Markus

Predigthilfe vom 21. Juni 2015 – Markus 1, 14-20

Monatsthema: Jesus-Erzählungen
Predigtthema: Jesus sucht uns.
Bibelstelle: Markus 1,(14) 16-20
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

1. Zusammenhang
Knapp und ohne jeden Schnörkel berichtet Markus vom Beginn der Wirksamkeit Jesu.
Hier, wie er die ersten Jünger beruft. Der Messias beginnt, seine Gemeinde zu sammeln; der König Gottes beruft die ersten Bürger des Reiches.
2. Biblische Paralellen
Schon die Propheten im Alten Bund scharten Jünger um sich. (vergl. 2. Kön. 2,3, auch
Amos 7,14) Auch Johannes der Täufer berief Jünger, vergl. Mt. 9,14. Sie wurden berufen, wie auch die Propheten selbst, (vergl. Die Berufungsgeschichten etwa des Jesaja, Jeremia,oder Amos) und dabei dienstbeauftragt. (Zu Menschenfischern vergl. Jer. 16,16)
3. Der Aufbau des Textes
V. 16-18 Die 1. Szene: V. 16 Jesus kommt und sieht Simon und Andreas
V. 17 Jesus ruft sie
V. 18 Sie folgen
V. 19-20 Die 2. Szene: V. 19 Jesus kommt und sieht Jakobus und Johannes
V. 20 Er rief sie und sie folgen
Einzelerklärungen
V. 16 Das Galiläische Meer ist der See Genezareth
Simon = Erhörung
Andreas = der Männliche, der Starke
Netz = das Wurfnetz. Die Art, in Ufernähe zu fischen.
V.17 Folget mir nach, wörtl.: Geht hinter mir her.
Menschenfischer = sie werden Menschen für das Gottesreich gewinnen
(vergl. Auch Mt. 13 ab V. 47)
V. 18 Sogleich = augenblicklich, ohne zu zögern.
V. 19 Jakobus = Fersen halten; nach dem Erzvater Jakob, der bei der Geburt Esau bei der Verse hielt
Zebedäus = der Herr schenkt
Johannes = Gott ist gnädig
Netze flicken = die zerrissenen Maschen der Schleppnetze wieder in Ordnung bringen. Die Art, auf der Seemitte zu fischen.
V. 20 Taglöhner = In Spitzenzeiten halfen solche einfachen Leute aus. Vom Fischen verstanden sie wenig, aber für Reparaturarbeiten und sonstige Hilfe
wurden sie gebraucht.
Zebedäus hatte nach heutigen Maßstäben einen mittleren Betrieb.
4. Die Spitze des Textes
„Merk Seele dir dies große Wort: Wenn Jesus ruft, so geh ….“
5. Der Text heute
Der entscheidende Punkt ist der Ruf in die Nachfolge, damals wie heute. Es bleibt dabei: Jesus ruft; damals direkt, heut durch sein Wort. Wir betonen diesen persönlichen Ruf, anders wird man nicht Christ. Unsere Antwort ist gefragt. Christsein vererbt sich nicht, hat zunächst auch gar nichts mit einer Mitgliedschaft in Kirche oder Gemeinschaft zu tun.
Christen sind Leute, die Jesu Ruf persönlich folgen.
Dieser Ruf stellt in den Dienst (Menschenfischer). Das sollten wir wieder ganz neu betonen:
Christen sind Mitarbeiter, Dienstleute, tätige Glieder am Leib. Hier liegt auch in unseren Gemeinschaften manches im Argen. Deshalb sollte das wesentlicher Akzent unserer Predigt sein
6. Beispiele und Verdeutlichungen
A) Jesus kommt
a) Jesus beginnt seine Wirksamkeit im verachteten Galiläa, nicht im „frommen“ Jerusalem.
Er sucht die Leute, die ihn wirklich nötig haben. Die Ortsangabe Galiläa ist sein „Programm“: Ich bin gekommen, Sünder zu suchen…
b) Er kommt, geht auf die Menschen zu. Zu Johannes dem Täufer mussten die Menschen
kommen, die Lehrer Israels wurden ehrerbietig aufgesucht, Jesus geht. Wichtig:
Wir haben soviel Komm-Struktur, auch in unseren Gemeinschaften (Einladungszettel etc.) Jesus lebt die Geh-Struktur vor und ruft uns da hinein: „Gehet hin“.
c) Er kommt heute zu den Menschen. Durch uns, die wir sein Wort reden. Er ist da im
Wort. Wollen wir Jesus zu den Leuten bringen, müssen wir ihnen sein Wort bringen und sagen.
B) Jesus ruft
a) Jesus sieht die vier Fischer. Er übersieht sie nicht, obwohl sie einfachste Leute sind. Das
ist ganz großer Trost: Jesus sieht uns, vgl. auch Mt. 9,36: Er sieht und wird von unserer Situation tief bewegt.
b) Jesus ruft klar und deutlich. Das ist das Wunder bis heute. Er ruft heraus aus dem
Alten. Sie verlassen selbst den Vater. Jesus hat das erste Anrecht auf unser Leben. Sind wir noch bereit, Gewohntes zu verlassen?
c) Die vier hören den Ruf, sie überhören ihn nicht. Mitten im Arbeitsgetriebe. Sie lassen
sich nicht von der Arbeit gefangen nehmen. Das ist bei uns oft ein Problem.
C) Er will Nachfolger
a) Es ist nicht die erste Begegnung mit Jesus für Petrus etwa. Vgl. Joh. 1,41-42 und
Luk. 5,1 ff. Jetzt aber steht er in der Entscheidung. Jetzt gilt’s – und er folgt.
b) Die Jünger werden zum Dienst berufen. Menschenfischer. Berufung ist biblisch immer
in-Dienstnahme. Im Reich Gottes gibt es keine Zierbäume, nur Fruchtbäume.
c) Menschenfischer: Es gibt verschiedene Arten zu fischen: Wurfnetz, Schleppnetz, Angel
etc. So auch verschiedene Arten, Menschen für Jesus zu gewinnen ( Großveranstaltungen, unsere Gruppen und Kreise, persönliches Gespräch)
7. Gliederung und Material zur Predigt
Einleitung: Wieder die „skandalöse“ Ortsangabe: Galiläa. Ja, Jesus ruft im unheiligen Land zum heiligen Gott. Das gilt bis heute. Er spart keinen Ort aus.
1. Jesus kommt
Völlig ungewohnt. Zu Johannes dem Täufer mussten die Menschen kommen, auch zu den jüdischen Lehrern. Jesus kommt zu den Menschen. Das ist seine Bewegung, in die er uns hineinruft: Gehet hin! Wir und unsere Komm-Strukturen: „Wer will, kann kommmen, wir laden doch öffentlich ein!“ sagen wir. Jesus will aber, dass wir hingehen zu den Menschen. Wo gehen wir hin? Wo ist die Geh-Bewegung in unserer Gemeinschaft, in unserem Jugendkreis? Lassen wir uns neu in die Jesus-Bewegung rufen.
Die Religionen weisen andere Wege: Die Menschen müssen zu den Göttern kommen, sich selber bemühen. Das Christentum ist keine Religion, es ist das Evangelium: Gott kommt zu uns, er will uns begegnen.
Wir sind Jesu Boten und wollen, dass Menschen ihm begegnen. Vor dem Mund sind die Füße gefragt, deshalb Jes. 57,7, vgl. Rö. 10,15: Die Füße der Freudenboten.
2. Jesus beruft
Jesus sieht genau, im Alltäglichen. Welcher Trost. Vgl. Mt. 9,36. Er übersieht diese einfachen Leute nicht. Wir dürfen um diesen Jesusblick bitten, der heilige Geist öffnet uns die Augen. Wir übersehen so gerne. Genau hinsehen. Auch untereinander dieses Sehen einüben. Wen können wir in unserer Gemeinschaft in eine bestimmte Aufgabe rufen.
Nur wo wir genau und in Liebe einander „sehen“, können wir einander auch helfen und am rechten Platz einsetzen.
Jesus ruft die vier vom Gewohnten weg. Vielleicht bei uns die Frage nach dem Zeitpunkt unserer Versammlungen? Oder: Wir machen beim nächsten Dorffest einen eigenen Stand!
Auch persönlich: Ich gebe liebgewordene Gewohnheiten auf, um besser Jesus dienen zu können. (Junge Leute etwa: Meldet euch zu einer missionarischen Freizeit)
Jesus ruft in die Nachfolge: Geht hinter mir her, nicht neben mir, nicht voraus mit euren eigenen Ideen, – sondern hinter ihm. Die Schritte, die er vorgegangen ist. Die Bibel zeigt’s mir. Jesus will Nachfolger, nicht Nachsitzer.
3. Jesus ruft zur Mitarbeit
Berufung ist in-Dienstnahme. Keine Zierbäume,nein Fruchtbäume. Tätige Glieder am Leib. Es gibt so viele „Blindarmchristen“ (unnötiges Glied?). Es ist die dritte Begegnung Petrus mit Jesus und jetzt gilt’s! Von der alltäglichen Arbeit hinein in die Ewigkeitsarbeit.
Menschenfischer: vgl. Mt. 13,47ff. Verschiedene Arten zu fischen, je nach Ort und Fischart. Fischen wir eigentlich noch? Wer ist neu im letzten Jahr in unserer Gemeinschaft, in unserem Jugendkreis? Unsere Freizeiten, da wollen wir fischen, Menschen für Jesus gewinnen. Das beginnt schon mit dem Einladen: Das LEUCHTFEUER ist ein Fischer-Prospekt. Mach mit beim Fischen! Mitarbeiter auf der Freizeit. Vielleicht als Taglöhner (die nötige Vorbereitungs- und Hintergrundarbeit) Nur so kann die Verkündigung zu Herzen gehen, wenn die Mitarbeiter im Putz-, Küchen-, Service- und Kinderstunden-Team von Herzen dabei sind.
Schluss: Habe ich Jesu Ruf gehört? Wo bin ich Menschenfischer?