Philipper

Predigthilfe vom 18.2.2007 – Philipper 1, 27-30

Monatsthema: Gott schafft neues, indem er…
Predigtthema: … mit Einsicht erfüllt

Bibelstelle: Philipper 1, 27-30

Verfasser: Eckhard Löffler

Erklärungen und Tipps:
V 27 „Würdig“ – gemeint ist das Verhalten als Glied in einer GEMEINSCHAFT. (1) Werner de Boor übersetzt „Würdig des Evangeliums führt euer Gemeindeleben….“, also nicht nur „euer Leben“, sondern „Gemeindeleben“. (2) Wandel beschreibt hier das aktive Leben in der Gemeinde mit allen Rechten und Pflichten. (3)
Wer Christus sehen will, muss seine Gemeinde anschauen (Eph 5, 23; Kol 1, 24).
Einmütigkeit sollte ein Kennzeichen der Gemeinde sein.
Wenn Satan erst einmal „Mitglied“ der Gemeinde geworden ist (Mt 7, 14; 1. Petr 5, 8), führen sachliche Unterschiede bald zu geistlichen Differenzen und trennen die Glieder. Eine in sich zerstrittene Gemeinde verliert bald ihre evangeliumsgemäße Außenwirkung. Geistliche Distanz lässt sich nicht dadurch beseitigen, dass dem Gegenüber die eigenen Überzeugungen eingetrichtert werden. Hören ist hier wichtiger als Reden.
Unfruchtbare Gemeinden haben oft ihr Problem darin, dass man übereinander redet, statt aufeinander zu hören. Wo die Kluft zwischen Geschwistern oder Parteien erörtert wird, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie dadurch nur weiter vertieft wird, wenn nicht gleichzeitig der ehrliche Wille zur Vergebung gegenseitig ausgedrückt wird.
Gemeinschaft wird nicht mehr gesucht, weil man sich einsam fühlt und hier gutes Programm geboten wird, sondern weil man seine eigene Schuld vor Gott ans Licht gebracht und wieder Gemeinschaft mit IHM gefunden hat. Das bewirkt Gemeinschaft untereinander.
Vergebung ist keine Leistung, die erstens eben auch zur Heiligung gehört, sondern eine persönliche Grundsatzerklärung, die Jesu Vergebung für sich umfassend in Anspruch nimmt und Ihm damit allein die Ehre lässt – und zweitens der ehrliche Wille, dem Anderen nun so zu begegnen, wie man sich auch die Begleitung Jesu für das eigenen Leben wünscht. (4)
Christen sollten nicht den Ast absägen, auf dem sie selber sitzen. „Würdig des Evangeliums“ heißt auch: Gemeinsamer Nenner in der Gemeinde ist nicht das Tun (Leistung) sondern zuerst das GESCHENK der Freiheit in einem neuen Leben. Da kann man nur mitnehmen, nichts mitbringen.
Alle Selbstzufriedenheit schmilzt. Deshalb schreibt Paulus den Christen in Philippi auch nicht aus der Ferne vor, wie ihr Wandel im Einzelnen zu geschehen hat. Sie haben das Evangelium und den Geist, können also ihren Weg in der Bruderschaft gemeinsam finden und in gegenseitiger Unterstützung gehen. (3b) (5)
Ein Ursprung, ein Geist, eine gemeinsame Quelle für den Mut, eine Zukunft – alles durch Christus. Ob stark oder schwach, eingebunden in den Wirkungsbereich des Christus wirkt letztlich nur Er (Jo 15, 5b).
Gegnerisches Ziel im Kampf gegen die „polis“ war die Taktik, die Kämpfer auseinander zu bringen und in Einzelkämpfe zu verwickeln. Deshalb gilt in der Gemeinde: Keiner kann alles, jeder kann etwas, gemeinsam können wir mehr.
Freiheit ist immer umkämpft, auch das Geschenk der Freiheit durch Christus (Gal 5, 1): So steht nun fest…
„Nicht eingeschüchtert“ in Kämpfen, die Christen nicht suchen. Es geht um leidende Verteidigung, standhaftes Ausharren unter den Zuständen der Welt. Die Kennzeichen der Jesusleute sind eher passiv: „herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmut, Demut, Geduld (Eph 4, 2; Ko 3, 12), siehe auch (6), – nicht die Verteidigung persönlicher Standpunkte. Die führt ins Leiden.
V 29f Leiden muss kein Missgeschick und kein Zeichen dafür sein, dass Gott einen hängen lässt, es wird (wörtl.) „geschenkt für Christus“.
Gerade im Leiden wurden viele Zeugnisse überzeugend. Sie machen auf zwei Befreiungen aufmerksam: Erstens FÜR CHRISTUS, zweitens VON SICH. Das „Ich-Gefängnis“ (Werner de Boor) wirkt auch in der alltäglichen Last der Gedanken: Ständig eigene Probleme wälzen blockiert das Handeln. Gerade weil Paulus und Silas sich im Gefängnis von Philippi NICHT vom persönlichen Leiden erdrücken ließen, konnten sie noch singen (Apg 16, 25) und führten ihren derzeit größten Gegner zu Jesus.
Gerade in der verfolgten Gemeinde, in der Diaspora und in Untergrundkirchen, ist das Zeugnis der Christen oft glaubwürdiger, weil kein Eigennutz mehr erkennbar ist. Wie viele Kranke und Leidende haben andere zu Christus führen können. (7)
Je mehr weltliche Machthaber Druck machten und beabsichtigten, Gottes Leute in ihrem Bereich abzuschaffen, desto mehr wurden sie, ein uraltes Phänomen (2. Mo 1, 12).
Zeuge heißt griechisch „martys“ = Märtyrer.
Eine allgemein anerkannte Regel im Altertum war „Der Gesandte ist gleich dem Sendenden“. Und 2. Ko 5, 20 „Botschafter an Christi Statt“ spricht den Zeugen zu: Wie sie euch begegnen, begegnen sie mir.
Außerdem bleibt dem Zeugen aber das Leiden nicht erspart.
Aus dem „Christus starb FÜR MICH“ wird ein „lebe ich FÜR CHRISTUS“ (Phil 1, 13; 1. Petr 2, 21).
Christus groß machen ist ein Ziel, dass die Gemeinde am besten intern versöhnt anstrebt.

Gliederungsvorschlag
1. Würdig des Evangeliums leben
2. Würdig in Einheit
3. Würdig zum Leiden
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Fußnoten
(1) s. Erklärung Elberfelder rev.
(2) Im Deutschen entstammt das Adjektiv „würdig“ der Wortfamilie „Wert, wertvoll“.
(3) Das Verb „wandeln“ heißt im Griechischen „politeuomai“ und hängt mit der griechischen „polis“, dem Stadtstaat, zusammen, daher Politik, Poliklinik, Polizist und Politesse.
Einzelne Heldenkönige (Goliath) kämpften für ihre Schutzbefohlenen, d.h. Einzelkämpfer, die Vordersten im Heer (daher „Heer-Mann“ = Hermann, Armin). Später entwickelte sich die „Phalanx“, eine Kette von Kämpfern, die von drei Seiten durch Mitkämpfer geschützt waren. Jeder profitierte vom Nachbarn, konnte nicht auf ihn verzichten. Das Gemeinwesen vergab Rechte und Pflichten.
(4) Älterer Ausdruck: Etwas unters Kreuz bringen und dort für immer zu begraben.
(5) Zur griechischen „polis“ gehörte auch die Pflege guter Beziehungen zu den Nachbargemeinden des Volkes. Im Ernstfall brauchten die Athener die Spartaner und umgekehrt. In der Geschichte der Gemeinschaftsbewegung war das Miteinander der Werke und Verbände „überlebenswichtig“. Der gute geistliche Kontakt zu anderen Christen und Gemeinden muss gepflegt werden, damit er „funktioniert“, wenn man sich braucht (Joh 17, 20f).
(6) J.A.Bengel, Gnomon: „Willst du wissen, wie ein evangelischer Christ wandeln soll? Hier steht es eigentlich; es wird gemeldet der GLAUBE (V27), die HOFFNUNG (V28); die LIEBE (2, 2).“
(7) „Was wären wir ohne das hingeweinte Lob Gottes der Bedrängten?“ (Verfasser unbekannt).