Römer

Predigthilfe vom 15. August 2021 – Römer 7,7 – 8,17

Jahresthema:         Für ein gutes Mit-EINANDER.

Monatsthema:       Römerbrief – Glauben mit gutem Grund

Predigtthema:       Neues Leben: Gesetz des Geistes, nicht des Fleisches

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Nach dem es in Römer 1-5 um die Problematik der Sünde (alle Menschen sind Sünder, Juden wie auch der Rest) und die Lösung dieses Problems ging (Rechtfertigung aus Glauben an das Evangelium von Jesus Christus), deren prominentes Beispiel (Abraham) eingeführt wurde und Jesus als Retter vorgestellt wurde (Umkehrung des Sündenfalls, Röm 5), sind wir am letzten Sonntag eingestiegen in das neue Thema, welche Konsequenzen sich daraus für ein Leben als Christ ergeben.

In der letzten Predigt (Römer 6,1-7,6) zeigte die Bibel auf, dass ein Christ ein neuer Mensch ist, der auch anders lebt. Er ist frei von der Sünde und damit frei, Gott zu dienen. Christen können nicht einfach weiter machen wie bisher, denn sie leben jetzt für Jesus.

Im heutigen Abschnitt Römer 7,7-8,16 geht es um die Bedeutung des Gesetzes und wie Christen nach dem Willen Gottes leben können. Wie müssen wir Christen das Gesetz verstehen und wie leben wir damit? Wie können Christen ein Leben führen, das Gott gefällt? Der Abschnitt wird uns zeigen, dass das nur durch den Heiligen Geist möglich ist.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.

Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:

* MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.

* Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.

* https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ Hier findest du kurze Videoclips über den Römerbrief. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Wichtig für das Verständnis des Textes ist der Blick für „das Ganze“ zu behalten. Wo kommt Paulus her und wo will er hin. Was wir in der Bibel und vor allem im Römerbrief sehen ist, dass Christsein keine Verhaltensveränderung, sondern eine Wesensveränderung ist. Jesus hat mich grundlegend neu gemacht. Diese Neuschöpfung verändert mein Leben und wirkt sich aus. Natürlich gibt es dann durch die Wesensveränderung (Status) nach und nach eine Verhaltensveränderung (Performance, bibl. Heiligung), die nach außen sichtbar sein muss. Damit verbunden ist dann die spannende Frage: Wie lebe ich als Christ?

Im heutigen Abschnitt möchte uns die Bibel einladen, ein Leben aus der Kraft Gottes zu leben, geleitet durch den Geist Gottes. Ein Mensch kann aus sich heraus niemals im Willen Gottes leben.

Gott fordert das auch gar nicht. Hier müssen wir ganz klar zwischen biblischer Lehre und Religion unterscheiden.

„Religion says do – Christianity says done!“

Die Religion fordert immer vom Menschen durch eigene Leistung vor Gott oder irgendeinem transzendentem Wesen „gut“ dazustehen. „Du kannst dir den Himmel selbst verdienen!“. Das ist nicht biblische Lehre, aber wir stehen in der Gefahr aus der Bibel und vor allem aus dem Gesetz (den Forderungen Gottes) so etwas zu machen. Ja, Gott ist heilig, gerecht und absolut gut und wer in seiner Gegenwart bestehen will, der muss frei von jedem Makel (Sünde, Schuld) sein. Aber der Weg davon frei zu werden heißt nicht: „Halte das Gesetz“ oder wie wir heute sagen würden: „Du musst halt nach den Maßstäben der Bibel leben.“

Es gibt menschlich gesehen zwei Schrauben, an denen wir drehen können, um das Problem/der Forderung „Gott zu entsprechen/Gott zu gefallen“ irgendwie zu lösen. Entweder wir nivellieren den Maßstab Gottes ein und behaupten: „Ja, ganz so extrem ist Gott nun auch nicht. Er ist doch ein lieber Gott. Es gibt ja gute Menschen und weniger gute Menschen. Sei einfach ein guter Mensch und Gott wird schon zufrieden mit dir sein.“ Diesen Weg beschreiten ganz viele Menschen in der heutigen Zeit. Sie meinen, Gott würde nicht zu den Maßstäben stehen, die in der Bibel verkündet werden. Die zweite Variante ist die, dass wir behaupten, doch aus eigenem Antrieb Gott zu gefallen. Das ist der Weg der Religion.

Wichtig: Beide Wege sind Irrwege und führen nicht ans Ziel! Sie führen entweder in die Gleichgültigkeit Gott gegenüber (Gott ist schon nicht so streng, also was solls) oder in die Verzweiflung an sich selbst (ich schaffe es nicht, ich versage ständig).

Römer 7+8 werden uns zeigen: Der Weg, wie wir Menschen Gott gefallen können, ist ein anderer. Der Mensch kann nur durch Gottes Hilfe und seiner Veränderung im Willen Gottes leben.

Römer 7 im Licht des Garten Edens

Damit wir den vorliegenden Bibelabschnitt besser verstehen können, möchte ich dich mitnehmen, auf eine kleine Exkursion in den Garten Eden zum Thema Gesetz.

Das Gesetz taucht eigentlich schon ganz am Anfang im Garten Eden auf. Gott erschafft den Menschen und setzt ihn in den Garten Eden. Der Mensch hat freien Zugang zu allem, mit einer einzigen Einschränkung. Er darf nicht vom Baum in der Mitte des Gartens essen, dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Hier erlässt Gott das erste Gebot in 1.Mose 1,16-17:Und der HERR, Gott, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!“

Man könnte auch sagen, dass dieser Baum das Gesetz symbolisiert. Das Gesetz, dass das zusammenleben zwischen Menschen und Gott regelt und immer eines im Sinn hat, 3.Mose 18,5: „Ich bin der HERR, euer Gott. Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin der HERR.“

Das Gesetz soll Leben spenden und bewahren. Deswegen ist das Gesetz ein Liebesbeweis Gottes gegenüber den Menschen. Es ist die Wegweisung Gottes.

Es ist wichtig, dass wir das verstehen. Das (erste) Gesetz sollte den Menschen davor bewahren, dass er sterben muss. Es sollte Leben ermöglichen (Siehe Röm 7,10). Genauso sagt es Gott ja. Deswegen ergibt der biblische Befund zunächst einmal, dass das Gesetz heilig und gut ist. So sagt es Paulus dann in unserem Abschnitt in Röm 7,12.

Das Gesetz ist also nicht das Problem, sondern der Mensch und vor allem die Sünde.

Im Garten Eden hatte der Mensch also die Wahl. Will er Gott gehorchen und leben, oder will er das Gebot übertreten und sterben. Jetzt ist es aber mit der Sünde so, sagt uns Paulus in Röm 7,7-8, dass sie durch das Gesetz Begierden ins uns bewirkt, denn das Gesetz sagt „Du sollst nicht begehren“. Hier denken wir natürlich zunächst an das 10. Gebot, allerdings trifft das auch schon auf den Garten Eden zu. Was lesen wir denn über Eva, als sie in 1.Mose 3 von der Schlange Satan auf den Baum hingewiesen wird in 1.Mose 3,6: „Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Nahrung und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.“

Das Gesetz sagt: „du sollst nicht begehren“ (iss nicht von dem Baum), die Sünde in Form der Schlange sagt in 1.Mose 3,5: Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses -> der Baum ist absolut begehrenswert! Natürlich steckt eine Lüge dahinter.

Das ist genau das, was uns Paulus in Röm 7,7-8 sagt. Die Sünde gebraucht das Gesetz, um Begierde zu wecken. Das Gesetz ist gut, denn es will bewahren und Leben ermöglichen.

Es ist anhand dieses Beispiels einfach zu erklären, dass Sünde ohne das Gesetz kraftlos, bzw. tot ist (siehe Röm 7,8 am Ende). Wenn alles erlaubt ist und es keine Einschränkung gäbe, dann kann auch keine „falsche“ Begierde geweckt werden. Zielverfehlung (wörtl. Sünde) ist dann ja unmöglich.

Jetzt müssen wir verstehen, was Paulus uns in Röm 7 erklären möchte. Nach dem Sündenfall und der Trennung von Gott und Mensch, lebt der Mensch nun nicht mehr einfach im neutralen Bereich und kann wählen zwischen Gehorsam und Sünde. Das gilt für Adam und Eva vor dem Sündenfall. Danach gilt aber das, was wir in unserem Abschnitt in V14 lesen: „Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“ Der griechische Begriff für verkaufen meint eigentlich: als Sklave verkauft sein. Die Menschheit ist ein Sklave der Sünde und Sklaven tun nicht das, was sie wollen, sondern was ihr HERR will. Genau das beschreibt uns Paulus mehrfach in Röm 7,15+16+19+20. Sünde/sündigen ist also für einen Menschen ohne Gott nicht einfach nur eine Option, sondern ein Muss, weil sie sein HERR ist.

So wie Paulus uns diese Situation beschreibt, ist der Mensch nicht einfach ein Sünder, sondern infiltriert, total vereinnahmt von der Sünde. Das geht soweit, dass die Sünde Besitz vom Menschen ergriffen hat und der Mensch von der Sünde quasi nicht mehr unterschieden werden kann. Nach Röm 7,17 wohnt die Sünde im Menschen und hat die Herrschaft übernommen. Deswegen wohnt im Menschen eben nichts Gutes, sondern die Sünde, Röm 7,18. (Gegenposition zum Humanismus: Der Mensch ist im Kern gut!)

Der Mensch ohne Gott hat also nicht die Wahl zwischen sündigen oder nicht sündigen, sondern er muss sündigen. Er kann aus eigener Kraft nicht anderes, siehe Röm 7,19. Hier drückt Paulus wirklich die Verlorenheit des Menschen und seine Rettungs- und Erlösungsbedürftigkeit aus.

Auch spannend ist, dass uns Paulus sagt, dass der Mensch prinzipiell weiß, was gut ist. Hier ist auch das Gewissen zu verorten, das natürlich auch der Sünde verfallen ist, aber prinzipiell dem Menschen zeigt, was richtig ist und was falsch. Der Mensch weiß, dass das Gesetz Gottes das Gute ist (nicht stehlen, nicht lügen, nicht morden, nicht begehren etc.), aber er kann es nicht vollbringen.

Wir sehen das sehr bald, nämlich in 1Mose 4, bei Kain und Abel. Gott sagt zu Kain einen interessanten Satz in 1.Mose 4,7: „Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen“.

Die Sünde lauert vor unserer Herzenstür. Sie verlangt nach uns, wir aber sollen über sie herrschen.

Allerdings sagt uns Römer 7, dass wir von der Sünde beherrscht sind und nicht andersrum. Kain bringt Abel um, weil die Sünde Herr über ihn geworden ist und nicht er Herr über die Sünde.

Diesen Zustand der Menschheit müssen wir verstehen. Röm 7,21: „Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist.“ Gesetz sollten wir hier besser mit Gesetzmäßigkeit/Prinzip übersetzen. Das Prinzip heißt, zwar innen drin das Gute wollen, aber letztlich der Sünde dienen müssen.

Dieses Prinzip erklärt nämlich auch, dass wir zwingend neu werden müssen, wenn wir im Willen Gottes leben wollen. Aus dem „alten und sündigen Menschen“ kann nur Sünde rauskommen. Das ist das, was Paulus sagt, was der Mensch entdecken kann. Röm 7,23: „Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“

Das Wort, das hier für widerstreitet steht, müssten wir wörtl. mit Krieg führen übersetzen. Der Mensch entdeckt, dass innerlich ein Krieg tobt, den er aber immer verliert.

Der Mensch kommt ohne Jesus aus diesem Dilemma nicht raus. Sein Fleisch (sündige Natur), man könnte auch sagen, seine Glieder, dienen nach Röm 7,25 immer der Sünde. Kein Wunder, dass Paulus in Röm 7,24 nach Erlösung schreit. Jeder Mensch, der da drinsteckt, ist ein „elender Mensch“. Wer kann diesen Teufelskreislauf durchbrechen?

Antwort: Nur Jesus Christus! „Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn“ [NGÜ]

Paulus gebraucht den Abschnitt Röm 7,7-25, um zu verdeutlichen, dass das Gesetz nicht retten kann, auch wenn es gut ist und den Willen Gottes enthält. Der sündige Mensch ist ein Sklave der Sünde, der nicht fähig ist, das heilige und gute Gesetz zu halten. Nein, im Gegenteil. Das Gesetz bringt den Menschen nur dazu, dass er noch mehr sündigt, sich aber letztlich als Sünder erkennen kann. Röm 7,7: „Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durchs Gesetz“.

Deswegen ist die Aufgabe des Gesetzes nicht, dem Menschen zur Gerechtigkeit zu verhelfen! Es soll uns erkennen lassen, dass wir verlorene Menschen sind, die Erlösung brauchen.

Wenn wir predigen, dass die Menschen das Gesetz halten sollen, damit Gott sie liebt und annimmt, dann predigen wir Religion, Selbsterlösung. Der Mensch kann nach Röm 7 (auch Gal 3) das Gesetz nicht halten, weil er Sünder ist, ein Sklave der Sünde. Das war auch niemals Gottes Weg, denn 1.Mose 15,6 sagt: „Und er (Abraham) glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Gal 3,9-14 greift das auf. Gerecht vor Gott wird man aus Glauben an den Retter Jesus Christus und das Gesetz hilft uns zu erkennen, dass wir Rettung dringend brauchen.

Das Ich in Römer 7,9-25:

Eine ganz spannende Frage in Römer 7 ist, wen Paulus in der Ich-Form meint. Redet er von sich selbst und wenn ja, handelt es sich um den bekehrten Paulus oder um den unbekehrten? Also redet Römer 7 von Christen oder Nichtchristen? Ich denke, ich habe die Frage selbst noch nicht final geklärt und will aber vorab sagen, dass es zum Verständnis der Macht der Sünde und der Erlösungsnotwendigkeit des Menschen auch nicht zwingend notwendig ist.

Ein paar Beobachtungen, die uns helfen können, das Ich in Römer 7 einzuordnen. Wenn Paulus im Römerbrief vom Gesetz redet, dann tun wir gut darin, damit die 5 Bücher Mose zu verstehen. Das „ich“ in Vers 9 redet von einer Zeit ohne Gesetz, „ich lebte einst ohne Gesetz“. Man muss sagen, dass es diese Zeit im Leben des Paulus nicht gab. Er wuchs mit dem Gesetz auf. Vielmehr erinnern uns die Verse 7-11 an das Geschehen im Garten Eden und das erste Gebot, nicht vom Baum zu essen, als ein du sollst diesen Baum nicht begehren. Hier wird das Grundproblem angesprochen: Begierde. Jak 1,14-15 sagt: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Genau das beschreibt Paulus in diesen ersten Versen unseres Abschnitts. Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, das Ich nicht mit Paulus zu identifizieren, sondern mit dem Menschen per se. Paulus möchte ja den Zusammenhang von Sünde und Gesetz erklären und dazu geht er an den Anfang der Schöpfung zurück.

Der erste Mensch wurde ein Sklave der Sünde und seitdem gilt das für jeden Menschen!

Seit dem Garten Eden gilt für alle Menschen folgender Zusammenhang, folgende Gesetzmäßigkeit bzw. Prinzip: Die Sünde beherrscht den Menschen und deswegen übertritt er immer wieder das Gesetz Gottes und das führt letztlich zum Tode (ganz nach Röm 6,23!).

Prinzipiell muss man sagen, dass diese Gesetzmäßigkeit für einen nicht wiedergeborenen Menschen gilt. Er kann nicht anders, als zu sündigen. Er ist ein Sklave der Sünde. Und doch gilt an dieser Stelle eine wichtige Sache zu bedenken. Römer 6 redet davon, dass wir Sklaven der Sünde waren (Röm 6,17), jetzt frei davon sind und Sklaven Gottes geworden sind (Röm 6,18). Allerdings schreibt Paulus folgendes in Röm 6,11-14:So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus! So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorcht; stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit! Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“

Über wiedergeborene Menschen herrscht die Sünde nicht mehr. Sie sind nicht Sklaven der Sünde, die letztlich nicht anders können, als zu sündigen. Allerdings gilt die folgende Gesetzmäßigkeit nicht:

Wiedergeborene Menschen sind Sklaven Jesu und befolgen immer den Willen Gottes!

Diese Gesetzmäßigkeit, die im Prinzip das Gegenteil davon wäre, was uns Römer 7 als Gesetzmäßigkeit für Sklaven der Sünde nennt, die wird es im Himmel geben. Auf dieser Erde leben wiedergeborene Christen in einer Zwischenzeit, in einem „schon jetzt und noch nicht“! Paulus drückt das eben in der obig genannten Stelle in Römer 6 so aus, dass wiedergeborene Menschen ständig vor der Wahl stehen: Wem stelle ich mich zur Verfügung? „Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge.“ Es ist möglich Christ zu sein und der Sünde zu dienen, sich praktisch wieder zu versklaven. Röm 6,16: „Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit?“

Ich kann also im Rückblick auf meinen Alltag sagen: An dieser Stelle habe ich der Sünde nachgegeben, obwohl ich Jesus gehöre. Als Christ zu leben auf dieser Erde bedeutet letztlich, sich mehr und mehr Christus zur Verfügung zu stellen und durch den Geist zu leben (kommt dann im Anschluss in Röm 8/Gal 5).

Ich will damit sagen, dass die in Römer 7 beschriebene Gesetzmäßigkeit/Prinzip für wiedergeborene Christen durchbrochen ist! Christus hat der Sünde und dem Tod die Macht genommen. Sie herrscht nicht mehr über ihn. Allerdings kann der Christ sündigen, sich also der Sünde zur Verfügung stellen und dann das erleben, was uns das Ich in Römer 7 beschreibt. Allerdings mit dem Unterschied, dass er nicht ohnmächtig der Sünde gegenüber ist, denn sein HERR ist jetzt Jesus. Geh ich Dinge aus meiner Kraft an, also versuche ich Gottes Willen aus meinem Fleisch heraus zu befolgen, dann gilt genauso, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt und dass ich dann das Gute nicht vollbringen kann.

Christen müssen zwingend lernen, dass sie nur in Abhängigkeit vom Geist Gottes auch im Willen Gottes leben können.

Deswegen wäre meine Empfehlung bei Römer 7 zunächst von der Situation des Nicht-Christen zu reden, der hoffnungslos der Macht der Sünde ausgeliefert ist. In einem zweiten Schritt aber davon zu reden, dass wir Wiedergeborene diesen Kampf gegen die Sünde auch kennen und manche Niederlage eingefahren haben, nämlich dann, wenn wir ohne Christus aus uns heraus den Willen Gottes leben wollen. Galater 5 behandelt dieses Thema und redet davon, dass es einen innerlichen Kampf in Christen gibt, nämlich Geist gegen Fleisch. Gal 5,16-17: „Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“

Es ist ein innerer Kampf zwischen dem alten Menschen mit seiner sündigen Neigung, dem „Fleisch“ und dem neuen Menschen, der vom Geist Gottes geleitet wird.

Der Auftrag dabei heißt: „Wandelt im Geist“. Lerne, dich dem Geist Gottes zur Verfügung zu stellen, dann wirst du immer mehr Sünde in deinem Leben lassen können und der Heiligungsprozess schreitet voran. Gal 5,18-23 beschreibt uns dann, dass wir immer wieder auch messen können, durch wen wir gerade leben, also Geist oder Fleisch! „Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht gerichtet⟩“

Wenn wir durch den Geist Gottes leben, dann sind wir nicht unter dem Gesetz, heißt auch, dass dann die Sünde uns nicht durch das Gesetz locken kann nach der Gesetzmäßigkeit von Röm 7,21 und dass dann eben Dinge, die uns in Vers 22-23 genannt werden, mehr und mehr in meinem Leben zum Vorschein kommen. Allerdings gilt eben auch der Umkehrschluss. Wenn ich mal wieder aus dem Fleisch gelebt habe und meiner Begierde nachgegeben habe, dann gebiert sie die Sünde (Jak 1,14-15) und es kommen Werke des Fleisches (siehe Verse 19-20) heraus, die wir dann sehen können.

Ganz ehrlich: Welcher wiedergeborene Christ kann sagen, dass die in Vers 19-20 genannten Dinge alle kein Thema in seinem Leben wären… Ich nicht!

Somit ist das Leben als Christ eine ständige Wahl zwischen Wandel durch den Geist Gottes, woraus letztlich die Frucht des Geistes entsteht, oder Wandel im Fleisch, woraus die Werke des Fleisches entstehen. Genauso beschreibt es Gal 5,25: Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“

Hier könnte man Röm 7,5-6 herannehmen! Röm 7,5 beschreibt das alte Leben, das Leben als Nicht-Christ, in das wir manchmal zurückfallen (damit meine ich nicht aus dem Heil fallen, sondern in das alte Schema), während Röm 7,6 das neue Leben im Geist beschreibt.

Antwort auf die zwei Fragen in Röm 7:

V7: „Ist das Gesetz Sünde?“ Antwort des Paulus: „Auf keinen Fall“ – Nie im Leben! Aber das Gesetz hat Gott gegeben, dass der Mensch sich als Sünder erkennen kann. Deswegen ist die Verkündigung des Gesetzes so wichtig. Wenn wir den Menschen nur einen lieben und gnädigen Gott predigen, dann erkennen sie nicht, dass sie verloren sind und dringend umkehren müssen.

V13: „Ist nun das Gute mir zum Tode geworden?“ Hat das Gesetz, das ja eben gut und heilig ist, also den Tod gebracht? Antwort des Paulus: „Auf keinen Fall“ – Nie im Leben! Das Gesetz steht für das Leben, die Sünde bringt den Tod. Aber das Gesetz lässt die Sünde aufleben und groß werden, damit hoffentlich jeder erkennen kann: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erretten von diesem Leibe des Todes?“

Leben durch den Geist Gottes – Römer 8,1-17

Der Abschnitt Röm 8,1-17 ist wohl einer der wichtigsten in der ganzen Bibel. Er zeigt uns sehr deutlich, dass der Weg raus aus dem beschriebenen Dilemma von Kapitel 7,7-25 Jesus Christus heißt. Leben nach dem Willen Gottes kann der Mensch nur, wenn er neu geworden ist, wenn der Geist Gottes in sein Leben eingezogen ist, wenn er wiedergeboren ist. „Die aber im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.“ Röm 8,7. Das Gesetz konnte nie den Menschen verändern. Es kann immer nur den Status Quo, nämlich „du bist ein Sünder“ zeigen. Aber Christus hat uns durch sein Sterben am Kreuz und durch seine Auferstehung neues Leben erkauft. Wer an ihn glaubt, der wird verändert/transformiert. Diese Wahrheit beschreibt uns Röm 8,1-17.

Lass uns etwas ins Detail gehen:

Wer an Jesus Christus glaubt und ein neuer Mensch geworden ist, der ist vom Tod zum Leben übergegangen und kommt nicht ins Gericht (siehe Joh 5,24)! Deswegen brauchen Christen keine Angst vor einer Verdammnis haben! So schreibt es uns Paulus in V1! In V2 redet ja Paulus davon, dass wiedergeborene Christen durch den Geist frei vom Gesetz sind, das letztlich nur die Sünde aufleben lässt, die zum Tode führt.

Gal 2,19-20 sagt es uns so: „Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“

Wer an Jesus Christus glaubt, der stirbt. Sein altes Leben, seine alte Natur, das Fleisch, hängt am Kreuz. Der alte Zusammenhang der uns in Röm 7,7-25 beschrieben wird, dass der Mensch zwangsläufig sündigen muss, der ist gebrochen. Die Allmacht der Sünde existiert für einen Christen nicht mehr.

Röm 8,3-4 beschreibt uns das Evangelium. Das Gesetz konnte uns Sünder nicht gerecht machen, sondern immer nur verdammen. Jesus Christus kommt in das Fleisch (wird Mensch, der den gleichen Versuchungen ausgesetzt war, wie wir, vgl. Hebr. 4,15, doch ohne Sünde), nimmt also unsere Gestalt an, um für die Sünde zu sterben und die Verdammnis auf sich zu nehmen (siehe auch Gal 3,13). Wer an Jesus glaubt ist frei davon, sündigen zu müssen. Ja er kann jetzt die Rechtsforderungen des Gesetzes erfüllen, indem er durch den Geist Gottes lebt und dessen Kraft ihn verändert. In der NGÜ wird V4 so übersetzt: „So kann sich nun in unserem Leben die Gerechtigkeit verwirklichen, die das Gesetz fordert, und zwar dadurch, dass wir uns vom Geist ´Gottes` bestimmen lassen und nicht mehr von unserer eigenen Natur.“ NurChristen können also durch den Geist Gottes nach dem Willen Gottes leben. Es ist das Werk Gottes in uns. So müssen wir auch das Alte Testament verstehen, wenn es über den neuen Bund spricht. Jer 31,33: „Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“

Das Gesetz, das uns Gott ins Innere gibt, ist zweifelsfrei der Geist Gottes, der uns hilft und uns verändert nach dem Willen Gottes zu leben.

An dieser Stelle muss ein falscher Rückschluss entkräftet werden. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass Christen nicht sündlos leben. Dadurch, dass der Heilige Geist in uns wohnt, leben wir noch lange nicht zu 100% nach dem Willen Gottes. Das hat ja bereits Röm 6 deutlich gemacht, dass wir uns jetzt mehr und mehr Gott zu Verfügung stellen. Wichtig sind hier auch Verse wie Röm 12,2, die eindeutig einen Prozess ansprechen, genauso wie 2Kor 3,18.

Was ist also der Unterschied zwischen Christen und Nichtchristen? Dass Christen sündlos leben? Nein, aber dass Christen neue Menschen sind, die jetzt immer mehr vom Geist Gottes geleitet werden und die in einem Prozess stehen (Heiligung). V5 sagt es ja deutlich, dass Christen nicht mehr nur auf ihre eigenen Wünsche sehen, sondern auf das, was der HERR will. Auch hier müssen wir lernen nicht ausschließlich schwarz/weiß zu denken. Kol 3,2-3 sagt uns: „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“

Wenn das automatisch so wäre, müsste Paulus es nicht schreiben. Wir Christen müssen umdenken lernen, von Jesus her denken lernen und auf das Sinnen, was ihm Ehre macht, weil eben unser altes Leben vorbei ist, wörtl. „wir gestorben sind“. V6-8 zeigen uns den Kontrast zwischen altem Leben und neuem Leben, zwischen Nicht-Christ und Christ. Aus dem alten Leben kommt letztlich nur der Tod raus. Das passt zu dem, was wir ganz am Anfang der Bibel lesen. In 1Mo 2,17: „aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben.“ Aus einem Toten kann nichts Lebendiges herauskommen. Nochmals: es ist unmöglich! So Vers 7: weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Der Mensch ohne Christus kann Gott nicht gefallen! Er ist Feind Gottes. Wer aber an Jesus glaubt und ein neuer Mensch geworden ist, der ist zum ewigen Leben durchgedrungen (Joh 3,36; 11,25). Im Prinzip sind die Verse 5-8 eine Vertiefung von Röm 6,23.

Was gilt aber jetzt für Christen, für die, die an den Sohn Gottes glauben? Das führt Paulus nun in den folgenden Versen aus.

V9: Sie sind nicht mehr „im Fleisch“, d.h. sie sind nicht mehr diese alte Natur, die nicht anders kann, als zu sündigen (siehe Röm 7,5) „Wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt“ soll nicht heißen, dass evtl. in manchen Christen der Geist Gottes weniger oder noch gar nicht wohnt, sondern es soll ein entweder oder andeuten. Nach Eph 1,13 hat jeder Gläubige den Geist Gottes und damit ist er nicht mehr in seiner alten Natur, im alten Stand. Erwähnenswert ist hier auch 2Kor 5,17: „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“. Der Rückschluss ist klar: Wer den Geist nicht hat, der gehört auch nicht zu Jesus.

V10: Der Leib, das alte Leben ist tot um der Sünde willen. Das ist eine geistliche Realität, die Paulus schon in Röm 6,6-13 anspricht. Da der Lohn der Sünde der Tod ist (Röm 6,23), muss zwingend meine alte Natur diese Strafe erleiden. Genau das passiert am Kreuz Jesu. Mein altes Ich stirbt. Es ist eine geistliche Realität. Man könnte aus gesamtbiblischer Sicht sagen: Das alte Ich war eh tot. Das, was mal lebendig war, starb beim Sündenfall. Aber durch den Glauben an Jesus und durch den Heiligen Geist sind Christen ja wiedergeborene Menschen. Sie sind zu neuem Leben erwacht! Dieses Leben ist noch verborgen in Christus (Kol 3,3), d.h. es ist nicht vollständig sichtbar. Das wird erst passieren, wenn Jesus wiederkommt (Kol 3,4). Dann wird endlich auch der alte Leib abgetan/verwandelt werden (1Kor 15).

V11: Weil wir jetztdie Power in uns tragen, die Christus aus den Toten auferweckt hat, kann der Tod uns nichts mehr anhaben. „So wird er (Gott) […] auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. Sicherlich spricht das in die Zukunft, wenn Jesus wiederkommt. Hier können wir 1Thes 4,13-17, 1Kor 15,35-53 oder Offb 20 anschauen. Wer zu Jesus gehört und stirbt, der darf sich gewiss sein, dass er jetzt zu echtem Leben in der Gegenwart Christi durchgedrungen ist. Das ist unsere große Hoffnung, die uns Mut gibt im Angesicht von Leid, von Tod, von Nöten.

Wie sollen wir jetzt also als Christen leben, als Menschen, in denen der Geist Gottes lebt? Paulus wiederholt eigentlich das, was er schon in Röm 6,12;19 gesagt hat. V12-13 ermahnt uns dazu, nicht das alte Leben vor unserer Hinwendung zu Jesus zu leben. Wir sollen nicht auf unser Fleisch schauen mit seinen Begierden (die es übrigens nach wie vor gibt), sonst sündigen wir (Jak 1,14). Die Macht der Sünde hat Jesus gebrochen. Jetzt gilt es umzudenken, sich Jesus zur Verfügung zu stellen, nach ihm zu fragen und auf ihn zu schauen (Hebr 12,1-3). Es geht darum, diesen Kampf anzunehmen und „durch den Geist die Handlungen des Fleisches zu töten.“ Die NGÜ übersetzt wie folgt: „Doch wenn ihr in der Kraft von Gottes Geist die alten Verhaltensweisen tötet, werdet ihr leben“. Wenn wir die Kraft des Geistes Gottes gebrauchen, dann können wir die alten sündigen Lebensweisen hinter uns lassen und überwinden. Wie geht das? Die Antwort darauf haben wir uns schon in der letzten Predigt über Röm 6,1-7,6 angeschaut. Es ist leider nicht so, dass wir zwei Knöpfe haben (einer für das Fleisch und einer für den Geist Gottes) und dann müssen wir in jeder Situation nur den richtigen Knopf drücken. Es ist vielmehr ein „Lernen, mit dem Geist Gottes zu leben“. Dadurch, dass ich lerne meinen Alltag mit Jesus zu leben (Gebet, Wort Gottes, Gemeinschaft mit anderen Christen), gebe ich dem Geist Gottes Raum, mich zu verändern.

Die Vers 14-17 markieren nochmals etwas ganz Besonderes. Wer zu Jesus gehört, der ist nicht nur begnadigt und ohne Schuld. Das ist ja schon echt große Klasse. Nein, er gehört jetzt zur Familie Gottes, er ist ein Sohn Gottes/Kind Gottes. So sagt es uns V14: „die sind Söhne Gottes“. Weitere Stellen dazu sind Joh 1,12; Gal 3,25-26; Gal 4,4-6. An dieser Stelle möchte ich gerne ein Zitat von James Packer einfügen. Er schreibt folgendes auf die Frage: Was ist ein Christ?

„Die kostbarste Antwort, die ich kenne, lautet: Ein Christ ist ein Mensch, der Gott zum Vater hat.“

Weiter schreibt er: „Ebenso kann man den gesamten neutestamentliche Glauben so zusammenfassen: Er ist die Erkenntnis, dass Gott unser heiliger Vater ist. Wollen wir feststellen, wie sehr jemand mit dem Christentum vertraut ist, dann sollten wir herausfinden, wie viel ihm der Gedanke bedeutet, ein Kind Gottes zu sein und Gott zum Vater zu haben. Wenn diese Gedanken nicht seine Gottesbeziehung, sein Beten und seine ganze Lebenseinstellung motoviert und beeinflusst, beweist dies nur, dass er das Christsein noch nicht recht verstanden hat.“

Dass wir Gott zum Vater haben und zu seiner Familie gehören adelt und ehrt uns ehemaligen Sünder ungemein. Es kann nichts größeres geben, das uns Mensch wiederfahren kann. Weil wir Söhne sind erwarten wir auch ein Erbe, ein ewiges Erbe im Himmel (V17). Das, was hier steht, beschreibt einen völlig neuen Zugang zum Schöpfergott. War im AT der Zugang zu Gott versperrt (verdeutlicht durch den Vorhang im Tempel) und es undenkbar war in die Gegenwart Gottes zu kommen, so dürfen wir jetzt diesen großen Gott mit „Abba“ anreden. Was für eine Intimität, Vertrautheit kann jetzt zwischen Gott und dem erlösten Sünder entstehen! Wir brauchen vor Gott keine Angst mehr zu haben, denn wir wissen: Uns ist vergeben. Wir sind keine Feinde Gotts mehr, sondern seine Kinder. Kinder werden erzogen (Hebr 12,4ff), aber nicht verdammt.

1.4 Struktur des Abschnittes:

Man kann den Römerbrief unter anderem als Antwort des Paulus auf vorliegende kritische Fragen/Anfragen an den christlichen Glauben sehen, vorwiegend von jüdischer Zuhörerschaft vorgebracht. Immer wieder nennt Paulus diese Anfragen und wiederlegt sie. Eine wichtige Redewendung ist dabei me genoito (siehe wichtige Begriffe), was so viel heißt wie „niemals“. Diese Redewendung kommt insgesamt 10mal im Brief vor und 1mal in unserem Abschnitt. Aus diesem Grund beginnt auch unser Abschnitt an diesem Sonntag mit Röm 7,7. Der vorliegende Abschnitt ist ein sehr zentraler im Römerbrief. Er behandelt das Leben durch den Geist Gottes (Röm 8) im Gegensatz zum alten Leben ohne Christus (Röm 7).

Innertextliche Gliederung:

Ich möchte hier auf Thomas Schreiner, einem amerikanischen Theologen verweisen (zitiert in Merida, Tony: Excalting Christ in Romans, Christ-Centered Exposition. S113), der schreibt, dass man in der Gesamtstruktur von Röm 7-8 folgendes entdecken kann. Die beiden Verse Röm 7,5-6 bilden einen Schlüssel. Es ist klar, dass Röm 7,5 die Realität des Nichtchristen beschreibt, während Röm 7,6 die eines Christen. Was es mit der Realität eines Nicht-Christen auf sich hat, wird dann in Röm 7,7-25 vertieft. Hier ist die Rede vom Leben unter dem Gesetz (ganz oft zitiert), während der Geist Gottes nicht vorkommt. Röm 8,1-17 vertieft dann Röm 7,6, das Leben als Christ, das Leben durch den Geist Gottes (kommt 15mal vor). Das könnte durchaus ein Schlüssel zum Verständnis des Abschnittes sein.

Für Römer 8,1-17 habe ich ein einem englischsprachigen Kommentar eine gute Gliederung gefunden. Tony Merida, ebenfalls amerikanischer Theologe, gliedert wie folgt:

  1. Der Geist des Lebens (8,1-13)

A eine neue Freiheit (8,1-4)

B eine neue Gesinnung (8,5-8)

C eine neue innewohnende Gegenwart (V9-11)

D eine neue Verpflichtung

2. Der Geist der Adoption (8,14-14)

A eine neue Identität (8,14)

B eine neue Intimität (8,15-16)

C ein neues Erbe (8,17)

1.5 Wichtige Begriffe:

Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen, bzw. die sehr häufig vorkommen. Es werden bei weitem nicht alle wichtigen sein, aber ein paar. Die Begriffe sind nach der Elberfelderübersetzung aufgelistet.

Sünde (gr. hamartia): 19mal in unserem Abschnitt

Bedeutet zunächst nicht eine Tat, sondern beschreibt einen Zustand. Wörtl. könnte man diesen Begriff mit „Ziel verfehlen“ übersetzen. Im bibl. Kontext ist hamartia eher ein Beziehungsbegriff, der beschreibt, dass der Mensch sein Ziel, d.h. seine Bestimmung verfehlt hat. Er war geschaffen als Ebenbild und Gegenüber Gottes, mit dem Auftrag Gott und sein Wesen auf der Erde zu repräsentieren. Der einzige Mensch, der das Ziel erfüllt hat, ist Jesus.Wer mich sieht, sieht den Vater!“ Joh 14,9

Auf keinen Fall (gr. me genoito): 2mal in unserem Abschnitt (Kapitel 7, Verse 7 und 13)

Diese Redewendung kommt im Römerbrief 10x vor (u.a. Röm 3,4; 3,6; 3,31; 6,2; 6,15; 7,7; 7,13; 9,14; 11,1; 11,11 sowie 4x in anderen paul. Briefen 1.Korinther, Gal). Stärkste Form im Griechischen, um eine Aussage zurückzuweisen. Es schwingt das Entsetzen mit, eine Aussage dieser Art überhaupt in Erwägung zu ziehen. Heute müsste man das so übersetzen: Nie im Leben, never ever! Paulus verwendet diesen Ausdruck zum Verneinen völlig falscher Schlüsse in der Jesus-Nachfolge und räumt mit falschen Ansätzen auf. Dieser Ausdruck hilft uns, den Römerbrief in logische Blöcke zu teilen. Es scheint fast so, als wusste Paulus von diesen Anfragen an den Glauben und damit den falschen Schlussfolgerungen und beantwortet, bzw. widerlegt diese von der Schrift her.

Gesetz (gr. nomos): 20mal in unserem Abschnitt

Nomos ist das Gesetz. Der Gebrauch des Wortes Gesetz in der Bibel wird unterschiedlich gebraucht. Einmal kann es die kompletten 5 Bücher Mose, die Torah, meinen. Beispiel hierfür ist Lk 24,44. Jesus redet vom Gesetz Mose, den Propheten und Psalmen. Damit meint er die gesamte jüdische Heilige Schrift, unser Altes Testament. Ein anderes Mal meint nomos die explizit gegebenen 613 Gebote, die Gott am Sinai gibt. Beispiel hierfür wäre Gal 3,10-12. Hier stehen die Regeln und das Halten der Regeln im Vordergrund.

Gebot (gr. entolee): 6mal in unserem Abschnitt

Auftrag, Anweisung, Gebot, Befehl.

Fleisch/fleischlich (gr. sarx): 15mal in unserem Abschnitt

Fleisch, Körper oder Mensch. Wird oft gebraucht für die menschliche Natur, das menschliche Wesen mit seiner irdischen Beschaffenheit/Herkunft. Im Römerbrief meint Fleisch/fleischlich in der Regel den Menschen unter der Herrschaft der Sünde.

Geist/geistlich (gr. pneuma): 17mal in unserem Abschnitt, allerdings erst in Röm 8!

Steht der sündigen Natur „Fleisch“ entgegen. Siehe dazu Gal 5,17. Wer in Christus ist, im dem lebt der Geist Gottes und der kann nach dem Geist wandeln (Röm 8,5). Damit beschreibt uns die Bibel den Motor, der Leben nach dem Willen Gottes möglich machen kann.

2. Verstehen, worum es geht

In unserm Abschnitt geht es prinzipiell um die Frage: Wie kann ich Gott gefallen? Dabei wird von Paulus das Gesetz genannt. Für Juden war das der Weg zu Gott, die Thora, die Weisung Gottes. Paulus macht mit Röm 7,7-25 sehr deutlich, dass das Gesetz niemals dazu da war, dass der Mensch gerecht vor Gott werden kann. Das Gesetz kann nämlich niemanden verändern. Es kann nur den Status Quo zeigen: Mensch, du bist ein Sünder! Damit erteilt Paulus den Juden, aber gleichzeitig jedem Menschen, eine Abfuhr. Der Weg¸ aus eigener Leistung vor Gott gerecht zu sein (durch Einhalten gewisser Vorschriften), ist ein Irrweg. Denn der Mensch ist ein Sklave der Sünde. Er muss erst davon befreit werden, erlöst werden. Röm 7,24 macht das deutlich. Röm 8,1-17 zeigt den einzigen Weg, wie wir im Willen Gottes leben können. Nur der Geist Gottes kann uns zu Gott wohlgefälligen Menschen umgestalten. Ermöglicht hat dieses neue Leben das Leiden und Sterben von Jesus Christus und seine Auferstehung. Nur wer an ihn glaubt, wird ein neuer Mensch und hat den Geist Gottes. Dieser Geist gibt uns die Kraft, in dem neuen Leben zu leben und verändert uns immer mehr in das Bild Christi (Röm 8,29; 2Kor 5,18)!

Wir brauchen also den Geist Gottes! Wir müssen von neuem geboren werden. Nur so können wir mehr und mehr im Willen Gottes leben. Dabei schenkt Gott uns durch seinen Geist die Gotteskindschaft! Was für eine geniale Sache.

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir befinden uns mitten in einer Reihe zum Römerbrief. Nachdem wir letztes Mal (Röm 6,1-7,6) thematisch über die Sklaverei der Sünde im Gegensatz zur Sklaverei der Gerechtigkeit gesprochen haben und das Ziel, jetzt für Jesus zu leben erarbeitet haben, geht es heute mehr um das „Wie“. Wie machen wir das denn genau? Wie können wir Sünde lassen und dem HERRN Jesus dienen? Es geht nicht im alten Leben und durch eigene Anstrengung. Es geht nur durch die Wiedergeburt und die Erneuerung des Geistes Gottes – eben Leben durch den Geist Gottes.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Der Römerbrief erklärt uns beinahe wie kein anderer Brief aus dem NT, wie wir die gesamte bibl. Geschichte zu verstehen haben. Der Sündenfall und seine Folgen im Garten Eden und seine Auswirkung auf die gesamte Menschheitsgeschichte können nur durch Christus „umgekehrt“ werden. Römer 5 bringt ja diesen Vergleich zwischen Adam und Jesus. Durch Adam wurden alle zu Sündern (Status) und durch Jesus können alle zu Gerechten werden (neuer Status) (Röm 5,19). Damit haben wir hier die theologische Erklärung von 1Mo 3,15, dem „Protoevangelium“, dem ersten Evangelium in der Bibel. Der „Schlangenzertreter“ heißt Jesus Christus und die Macht des Todes und der Sünde können nur durch den Tod des einen („der Biss in die Ferse“) zunichte gemacht werden.

Das Geheimnis, wie jetzt die sündige Natur überwunden werden kann, ist gelüftet. Weil Gott uns durch Jesus den Sieg über Tod und Sünde schenkt (1Kor 15,57), dürfen wir selber sterben und zu neuem Leben durchdringen. Dieses neue Leben ist eine geistliche Realität (Status), die sich im Alltag auswirken darf (Performance). Natürlich haben wir aktuell noch eine Zwischenzeit, die ihre Herausforderungen hat, nämlich, dass diese neue Schöpfung „noch“ im alten Leib (Bibel nennt das Fleisch) ist. Diese beiden stehen im Widerstand gegeneinander und machen das Christsein zu einem täglichen Kampf (siehe dazu Röm 8 und Gal 5). Die herrliche Aussicht ist die Wiederkunft unseres Herrn, wenn das alte endgültig abgetan werden wird und wir komplett neu sein werden und auch dieser Kampf mit seinen Siegen, aber auch Niederlagen, vollständig in einen Sieg verwandelt werden wird.

Wir stehen heute genau an der gleichen heilsgeschichtlichen Stelle wie die Gemeinde in Rom damals. Aus diesem Grund sind alle Dinge, die Paulus in unserem Textabschnitt anspricht, 1:1 für uns heute gültig und müssen in diesem Sinne nicht übertragen werden, wie bspw. Inhalte aus dem AT.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Text ist relativ lang. Allerdings ist auf jeden Fall zu empfehlen, den Text komplett zu lesen. Evtl. könnte man überlegen, ob man das Thema in zwei Schritten bearbeitet und das Lesen des Bibeltextes teilt. Einmal Röm 7,7-25 und dann Röm 8,1-17. Es ist zu empfehlen evtl. aufgrund des Verständnisses eine neuere Übersetzung zu nehmen. Zu empfehlen sind auf jeden Fall die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) oder auch die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ). Beide wurden direkt aus dem Urtext übersetzt im Gegensatz zur Neuen Leben, Gute Nachricht oder Hoffnung für alle Übersetzung.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Wie können Menschen gottgefällig leben? Geht es, wenn klar ist, was dieser Gott will (Gesetz)? Nein, der Mensch kann Gott ohne eine radikale Veränderung nicht gefallen. Er braucht das Erlösungswerk Jesu, damit er in den Zustand versetzt wird, in dem er dann gottgefällig leben kann, aber nicht muss. Mit dieser Predigt können wir zum einen Nichtchristen erreichen und ihnen sehr klar machen: Ohne Jesus kannst du Gott nicht gefallen! Du bist ein elender Mensch, deswegen geh zu Jesus und lass dich retten. Zusätzlich ist diese Predigt aber auch fundamental wichtig für Christen. Auch als Christ kann ich Gott nur gefallen, wenn ich durch den Geist Gottes lebe. Das geht aber nicht automatisch! Ich muss lernen, auf den Geist Gottes zu hören und ihm zu gehorchen. Christen stehen in der Gefahr, dass sie meinen, für ihre Erlösung Jesus Christus zu brauchen, dann aber losgelöst von ihm ein gottgefälliges Leben leben zu können. Nein! Nur durch den Geist Gottes kann man die alte und sündige Natur töten (Röm 8,13). Lebe ich also angewiesen auf den Heiligen Geist? Gebe ich ihm Raum, mich zu verändern? Hier sollten praktische Anwendungsbeispiele kommen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Ich mache dir hier ein paar Themenvorschläge:

„Neues Leben: Gesetz des Geistes, nicht des Fleisches“ Textplan Christusbund

„Von alt zu neu – bis du dabei?“

„Gottes Geist – der Motor deines Lebens?“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Das alte Leben – machtlos und kraftlos

Hier können wir den ersten der beiden Teile unterbringen aus Röm 7,7-25. Wie sieht denn das Leben ohne Jesus aus? Basis dafür kann Röm 7,5 sein, der als „Schlagvers“ für das alte Leben gilt. Das Problem sitzt tief. Es reicht nicht aus, sich nur genug anzustrengen. Das Gute steckt eben nicht in uns Menschen und muss nur durch gute Erziehung und Bildung zu Tage gefördert werden. Ganz im Gegenteil. Der alte Mensch ist dominiert von der Sünde. Er ist beherrscht davon. Es gibt keine Chance Gott zu gefallen. Hier sollten wir zwingend darauf eingehen, dass es etwas radikal Neues braucht. Es reicht kein neuer Anstrich, oder ein Facelifting! Es braucht Transformation/Verwandlung (Der Begriff Transformation ist in diesen Tagen leider etwas belastet durch die Transformationstheologie. Das ist hier nicht gemeint, sondern lediglich die Bedeutung des Begriffs)! Als Beispiel kann die Raupe genommen werden. Wenn die Raupe fliegen soll (steht für Gott gefallen), dann kann sie sich anstrengen wie sie will. Sie wird das niemals schaffen. Es muss eine Verwandlung stattfinden. Erst wenn sie „neu“ geworden ist, kann sie fliegen, nämlich als Schmetterling. Hier hat „Metamorphose“ oder Transformation stattgefunden.

2. Das neue Leben – Kraft durch den Geist Gottes

In diesem zweiten Punkt gehen wir auf den zweiten Teil unserer Predigt ein, nämlich Röm 8,1-17. Wir müssen verdeutlichen, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen Christen und Nichtchristen gibt – der Geist Gottes. Mit der Wiedergeburt geschieht etwas Unglaubliches. Gott nimmt Wohnung in uns Menschen (2Kor 5,17). Wir werden auf einen Schlag zu begnadigten und zu adoptierten Kindern Gottes. Wir gehören zur Familie Gottes und können immer zu Gott kommen und ihn mit „Vater“ ansprechen. Wir haben plötzlich eine Beziehung zum Schöpfergott, die sehr intim und nah ist. Näher wie Gott kann uns niemand kommen. Plötzlich haben wir eine Kraftquelle in uns, der nichts unmöglich ist (Phil 4,13). Allerdings steckt diese Kraftquelle sozusagen im „alten“ drin. Wir müssen erst lernen, uns dieser Kraftquelle zu bedienen. Nur durch den Heiligen Geist kann unser Leben nach dem Willen Gottes gehen und wir können auch alte sündige Verhaltensweisen hinter uns lassen. Es geht niemals ohne ihn! Gerade wir Christen müssen uns das immer wieder klar machen. Es sollte uns in die Arme Gottes treiben, zu seinen Füßen sitzen lassen

3. Der Geist Gottes und ich – wie geht das?

Die spannende Frage bei diesem Thema ist nach wie vor: Wie geht das? Wie lebe ich denn durch den Geist Gottes? Wir müssen festhalten, dass es keinen Schalter gibt, den wir einfach drücken und dann leben wir durch den Geist Gottes. Es hat was mit Beziehung zu tun. Hier können wir das nachfolgend erklärte Beispiel des Autos nehmen. Wir Christen brauchen die Verbindung zum Geist Gottes, die Verbindung zu Jesus Christus. 1Kor 1,9 sagt, dass wir in die Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen sind. Es geht also darum zu lernen, diese Nähe zu Jesus zu suchen. Hier helfen uns Bibelstellen wie Joh 15,1-5; Hebr 12,1-3; Kol 3,1-3; Röm 12,2; 2Kor 3,18. Sie alle sagen uns, dass wir Zeit mit Jesus verbringen müssen und dass das einen Prozess in Gang bringt, der uns verändert. Wir geben also dem Geist Gottes Zugriff auf unser Leben, wenn wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen. Nach 2Tim 3,16 verändert uns das! Es erzieht uns. Es macht uns fähig nach dem Willen Gottes zu leben. Wer sich regelmäßig dem Wort Gottes aussetzt (eigenes Studium, Gottesdienst, Hauskreis etc.), der gibt dem Geist Gottes die Möglichkeit, uns zu verändern. Natürlich kommt dazu die pers. Stille vor dem HERRN. Zusätzlich braucht es die Gemeinschaft anderer Gläubiger, die uns ermutigt, korrigiert und stärkt (1Kor 14,12). Evtl. können noch eigene Erfahrungen berichtet werden. In der Regel ist die Veränderung durch den Geist Gottes ein Prozess (Heiligung), die nach seinem Willen und in seiner Zeit geschieht. Oftmals nehmen wir selber manche Veränderungen nicht so sehr wahr, wie unser Mitgeschwister.

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Ein schönes Bild zur Veranschaulichung des Lebens als Christ ist das Auto. Das, was das Auto in Bewegung bringt, sozusagen die Kraftquelle ist der Motor und letztlich der Kraftstoff. Die Bibel redet davon, dass alle Christen die gleiche Kraftquelle haben, also den gleichen Motor, nämlich den Heiligen Geist. Jetzt kann aber im Christsein das gleiche passieren wie beim Autofahren. Du sitzt rein, trittst auf das Gas, der Motor heult auf, die Power ist da, aber es passiert gar nichts! Das liegt nicht daran, dass du den falschen Motor hättest, oder er defekt wäre. Nein, dem Motor fehlt nichts, die volle Leistung ist da, aber du hast vergessen die Kupplung zu schließen und das Getriebe mit dem Motor zu verbinden. Es braucht eine Verbindung zwischen der Kraftquelle und den Rädern. Genauso ist es im Christsein auch. Wenn wir keine Verbindung zum Heiligen Geist in uns haben, dann wundern wir uns, warum in unserem Glaubensleben nichts vorangeht. Wir haben die Power, aber wir müssen die Verbindung suchen. So wie es Jesus im Bild des Weinstocks in Joh 5,1-5 sagt.

(Manuel Nowak)