Monatsthema: Ganzes Christsein
Predigttext: 1.Johannes 2,18-27
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Heiko Krimmer (Edition C Bd. 21) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel).
1.2. Wichtige Gedanken in unserem Abschnitt
In unserem Predigttext kommen verschiedene herausfordernde Themen vor. Zunächst beginnt Johannes mit dem Hinweis auf die letzte Stunde und macht seinen Hörern damit deutlich, dass er die Zeit, in der er lebt, als Endzeit versteht. Diese Endzeit ist durch Christusfeinde gekennzeichnet, die Johannes auch im Umfeld der Gemeinde entdeckt. Dabei betont Johannes die Tatsache, dass viele dieser Christusfeinde oder Antichristen sich zuvor zur Gemeinde gehalten haben, und als Glieder der Gemeinde angesehen wurden. Johannes spricht damit auch die herausfordernde Frage an, wie wir damit umgehen, dass Menschen, die allem Anschein nach an Jesus Christus glauben, die Gemeinde verlassen und mit Christus nichts mehr zu tun haben wollen.
Von dieser Beobachtung ausgehend fokussiert sich Johannes dann auf das wahre Christusbekenntnis, das die Gemeinde Jesu schon immer ausgezeichnet hat und an dem sie weiterhin unbeirrt festhalten soll.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wer ist Jesus für mich? Diese Frage ist für jeden unserer Hörer lebensentscheidend. Aber sie ist nicht nur für uns als Einzelne lebensentscheidend, auch für die Gemeinde ist es entscheidend, wie sie zu Jesus Christus steht? Eine Gemeinde, die in ihrem Christusbekenntnis nicht mehr klar ist, beginnt unweigerlich geistlich zu sterben, genauso wie das Glaubensleben des Einzelnen. Es ist deshalb unerlässlich, dass unsere Hörer verstehen, wie wichtig und aktuell die Bekenntnisfrage immer wieder für unser geistliches und gemeindliches Leben ist und wir müssen deutlich machen, dass diese Frage nicht einfach geklärt und abgehakt werden kann, sondern im Leben beständig umgesetzt werden muss.
Unsere Hörer müssen verstehen, dass die Frage „Wer ist Jesus Christus?“ eine zutiefst endzeitliche Frage ist. Die Tatsache, dass wir in unserer Welt, auch in der christlichen Welt, einen so großen Widerstand gegen den absoluten Anspruch von Jesus Christus erkennen können, muss uns zeigen, dass wir nicht weniger in der Endzeit leben als die Gemeinde zur Zeit des Johannes. Wir leben in den letzten Tagen, die Botschaft von Jesus, dem Sohn Gottes, wird angefeindet, aber wir dürfen wissen unser Herr hat alle Macht und er kommt wieder. Und deshalb halten wir unbeirrt an dem alten Bekenntnis fest: Jesus ist der Christus!
Auf diesem Hintergrund soll unsere Predigt zur Wachsamkeit aufrufen, aber sie soll zugleich ermutigen, die Hoffnung ganz auf Jesus, den Messias zu setzen.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Johannes gibt uns in diesen Versen eine wichtige Lektion zum Thema sichtbare und unsichtbare Gemeinde. Indem er besonders die Gefährdung anspricht, die aus der Gemeinde heraus erwächst, zeigt er, wie eingeschränkt unsere menschlichen Beurteilungen über den geistlichen Zustand eines anderen Menschen sein können. Johannes lehrt uns vom Ende her zu denken. Wer den Weg des Glaubens bis zum Ende in Gottes Kraft geht, der zeigt, „dass er von uns ist“. Wer dagegen den Weg des Evangeliums verlässt und sich gegen Jesus stellt, der zeigt, dass er nie wirklich „von uns war“.
Johannes will uns mit dem Wort Antichrist nicht zu endzeitlichen Spekulationen einladen, vielmehr geht es ihm darum zu zeigen, was der Grundcharakter der Antichristen aller Zeit war, nämlich die Ablehnung von Jesus dem Messias.
Johannes stellt uns in unserem Abschnitt den Bekenntnistest vor und führt uns auf seine ganz besondere Weise zum Kern des Themas. Bekennen wir Jesus als den menschgewordenen Sohn Gottes, als den Messias, der unvergleichlich ist und in dessen Namen allein das Heil zu finden ist? Diese Botschaft widerspricht dem Toleranzdenken und dem Relativismus unserer Zeit zutiefst und dennoch ist es das eine, wahre Evangelium zur Rettung von Menschen, das verkündet werden muss.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Wenn wir über diesen Abschnitt predigen, ist es wichtig, dass wir die „Entweder-Oder-Botschaft“ von Johannes deutlich herausarbeiten. Nur wer Jesus, den Sohn Gottes bekennt, kann zum Vater gehören.
Wenn wir das Thema: „Verlassen der Gemeinde Jesu“ ansprechen, ist es wichtig, dass wir nicht auf eine generelle Skepsis hinwirken, nach dem Motto: Man weiß ja nie, wie einer geistlich wirklich steht. Vielmehr sollten wir uns auch hier von Johannes leiten lassen. Er spricht diese traurige Realität klar an, wendet sich aber dann direkt der Bekenntnisfrage zu. Johannes möchte die umkämpfte Gemeinde stärken und ermutigen und so gibt er hier direkt ein wichtiges Prüfkriterium mit auf den Weg: Haltet das Bekenntnis fest! Bekennt Jesus als den ewigen Sohn Gottes, den Messias, und euch gilt die Verheißung des ewigen Lebens.
Gerade im Blick auf das Zentrum unseres Glaubens, kann diese Predigt eine Ermutigung sein, nicht jeder neuen geistlichen Idee nachzujagen, sondern sich immer wieder vom Wort Gottes her auf Jesus Christus den Kern des Evangeliums ausrichten zu lassen.
Zum Glauben an diesen wunderbaren Herrn, der sein Leben für uns gegeben hat, wollen wir auch die Hörer einladen, die Jesus Christus noch nicht kennen.
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung können die Predigten von Winrich Scheffbuch (vom 27.12.1987) und Konrad Eißler (vom 27.12.1981) hilfreich sein, die sich bei Sermon Online finden (beide nur über 1.Joh 2,21-25) (www.sermon-online.de).
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt soll ermutigen in dieser letzten Zeit, in der die Botschaft von Jesus Christus immer mehr angefeindet wird, treu am Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Messias, dem ewigen Sohn Gottes, festzuhalten.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Bleibt bei der guten, alten Botschaft!
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Die lange letzte Stunde (Vers 18-20)
2. Die Lüge schlechthin (Vers 21-23)
3. Die ewig gültige, alte Botschaft (Vers 22-27)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Christus oder Antichristus
Verzweifelt kämpfte ich um mein Haus. Der furchtbare Fliegerangriff vor zwei Tagen hatte die Stadt in ein Flammenmeer verwan¬delt. Ringsumher hatte man den Kampf aufgegeben. Da standen nur noch rußgeschwärzte Mauern, in denen es leise qualmte. Es war nicht mehr viel zu retten. Die beiden obersten Stockwerke waren schon ausgebrannt. Aber wenn es gelang, das Feuer zum Stehen zu bringen, konnte ich meine wertvolle Bücherei und ein paar Möbel retten.
Die Augen waren entzündet von Rauch und Müdigkeit, die Hände verbrannt. Mit langen Stangen rissen wir das Feuer auseinander. Was¬ser gab es schon längst nicht mehr.
Da – alles hob den Kopf! Was war das? »Wahr¬haftig – das Telefon geht noch!« Es war lächer¬lich, wie in dem zerstörten, brennenden Haus, in das von oben der blaue Frühlingshimmel herein-schaute, das Telefon klingelte. Ich stürzte hin: »Hier die Geheime Staatspo¬lizei. Kommen Sie mal sofort hierher!« – »Ich kann doch nicht. Mir verbrennt mein letzter Be¬sitz!« – »Wenn die Staatspolizei ruft, haben Sie sofort zu erscheinen. Wir erwarten Sie in einer halben Stunde!« – – – Und dann saß ich im Büro der Gestapo vor einem eleganten Beamten, der meine verbrannten Kleider nur flüchtig streifte und mir dann irgendeines der unsagbar lächer¬lichen Verbote mitteilte, mit denen die evangeli¬sche Jugendarbeit beständig gequält wurde.
»Ihre Sorgen möchte ich haben!«, entfuhr es mir. Und dann erschrak ich selbst vor dem Wort. Aber der hohe Herr war sehr gnädig. »Wieso?«, fragte er nur. »Nun, hier geht eine Welt unter. Und Sie ent¬blöden sich nicht, mich wegen einer solchen Sa¬che herzubestellen!« Da wurde er auf einmal sehr ernst und sag¬te: »Uns ist diese Sache wichtig. Sehen Sie, wir haben Sie genau beobachtet. Und da haben wir festgestellt, dass Sie noch keinen Gottesdienst und keine Jugendstunde haben ausfallen las¬sen. Als Ihre Säle und Kirchen zerstört waren, gingen Sie in die Keller. Und wenn ein Keller verschüttet war, richteten Sie sich im nächsten ein.«
Ich musste lächeln: »Ja, der Siegeszug des Evangeliums geht weiter!« Da fuhr er auf: »Und unser weltanschaulicher Kampf geht auch weiter! Und wenn die Welt un¬tergeht!!« Wir sahen uns in die Augen und fühlten, einer beim anderen, eine unheimliche Entschlossen¬heit.
»Damit geben Sie zu«, sagte ich langsam, »dass das Thema dieser schrecklichen Zeit heißt: Chris-tus oder Antichristus!«
»Da gebe ich Ihnen Recht. Es geht nur um die Frage, ob Ihr eingebildeter Jesus Christus noch länger die Hirne gefangen halten soll – oder ob wir und unsere Weltanschauung herrschen. Dar-um geht es allein in dieser Zeit. Alles andere ist nur Begleitmusik.«
Ich konnte nicht anders – ich streckte ihm die Hand hin und sagte: »Wenn uns auch Welten trennen, mit Ihnen verstehe ich mich über all die Köpfe hinweg, die nicht begreifen, um was es geht.«
Und dann durfte ich ihm sagen, dass Jesus Chris¬tus keine Einbildung ist, sondern dass er lebt. Als ich nach Hause ging, fiel mir auf einmal mein brennendes Haus ein. Das hatte ich ganz vergessen!
Und das war gut. Es ging ja auch nicht um Haus und Besitz. Und mein Herz wurde in all meiner Not fröhlich, dass ich einem Herrn die¬nen durfte, dessen Sieg sicher ist, seitdem er auf Golgatha rief: »Es ist vollbracht!«
Aus: Wilhelm Busch: Kleine Erzählungen
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(Tobias Schurr)