1.Mose

Predigthilfe vom 19. Januar 2014 – 1. Mose 3, 1-24

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Jahresthema:         In Gottes Nähe leben 

Predigtthema:         Wer ist wirklich Gott?

Predigttext:             1Mose 3,1-24

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (1Mose 3,1-24) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Was passiert, wenn das Wort Gottes nicht beachtet wird? – diese Frage beantwortet unser Predigttext und von daher stehen wir vor der grundlegenden Frage: Von wem lasse ich mir was sagen? bzw. Wer ist wirklich Gott in meinem Leben? Gott ist der, der das Sagen hat! Aber wer hat in meinem Leben das Sagen?

V. 1: Der Zweifel an Gottes Wort

V. 2f: Das „Nein“ zu Gottes Wort

V. 4-8: Das „eigene“ Wort

V. 9-11: Die Sünde des Mannes

V. 12: Die Sünde der Frau

V. 13: Die Sünde der Schlange

V. 14f: Der Strafspruch über die Schlange

V. 16: Der Strafspruch über die Frau

V. 17-19: Der Strafspruch über den Mann

V. 20f: Das „eigene“ Leben

V. 22: Das „Nein“ Gottes

V. 23f: Die Folgen des „Zweifels“

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung vom Predigttext 1Mose 3,1-24 bieten z.B.

* Hansjörg Bräumer. Das erste Buch Mose: Kapitel 1-11. Wuppertaler Studienbibel AT. Brockhaus Verlag (S. 82-109).

* Arnold G. Fruchtenbaum. Das 1. Buch Mose: Kapitel 1-11. Eine Auslegung aus messianisch-jüdischer Perspektive. CMD-Verlag (S. 108-135).

* John F. Walvoord / Roy F. Zuck. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 1: 1.Mose – 2.Samuel. Hänssler (S. 22-25).

* John F. Mac Arthur. Der Kampf um den Anfang: Schöpfung, Evolution und die Bibel. CLV (S. 217-249 – online unter http://clv-server.de/pdf/255951.pdf).

* Carl Friedrich Keil. Biblischer Kommentar über das Alte Testament (AT). Bd. 1: Die Bücher Mose – Teil 1/2 – Genesis und Exodus (S. 65-82 – online unter http://bitflow.dyndns.org/german/KeilDelitzsch/Biblischer_Kommentar_Ueber_Das_Alte_Testament_Band_01_Buecher_01_02_1878.pdf).

* D. Martyn Lloyd-Jones. Von Verdammnis zu Vergebung: Gottes Heilsplan im ersten Buch Mose. 3L Verlag (S. 5-105).

Anmerkungen zum Predigttext (1Mose 3,1-24) bietet z.B. die MacArthur Studienbibel (unter http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/01-Das_Erste_Buch_Mose_Genesis.pdf; S. 53f) und die dreiteilige Predigtreihe „Wo begann die Sünde?“ (1Mose 3,1-7) von John MacArthur:

* Teil 1: „Was ist Sünde?“ unter http://www.gty.org/resources/print/sermons/de90-233 (bzw. als übersetzte mp3 unter http://www.gty.org/MediaPlayer/sermons/de90-233)

* Teil 2: „Die Breite und die Tiefe der Sünde“ unter http://www.gty.org/resources/print/sermons/de90-234 (bzw. als übersetzte mp3 unter http://www.gty.org/MediaPlayer/sermons/de90-234)

* Teil 3: „Der Ursprung des Bösen“ unter http://www.gty.org/resources/print/sermons/de90-235 (bzw. als übersetzte mp3 unter http://www.gty.org/MediaPlayer/sermons/de90-235). 

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir sind immer noch bei den „Anfangsdaten“ der Menschheitsgeschichte und wollen den grundlegenden Willen Gottes mit seiner Schöpfung entdecken. Alles was wir gegenwärtig verkündigen hat „grundlegenden“ Charakter für die Beziehung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen. Heute geht es darum, wie für den Menschen das „Paradies auf Erden“ ein Ende nimmt. Was zerstört die Beziehung und Begegnung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf? Diese Frage gilt es in der Verkündigung zu beantworten.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Der grundlegende und festlegende Charakter für alle Menschen von 1Mose 3,1-24 wird z.B. in Röm 5,12-21 und in 1Kor 15,21f.45-49 erklärt und ist von daher im Rahmen der Predigt zu berücksichtigen. Aber der Bericht vom Sündenfall ist nicht nur eine Zerfallsgeschichte, sondern zugleich auch ein Neuanfang. Unter veränderten Bedingungen geht die Erlösungsgeschichte weiter, denn mitten im Gericht zeigt sich die Gnade. Unter dem Fluch gibt es bereits Hinweise auf Segen. Diese Hoffnungszeichen, die sich in Christus erfüllen, gilt es in der Verkündigung zu entfalten (vgl. Röm 3,22b-26; 6,23). Anregungen zu einer christologischen Verkündigung bieten z.B. Wilhelm Busch. Spuren zum Kreuz: Christus im Alten Testament. Wilhelm-Busch-Bibliothek 9. Neukirchen-Vluyn: Aussaat, 2006 (S. 13-25 unter http://clv-server.de/pdf/255681-09.pdf) und die Hinweise von Ulrich Parzany unter 3.4 (Predigtveranschaulichungen).

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Die Sünde von Adam und Eva erfolgte bevor sie die verbotene Frucht aßen. Bereits als sie anfingen sich zu fragen, warum sie Gott gehorchen sollten, sündigten sie in ihren Herzen. Sobald der Mensch bei sich bleibt, zerstört er Gottes gute Schöpfung. Von daher sollte ein besonderes Gewicht unserer Verkündigung auf dem Anfang des Predigttextes liegen (V. 1-7), damit das eigentliche Grundproblem herausgearbeitet werden kann: Wer ist wirklich Gott? Und woran zeigt sich das?

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 18.12.1994 mit dem Titel „Endlich Frieden“ (1Mose 3,15), vom 28.02.1993 mit dem Titel „Adam, wo bist du?“ (1Mose 3,1-19), vom 26.09.1982 mit dem Titel „Woher kommt das Leid?“ (1Mose 3,1-24), vom 08.03.1981 mit dem Titel „Bring dein Leben in Ordnung“ (1Mose 3,1-19), vom 12.02.1978 mit dem Titel „Was ist das Böse? Was ist der Mensch? Was ist die Welt?“ (1Mose 3,1-19) und von Wilhelm Busch vom 04.11.1957 mit dem Titel „Wo ist Gott?“ (1Mose 3,1-24). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Mose 3] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich bzw. Busch, Wilhelm] ausfüllt.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Es geht darum die unausweichlichen Folgen des Sündenfalls und seine Ursache aufzuzeigen: Das Geschöpf tritt an die Stelle des Schöpfers und aus diesem Grund zerbricht die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf! Das irdische Leben findet im Tod eine Begrenzung.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Wo der Mensch zu Gott wird, da ist Trennung und Zerstörung die Konsequenz. So führt die Sündenerkenntnis auch zur Selbsterkenntnis.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Nach Theo Sorg:

a) Versucht und gefallen

b) Versteckt und gefunden

c) Gestraft und bewahrt

oder nach Wilhelm Wagner:

a) Wir sind in einen Lebensraum hineingestellt

b) Dort werden Weichen gestellt

c) Dann werden von Gott Fragen gestellt

 

oder nach Gottfried Voigt:

Die aus dem Paradies Vertriebenen sind wir:

a) der Versuchung erlegen

b) zur Verantwortung gezogen

c) und doch zum Leben begnadigt

 

oder nach Ulrich Parzany:

Hier konnte nur Jesus gewinnen

a) Freundschaft wird zur Feindschaft

b) Der Kampf ist für uns nicht zu gewinnen

c) Das doppelte Sterben bringt den Sieg

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

„Diese Geschichte kann man nicht als unbeteiligter Zuschauer aus sicherer Distanz zur Kenntnis nehmen. Wer in die Sündenfallgeschichte hineinschaut, blickt in einen Spiegel. Und aus diesem Spiegel schaut uns unser eigenes Gesicht an. Denn in dieser alten Erzählung vom Anfang der Bibel kommen wir alle vor. Hier sind wir Menschen in einer verhängnisvollen Weise mitbeteiligt. Adam ist ja nicht eine Gestalt aus eisgrauer, undefinierbarer Vorzeit. Adam ist ein Typ. Adam, das ist der Mensch schlechthin, der Mensch aller Zeiten und Räume. Adam – das bin ich, und das bist du. Denn Adam heißt: der Mensch, und Eva: das Leben. Adam ist eine typische Gestalt. Und darum hat die Erzählung vom Sündenfall typische Bedeutung. Es ist eine Geschichte, in der wir abgebildet finden, was typisch ist für die Menschheit und ihr Verhältnis zu Gott. Sie will uns exemplarischen Unterricht geben über das Thema Sünde, ohne dass dieses Wort auch nur einmal erscheint“ (Theo Sorg).

“Es fing alles so sympathisch an. Der Versucher in der Tarnung eines listigen Geschöpfes, der Schlange, stellte interessante Fragen: ‘Sollte Gott gesagt haben …’. Dieser Frage, die offenbar ganz im Interesse der Menschen gestellt wurde, folgte die wohlmeinende Beratung: ‘Esst ruhig, und ihr werdet sein wie Gott’. Die Sünde ist immer einleuchtend, einschmeichelnd, überzeugend. Nichts scheint mehr in unserem Interesse zu liegen, als dem Verführer zu folgen. Der Ehbruch ist doch in vielen Fällen geradezu eine Erlösung; kann man da nein sagen? Der Diebstahl dient dem eigenen Vorteil. Die Lüge ist ein notwendiger Ausweg. Der Zornausbruch eine allzuverständliche Reaktion und wohltuend, weil einmal Luft abgelassen wird. So denken, sagen und handeln viele unter uns. Unser Bibelwort sagt uns nun: Was wie der gute Rat eines Freundes aussieht, ist im Grunde bitterste Feindschaft. Gott erklärt eindeutig, dass diese Verkehrung zwangsläufig ist. Und die Entlarvung des betrügerischen Freundes ist bereits ein Bestandteil des Evangeliums. Wenn wir das nicht begreifen, wird uns der Zugang zu Jesus versperrt bleiben. Solange wir noch im Bann der großen Lüge leben, in die Gottes Widersacher uns einspinnen will, solange sind wir noch Freunde des Feindes. Das Evangelium von Jesus lehrt uns die harten Realitäten wahrheitsgemäß begreifen” (Ulrich Parzany zu 1Mose 3,15). 

“Total selbständig sein – ‘Autonomie’ und ‘Emanzipation’ sind die beiden Fremdworte. ‘Emanzipation’ heißt wörtlich ‘aus der Hand hinausschlüpfen’. Aus Gottes Hand hinausschlüpfen: Dann bin ich frei. Frei? Was wird nun die Konstante des Menschen? Der Sieg der Chaosmächte! Sehen Sie, das sagt mir mein Gewissen – nicht mein Verstand – : So bin ich. So will ich selber Herr meines Lebens sein, und Gott soll hinter mir her gehen und – wie sagt man? – segnen, segnen, segnen! Gott, wie ein Kellner? Das ist Gott nicht! Er ist der Herr!” (Walter Tlach). 

“Die Bibel sagt uns, dass die Sünde kein Schönheitsfehler, sondern ein Konstruktionsfehler ist. Nicht Ausbesserungsarbeiten helfen da, sondern Abbruch ist erforderlich und danach Neubau. Die Gewalt der Sünde bringt Jesus ins Grab. Er nimmt den Fluch Gottes ins seiner ganzen Reichweite auf sich und hebt ihn dadurch auf. So gründlich, wie Jesus gestorben ist, so gründlich ist der Feind abgetan. Der doppelte Tod ist der Hauptinhalt des Evangeliums. Deshalb ist es berechtigt, im Blick auf unseren Text vom Erstevangelium zu sprechen. Und dieses doppelte Sterben ist gültig, so wahr und so gewiß Jesus von Gott auferweckt worden ist. Darauf darf sich jetzt unsere ganze Glaubens- und Heilsgewißheit gründen. […]. So weist unser Bibeltext auf das Kreuz und zeigt zugleich die schreckliche Schuldverstrickung, in der wir leben. Zum Schluss bleiben drei Fragen: 1. Ist bei uns der betrügerische Freund schon als Feind entlarvt? 2. Haben wir erkannt, dass wir den Kampf nicht gewinnen können? 3. Wollen wir uns auf den Sieg, den Jesus im Sterben errungen hat, gründen?” (Ulrich Parzany zu 1Mose 3,15). 

„Weil wir ohne Maß sind, deshalb wird uns Maßlosen das Maß gesetzt. Dem Grenzenlosen wird eine Grenze vorgehalten. Dem Himmelsstürmer wird ein Stück Feld zugewiesen. Die Tür fällt ins Schloss. Das Paradies ist verschlossen. Wir leben jenseits von Eden. Gott sei Dank ist das nicht das Ende. Gott lässt über diesem Feld die Freude verkündigen. Zwischen Dornen und Disteln kommt Jesus zur Welt. Er hält es bei uns aus, obwohl sie ihn mit einer dornenbesetzten Geißel den Rücken gerben und mit Disteln bestückter Krone den Kopf schmücken. Dieser dorn- und distelgekrönte Herr bleibt gehorsam bis zum Sühnetod am Kreuz. Paulus sagt: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden. Maßlos muss nicht unser Los sein (Konrad Eißler).

(Thomas Richter)