Johannes

Predigthilfe vom 9. Januar 2022 – Johannes 6, 50-69

Predigtthema:        Jesus „essen“ heißt leben

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Es ist immer sehr wertvoll im Auge zu behalten, dass Johannes vor allem Jesus als den Messias herausstellen möchte. Joh 20,30+31 betonen das nochmals sehr deutlich. Ebenfalls ist es hilfreich, wenn man das ganze Kapitel im Zusammenhang liest. Es ist das erste von sieben Ich-bin-Worten, die Jesus hier sagt. Im 6.Kapitel finden wir ebenfalls einen Wechsel. Einen Wechsel von den Wundern Jesu hin zu den Reden Jesu. In Kapitel 6 lesen wir das fünfte Wunder Jesu von den insgesamt sieben im Johannesevangelium beschriebenen. Es ist also ein Wechsel von den Taten hin zu den Worten Gottes. Das Volk hatte die Möglichkeit den Sohn Gottes zu sehen und darf ihn nun auch hören. Unten eine Liste der Wunder und Worte Jesu.

Wunder Jesu:

  • Wandlung von Wasser zu Wein; 2,1-11
  • Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten; 4,46-54
  • Heilung eines Kranken am Teich Bethesda; 5,1-18
  • Speisung der 5000; 6,1-14
  • Jesus geht auf dem See; 6,16-21
  • Heilung eines Blindgeborenen; 9,1-7
  • Auferweckung des Lazarus; 11,1-45

Ich-bin-Worte:

  • Brot des Lebens; 6,35
  • Licht der Welt; 8,12
  • Die Tür; 10,9
  • Gute Hirte; 10,12
  • Auferstehung und das Leben; 11,25
  • Weg, Wahrheit und das Leben; 14,6
  • Der Weinstock; 15,1+5

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Beten und den Text wiederholt lesen
  • Fritz Rienecker; Alexander Schick, Lexikon zur Bibel
  • William Barclay; Johannesevangelium 1
  • Werner de Boor; Wuppertaler Studienbibel, Das Evangelium nach Johannes
  • William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament
  • Maier, Gerhard, Edition C Bibelkommentar NT, „Johannesevangelium Teil 1“, Band 6, Hänssler Verlag.

Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. auch die MacArthur Studienbibel (unter S.1500f).

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Kurz vorher redet Jesus zur Volksmenge und gibt ihnen das erste Ich-bin-Wort weiter, von denen wir im Johannesevangelium insgesamt sieben finden. Das sind Wahrheiten, die Jesus dem Volk ungefiltert präsentiert, um seine Göttlichkeit klarzumachen.

Jesus bezeugt immer wieder durch Wort und Tat, dass er der Messias ist (5,36) und dass das Volk allein durch ihn die Sündenvergebung erlangen kann. Was wir jedoch oft beobachten können ist, dass das Volk zwar Jesus und seine Wunder will, aber mit seiner Theologie nicht einverstanden ist. Genauso ist es auch hier in Johannes 6. Er speist 5000 Menschen, er geht auf dem Wasser – doch als die Leute mehr von ihm wollten, kamen sie mit seinen Worten nicht mehr klar und verließen ihn sogar (6,66).

In unserem Text gebraucht Jesus das Wunder Gottes aus der Wüste, wo das Volk mit dem Brot vom Himmel satt geworden war (6,32-33), um dies nun für sich selbst anzuwenden. Diese Textstelle ist wesentlich, um zu verstehen, warum Jesus hier immer wieder das Brot und das Fleisch seines Körpers erwähnt.

Als die Leute wenig vorher nämlich das Brot gegessen hatten, das Jesus auf wundersame Weise vermehrt hatte, verlangten sie nun einen weiteren Beweis, dass Jesus der Messias ist. Doch Jesus lässt es nun bei diesem einen Wunder und will die Menschen durch sein Wort zur Nachfolge berufen.

V 50-58:

Jesus münzt wie gesagt das Brot aus der Wüste um auf sich. Die Menschen sollen ihm nun nachfolgen und ihn lieben und ehren. Sie sollen erkennen, dass er der Messias ist, um Gemeinschaft zu haben mit ihm.

Es ist natürlich klar, dass Jesus nicht seinen physischen Körper meint, den es zu essen gilt – Jesus legitimiert hier nicht die katholische Lehre der Eucharistie – sondern er münzt das auf seine Worte um und auf die Nachfolge.

William MacDonald schreibt dazu passend:

„In diesem Vers und in den folgenden Versen spricht der Herr Jesus immer wieder davon, dass Menschen von ihm essen. Bedeutet das, dass sie ihn im wörtlichen, leiblichen Sinne essen sollten? Offensichtlich ist diese Vorstellung unmöglich und widerwärtig. Dennoch denken einige, dass wir ihn gemäß seiner Lehre bei der Abendmahlsfeier zu uns nehmen müssten. Sie behaupten, dass das Brot und der Wein auf irgendeine wunderbare Weise in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden würden und wir diese Elemente zu uns nehmen müssten, um gerettet zu werden. Doch das hat Jesus gar nicht gesagt. Der Zusammenhang macht recht deutlich, dass jeder, der an ihn glaubt, gleichsam von ihm isst. Wenn wir den Herrn Jesus Christus als unseren Retter annehmen, dann nehmen wir ihn im Glauben auf. Wir haben an den Vorzügen seiner Person und seines Werkes teil. Augustinus sagte: »Glaube, und du hast gegessen.«“

So wie das Essen und Trinken für das physische Leben notwendig ist, ist auch der Glaube an ihn und seinen Opfertod am Kreuz für das ewige Leben notwendig.

„Das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes symbolisiert im Bild die Notwendigkeit, Jesu Werk am Kreuz anzunehmen“ – MacArthur

V 59:

Johannes fügte die Bemerkung hinzu, dass Seine Rede in der Synagoge in Kapernaum abgeschlossen wurde. Sie hatte am See angefangen (V. 25) und irgendwo mittendrin hatte die Unterredung ihren Standort gewechselt. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wo dieser Wechsel stattfand, aber es scheint, dass zwischen den Versen 34 und 41 eine Unterbrechung liegt. Vor diesem Abschnitt redete die Volksmenge, aber nach diesem Abschnitt redeten die Juden.

V 60+66:

Fast schon verwundert stellt Jesus ihnen nun die Gegenfrage – wegen dem was ich sagte wollt ihr weg gehen?

Und tatsächlich, „viele“ gingen weg.

V 61+64:

Jesus kennt uns Menschen und unsere Herzen. Zum einen ist das ein beruhigender, aber auch ein beängstigender Gedanke. Jesus wusste worüber seine Jünger sprachen. Sie waren sich nicht sicher was Jesus meinte. Sie fanden das zu „hart“. Die Konsequenzen der wahren Nachfolge waren für sie nicht mehr tragbar und schließlich verließen sie ihn – V66!

Jesus wusste das. Er wusste von Anfang an, wer nicht glaubte. Irgendwie ist das erschreckend. Einige waren dabei, sahen Jesus, beteuerten bestimmt auch, dass sie an Jesus glaubten, aber dann, als es drauf ankam, verließen sie ihn. Jesus wusste das. Er hatte sie bei sich – trotzdem, dass er wusste, dass sie ihn sowieso verlassen würden. Warum schickt er sie nicht direkt weg? Warum lässt er sie mitlaufen und alle Wunder sehen? Das bleibt wohl Gottes Geheimnis.

Johannes selbst schreibt allerdings, als ob er aus dieser Erfahrung gelernt hatte:

1.Joh 2,19 Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber es sollte offenbar werden, dass sie alle nicht von uns sind.

Immer wieder kommen und gehen die Menschen. Sie kommen zu Gott und gehen wieder weg. Für diejenigen, die da bleiben ist das oft recht schmerzlich. Vor allem dann, wenn es sich um Familienmitglieder oder Freunde handelt.

Mit unserem menschlichen Auge können wir zwar sehen was passiert, aber das Herz eines Menschen kann nur Jesus mit seinem geistlichen Auge sehen.

V 62:

Der CV-Kommentar schreibt:

„Diese beiden Verse zusammengenommen, zeigen, dass der Herr sich schließlich mit der eigentlichen Aneignung des Glaubens befasste. Der Sinn von V. 62 ist buchstäblich: »Wie nun, wenn ihr den Menschensohn würdet dahin auffahren sehen, wo er vordem war?« Dies bildet einen Kontrast zu zahlreichen vorangegangenen Versen, in denen der Herr von der Tatsache gesprochen hatte, dass Er vom Himmel herniedergekommen war. Wenn ersteres keinen Glauben geweckt hatte, dann würde es auch letzteres nicht tun, selbst wenn sie das Vorrecht gehabt haben sollten, die Himmelfahrt des Herrn mit eigenen Augen zu sehen (was nicht möglich war, da sie nicht auserwählt waren, dieses herrliche Geschehen zu bezeugen). Einer, der herniedergekommen war, konnte keinen Glauben wecken (Lk 16,30-31), noch hätte es einer getan, wenn er vom Kreuz herabgestiegen wäre. Ein Wahrnehmen aller Bewegungen des Herrn mit den natürlichen Augen ist keine ausreichende Voraussetzung für den Glauben, denn der Geist ist es, der lebendig macht.“

V 63+65:

Dieser Vers drückt nun eine tiefe Wahrheit aus, die wir einfach hinnehmen müssen, ob wir sie verstehen oder nicht. Jesus spricht nun von Geist und Fleisch. Mit Fleisch meint er nun nicht mehr das von ihm angesprochene Fleisch, das die Menschen essen sollen, sondern er meint den Menschen an sich.

Er stellt hier den Geist Gottes und den Menschen gegenüber. Jesus will deutlich machen, dass das was er sagt nur der Geist einem Menschen klarmachen kann. Der menschliche Verstand nützt nichts – denn die Menschen versuchten alles was Jesus sagte mit ihrem eigenen Verstand zu begreifen. Aber die Worte, die Jesus spricht, sind Geist und Leben. Nichts Weltliches kann die Dinge deuten und verständlich machen – außer der Geist Gottes (Joh 14,6+16+17; 15,26; 16,13+14; 1.Kor 1,18(-25).

V 67-69:

Das ist die wahre Reaktion eines wahren Nachfolgers Christi. Wohin sollen wir denn gehen? Was ist denn Besser als das was du gibst, Herr?

Auch wenn die Erkenntnis Stückwerk ist (Phil 3,13; 1.Kor 13,12), so ist doch der Glaube etwas, dass man nur 100% haben kann. Man kann nicht sagen, man glaube zu 70% an Jesus und den Rest an das Geld oder an das Glück oder an sonst irgendetwas, das die Welt zu bieten hat (Mt 6,24; Lk 16,13). Wenn wir an Jesus glauben, dann folgt daraus Stück für Stück die Konsequenz der Nachfolge. Die Nachfolge ist nicht von heute auf morgen zu 100% da – aber wohl der Glaube, wenn der Geist ihn uns schenkt. Und so glaubten die Jünger (außer Judas) zu 100% an Jesus, lernten aber Stück für Stück die Nachfolge und den Gehorsam.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Wir müssen den Text im Zusammenhang sehen. Am Besten wäre es, wenn man das ganze Kapitel einmal am Stück durchliest. Die Juden kamen nämlich, um Jesus zu befragen. Ist er wirklich der Messias? Bewirkt er die Wunder, von denen prophezeit wurde?

Jesus tut im Johannesevangelium viele Wunder, um klarzumachen, dass er nicht nur den Anspruch hat der Messias zu sein, sondern auch um klarzumachen, dass er der Messias ist! Allein in Kapitel 6 lesen wir von zwei Wundern, die er kurz hintereinander tut (V 11+19-21).

Die Menschen erlebten den Messias hautnah. Er redete die Worte Gottes, stillte ihren Hunger und diskutierte mit ihnen. Ein Tag davor hat er eine große Menge satt gemacht und nun wollten sie wissen, ob er wirklich der Messias ist. Sie waren vergesslich und sensationslustig. Eigentlich wollte das Volk mehr die Wunder als den Messias.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Es ist ein recht großer Abschnitt. Daher macht es bestimmt Sinn, den Text in größere Abschnitte einzuteilen und nicht auf jedes Wort einzeln einzugehen.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch unter folgendem Link:

www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=0&language=24&searchstring=johannes+6&language=0&x=0&y=0

3.1 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Das Wort und der Mensch (V.50-59 )                                                                                          

b) Der Geist und der Mensch (V.60-65 )

c) Die Nachfolge und der Mensch (V.66-69)

oder:

a) Ehrliche Gemeinschaft – V50-59

b) Ehrliches Hinterfragen – V60-65

c) Ehrliche Nachfolge – V66-69

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Ich denke es ist wichtig, dass wir aufzeigen, dass wir oft Entscheidungen im Alltag treffen, für die wir mit allen Konsequenzen grad stehen müssen.

  • Beim Autofahren – bin ich der Verantwortliche für jeden Meter, den mein Auto fährt
  • Beim Heiraten – wird es immer nur so gut, wie ich meine Rolle wahrnehme

Ich kann mir vielleicht im Restaurant was aussuchen oder morgens aus dem Schrank etwas nehmen, das mir gefällt, doch bei der Nachfolge stellt Gott die Bedingungen. Es ist gut, darauf aufmerksam zu machen, dass auch wir uns die Frage der Nachfolge stellen müssen.

Ebenso ist es auch wunderbar zu wissen, dass ich den Glauben nicht aus mir selbst heraus habe, sondern nur durch die Gabe des Vaters (V65).

  • Vielleicht zu Beginn ein Brötchen Zeigen und sagen
    • Nur wer davon abgebissen hat, hat das Brötchen in sich
    • Um zu zeigen, dass nur derjenige, der an Jesus glaubt, auch das ewiges Leben hat
      • Man kann sich das Brot jedoch nicht selber nehmen – sondern nur der Geist gibt es!

(Valentein Töws)