1.Thessalonicher

Predigthilfe vom 22.10.2000 – 1.Thessalonicher 5,12-22

Monatsthema: Gott finden – mit geheiligtem Leben.
Predigtthema: Heilig zueinander.

Bibelstelle: 1.Thessalonicher 5,12-22

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

48. Predigthilfe

Heilig zueinander 1. Thessalonicher 5, 12-22 zum 22.10.2000

1. Zusammenfassung

Die abschließenden Schlußermahnungen des Briefes, die das gesamte Leben der Gemeinde im Blick haben.

2. Biblische Parallelen
Paulus schließt so auch oft seine anderen Briefe, vgl. besonders Römer 12, 9-18; auch Jesu ausführliche Abschiedsreden Joh. 13,31 – 16,33. (Wieder einmal lesen im Zusammenhang).

3. Der Aufbau des Textes

V.12-13:Achtung haben vor den Gemeindeleitern
V.14-15:Gelebte Liebe untereinander
V.16-22:Fromm leben

4. Einzelerklärungen

V. 12: Paulus tritt als Bittender auf: „bitten“ wörtl.: „forschend befragen“, enthält die Bedeutung jemand befragen ohne Besserwisserei. Leben die Thessalonicher miteinander in geistlicher Liebe? Gegen die, die an ihnen „arbeiten“, wörtl.: „die sich für euch abmühen“, im Sinne von, die euch ihre ganze Fürsorge angedeihen lassen; die „euch vorstehen“, als0o Gemeindeleiter sind. (Ein bestimmtes „Amt“ ist noch nicht im Blick); Gemeindeleitung geschieht „Im Herrn“ = seine Autorität, nicht eigene, bevollmächtigt zum Dienst; die euch „ermahnen“, wörtl.: „ermuntern, zurechtweisen“. Das sind die drei Hauptaufgaben der Gemeindeleiter: Fürsorge, Wegleitung und Seelsorge.

V. 13: Solche Gemeindeleiter sollen sie „lieber haben“, wörtl.: Über alle Maßen hochhalten (achten und ehren) in Liebe. Eigennutz und geistlicher Neid zerstören. „Wegen ihres Werkes“, wegen dessen, was sie als Dienst für die Gemeinde tun. „Werk“, wörtl.: „Aufgepflügtes“ macht deutlich, dass es der Heilige Geist ist, der zum Dienst brauchbar macht. „Haltet Frieden unter euch“, diese Mahnung wehrt allem Konkurrenzdenken und liebloser Kritik, vgl. Rö. 12,3 (den andern höher achten als sich selbst).

V. 14: Die seelsorgerliche Ermahnung (Wegweisung) für das Leben untereinander. Die „Unordentlichen“, wörtl.: Die aus dem Takt geraten, die aus der (Kampf)-Ordnung getreten, meint alle, die nicht in der Lebenseinheit der Gemeinde bleiben. „Zurechtweisen“, wörtl.: „ans Herz legen“ vgl. dt: den Kopf zurecht setzen, betont die Deutlichkeit solcher Seelsorge. Die „Kleinmütigen“ sind die, wörtl. die wenig Atem (Kraft) haben; solche, die z.B. in den Verfolgungen schnell der Mut verläßt. Sie sollen „getröstet werden“, wörtl.: „wieder zum Tönen bringen“ im Sinne von Mut zusprechen, wieder zum Zeugnis ermuntern. Die „Schwachen“, gemeint sind Christen, die angefochten sind leiblich, seelisch und geistlich; „tragen“ wörtl.: „annehmen“ meint die besondere Zuwendung. Gerade bei diesen Gruppen verliert man so schnell die Geduld. Deshalb die Mahnung: „Seid geduldig“, wörtl.: Habt einen langen Atem, vgl. auch das „Gesetz Christi“ (Gal. 6, 2).

V. 15: Dieser lange Atem gilt allen Menschen. „Sehet zu“ im Sinne von „habt besonderes Augenmerk darauf“ leitet die Mahnung zur allgemeinen Liebe ein. „Nicht Böses mit Bösem vergelten“, wörtl.: „zurückgeben“, nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Das altt. Gesetz: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben für Leben…“ vgl. 2. Mose 21, 23ff hat schon Jesus überboten (vgl. Matth. 5, 38ff). Er hat Leben für Leben gegeben am Kreuz. Jetzt sind wir Christen zur Liebe befreit und können „dem Guten“, wörtl.: „dem was aufbaut“, „nachjagen“, wörtl.: eifrig erstreben, und zwar untereinander, ja ausgeweitet gegen „jedermann“, wörtl.: alle (Menschen). Das ist die neue Art der Jünger in dieser Welt gegenüber den Menschen.

V. 16: „Seid allezeit fröhlich“, wörtl.: „Allezeit freut euch“ gilt gerade in Thessalonich in der Verfolgungssituation. Die Freude der Christen ist unabhängig von den äußeren Umständen, denn sie wurzelt in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, „Freude“, das griechische Wort hat auch die Bedeutung: „Dank, Lob, Anbetung“ kann deshalb sogar geboten werden denn es geht dabei nicht um Gefühle, sondern um immer engere Gemeinschaft mit Christus.

V. 17: „Betet ohne Unterlass“ weist eben in diese Freude der Gemeinschaft in und mit Christus. Feste Gebetszeiten (wie im Judentum) sind hilfreich, aber Christen dürfen in ständigem Gespräch mit dem unsichtbar gegenwärtigen Herrn leben.

V. 18: „Danket in allem“, diese Ermutigung lebt aus dem Wissen, dass Gott der Vater durch Jesus Christus alles für uns getan hat und dass uns deshalb „alles zum Besten dienen muss“ (vgl. Rö. 8,28). Selbst schwere Strecken (Verfolgung) wirken mit zu unserem Heil.

V. 19: „Unterdrückt nicht den Geist“, auch „löscht nicht aus“, das gilt für den Einzelnen; denn der Geist Gottes führt uns ja in diese Christusgemeinschaft. das gilt aber auch für das gottesdienstliche Leben der Gemeinde: Dass uns ja nicht eine starre Ordnung (Liturgie) das Wirken des Geistes einengt oder gar auslöscht, in dem etwa persönliche Zeugnisse oder Gebetsgemeinschaft nicht mehr Raum haben. Eine Ordnung ist gut, aber eine „offene“ Ordnung.

V. 20: „Behandelt die prophetische Rede nicht verächtlich“. (vgl. 1.Kor. 14,24f). „Prophetische Rede“ im Gottesdienst ist die „aufdeckende“ Verkündigung. „Es ging ihnen durchs Herz“ (Apg. 2, 37). Solche Verkündigung darf nicht madig gemacht werden, auch wenn sie weh tut. Streichelverkündigung ist ohne Wert.

V. 21: Die „Prüfung“ ist Aufgabe der Gemeinde, sowohl wo geistgewirkte, spontane Zeugnisse geschehen, wie bei der ganzen Verkündigung. Das Kriterium heißt: Stimmt das Gesagt mit der Bibel überein. Das biblische Wort ist das „Gute“, das was die Gemeinde auferbaut.

V. 22: Christen halten sich fern vom „Bösen“, hier nicht moralisch gemeint. „Böse“ wörtl.: ins Nichts führende, ist alles, was dem biblischen Wort widerspricht und käme es noch so sehr unter dem Mantel der Geistesfülle etc. daher. Hier liegen wichtige Linien für den Umgang mit den heutigen charismatischen Strömungen.

5. Die Spitze des Textes

Christen leben miteinander in der tragenden Agape (hergebende Liebe) und in der Nächstenliebe gegenüber allen Menschen.

6. Der Text heute

a) So sieht die Agape aus: Die ehrende Anerkennung derer, die in besonderer Leitungsverantwortung stehen. Wie schnell sind wir mit liebloser Kritik zur Hand. Lasst uns lernen wieder deutlich die Leitenden zu ermutigen in bewusstem Dank und gezieltem Lob. Das gilt auch untereinander. Gerade bei solchen Gemeindegliedern, die Mühe machen.
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b) Das persönliche geistliche Leben soll von der Freude, verwurzelt in der Jesusgemeinschaft, geprägt sein. Wir lassen uns so oft von den Umständen niederdrücken. „Loben zieht nach oben!“

c) Das gottesdienstliche Leben der Gemeinde bleibt dort lebendig und wachsend wo der Grundsatz unverrückbar gilt: Das biblische Wort ist alleiniger Maßstab. Das ist unser Hauptsatz in der Auseinandersetzung mit den „Charismatikern“. Unsere eigenen Gottesdienste dürfen nicht in starren Ordnungen ersticken. Haben wir Raum für spontane Zeugnisse?

7. Beispiele und Verdeutlichungen

A) Die Leiter anerkennen

a) Leitungsdienst in der Gemeinde ist Fürsorge, keine Machtausübung oder Selbstbestätigung.

b) Leitung geschieht nicht aus eigener Kraft, sondern ist „Aufgepflügtes“. Der Geist Gottes begabt zu solchem Dienst, bevollmächtigt und schafft Frucht.

c) Viel Kritik an den Gemeindeleitern kommt aus geistlichem Neid. Bewusst für die Leiter danken, sie auch konkret loben.

B) Einander in Geduld tragen

a) Unsere besondere Zuwendung in der Gemeinde gilt denen, die in Not sind und Not machen. Keine Ausgrenzung, sondern hinein nehmen. Aus einer „Familie2 kann ich niemand entlassen; er gehört blutsmäßig immer dazu.

b) Wir zahlen nicht mit gleicher Münze zurück. Christen haben neues Geld: Das Kleingeld der praktisch gelebten Liebe.

c) Nicht mehr altt.: „Auge um Auge..“, sondern „Leben für Leben!“ Jesus hat dieses Gesetz erfüllt: Sein Leben für unseres. Nun ntl.: Liebet die Feinde, tut wohl den Hassern und Verfolgern.

C) Leben im Herrn Jesus Christus

a) Christen leben in und aus Freude. Das ist kein Gefühl, sondern die Nähe zu Jesus Christus, unabhängig von den äußeren Umständen.

b) Es ist möglich, den heiligen Geist auszulöschen, überall dort nämlich, wo wir Ordnungen über das Leben stellen. Verkehrsschilder sollen sichere Fahrt gewährleisten, wo es nur noch rote Ampeln gibt, geht nichts mehr.

c) Die Gemeinde hat die Prüfpflicht für alle Verkündigung. Einziger Maßstab: Es steht geschrieben…

8. Gliederung und Material zur Predigt

Einleitung:
Christen leben alter-nativ, wörtl.: wiedergeboren. das wird sichtbar an ihrem eigenen Leben, im Leben untereinander und im Leben mit der Welt. Das Neue ist die Liebe.

1) Die anerkennende Liebe
„Mobbing“, gerade in Leitungsaufgaben ist heute vielfach verbreitet. Wir alternativ: Wir ehren die Gemeindeleitung. Konkrete: Bedanke dich bewusst bei dem Gemeinschaftsleiter, tue ihm etwas Gutes. Zeige so deine dankende Liebe. Achtung vor liebloser Kritik, ihre Wurzel ist oft geistlicher Neid. „Anerkennen“ heißt, bewusst wahrnehmen, die Wichtigkeit erkennen: Geistliche Leiter sind vom Geist berufen, begabt und bevollmächtigt. Leitungsdienst in der christlichen Gemeinde ist nie Machtausübung oder Selbstbestätigung. Solche anerkennende Liebe prägt auch den Umgang miteinander: Den andern höher achten als sich selbst, vgl. Phil. 2, 3. Nicht falsche Demut, sondern Anerkennung dessen, was der Geist durch den Bruder wirkt.

2) Die tragende Liebe
Da zeigt sich unser alter-natives Leben im besonderen: Wie tragen wir die mit, die besonders Not und Mühe machen. Aus einer Familie kann man niemand einfach hinauswerfen. Wir „weisen zurecht2 = deutliche Wort in suchender Liebe; wir „trösten“ = neuen Mut geben; wir „tragen“ = besondere Zuwendung und Hilfestellung. Wir haben miteinander einen langen Atem! Ist das so bei unserer Gemeinde? Wir wollen uns von Paulus „bitten“ = befragen lassen.

3) Die prüfende Liebe
So alter-nativ leben wir auch gegenüber allen Menschen. Denn so steht es in der Bibel. Die ist unser entscheidender Maßstab: Es steht geschrieben… Daran muss sich auch alle Verkündigung messen lassen, auch alle sogenannten charismatischen Strömungen. Die Gemeinde hat die Prüfpflicht. Es soll Ordnung sein in den Gottesdiensten, aber eine Ordnung, die nicht auslöscht (Bild von der roten Ampel). So entfaltet sich das geistliche Leben des Einzelnen und der Gemeinde in Freude = Dank und Lob.

Schluss: Alles dient einem: Immer enger mit Jesus zu werden. Er ist unsere erste Liebe.