Predigtthema laut Textplan: Jesus durchschaut uns
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Im Februar wird die Reihe durch das Johannes-Evangelium wieder aufgenommen. In den beiden Vorwochen wurde Johannes 6,1-21 in zwei Teilen gepredigt.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden, findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten der Abschnitt enthält und was Gott im Sinne von 1. Tim 1,5 und 2. Tim 3,16+17 dem Leser bzw. Predigthörer zeigen möchte.
Erst in einer zweiten Phase liest und hört man dann andere Auslegungen (inklusive dieses Predigttipps). Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.
Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel bzw. Reformations Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen),
Weitere gute Hilfen:
- Die Thompson-Studienbibel bietet mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers gute Anregungen, welche Themen in einem Abschnitt enthalten sind, die man dann in der Predigt aufgreifen kann.
- Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es z.T. als englische pdf frei im Internet)
- Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. auch in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)
- Ausführlichere Kommentierungen zum Johannes-Evangelium findet man in den entsprechenden Bänden der Wuppertaler Studienbibel und der Edition-C-Reihe.
- Von Benedikt Peters gibt es einen umfangreichen aber preiswerten Kommentar zum Johannes-Evangelium.
- Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.
1.3 Anmerkungen zum Predigttext
Vers 22:
„jenseits des Sees“ ist „die andere Seite“ aus Vers 1. Der Ort wird nicht näher lokalisiert, so auch in Mt 14,13, er ist aber auch nicht wirklich wichtig.
Vers 23:
Aus Tiberias kommen nun weitere Boote an diesen Ort.
Vers 24:
Jesus wird in Kapernaum vermutet, wo er in seiner Dienstzeit einen Wohnsitz hatte. (Mt 4,13) Man kann davon ausgehen, dass der Wunsch, ihn zum König zu machen (Joh 6,15) über Nacht nicht verschwunden ist.
Vers 25:
„jenseits“ steht wieder für „auf der anderen Seite des Sees“. Die Verwunderung, dass Jesus ohne Boot (22b) dort ist, spricht dafür, dass der Weg um den See rum eigentlich zu weit ist, als dass Jesus schon dort sein könnte. Man beachte, dass Jesus nicht nur „die Abkürzung“ ÜBER den See genommen hat, sondern dann eben auch einen beträchtlichen Teil einfach „gebeamt“ wurde (21b). Man könnte also vorsichtig vermuten, dass die Brotvermehrung einigermaßen gegenüber von Kapernaum am See stattgefunden hat.
Vers 26:
Die eigentliche Frage beantwortet Jesus nicht, wobei diese letztlich nicht wirklich relevant, sondern wohl eher Ausdruck einer allgemeinen Verwunderung war, wie Jesus dann jetzt an einer ganz anderen Stelle sein kann.
Jesus sieht die Brotvermehrung offensichtlich nicht als normales Zeichen an, sondern das Essen des Brotes und das Sattwerden ist, zumindest aus Sicht von Jesus, noch einmal etwas Anderes!
Warum sagt Jesus diesen Satz? Sagt er ihn für uns als (heutige) Leser oder ist den Leuten selber tatsächlich (auch) nicht klar, warum sie Jesus wirklich suchen? Es ist nicht ganz klar zu fassen, aber auf jeden Fall möchte Jesus einen Fokus auf das Brot und die Sättigung legen:
Das Essen und die Sättigung haben auf die Leute eine ganz besondere Wirkung gehabt, es war eben nicht irgendein Zeichen, sondern sie haben eine tiefere Versorgung erlebt! Evtl. muss man hier auch die besondere Situation berücksichtigen, dass viele doch in einem gewissen Überlebenskampf standen. Die Lebensumstände waren deutlich einfacher als bei uns heute. Und nun waren da 5000 Familien ohne Essen, und am Ende konnte sich aber wirklich jeder „papp-satt“ essen, „so viel er wollte“ (Vers 11). Niemand musste sich zurückhalten und es blieben sogar noch Reste.
Sie waren wirklich satt … Und doch ging der „Kampf“ am nächsten Tag von neuem los …
Vers 27:
Und nun setzen Menschen viel Mühe ein, um diesen täglichen Überlebenskampf zu meistern.
Aber die Menschen sollen sich genauso „mühen“ bzw. „nach einer Speise suchen“, die im Blick auf das ewige Leben „sättigt“ bzw. versorgt.
„Menschensohn“ (bei Johannes): 1,51; 3,13.14; 5,27 – in 9,35-37 identifiziert sich Jesus eindeutig als dieser. Diese Formulierung ist zu einem Titel oder zumindest ganz festen Bezeichnung für den Messias geworden, ausgehend von Daniel 7,13ff
Durch die Aussage von Jesus ist klar: Zu diesem Zeitpunkt ist das „ewige Leben“ kein Selbstläufer, sondern man braucht eine „Speise“ vom Menschensohn, die dieser noch geben wird.
„beglaubigen“ ist wörtlich zunächst „ver-/besiegeln“. Es kann nicht „irgendwer“ kommen, sondern es muss jemand kommen, der in besonderer Weise von Gott eingesetzt und bestätigt bzw. beglaubigt ist. Es muss noch einmal bestätigt werden, dass Gott mit seiner ganzen Autorität hinter ihm und dem von ihm eröffneten Weg ins ewige Leben steht. (Und die Zeichen, die Jesus tut sind Teil dieser „Versiegelung“)
Vers 28:
Die Reaktion der Menschen scheint nicht ganz zu dem zu passen, was Jesus sagt, es legt nahe, dass sie missverstehen. Das „wirken“ greift das „wirken“ von Vers 27 auf, es geht dann wohl um das Missverständnis, dass die Leute nun meinen, dass sie „Werke Gottes“ wirken müssen; diese „Werke Gottes“ wären dann die Speise, die sie zum ewigen Leben brauchen.
Vers 29:
Jesus korrigiert (evtl.), aber auf jeden Fall fokussiert er, dass vor allem wichtig ist, dass die Menschen an DEN glauben, den Gott gesandt hat. Vom Zusammenhang her ist das der „Menschensohn“.
2. Verstehen, worum es geht
Jesu Aussagen in Kapitel 6,26ff waren für seine damaligen Hörer extrem herausfordernd. Das zeigt sich nicht zuletzt an deren Reaktion in Johannes 6,66.
Auftakt bilden dabei zuvor zwei signifikante Wunder Jesu, die in besonderer Weise SEINE Göttlichkeit zeigen: In der Brotvermehrung zeigt er sich wie Jahwe seinem Volk Israel in der Wüste (1. Mose 16) als Versorger. Die Reaktion des Volkes auf dieses Wunder spricht Bände (Joh 6,15) Und anschließend läuft er auf dem Wasser, was nach Hiob 9,8 als Zeichen des Gottseins verstanden werden muss.
Es muss nicht verwundern, wenn nun im Anschluss Jesus diesen Anspruch oder damit verbundene Inhalte in irgendeiner Form zur Sprache bringt.
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Im Februar haben wir relativ „normale“ Sonntage, dieser hier beendet die Faschingsferien. Normalerweise ist mit gutem Gottesdienstbesuch zu rechnen.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Die Lebenssituation und die Messias-Erwartung der Menschen müssen evtl. herausgearbeitet sein. Als Heidenchristen in der Moderne, die wir heute mehrheitlich sind, fehlt uns das Verständnis für die Juden mit ihren Erwartungen, die sie zur Zeit von Jesus hatten. Und manches sagt und tut Jesus eben speziell für diese Personen, so dass wir genau überlegen müssen, was davon wie relevant für uns ist.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Größere inhaltliche Themen bzw. Punkte könnten sein:
Vers 22-25 – die Situation gut erklären
Vers 26-27a – worauf legen wir eigentlich unseren Fokus: Das Leben in dieser Welt oder das Leben in der zukünftigen Welt Gottes? Und damit auch auf die Frage: Investieren wir in Vergehendes oder Bleibendes?
Vers 27b – Die „Speise“ zum ewigen Leben gibt (nur) Jesus!
Vers 27c – Jesus behauptet nicht einfach jemand zu sein, sondern er ist von Gott beglaubigt (Glaubwürdigkeit Jesu und auch der Schrift!)
Vers 28-29 – Gehorsam oder gute Werke sind nicht unwichtig, ABER ZUERST brauchen wir echte Erkenntnis von- und echten Glauben an Jesus.
Vers 29 – Jesus ist von Gott GESANDT! Dieser Aspekt liegt auch im „Menschensohn“. In Vers 27 war auch vom „Vater“ die Rede, Jesus ist also der „Sohn“. Es wichtig, dass Jesus der einzigartige SOHN GOTTES ist, denn dann ist er wirklich ein „Opfer“ seines Vaters. Wie könnte es sonst etwas „besonderes“ oder ein „Opfer“ (für Gott) sein, wenn irgendein weiterer Mensch stirbt? Erst die Gottessohnschaft macht es zu etwas Besonderem und dadurch wird es ein echter Liebesbeweis, weil es Gott eben wirklich etwas kostet!
Die Herausforderung JEDER Predigt ist dabei, nicht nur einen Appell an die Zuhörer zu richten, WIE man leben und WAS man glauben sollte, sondern WIE das auch WIRKLICHKEIT WERDEN KANN: Welche Hilfen bietet das Evangelium an, um tatsächlich richtig zu glauben und zu leben und wie kann ich als Verkündiger helfen, dass diese Hilfen aktiviert werden?
Eine weitere Aufgabe ist es, nicht zu viel vom Folgetext für die Folgewoche vorwegzunehmen, sondern wirklich bei den Themen zu bleiben, um die es in diesen Versen geht.
Und es muss gut überlegt werden, inwieweit man diesen Abschnitt, der eher eine evangelistische Situation ist, für die (wahrscheinlich) vielen anwesenden Christen auslegt. Vers 27 bietet Möglichkeiten, auch über unsere Prioritäten als Christen zu reden, wofür wir im Alltag schuften oder wofür wir auch beten. Vers 29 könnte im Blick auf Heilsgewissheit angewandt werden.
3. Sagen, wo es hingeht
(Die Entfaltung dieses Punktes geht von einer eher evangelistischen Predigt aus)
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Dem Hörer soll bewusst werden, dass sein ewiges Leben auf dem Spiel steht und dass Jesus der einzige Weg zu einem guten ewigen Leben ist. Dass nur Jesus helfen kann, ist darin begründet, dass er eben der einzigartige Gottessohn ist!
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Ist deine Ewigkeit geklärt? Oder: Wo wirst du leben, wenn du stirbst? Oder: Was bleibt?
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Einleitung (weiter entfalten):
Was erwarten wir eigentlich von (einem) Gott?
Manche erwarten nichts (mehr). Manche glauben gar nicht mehr an ihn.
Aber wenn, dann wird er Thema, wenn es Probleme gibt (Krankheit, Krieg und andere Katastrophen)
Aber tatsächlich ist etwas anderes viel wichtiger: Meine Existenz NACH meinem Tod! (entfalten)
Man kann es auch konkreter machen: Vielleicht ist im letzten Jahr jemand aus deinem Umfeld gestorben: Wo ist der JETZT? Wie geht es dem gerade?
Die Zeit nach deinem Tod ist so viel länger als deine Lebenszeit, du solltest dringend wissen, was da läuft!
Und darum geht es letztlich bei dem, was wir uns jetzt anschauen, was Jesus damals zu den Menschen gesagt hat.
TEXTLESUNG
(1) Die Vorgeschichte zusammenfassen und Vers 22-25 erklären.
Dabei kann man versuchen, für die Wunder zu gewinnen: Die entscheidende Frage dabei ist, ob Jesus der Sohn Gottes bzw. Gott ist oder nicht. WENN Jesus Gott IST, dann sind die Wunder kein Problem, dem kann wahrscheinlich jeder zustimmen. Lasst uns versuchen das rauszukriegen: Wer IST dieser Jesus?
(2) Der Anspruch von Jesus ist in diesem Abschnitt: Menschensohn (27), Sohn Gottes (27), seine Zeichen vorher (gerade das Laufen über Wasser – Hiob 9,8)
Glaubwürdig macht das der Umstand, dass die Bibel das sehr komplex vom Alten Testament an lehrt bzw. ankündigt. Es wird nicht einfach auf einmal behauptet, sondern es erfüllen sich lange Linien!
Und die Theorie, die heute leider in der Schule verbreitet wird, dass die Schriften langwierig über Jahrhunderte aus unterschiedlichsten Quellen geschrieben und nachbearbeitet wurden, ist sehr unglaubwürdig, wenn man z.B. sieht, dass die Apostelgeschichte in Kapitel 28 einfach aufhört und NICHT nachbearbeitet bzw. ergänzt wurde.
Wir können davon ausgehen, dass Johannes, der das aufgeschrieben hat, wirklich aufgeschrieben hat, was er gesehen und gehört hat, und andere haben es nicht mehr „angetastet“.
(3) Vers 27: Wichtig ist die Frage nach dem ewigen Leben und mit dieser Frage sollen und müssen wir uns beschäftigen.
An dieser Stelle entfalten, was uns Gott über den doppelten Ausgang des ewigen Lebens sagt – zusammengefasst in Römer 6,23 – evtl. aber erst einmal nur 23a.
Hier könnte man „nebenbei“ auch die Christen hinterfragen, wie wichtig für sie tatsächlich die Frage nach dem ewigen Leben ist: Was investieren wir in Vergehendes? Was investieren wir in Bleibendes? Für was beten wir, für „Alltagsproblemchen“ oder geistliches Wachstum und geistliche Aufbrüche? Mit welchem Ernst evangelisieren wir?
(4) Und was rettet tatsächlich? Vers 28: Die Leute meinen, sie müssen „Werke tun“, aber – Vers 29: Tatsächlich rettet der GLAUBE an Jesus.
Hier das Evangelium fertig entfalten und zu Römer 6,23b führen …
Und das steht und fällt damit, dass Jesus eben der einzigartige SOHN Gottes IST: (a) Dann ist es wirklich ein OPFER für Gott (b) Dann ist es wirklich Liebe und Gnade (c) Dann übernimmt wirklich jemand OHNE Sünde MEINE Sünde!
Je nach Zeit kann man hier zum Thema „Glaube“ auch den zweifelnden Christen Heilsgewissheit zusprechen, wenn sie meinen, dass sie „nicht gut genug sind“.
(5) Das gute ist: ER ist auferstanden – du kannst ihn kennenlernen und dich selber überzeugen, dass er lebt und dass er der Sohn Gottes ist!
Abschluss: Zur Umkehr rufen, ermutigen Jesus kennenzulernen. (Jer 29, 13-14a)
(Mirko Lau)