1.Korinther

Predigthilfe vom 21. Mai 2017 – 1. Korinther 6, 1-11

Jahresthema: Persönliche Reformation       

Predigtthema: (Vorschlag Textplan) Lass dir doch auch mal die Wurst vom Brot schnappen / Alternativ: Du kannst verzichten / weniger ist mehr …

Predigttext:  1. Korinther 6, 1-11

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Hilfreiches Basiswissen findet  sich z. B.  in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)

MacArthur, John: Studienbibel:  http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/46-Der_Erste_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Die_Korinther.pdf

Carson, Donald A., Douglas J. Moo: Einleitung in das Neue Testament. Gießen: Brunnen Verlag

Aebi, Ernst: Kurze Einführung in die Bibel. Winterthur: Bibellesebund

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

MacArthur, John: 1. Korinther. Bielefeld: CLV. Dieser Kommentar ist auch online verfügbar: http://clv-server.de/pdf/255680.pdf

Krimmer, Heiko1. Korintherbrief. Edition C. Holzgerlingen: Hänssler

Schnabel, EckhardDer erste Brief des Paulus an die Korinther, HTA; Wuppertal: R. Brockhaus

De Boor, Werner: Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Wuppertaler Studienbibel; Wuppertal: R. Brockhaus

Wer 3-4 verschiedene Studienbibeln hat, der findet in diesen insgesamt in der Regel auch die wichtigsten Texterklärungen.

  1. Verstehen, worum es geht

Paulus wurde zumindest von einigen Korinthern sehr stark hinterfragt, die es mehr mit Apollos hielten. Paulus zeigt dann in Kapitel 4 im Grunde auf, wodurch er tatsächlich ein vorbildlicher Apostel ist und eine geistliche Autorität für alle Korinther ist. Am Ende kündigt er dann seinen eigenen Besuch an.

Ab Kapitel 5 wendet sich dann Paulus sehr stark dem Fehlverhalten der Korinther zu, es beginnt eben in Kapitel 5 mit dem Thema Gemeindezucht in Bezug auf offenkundige Sünden.

In unserem Abschnitt (6, 1-11) wendet er sich dann dem nächsten Thema zu.

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Der Sonntag ist ein normaler „Kirchenjahrsonntag“ im Frühling. Insofern sind von außen keine besonderen Anknüpfungspunkte gegeben.

„Dynamis“ findet statt, von daher ist mit wenig Jugendlichen zu rechnen.

Lieder:

Allgemein sind Lieder zum Verzicht gut, oder Lieder, die betonen, dass wir vor allem im Himmel dann reich belohnt werden, oder dass wir uns in jeder Lebenssituation Jesus anvertrauen können.

„Blessed be your name“

„Alles was mir einst so wertvoll war“

„Ein feste Burg“

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Der Abschnitt ist ein direkt lehrender Brieftext aus der Zeit des Neuen Testamentes also aus unserer jetzigen Heilszeit, in diesem Sinne lässt er sich grundsätzlich 1:1 ohne weitere Schwierigkeiten übertragen.

Andererseits unterliegt auch dieser Abschnitt einer besonderen Situation, zum einen ist damit zu rechnen, dass Paulus wieder sehr spitz oder sogar überspitzt die Korinther in Frage stellt, vor allem die, die sich für besonders weise halten.

Zum Anderen war das damalige Rechtssystem ganz anders als das heutige: Im Grunde konnten nur reiche und angesehene Leute überhaupt Klage einreichen und es gab viel Korruption (deshalb kann Paulus die Richter generell als „Ungerechte“ (Vers 1) bezeichnen. Wie an vielen anderen Stellen im Brief scheint auch hier also eine Sachlage vorzuliegen, in der die reichen Gemeindeglieder ihr Geld und ihr Ansehen unter Einbeziehung korrupter Richter dazu nutzen, um andere Gemeindeglieder ins Abseits zu stellen oder „abzuzocken“ (so auch beim Abendmahl oder bei der Frage der Kopfbedeckung).

Die Überlegung ist also völlig berechtigt, ob Paulus diesen Abschnitt auch heute so generell an eine normale Gemeinde innerhalb des deutschen Rechtssystems schreiben würde: Will Paulus tatsächlich keine Gerichtsprozesse oder will er „nur“ nicht, dass die Reichen die Armen mal wieder „über den Tisch ziehen“ …

Für die Predigt empfiehlt sich also, zunächst das damalige Rechtssystem zu erklären und dann sehr vorsichtig zu übertragen, was das für uns in heutiger Zeit heißen könnte.

Wichtig ist auch grundsätzlich immer, biblisch ausgewogen zu predigen. Stoßrichtung ist hier, dass man auf „sein Recht“ verzichten soll. Bei Paulus sehen wir dann, dass er einerseits tatsächlich auf sein römisches Bürgerrecht zunächst verzichtete (Apg 16,38), während er es in anderen Situationen benutzt (Apg 22,25)

Zu einer biblischen Ausgewogenheit gehört auch, dass es evtl. auch eine Verantwortung für Schwache oder Schutzbefohlene gibt, aus der heraus ich Böse nicht immer gewähren lassen darf, sondern sie in ihre rechtlichen Schranken weisen muss.

Es gibt beides: Das Ertragen von Unrecht und das Ermahnen von dem, der Unrecht tut.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Einwand gegen Vers 7 wird sehr schnell im Raum stehen: Ich kann mich doch nicht immer über den Tisch ziehen lassen, der andere nutzt das doch aus!

Auch hier gilt es ausgewogen dafür zu werben, tatsächlich den Weg des Verzichtes und der Feindesliebe zu gehen.

Entscheidend wird die Frage sein, was meine Motivation ist. Motiviert mich Rache oder Stolz oder falsche Demut oder tatsächlich die Suche nach dem Weg der Liebe im Umgang mit dem Bösen.

2.4 Punkte, die sich aus dem Text ergeben

a) „die Ungerechten“ (Vers 1)

Gerade dieses generelle Urteil zeigt, dass man sich sehr gut mit dem damaligen Rechtssystem beschäftigen muss, um zu zeigen, was eigentlich das Problem war, welche Prozesse es gab und warum Paulus dagegen ist …

b) „wir Frommen können das mindestens genauso gut“ (Vers 2-6)

Paulus traut den Gemeindegliedern zu, dass sie diese Streitigkeiten selber lösen können. Das kann daran liegen, dass sie sich – aufgrund der damaligen Situation – offenkundig in Luft auflösen, sobald man mit etwas gesundem Menschenverstand darauf schaut.

Es kann aber auch daran liegen, dass wir als Christen ganz andere Werte und Fähigkeiten haben, so dass ein solcher Prozess nicht nötig ist: Wir können mit weniger zufrieden sein, unser Recht ruhen lassen, Weisheit vom Heiligen Geist erbitten, uns gegenseitig helfen, wenn wir in finanzielle Not geraten usw …

Der „Weise“ (Vers 5) ist sicherlich auch wieder eine Anspielung darauf, dass sich die Korinther doch eigentlich für ziemlich weise hielten!

c) Unrecht erdulden (Vers 7-8)

Vers 8 ist die Analyse: Die angesprochenen Korinther „tun Unrecht“ und übervorteilen andere.

Genau das zieht Paulus in Vers 7 ins genaue Gegenteil: Lass dir Unrecht tun / Lass dich übervorteilen.

„übervorteilen“ wird in 1. Kor 7,5 (für die Sexualität in der Ehe) und in Jak. 5,4 (für den gerechten Arbeitslohn) im Sinne von „vorenthalten“ benutzt. Es geht darum, jemandem etwas zu verweigern bzw. eben „vorzuenthalten“, worauf der andere eigentlich ein Recht hat! Genau das haben die reichen Korinther wohl dann auch noch versucht, durch korrupte Richter zu legitimieren bzw. dem anderen den Rechtsanspruch absprechen zu lassen. Christen sollten das niemals tun! Vor allem schützen und erfüllen Christen die Rechtsansprüche anderer Menschen! Und an dieser Stelle geht Paulus sogar noch weiter und sagt, dass Christen vielmehr in der Lage sein müssten, sogar ihrerseits ihres Rechtes beraubt zu werden, sich also tatsächlich „über den Tisch ziehen zu lassen“.

An dieser Stelle gilt es eben im Sinne der homiletischen und hermeneutischen Vorüberlegungen nun ausgewogen darzustellen, inwieweit Christen bereit sein müssen, auf ihre Recht zu verzichten, aber auch in der Verantwortung stehen, ungerechten Menschen Grenzen zu setzen, umso mehr, da wir hier davon ausgehen können, dass Paulus mit einer provokativen und pointierten Schärfe gegenüber den Korinthern schreibt, während er in anderen Situationen evtl. mit einer größeren Weite schreiben würde.

d) Leben in Reinheit (Vers 9-10)

Schon in Kapitel 5 war nach einem anfänglichen speziellen Thema (Unzucht mit der Schwiegermutter) dann eine Ausweitung auf andere Themen erfolgt (1. Kor 5, 11) Und so folgt auch hier einem zunächst speziellen Thema (nicht andere Christen vor Gericht über den Tisch ziehen) die allgemeine Warnung, dass ein Leben in Ungerechtigkeit „das Erbe“ gefährdet.

Auch hier gilt es sicher wieder ausgewogen zu predigen: Sicherlich gefährdet eine Sünde, die wir begehen nicht unser himmlisches Erbe und damit unser Heil. Aber dort, wo an Sünde wissentlich, willentlich und offenkundig festgehalten wird und man wohlmöglich noch vor Gericht versucht, genau das zu „legitimieren“, da sieht sich Paulus genötigt, eine ganz klare Grenze zu ziehen.

In jedem Fall wird hier deutlich, dass Gott von jedem Menschen, der sich wirklich Gott zuwendet eine Verhaltensänderung hin zum Gesetz erwartet! Zu einer wirklich Umkehr gehört auch ein neues Leben! Ich kann nicht Christ werden und gleichzeitig bleibt äußerlich alles beim Alten!

e) gelebte Erneuerung (Vers 11)

Paulus zeigt die vorherigen Sünden als altes Leben auf und indem er dann die geistlichen Neuerungen des neuen Lebens aufzeigt („gewaschen“, geheiligt, gerechtfertigt durch Jesus und den Geist) wird gleichzeitig deutlich, dass dieses Vergangene nun eben auch Vergangenheit sein soll! Es soll nicht sein, dass ich an Dingen festhalte, von denen ich nun genau weiß, dass ich dafür Vergebung brauche!

  1. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung kann das Anhören einer Predigt sehr hilfreich sein. Unter www.sermon-online.de finden sich Predigten zu den unterschiedlichsten Bibeltexten.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Der Hörer soll erkennen, dass ein wesentlicher Zug des Christsein(s) das Verzichten-Können ist!

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Du kannst verzichten – angefangen vom Recht bis hin zu Besitz oder verschiedenen „Lüsten“ kann der Christ verzichten und Gott erwartet das auch ganz praktisch!

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Einleitung:

Zitate zum Thema „Verzicht“, „weniger ist mehr“, evtl. eine Geschichte, wo ein Mensch tatsächlich auf etwas verzichtet hat, worauf er ein Recht gehabt hätte.

a) Vers 1-6 – Gib dich zufrieden!

Das korrupte Rechtssystem muss erklärt werden (Vers 1 Richter=Ungerechte), die Reichen sollten sich nicht auf Kosten anderer noch mehr bereichern!

Wo nutzen wir Rechts- oder auch Wirtschaftssysteme auf Kosten von Armen aus? – scheinbar „legal“ und doch ungerecht …

b) Vers 7-8 – Ertrage das Unrecht!

Nicht nur, dass wir zufrieden sein sollen mit dem was wir haben, sondern Paulus fordert uns sogar heraus, dass wir bereit sind, dass uns Unrecht getan wird, dass anderen uns ausnutzen …

c) Vers 9-10 – Es geht nicht nach der Lust!

Viele Dinge, die Paulus in einem erweiterten Kreis aufzählt und die alle auch mit Verzicht und „Enthaltsamkeit“ zu tun haben, sind Dinge, die unter das Stichwort „Lust“ fallen: „Ich möchte es aber und es macht mir Spaß …

Paulus erwartet ein erneuertes Leben, dort wo Gott klare Grenzen setzt!

d) Vers 11 – Wir haben so viel

Paulus verweist auf die neuen geistlichen Güter und erwartet eben ein entsprechend erneuertes Leben.

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Wichtig ist bei jedem Punkt, dass er neben guten Bildern und Vergleichen, die einem vielleicht einfallen, auch tatsächlich angewendet wird: Ein praktisches Beispiel aus dem geistlichen Alltag, wie die Erkenntnis eben in der Praxis angewendet wird oder angewendet werden kann.

Auch biblische Personen können zur Veranschaulichung herangezogen werden.

Beispiele aus der (Kirchen)Geschichte, wo Christen Unrecht erduldet haben könnten herangezogen haben.

Die „Jesus-Art“ könnte vor Augen geführt werden: ER hat auch nicht widersprochen und erduldet.

Bibelstellen, die vertiefen, dass Christen (vor allem um des Glaubens Willen) Leiden, Verfolgung und Nachteile in Kauf nehmen sollen und können.

(Mirko Lau)