufrichtiger Umgang mit offenen Fragen geschieht und
  • erst nach den richtigen Antworten in der Gegenwart Gottes gesucht wird.

4Mo 9,9-12   Ein Nachpassah 

Der Herr antwortete Mose und gibt die Möglichkeit einer zweiten Passahfeier. Die Passahordnung entspricht aber genau dem selben Ablauf und den gleichen Kriterien, nur der Zeitpunkt wird um einen Monat verschoben. Die Sonderregelung beinhaltet also nicht die Aufhebung oder Abänderung der bestehenden Ordnung, sondern wird nur dahingehend erweitert, dass allen im Volk – die aufrichtig wollen – die Passahfeier ermöglicht wird. Hier werden zwei Grundsätze des Passahfestes deutlich:

  • Es geht um die Erlösung des Volkes durch das Blut des Lammes
  • Es geht um die Einheit des Volkes durch das Blut des Lammes

Das Passah war ein nationaler Feiertag, der die Einheit und Identität des Volkes zum Ausdruck brachte. Durch die Möglichkeit des Nachpassahs sollte keiner ausgeschlossen sein. Weder Umstände, noch Todesfälle oder Entfernungen sollten diese Einheit stören.

Die Sonderregelung, war keine Ausnahmeregelung, sondern eine neue und ergänzende Ordnung für neu und noch nicht dagewesene Herausforderungen. Mose bekommt von Gott Lösungen auch für ganz neue Probleme.

Durch Gott gibt nun Mose den Männern Weisung (Tora). Aber nicht nur für diesen einen speziellen Fall (keine Ausnahme), sondern eine Weisung für die ganze Nachkommenschaft (eine erweiterte Ordnung). Den Gebrauch vom Nachpassah finden wir bei Hiskia in 2Chr. 30.

Auch beinhaltete Gottes Antwort mehr als erbeten wurde. Nicht nur die ungewollt durch einen Toten Verunreinigten, sondern auch die zeitlich Verhinderten durften das Nachpassah feiern. Wir denken oft nur an unsere eigenen und persönlichen Notfälle, aber Gott weitet den Blick auch auf allgemeine und andere Notfälle. Gott bietet Lösungen an, die nicht nur mich betreffen.

4Mo 9,13-14 Ein heiliges Passahfest

Im Nachpassah begegnet uns Gottes große Gnade, die weiß wie sie mit unserer menschlichen Schwachheit und Fehlerhaftigkeit umzugehen hat. Gottes Gnade lädt jeden Unreinen und Zurückgebliebenen zum Passah ein. Doch darf diese wertvolle Wahrheit nicht leichtfertig missbraucht werden. Ernstlich werden Menschen vom Passahfest ausgeschlossen oder sogar mit dem Tod betraft, wenn sie das Passah missachten, oder mit ihrer Sünde und Verunreinigung verantwortungslos umgehen. Wer mutwillig schwänzt oder unbegründet fernbleibt zeigt seine Geringschätzung gegenüber 1) der Gnade Gottes, 2) dem Erlösungswerk Gottes, dem Passahlamm, 3) der Einheit des Volkes Gottes.

Das erinnert an Aussagen im Hebräerbrief, wo Menschen die Erlösung wohl geschmeckt, aber Christus verworfen und mutwillig geringgeachtet haben (Hebr 6,6; 10,26ff).

Die wiederholte Betonung (V.12), sich genau an die Passahordnung zu halten und keine Knochen zu zerbrechen, macht deutlich, dass Gott es nicht zulassen kann und wird, dass der Maßstab seiner Wahrheit und Heiligkeit in irgendeiner Weise herabgesetzt wird.

Gott lädt den Menschen zum Passahfest ein, unabhängig von seiner Nationalität und Herkunft. Allerdings muss dieser bereit sein unter dem Volk Israel zu wohnen, sprich er muss sich dem Volk Israel anschließen. Der Fremdling nimmt den Gott Israels im Glauben an (Glaubensgemeinschaft) und stellt sich unter die Ordnungen Gottes (z.B. Beschneidung 2Mo 12, 48-49). Fremde, die sich unter dem Volk nur als Gäste aufhielten oder angestellt waren, durften nicht davon essen (2Mo 12,43ff). Hier unterscheidet der Herr, wer dazu gehört und wer nicht.

Nicht die Herkunft war entscheidend, sondern die geistliche Identität. Gott will keine Separation seines Volkes oder die Ausgrenzung von Fremden, sondern Gott möchte Identität und die Integration von Fremdlingen.

Es ist gleichsam der Aufruf zur Mission, Menschen in die wahre Einheit des Leibes Christi einzuladen.

Ein gemeinsames „Wir“ ist nur auf der Grundlage von Gottes Ordnung möglich. Wer sich nicht unter Gottes Ordnung und Wahrheit stellt, schließt sich selbst aus dem „Wir“ des Volkes Gottes aus.

Zusammenfassend könnte man sagen:

  • Die Einheit des Volkes ist durch die gemeinsame Erlösung bereits geschaffen
  • Die Einheit des Volkes besteht in der genauen Einhaltung des Wortes Gottes
  • Die Einheit des Volkes geht über die nationalen Grenzen hinaus
  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Heilsgeschichtlich hat sich das Passah in Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz erfüllt. Gott gab wegen der Schwachheit des Menschen eine gnädige Sonderregelung. Damit wird deutlich, dass auch die Tora (das Gesetz) eine fortlaufende Offenbarung Gottes war, indem Gott seine Lösungen für die immer neuen Herausforderungen des Lebens zur rechten Zeit offenbarte.

Man kann die darin enthaltenen Prinzipien anwenden und auf uns heute übertragen, muss aber darauf achten, dass nicht Gottes Ordnungen, die seine Wahrheit und Heiligkeit darstellen, veruntreut werden.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Als Einstieg könnte man einen Vergleich ziehen und fragen:

Wozu ist die Waschmaschine da?

Als Gegenstand zeigt man ein weißes reines Hemd und ein verschmutztes Hemd.

Es wäre unsinnig, wenn man in der Waschmaschine nur die sauberen und eh schon reinen Kleider oder Hemden waschen dürfte. Die Waschmaschine ist für die unreinen Hemden da. Genauso ist das Passah für die Unreinen da, die Erlösung brauchen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Das Passahfest erinnert uns an die entscheidende Identität in Jesus Christus und wer zum Volk Gottes gehört oder nicht. Das Passah ist Grundlage der Erlösung. Es ist der Karfreitag des Alten Testamentes, der sich mit der Kreuzigung Jesu auf Golgatha erfüllt hat.

Die Erlösung durch Jesus gilt den Unreinen, Schwachen und den Zurückgebliebenen. Doch darf der Mensch nicht hinter dem göttlichen Maßstab zurückbleiben.

Gottes Gnade gestattet das Erste, aber Gottes Heiligkeit verbietet das Zweite.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Gottes Gesetz und Ordnungen haben immer das Wohl und das Heil des Menschen im Blick. Gott schafft Regelungen für bestimmte Situationen ohne die Wahrheit und Heiligkeit aufzuheben. Dabei gibt es Lebenssituationen, in denen Gottes Wort keine expliziten Antworten bereithält. Da ist es weise, keine vorschnellen Antworten zu geben, sondern nach Gottes Lösung zu suchen und den Herrn zu fragen. Sich an Gottes Wort und Wahrheit zu binden, seine Heiligkeit nicht zu mindern, aber Menschen nicht lieblos abzufertigen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

  1. Unwissenheit ist keine Schande. Es gibt Situationen da gibt es keine schnellen und einfachen Antworten. Da braucht es Gottes besonderen Rat.
  2. Neue Herausforderungen benötigen neue Lösungen. Wir dürfen uns nicht vor den immer wieder neuen Problemen unserer Gesellschaft scheuen. Z.B. gibt es keine expliziten Aussagen in der Bibel im Umgang mit Smartphones, Internet, Drogen oder anderen zeitbedingten Fragen. Gott will auch uns hier von Fall zu Fall Lösungen und Antworten geben.
  3. Mission ist ein Anliegen Gottes. Der Herr hat in der Erlösung (Jesus Christus) und der Offenbarung seiner Ordnung (Wort Gottes) die Grundlage geschaffen. Fremde, die sich dem Wort Gottes unterstellen und dem wahren Passahlamm vertrauen werden in das Volk Gottes aufgenommen. Wer diese Einheit und Identität missachtet oder gefährdet, schließt sich selber aus dem Volk Gottes aus.

In diesem Sinn sind wir unterwegs im Auftrag des Herrn!

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Eine unvorhergesehene Situation
  2. Eine Frage ohne vorgefertigte Antwort
  3. Eine kluge Lösung

 

  1. Keine Angst vor Unreinheit
  2. Keine Angst vor Unwissenheit
  3. Keine Angst vor Fremden

(Klaus Eberwein)