Johannes

Predigthilfe vom 17. März 2024 – Johannes 7,53-8,1

Predigtthema:         Jesus wird gefährlich
alternativ: Jesus ist (ent-)scheidend

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Jesus tritt in die Öffentlichkeit und macht deutlich, dass er den geistlichen Durst der Menschen nicht nur stillen kann. Wer an ihn glaubt (wie die Schrift sagt), der wird auf Grund des Heiligen Geistes, der dann in einem jeden Kind Gottes wohnt, selbst zu jemandem, der anderen dieses „lebendige Wasser“ weitergeben darf.

Zuvor schon hatte Jesus die Gemüter erhitzt. Er hatte im Tempel den Leuten erklärt, dass Er selbst von Gott ist und Gott kennt, aber sie den nicht kennen, der ihn gesandt hat, (Joh.28-30). Das war einer der Momente, in denen die frommen Juden beschlossen hatten, ihn festzunehmen und ihn „aus dem Verkehr zu ziehen“.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Wiersby Bible Commentary
  • Life Application Study Bible NIV – Study Bible Notes
  • MacArthur Studienbibel
  • Wuppertaler Studienbibel
  • Edition C Bibelkommentar
  • Courson´s Application Commentary (3.Vols.)
  • Etymologisches Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.40 Hier wird deutlich, dass die Zuhörerschaft durchaus mit biblischem Hintergrund den Worten lauschten. In 5.Mose 18,15 kündigt Mose diesen Propheten an, den die Juden erwarteten.

V.41-42 Manche Juden, im Gegensatz zu der Menge, die glaubte, dass der Messias mysteriös erscheinen würde, richteten ihren Blick auf die Schrift und deren Aussage, dass der Messias aus Betlehem kommen würde (Micha 5,2).

Allerdings gab´s auch für diese These Gegenargumente, denn manch einer war der Meinung, dass Jesus aus Galiläa stammte. Das ist zwar richtig, dass Jesus in Galiläa aufwuchs, aber geboren war er doch in Betlehem und somit erfüllte sich die ganze Schrift, was seine Person als Christus, als Gesalbter oder eben als Messias betraf.

V.43 An Christus werden sich wohl immer die Geister scheiden.
Es macht eben einen großen Unterschied wer, dieser Jesus tatsächlich war/ist.
Das macht auch den Unterschied für dein Leben, ob Jesus eben „nur“ ein Prophet war, einer, der mit Vollmacht predigen konnte, einer, der Wunder tun konnte, etc. oder ob er eben der Messias, der von Gott gesandte und gesalbte Christus ist, der Sohn Gottes.
Es macht insofern einen Unterschied, weil der Christus mit höchster Autorität von Gott ausgestattet wurde und wir darum unser Leben nach ihm auszurichten haben.

V.44 Das hatten sie schon zuvor versucht. Aber man kann den Sohn Gottes nicht einfach festnehmen, verhaften, es sei denn, dass Gott es auch zulässt.
Das gilt nicht nur für den Sohn Gottes, das gilt generell auch für die Kinder Gottes und speziell das Volk Israel, das auch als Gottes Augapfel (Sacharja 2,12) bezeichnet wird.
Wie gut zu wissen, dass die Mächtigen der damaligen Zeit, wie auch die Mächtigen der heutigen Zeit nur das tun können, was Gott zulässt und wann er es zulässt.

V.45 Offensichtlich waren Männer der Tempel Garde losgeschickt worden, um Jesus festzunehmen. Sie waren beauftragt (siehe Joh.7,32) vom Hohenpriester und den Pharisäern. Sie kamen ohne Jesus zurück – hatten also ihren Auftrag nicht erfüllt und wurden nun zu den Gründen befragt.

V.46 Die Worte Jesu, beziehungsweise die Vollmacht hinter seinen Worten (Mt.7,28-29), hatte die Männer beeindruckt und von ihrem Auftrag abgehalten.

V.47 verführen πλάνος planos wörtlich übersetzt: in die Irre führen lassen

V.48 Der Maßstab für Wahrheit schien (ihrer Meinung nach) bei den Oberen und den Pharisäern zu liegen. Schließlich waren sie die Schriftstudierten und Gelehrten. Sie konnten beurteilen, was wahr und was unwahr ist. Wenn sie Jesus ablehnen, dann war das auch bindend für alle anderen.

V.49 Ihre „Gegenprobe“ ist die, dass sie das normale Volk der Unwissenheit des Gesetzes  (der damals existierenden biblischen Schriften) beschuldigen – die haben keine Ahnung und sollen darum auch verflucht sein. Harte Worte.

V.50 Nikodemus (wörtl >Sieger aus dem Volk<) zur Gruppe der *Pharisäer zählend, war bereit sich nicht selbst zum Maßstab zu machen. Er ging zuvor schon mit seinen Fragen zu einem Geheimtreffen mit Jesus. In Johannes 3,1-21 wird berichtet, dass Nikodemus als Gesprächseinleitung bei der Gelegenheit Jesus attestiert (Joh.3,2) „Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“

*Pharisäer m. Die Bezeichnung für den Angehörigen einer altjüdischen, das Mosaische Gesetz streng einhaltenden religiös-politischen Partei zurzeit Christi griech. Pharisá͞ios (Φαρισαῖος, Neues Testament), lat. Pharisaeus (Vulgata) kommt von aram. perīšajjā’ Plur. (entsprechend hebr. perūšīm) ‘Abgesonderte’. Der Name ist dieser Gruppe wahrscheinlich von ihren Gegnern wegen der strengen Handhabung ihrer Gesetzesauslegung und der damit verbundenen scharfen Absonderung von der ihnen als ‘unrein’ geltenden Menge gegeben worden. 
                                                (aus dem Etymologisches Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer)

V.51 Nikodemus, wir wissen nicht genau, wie er letztlich zu Jesus stand, war auf alle Fälle an einem gerechten und gesetzeskonformen Umgang mit Jesus interessiert.
Vorverurteilung ohne Anhörung und ohne die Fakten zu kennen – das war seiner Meinung nach nicht biblisch.

V.52 Man hat den Eindruck, dass Nikodemus fachliche Kompetenz in Frage gestellt wird. Gehörst du auch zu den Galiläern, den Ungelehrten, den Leitgläubigen?
Wer wirklich Ahnung hat, der weiß doch, dass aus Galiläa kein Prophet kommt, geschweige denn der Messias. Das war auch einem der Kommentar von Nathanael, als Philippus ihn aufgefordert hatte zu Jesus, dem Messias, mitzukommen (Joh.1,46).
Allerdings war Jesus original gar nicht aus Nazareth, sondern aus Bethlehem – das hatten die Frommen nicht realisiert oder wollten das so nicht wahrhaben.

V.53 Irgendwie scheint alles dann doch seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Kurze Aufregung bei den Leuten, aber jetzt ist auch wieder gut – alles beim Alten, einfach wieder Heim… ohne persönliche Konsequenz aus dem Gehörten oder Gesehenen.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Jesus war zu diesem Zeitpunkt unseres Textes schon sehr bekannt. Durch sein vollmächtiges Predigen und die Zeichen und Wunder, die durch ihn geschahen, stand er im Fokus der Gesellschaft und unter äußerst kritischer Beobachtung der Frommen der damaligen Zeit. Sein Anspruch war, dass er der Gesandte Gottes ist. Sein Reden und sein Handeln waren offensichtliche Hinweise (Beweise) dafür, dass er tatsächlich derjenige war, der er behauptete zu sein. Nun war es an den Menschen dazu Stellung zu nehmen. Wenn Jesus wirklich der Messias, der Sohn Gottes ist, dann gilt es persönlich darauf zu reagieren.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Unser Text beleuchtet die zentrale Frage: Wer ist Jesus – und wie stehe ich zu ihm?
Bei diesen entscheidenden Fragen kommt es stark darauf an, welchen Maßstab bzw. welche Prüfkriterien wir zu Rate nehmen und ob wir dann auch bereit sind die nötigen persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Ist für uns (wie damals für einige aus dem jüdischen Volk) klar, dass Jesus tatsächlich der Sohn Gottes ist – und folglich glaubten wir an ihn und folgen ihm nach, oder sind wir wie die Frommen der damaligen Zeit. Sie stellten Jesus und seinen Anspruch als von Gott gesandt nicht nur in Frage, sondern sie wollten ihn aus dem Verkehr ziehen. Sie stellten sich mit ihrer Theologie und ihrem Wissen über das, was Jesus redete.
Sind wir bereit uns selbst ehrlich hinterfragen zu lassen (das könnte einiges an Veränderung mit sich bringen) oder stellen auch wir uns mit unserem Bibelwissen über andere und über Gott… und sind gar nicht mehr bereit das Wort Gottes an und in uns Veränderung wirken zu lassen?

3. Sagen, wo es hingeht

Gutes Bibelwissen ist ein enormer Schatz, jedoch kann ich die Bibel nur dann richtig verstehen, wenn ich auch den Autor richtig verstehe.
Wer seine Theologie ohne den Sohn Gottes und das Wirken des Heiligen Geistes macht und nur auf Tradition und eigenes Wissen baut, dem würde Jesus (wie damals den Menschen) auch heute vorwerfen: Du weißt viel über Gott, aber du kennst Gott nicht!

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

In Matthäus 10,34ff lesen wir, dass Jesus bis in die Familien hinein Entzweiung bringen wird. Das gilt bis auf diesen Tag und sollte uns nicht verwundern, denn der Teufel setzt alles daran, dass Menschen nicht zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und sie somit auch nicht auf ewig gerettet werden können. Es gilt aber auch, dass selbst Vorurteile von Menschen gegenüber Jesus beseitigt und ihr Handeln überdacht werden, wenn sie bereit sind, sich den Worten Jesu, der Bibel aussetzen. Wer allerdings sich selbst zum Maßstab der Wahrheit macht, sich nicht vom Wort Gottes (Jesus) hinterfragen lässt, dem wird Jesus und sein Anspruch als Herr und Heiland und auch diejenigen, die dies als Nachfolger verkündigen, immer ein Dorn im Auge sein.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Die Meinungen über die Person Jesu sind sehr unterschiedlich und reichen von Schwindler, Aufschneider zu Wunderheiler bis hin zum Heiland dieser Welt.

Wer tatsächlich hinhört, offen ist für Gottes Wort und ehrlich auf der Suche nach der Wahrheit ist, dem gilt: Jeremia 29:13-14.  „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Verwirrung        (V.40-44)                                                        
b) Verwunderung  (V.45-49)
c) Verurteilung      (V.50-53)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Wer zum Errechnen einer Distanz auf einer amerikanischen Landkarte den angegebenen Maßstab in Inch mit cm abgreift, kann nicht zu einem korrekten Ergebnis kommen!
(1 inch = 2,54 cm)
Wer an Jesus seinen eigenen Maßstab und nicht die Wahrheit der Bibel anlegt, der wird nicht zu einem „korrekten“ Ergebnis kommen.

Die Jefferson-Bibel:
Vor fast 200 Jahren saß ein Mann mit einem Rasiermesser in der Hand über seiner Bibel. Vorsichtig schnitt er jene Passagen aus den Evangelien aus, die ihm für die Deutung Jesu wichtig waren; andere die gegen die von ihm und anderen Aufklärern so hoch geschätzte „Vernunft“ waren, hatten keinen Platz und wurden verworfen – keine Engel, keine Wundertaten.    (aus: welt.de „Der US-Präsident, der die Bibel zerschnitt“; veröffentlich am 18.11.2011)

Wer so seine „eigene Bibel“ zusammenstellt macht sich selbst zum Maßstab der Wahrheit und hat wohl nicht die Warnung aus Offenbarung 22,18-19 gelesen:
„Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.

(Jochen König)