1.Mose

Predigthilfe vom 15. Juni 2025 – 1. Mose 1,26-2,14

Predigtthema:         Der Mensch – für Gott erschaffen

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Sowohl im AT (z.B. Ps 8; 19,1-7; 33,6-9; 136,4-9; Jes 40,21-31; 48,12f; 66,1f) als auch im NT (z.B. Mt 6,25-34; 19,4-6; Joh 1,1-18; Röm 1,19-23; 1Tim 2,11-15; 4,3f; Offb 4,11) wird auf den Schöpfungsbericht Bezug genommen. Bei der Auslegung ist zu beachten, dass der Schöpfungsbericht im Hebräischen in Prosa und nicht in Poesie geschrieben wurde. Von daher muss er nicht zwingend sinnbildlich verstanden werden.

Im Rahmen der Bibel kommt dem Schöpfungsbericht eine zentrale Bedeutung zu:

  • Die Schöpfung ist Inhalt des Gotteslobs (Ps 8; 19; 33; 104; Kol 1,15-20; Hebr 1,1-4; Offb 4,11)
  • Die Schöpfung ist ein elementarer Bestandteil der Fürbitte der Gläubigen (Ps 74,12-17; 102,2; Jer 32,17; Apg 4,24)
  • Der Schöpfungsbericht dient der Abwehr heidnischer Vorstellung und deren Konsequenzen (Ps 96; Jes 40,18-25; 44,6-18; Jer 10,1-16; Joh 1,1-18)
  • Die Schöpfung offenbart Gottes Weisheit (Hiob 28; Ps 104; Apg 17,24-28)
  • Die Schöpfung ist das Fundament für die neue Heilsverheißung und das neue Schöpfungshandeln Gottes (Ps 33,4-15; 136; Jes 44,24-28; 45,5-7; 51,5-16)
  • Die Schöpfung zeigt durch das „Geschaffensein“ des Menschen, dass er der „Schutzbefohlene“ seines Schöpfers ist (Ps 119,73; Ps 139; Jes 64,7f)
  • Durch die Bezugnahme auf die Schöpfung werden Streitfragen geklärt (Mk 2,27; 10,5-9; 1Tim 2,11-15; 4,3f)
  • Die Schöpfungsordnung hat so lange Bestand, wie die Erde besteht (1Mose 8,22; 2Petr 3,4)
  • Der Schöpfungsbericht ist der Rahmen für die Heilsgeschichte Gottes (Joh 1,1-18)

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Hansjörg Bräumer. Das erste Buch Mose: Kapitel 1-11. Wuppertaler Studienbibel AT. Brockhaus Verlag.
  • Arnold G. Fruchtenbaum. Das 1. Buch Mose: Kapitel 1-11. Eine Auslegung aus messianisch-jüdischer Perspektive. CMD-Verlag.
  • John F. Walvoord / Roy F. Zuck. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 1: 1.Mose – 2.Samuel. Hänssler.
  • Carl Friedrich Keil. Biblischer Kommentar über das Alte Testament (AT). Bd. 1: Die Bücher Mose – Teil 1/2 – Genesis und Exodus (online unter https://www.sermon-online.com/de/contents/15231).
  • Thomas Richter. In der Predigthilfe vom 5. Januar 2014. https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-5-januar-2014-1-mose-1-1-31/

Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext (1Mose 1,26-2,14) bietet z.B. die MacArthur Studienbibel und das Video von BibleProject zu Ebenbild Gottes (https://bibleproject.visiomedia.org/videos/ebenbild-gottes/).

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V. 26:

„Gott sprach“ – es ist nicht nur einfach eine Beschreibung, was Gott macht, sondern eine Realität. Das Wort Gottes ist nicht ein Hauch, der aus dem Mund geht, sondern eine wirkende Kraft.

„uns“ – dies wird oft als Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes gedeutet (Vater, Sohn, Heiliger Geist). Andere Auslegungen sehen es als eine „Majestätsform“ (Pluralis Majestatis), mit der sich ein König ausdrückt. Einige interpretieren es als eine Ansprache an die Engel, wobei dann die Schöpfung des Menschen nicht allein Gottes Werk bleibt. Anhand von Kol 1,16 und Joh 1 wird deutlich, dass Jesus das Wort ist, das von Anfang an war. Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen! Darum ist aus meiner Sicht die Pluralform einen klaren Hinweis auf Jesus. Im Hebräischen wird für Gott das Wort אֱלֹהִים Elohim genutzt das ebenfalls in Plural ist (Singular wäre Eloha אֱלוֹהַּ).

„Menschen“ – Das Wort Adam kann sich sowohl auf einen einzelnen Menschen (Adam) als auch allgemein auf die Menschheit beziehen (nicht aber auf dem Menschen Adam). Es ist etymologisch mit adamah (אֲדָמָה) verwandt, was „Erde“ bedeutet, und betont die Verbindung des Menschen zur Schöpfung.

„unser Bild“ – hebr. צֶלֶם – tselem. Bedeutet „Abbild, Darstellung“ und wird in der Bibel sonst für Götzenbilder verwendet. Der Mensch ist kein physisches Abbild Gottes, sondern reflektiert Gottes Wesen in seiner Moral, Vernunft, Kreativität und Beziehungsfähigkeit. In der antiken Welt wurde ein „Bild“ oft als eine Repräsentation eines Herrschers angesehen – der Mensch als Gottes Stellvertreter auf Erden.

„uns ähnlich“ – hebr. דְּמוּת – demut. Stärkt die Aussage von tselem (Bild), weist aber auch darauf hin, dass der Mensch nicht gleich Gott ist, sondern eine gewisse Entsprechung besitzt. Damit ist die Bestimmung und einzigartige Beziehung des Menschen zu Gott definiert. Der Mensch ist ein lebendiges Wesen, das imstande ist, Gottes übertragbare Eigenschaften zu verkörpern (vgl. 1Mo 9,6; Röm 8,29; Kol 3,10; Jak 3,9). Mit seinem Verstand war er in dem Sinne wie Gott, weil er Vernunft und Intelligenz besaß sowie einen Willen und Emotionen. Im moralischen Sinne war er wie Gott, weil er gut und sündlos war.

Im Gegensatz zu den Engeln und den Tieren können die Menschen eine ganz besondere Beziehung zu Gott haben. Er hat uns nicht nur eine Persönlichkeit gegeben – einen Verstand, mit dem wir denken können, Gefühle, mit denen wir fühlen können, und einen Willen, mit dem wir Entscheidungen treffen können – sondern auch eine innere geistige Natur, die es uns ermöglicht, ihn zu erkennen und anzubeten.

„herrschen“ – hebr. רָדָה – radah. Bedeutet „herrschen, regieren“, kann aber auch „sich kümmern“ bedeuten. Es ist kein tyrannisches Beherrschen, sondern ein verantwortungsbewusstes Verwalten im Sinne eines guten Hirten (vgl. Psalm 8,6-9). Der Mensch soll die Schöpfung nutzen, aber nicht ausbeuten. Dieses Gebot an dem Menschen unterscheidet ihn von allen anderen Geschöpfen Gottes und definiert seine Stellung. Nach dem Sündenfall ist es eine verstörte Beziehung zur Schöpfung, wie es in 1.Mose 9,2 von Gott festgelegt ist.

V.27:

„Gott schuf“ – wieder ist Gott der Handelnde, der nach seinem Willen neues aus dem Nichts macht. Ein Beweis seiner Größe und Macht (Vgl. Apg 17,29).

Wir wurden von Gott geschaffen. Wir sind weder das Produkt eines galaktischen Unfalls noch stehen wir auf der obersten Stufe einer evolutionären Leiter. Gott hat uns geschaffen, was bedeutet, dass wir Geschöpfe sind und völlig von ihm abhängig. „Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apostelgeschichte 17,28).

Das Bild Gottes in Männern und Frauen wurde durch die Sünde verdorben (Eph 4,18-19), aber durch den Glauben an Christus und die Unterwerfung unter das Wirken des Heiligen Geistes können Gläubige die göttliche Natur in sich erneuern lassen (2. Petrus 1,4; Eph 4,20-24; Kol 3,9-10; Röm 12,2; 2. Kor 3,18).

„Als Mann und Frau“ – beide spiegeln gleichermaßen das Bild Gottes wider und herrschen über die Schöpfung, aber dennoch sind sie verschieden und ergänzen sich. Mehr dazu in der Predigthilfe für die kommende Woche.

V.28:

„Gott segnete sie“ – Segen ist das Erste, was der Mensch hört!  Dieser Segen ist zuallererst einmal, weil er mit ihnen sprach. Der Segen ist aber auch, weil der Mensch eine besondere Stellung von Gott bekommt (zu herrschen Vgl. V.26).

Der Auftrag Gottes an den Menschen, ist zugleich der Segen an den Menschen.

Die Güte Gottes – er schafft und übergibt es (Ps 8, 4-10 – das Vertrauen in den Menschen) -> dient zu der Verherrlichung Gottes.

V.29-30:

Das Leben ist heilig – von Gott geschaffen, für einen bestimmten Zweck. Wenn wir kein Schöpfer-Gott haben, ist das Leben der Menschen ohne Bedeutung. Aber weil der Mensch im Bild Gottes geschaffen wurde, ist er heilig und unantastbar. Das gilt auch nach dem Sündenfall (1Mo 9,6).

V. 31:

Die Schöpfung des Menschen entsprach dem Willen Gottes (es war kein Zufall), er hat ihn so gemacht, wie er es wollte! Gott sah, was er insgesamt geschaffen hat, nicht nur den sechsten Tag. Hervorhebend von den anderen Tag ist das Fazit hier Sehr gut.

V.1-3:

Genesis 2 führt uns in eine Reihe von „ersten“ Dingen ein, die für uns wichtig sind, wenn wir unser Leben nach den Grundlagen aufbauen wollen, die Gott in sein Universum gelegt hat. Der „erste Sabbat (2,1-3), Wohnort (2,4-14), Bund (2,16-17) und Ehe (2,19-25).

Gott vollendete, Gott ruhte, Gott segnete und heiligte.

  • Gott vollendete: Gott ist ein Vollender – er wird an sein Ziel gelangen. Bei Jesus – es ist vollbracht. Phil 1,6: Gott bringt es zu Ende auch mit dir! Hebr.12,2: Jesus: Anfänger und Vollender des Glaubens. Offb 21,6: es ist vollbracht am Ende im Himmel.
  • Gott ruhte: In der Ruhe ist Gott aktiv. Er hat sich nicht schlafen gelegt. Ihm ist nicht die Puste ausgegangen. Jess 40,28: Gott wird nicht Müde oder Matt. Gott braucht keine Erholung, sondern er ruht bezüglich seiner Schöpfung. 2Mo 31,17: Es ist ein Bundeszeichen mit Israel. Hebr 4,1-11: Die Ruhe die nicht nur am Tag hängt, sondern an Jesus selbst und seiner Erlösung. Es wird zu einem Zustand der ewig bleibt. Der Sabbat ein Vorschatten auf das, was Jesus für uns vollbracht hat. Gottes Vorbild für uns. Gott ruhte, wir können das in Jesus auch tun.
  • Gott segnete und heiligte: ein besonderer Tag, ein Erinnerungstag an Gottes Schöpfung – zur Anbetung Gottes für seine Werke, an die Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens (5Mose 5,15). Nach Ägypten sollten die Israeliten sich ausruhen im verheißenen Land (5Mose 12,9-10; vgl. Hebr 4,9-10).

Unter der Sünde ist der Mensch unruhig und verdammt zur Knechtschaft. In Jesus haben wir Zugang zur Ruhe geschenkt bekommen, die er für uns geschaffen hat.

V.4-14:

Einige Gelehrte des Alten Testaments haben behauptet, dass dieser Abschnitt von Genesis 2 ein zweiter Schöpfungsbericht ist, der von einem anderen Autor verfasst wurde und dessen Botschaft im Widerspruch zu dem steht, was in Kapitel 1 zu finden ist. Diese Theorie ist heute nicht mehr weit verbreitet; denn in diesen Versen erzählt Mose dieselbe Schöpfungsgeschichte, fügt aber Details hinzu, die wir kennen müssen, um die späteren Ereignisse zu verstehen. Mose 2,4 ist die erste von elf „Generationen“-Aussagen, die den Fortgang der Geschichte markieren, die Mose im 1Mose aufgeschrieben hat.

Der Garten Eden war ein Ort voller Freude und Schönheit. Der Name „Eden“ bedeutet „Wohlgefallen“. Heute ist dieser Garten vollständig verschwunden – und das war auch so vorgesehen. Dennoch zeigen uns mindestens zwei der Flüsse, dass er tatsächlich einmal auf dieser Erde existiert hat.

Gott hatte den Menschen erschaffen, und derselbe Gott, hatte auch den Garten angelegt. Der „Fluss Gottes“, der die Erde bewässerte, entsprang dort. An diesem Ort der Freude Gottes befanden sich seine frischen Quellen. Gott setzte den Menschen in diesen Garten, damit er ihn pflegte und beschützte.

Heute aber sind sowohl der Mensch als auch die Erde dem Verfall ausgesetzt.

Die biblische Geschichte beginnt mit einem wunderschönen Garten, in dem der Mensch sündigte, aber sie endet mit einer herrlichen „Gartenstadt“ (Offb. 21-22), in der es keine Sünde mehr geben wird. Wie kam es zu dieser Veränderung? Ein dritter Garten, Gethsemane, in dem Jesus sich dem Willen des Vaters unterwarf und dann hinausging, um am Kreuz für die Sünden der Welt zu sterben.

Derselbe Gott, der das Ziel – einen schönen Garten – bestimmt, bestimmt auch die Mittel zum Ziel: jemanden, der die Arbeit macht. Denn Glaube ohne Werke ist tot (Jakobus 2,26), und kein noch so großes Gebet oder Bibelstudium kann einen Gärtner ersetzen, der den Boden umpflügt, den Samen sät, die Pflanzen gießt und das Unkraut jätet. „Denn Gottes Mitarbeiter sind wir“ (1. Korinther 3,9).

Arbeit ist kein Fluch, sondern eine Gelegenheit, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zu nutzen, um mit Gott zusammenzuarbeiten und treue Verwalter seiner Schöpfung zu sein. Nachdem der Mensch gesündigt hatte, wurde die Arbeit zur Mühsal (Gen 3,17-19), aber das war nicht Gottes ursprüngliche Absicht. Wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten und Möglichkeiten, und wir herausfinden müssen, was wir nach Gottes Willen mit unserem Leben in dieser Welt tun sollen, zum Wohle anderer und zur Ehre Gottes. Eines Tages wollen wir in der Lage sein, vor Gott zu stehen und mit Jesus zu sagen: „das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ (Johannes 17,4).

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Der Textabschnitt steht am Anfang der Bibel und ist zentral für das Verständnis von Schöpfung, Menschsein und Gottesbeziehung. In der heilsgeschichtlichen Perspektive bedeutet das:

  • Gott als Schöpfer: Er schafft bewusst, planvoll und gut. Dies bildet das Fundament für alles weitere heilsgeschichtliche Handeln Gottes mit den Menschen.
  • Der Mensch als Ebenbild Gottes (1,26–27): Der Mensch erhält eine besondere Stellung und Würde. Dies begründet sowohl die Verantwortung als auch die Möglichkeit zur Beziehung mit Gott.
  • Einsetzung des Menschen in den Garten Eden (2,8ff.): Das zeigt den ursprünglichen Zustand der Harmonie zwischen Gott, Mensch und Schöpfung – eine Art „Paradieszustand“, der als Kontrast zur späteren Vertreibung und zur Notwendigkeit der Erlösung dient.

Die Verse markieren also den Anfang der Heilsgeschichte, die in Sündenfall, Verheißung, Erwählung Israels und schließlich in Jesus Christus zur Erfüllung kommt.

Der Textabschnitt wurde im Hebräischen in Prosa und nicht in Poesie geschrieben. Darum ist der Textabschnitt als eine Erzählung/ein Bericht zu lesen und nicht als ein Lied oder prophetische Rede.

Ein passender Hinweis von Thomas Richter:
„Ausgehend von Kol 1,15f sind zwei Erkenntnisse zum Verständnis des Schöpfungsberichtes zentral. Der Mensch wurde „zum Bilde Gottes“ erschaffen (vgl. 1Mose 1,27 mit 5,1; 9,6). Fragt man sich, was dies bedeutet, so finden wir die Antwort in Jesus, denn Christus ist das „Bild Gottes“ (2Kor 4,4; Kol 1,15; 3,10). Aus diesem Grund erlangt der Mensch seine Bestimmung nie losgelöst von Christus. Dies gilt es in der Verkündigung herauszustellen: Ohne Jesus findet kein Mensch seine Berufung und Erfüllung (vgl. z.B. Röm 8,28-30; Gal 4,19; Phil 2,5; 1Joh 2,6).

Nachdem in Kol 1,15 deutlich wird, dass Jesus das Bild Gottes ist, betont Kol 1,16: In ihm ist alles geschaffen. Aus diesem Grund kann über den Schöpfungsbericht nicht losgelöst von Christus, dem Wort Gottes, gepredigt werden (vgl. Joh 1,1-18). Ohne Jesus wird die Erschaffung der Erde nicht verstanden. Da alles durch Jesus entstanden ist, ist er auch derjenige an den man sich wendet, um die Schöpfung zu verstehen (vgl. 2Kor 5,17).

Fazit: Wer über die Schöpfungsgeschichte predigt, muss Jesus im Zentrum seiner Verkündigung haben, sonst fehlt das Entscheidende, denn es „ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm“ (Kol 1,16f). Er ist das wirkende und wirksame Wort Gottes (vgl. Joh 1,1-18; Hebr 1,1-4).“

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Die Predigt ist die zweite in der Predigtreihe zu 1. Mose 1-4 mit dem Titel: Mensch, wer bin ich. Nachdem in der ersten Predigt die Schöpfung und deren Zweck betrachtet wurde, wird in dieser Predigt der Blick auf den Menschen als Krönung der Schöpfung gelenkt.

Wir befinden uns kurz nach Pfingsten, wo wir besonders an die Rolle und das Wirken des Heiligen Geistes erinnert werden. Jesus lässt uns nicht allein auf dieser Erde, die er erschaffen hat, sondern schenkt uns seinen Geist. Dieser Geist, der auch uns erschaffen hat und uns befähigt für ihn zu leben.

Unser Textabschnitt bietet den Zuhörern, die sich mit Identitätsfragen oder mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigen, die Gelegenheit, eine Antwort zu finden. Diese Antwort sollen wir als Angebot weitergeben und auf mögliche Zweifler eingehen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Wer bin ich wirklich? – Meine Identität in Gottes Augen finden

Biblisch: Du bist Gottes Ebenbild – gewollt, einzigartig, nicht zufällig da.
Persönlich:

  • Woraus beziehe ich meinen Wert?
  • Was bestimmt mein Selbstbild – Gottes Zuspruch oder der Blick anderer?
    Impulse:
  • Ich darf mich selbst mit Gottes Augen sehen – voller Würde.
  • Auch in Schwäche oder Selbstzweifeln gilt: Ich bin von Gott gemeint.

Wofür lebe ich? – Zur Gemeinschaft mit Gott geschaffen

Biblisch: Der Mensch lebt durch Gottes Atem – zur Beziehung mit ihm.
Persönlich:

  • Bin ich verbunden mit Gott – oder „funktioniere“ ich nur?
  • Womit fülle ich mein inneres Leben – und wo brauche ich geistliche Tiefe?
    Impulse:
  • Gott will mir täglich neu begegnen – im Gebet, im Hören, im Vertrauen.
  • Mein Herz findet Ruhe, wenn es bei seinem Ursprung zur Ruhe kommt.

Wie lebe ich in dieser Welt? – Zur Verantwortung berufen

Biblisch: „bebauen und bewahren“ – der Mensch hat einen schöpferischen Auftrag.
Persönlich:

  • Wie gestalte ich meinen Alltag – mit Liebe, Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein?
  • Wie gehe ich mit Menschen, Natur, Arbeit um – als jemand, der Gottes Welt mitträgt?
    Impulse:
  • Jeder Beruf, jede Beziehung, jeder Umgang mit der Schöpfung ist ein Teil meines Dienstes für Gott.
  • Christsein zeigt sich im konkreten Tun – aus der Liebe heraus.

Was gibt meinem Leben Kraft? – Vom Geist Gottes erfüllt leben

Biblisch: Gott haucht dem Menschen Leben ein – echtes, tiefes Leben.
Persönlich:

  • Was treibt mich an – Gottes Geist oder äußere Erwartungen?
  • Erlebe ich geistliche Lebendigkeit – oder Leere?
    Impulse:
  • Gerade in der Pfingstzeit: Ich darf den Heiligen Geist neu erbitten.
  • Ich darf aufatmen – weil Gott mich mit seinem Leben füllt.

Zusammenfassend:

Ich bin nicht gemacht, um mich selbst zu verwirklichen – sondern um in Gott zu leben. In seiner Nähe finde ich meinen Ursprung, meine Würde und meine Aufgabe.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) von Predigten. Gute predigten sind auf der Plattform http://www.crossload.org mit dem Suchwort: 1.Mose1,26-2,14.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Zuhörenden sollen erkennen, dass sie nicht zufällig existieren, sondern von Gott persönlich gewollt, geschaffen und für eine lebendige Beziehung mit ihm bestimmt sind – und daraus Würde, Sinn und Verantwortung für ihr Leben gewinnen.

Die Predigt will nicht nur informieren, sondern ermutigen und zur Selbstreflexion einladen:
„Was macht mein Leben wertvoll?“
„Wofür bin ich da – und für wen?“
„Wie sieht ein Leben aus, das für Gott geschaffen ist?“

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Der Mensch ist von Gott geschaffen, um in einer lebendigen Beziehung zu ihm zu leben, seine Würde als Ebenbild zu erkennen und als verantwortlicher Mitgestalter der Schöpfung zu handeln.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

1. Von Gott gewollt – Du bist kein Zufall

  • Du bist mit Absicht erschaffen – Gott wollte dich.
  • Deine Würde kommt von ihm, nicht von deiner Leistung.

     Anwendung: Lebe aus dem Bewusstsein: Ich bin gewollt.

2. Für Gott geschaffen – Du lebst aus seiner Nähe

  • Gott haucht dir Leben ein – echtes, tiefes, geistliches Leben.
  • Beziehung zu Gott ist die Quelle deines Lebenssinns.

     Anwendung: Suche nicht zuerst nach Funktion, sondern nach Verbindung.

3. Mit Gott beauftragt – Du hast eine Aufgabe

  • Du bist berufen, Gottes gute Welt mitzugestalten.
  • Verantwortung, Arbeit und Fürsorge gehören zu deinem Auftrag.

     Anwendung: Gestalte dein Umfeld – im Geist Gottes.

ODER länger:

  1. Du bist gewollt
    1. Gott hat den Menschen bewusst erschaffen – nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Liebe.
    1. Du bist kein Zufall, kein Produkt, sondern ein Gedanke Gottes.
  2. Du bist sein Ebenbild
    1. Das bedeutet: Du bist würdig, einzigartig, zur Gemeinschaft fähig.
    1. Deine Identität ruht nicht in deiner Leistung, sondern in Gottes Ja zu dir.
  3. Du bist für ihn geschaffen
    1. Nicht zur Selbstverwirklichung allein, sondern zur Beziehung mit Gott.
    1. Du bist berufen, ihn zu spiegeln – im Denken, Handeln, Lieben.
  4. Du bist beauftragt
    1. Gott setzt den Menschen in den Garten: bebauen und bewahren.
    1. Verantwortung für die Welt, das Miteinander, für Gerechtigkeit, für Schöpfung.
  5. Du bist beschenkt mit seinem Geist
    1. Der Lebensodem Gottes erfüllt dich – damals wie heute.
    1. Was verloren ging (Eden), wird durch Pfingsten neu eröffnet: Leben mit Gottes Geist.

ODER:

  1. Geschaffen in Beziehung – Der Mensch lebt aus Gottes Nähe
  2. Gott formt den Menschen und haucht ihm Leben ein – persönlicher, naher Schöpfer.
  3. Der Mensch lebt nicht aus sich selbst, sondern aus Gottes Atem, aus Beziehung.

Anwendung: Bin ich innerlich lebendig – oder funktioniere ich nur noch?

  • Geschaffen als Ebenbild – Der Mensch hat Würde und Verantwortung
  • „Lasst uns Menschen machen in unserem Bild…“ – mehr als Biologie.
  • Ebenbild = Fähigkeit zu lieben, zu gestalten, zu glauben, zu verantworten.

Anwendung: Worauf baue ich mein Selbstbild? Sehe ich mich mit Gottes Augen?

  • Geschaffen zur Gestaltung – Der Mensch ist beauftragt, nicht passiv
  • Der Mensch wird eingesetzt, um den Garten zu „bebauen und zu bewahren“.
  • Arbeit ist Teil der Berufung – schöpferisch, verantwortlich, dienend.

Anwendung: Was ist mein Garten? Wie lebe ich meine Verantwortung – für mich, für andere, für Gottes Welt?

  • Geschaffen zur Gemeinschaft – Der Mensch ist nicht für sich allein
  • „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ – Gott schafft Beziehung.
  • Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin angelegt – mit Gott und mit anderen.

Anwendung: Wo lebe ich echte Gemeinschaft – oder vermeide ich sie?

  • Geschaffen für Gott – Der Mensch findet seinen Sinn in ihm
  • Ziel des Ganzen: nicht Selbstverwirklichung, sondern Gottesverwirklichung in meinem Leben.
  • Der Mensch ist für Gott erschaffen – zur Ehre Gottes, zum Leben mit ihm.

Anwendung: Lebe ich für mich – oder für ihn? Was prägt meine Lebensausrichtung?

Fazit / Schlussgedanke:

Du bist nicht zufällig da. Gott hat dich geschaffen – für sich, mit Würde, mit Auftrag, mit Liebe. In dieser Wahrheit kannst du aufatmen – und neu leben.

3.4 Predigt Veranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

„Gottes Natur ist, dass er aus nichts etwas macht. Darum: wer noch nicht nichts ist, aus dem kann Gott auch nichts machen.“ (Martin Luther)

„Wenn ich wissen will, wer ich eigentlich bin und wozu mich Gott entworfen hat, muss ich hinter das verlorene Paradies zurück, muss ich das Frühlicht des Schöpfungsmorgens aufsuchen und die ersten Worte zu hören versuchen, die Gott zu mir und meinem Vater Adam gesagt hat“ (Helmut Thielicke)

Beispiele/ Illustrationen:

Der Ton in der Hand des Töpfers (vgl. Jeremia 18,6). Gott formt den Menschen „aus Staub der Erde“ und haucht ihm Leben ein. Du bist kein Produkt des Zufalls, sondern von Gottes Hand geformt.

Ein Spiegel reflektiert – aber nur, wenn er sauber ist und dem Licht zugewandt. Als Ebenbild Gottes soll der Mensch Gottes Wesen widerspiegeln: Liebe, Gerechtigkeit, Kreativität, Barmherzigkeit. „Als sein Ebenbild“ heißt: Gott sichtbar machen in der Welt – wie ein Spiegel das Licht sichtbar macht.

(Jair Bayer)