Predigtthema: Jesus dient uns
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
1.1 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Maier, Gerhard. Johannes Evangelium (Edition C Bibelkommentar)
- Lüthi, Walter. Johannes – das vierte Evangelium.
- De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
- Köstenberger, Andreas: John (Baker Exegetical Commentary)
- Carson, D.A.: The Gospel according to John (Pillar New Testament Commentary)
1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Vers 1:
Johannes beginnt mit einer zeitlichen Einordnung der Ereignisse. Es ist Donnerstagabend und Jesus wird in Kürze mit seinen Jüngern die Passahmahlzeit zu sich nehmen. Gleichzeitig gibt uns Johannes einen Blick in den großen heilsgeschichtlichen Zeitpunkt. Jesus steht davor die Erde zu verlassen. Er wird am Kreuz sterben, wieder auferstehen und dann zu seinem Vater in den Himmel gehen.
In diesen letzten Stunden auf der Erde zeigt Jesus noch einmal seine Liebe zu seinen Jüngern, zu denen, die zu ihm gehören. Johannes spricht hier von den Seinen und meint wohl besonders die Jünger (vgl. mit Joh 1,11, wo von den „Seinen“ die Rede ist, die Jesus nicht aufnahmen und mit Joh 17,9-11, wo Jesus besonders betont, dass die Menschen, die an ihn glauben, ihm vom Vater gegeben worden sind).
Die letzten Worte in Vers 1 sind schon ein deutlicher Hinweis darauf, wie weit Jesus in seiner Liebe gehen wird. Die Fußwaschung ist ein kleiner Vorschmack darauf, wie weit die Liebe Jesu reicht und wie tief er bereit ist sich zu erniedrigen (vgl. Joh 15,13; Phil 2,8).
Vers 2-3:
Johannes nimmt uns in die geistliche Dimension der Ereignisse mit hinein. Auf der einen Seite beschreibt er das Wirken des Teufels im Herzen von Judas Iskariot. Der Teufel hat Judas dazu angestiftet Jesus zu verraten. Dies zeigt, dass der Teufel von Gott die Macht erhalten hat, so im Leben von Judas zu wirken. Eine enge Parallele sehen wir in Lk 22,31. Dort sagt Jesus, dass der Satan begehrt hat die Jünger zu sichten wie den Weizen. Gott hat dieses Sichten erlaubt, aber Jesus hat für Petrus gebetet, dass sein Glaube nicht aufhört.
Bei Judas geht die Verführung des Teufels anders aus. Judas lässt sich verführen und kehrt danach nicht um, sondern nimmt sich das Leben. An dieser Stelle ist es hilfreich, die ergänzenden Berichte über Judas im Johannesevangelium und den anderen Evangelien zu beachten. Jesus hat bereits in Joh 6,70f davon geredet, dass einer der Jünger nicht zu ihm gehört, sondern ein Teufel ist. Johannes erklärt an dieser Stelle, dass Jesus mit dieser Aussage Judas gemeint hat.
Die Versuchung oder Anstiftung durch den Teufel befreit Judas aber nicht von seiner eigenen Verantwortung. Es ist Sünde, dass er sich dem Teufel und seiner Versuchung geöffnet hat. Judas war zu diesem Zeitpunkt bereits zu den Hohepriestern gegangen und hat den Verrat von Jesus ausgehandelt (vgl. Mt 26,14; Mk 14,10).
Während in Vers 2 vom Wirken des Teufels die Rede ist, macht Vers 3 sehr deutlich, dass all dieses Durcheinanderbringen nicht dazu führt, dass Gottes Heilsplan ins Stocken kommt. Jesus hat seinen Auftrag ganz klar vor Augen. Der Vater hat ihn beauftragt, den Heilsplan auszuführen, Jesus weiß um seinen bevorstehenden Tod, seine Auferstehung und auch seine Himmelfahrt.
Vers 3 erklärt in schlichten Worten, wie einzigartig und weltentscheidend Jesus ist. Er ist der ewige Sohn Gottes, der aus der Herrlichkeit gekommen ist, um uns Menschen zu retten. Und dieser unvergleichliche Messias agiert ab Vers 4 auf eine Art und Weise, die so gar nicht zu seiner Größe zu passen scheint.
Vers 4-5:
Dass Jesus seine Liebestat betonen wollte, wird daran deutlich, dass er das Mahl unterbricht, um seinen Jüngern die Füße zu waschen. Eigentlich fand die Fußwaschung vor dem Mahl statt (vgl. Lk 7,44). Das Waschen der Füße wurde eigentlich von Dienern vorgenommen. Ein Rabbi, der seinen Schülern die Füße wäscht, war eigentlich undenkbar.
Vers 6-10:
Johannes berichtet uns die Diskussion zwischen Jesus und Petrus. Petrus kann nicht nachvollziehen, was diese Handlung von Jesus zu bedeuten hat. Er ist nicht bereit diesen Liebesdienst von Jesus einfach so anzunehmen. Johannes berichtet uns nicht, ob Jesus mit der Fußwaschung bei Petrus begonnen hat, oder ob er vor diesem Dialog bereits Füße gewaschen hat. Petrus bringt in Vers 6 sein Unverständnis über das, was Jesus tut zum Ausdruck. Jesu greift dieses Unverständnis in Vers 7 auf und erklärt Petrus, dass er zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht verstehen kann, warum Jesus so handelt.
Jesus erklärt hier nicht, wann dieser Zeitpunkt des Verstehens kommen wird. Meint er, dass Petrus es nach der Aktion verstehen würde, wenn Jesus ihnen sein Handeln näher erklärt hat? Oder meint Jesus, dass Petrus es verstehen würde, nachdem Jesus gestorben und wieder auferstanden ist? Mir scheint die zweite Lösung plausibler zu sein, da die Jünger erst nach dem Tod und der Auferstehung Jesu erkannt haben, was er wirklich für sie getan hat.
Trotz dieser Erklärung von Jesus ist Petrus nicht bereit, sich die Füße waschen zu lassen. Er wehrt sich gegen diesen Liebesdienst und Jesus muss ihm klarmachen, was hier auf dem Spiel steht.
Jesus zwingt Petrus nicht, sich die Füße waschen zu lassen, aber er zeigt die Konsequenzen auf. Kein Teil an Jesus zu haben, spielt auf das Erbe an, das Menschen in Jesus haben. Jesus erklärt Petrus, dass er, wenn er diesen Dienst ablehnt kein himmlisches Erbe in Jesus haben wird. Er wird dann nicht mit Jesus in seinem Reich sein.
Diese Erklärung verändert die Haltung von Petrus völlig. Statt die Waschung abzulehnen, möchte er jetzt auch an den Händen und am Kopf gewaschen werden, was Jesus in Vers 10 zu einer weiteren Erklärung veranlasst.
Was meint Jesus damit, dass er die Jünger als gebadet bezeichnet und was bedeutet es eben dann die Füße zu waschen?
Wenn wir vom alttestamentlichen Hintergrund ausgehen, dann finden wir dort oft den Zusammenhang zwischen Waschen und der Reinigung von Sünden. David bittet Gott in Ps 51 darum, dass er ihn von seiner Schuld wäscht. In Hes 36,25 verheißt Gott dem Volk Israel, dass er reines Wasser auf sie sprengen wird, so dass sie rein sein werden.
Es scheint so, als ob Jesus die Reaktion von Petrus nutzt, um noch einen weiteren geistlichen Vergleich aus der Fußwaschung zu ziehen. Im ersten Dialog mit Petrus scheint Jesus die Fußwaschung mit der grundsätzlichen Reinigung von Sünden zu verbinden.
Hier im zweiten Dialog unterscheidet Jesus zwischen einem grundsätzlichen Bad, das nicht wiederholt werden muss und einer weiteren Waschung der Füße, die auch bei gebadeten Menschen nötig ist, weil die Füße eben auf den Weg durch die staubigen Straßen wieder schmutzig geworden sind.
Auf die geistliche Ebene übertragen, bedeutet dies, dass Menschen, die durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz grundsätzlich gereinigt wurden, nicht immer wieder diese Reinigung brauchen. Aber auch Nachfolger Jesu werden in ihrem Alltag immer wieder schuldig und brauchen Jesu Gnade und Vergebung. Eine enge Parallele zu diesem Umgang mit der menschlichen Schuld finden wir in 1.Joh 1,6-2,2.
Jesus benutzt hier also die Reaktion von Petrus, um durch das Bild der Fußwaschung eine zweite geistliche Wahrheit zu erklären. In Vers 14 wird Jesus dann noch eine dritte geistliche Lehre aus der Fußwaschung ziehen. Dass Jesus aus einem Bild mehrere geistliche Vergleiche zieht, finden wir z.B. auch im Bild vom Hirten und den Schafen in Joh 10 oder im Bild von Weinstock in Joh 15.
Vers 11:
In Vers 11 kommt noch einmal Judas in den Blick. Johannes erklärt die Einschränkung in Vers 10, dass nicht alle rein sind. Judas wurden zwar auch die Füße gewaschen, zumindest berichtet uns Johannes nichts Gegenteiliges, aber das ändert eben nichts daran, dass Judas kein Nachfolger Jesu ist und deshalb nicht rein ist. In Joh 15,3 bestätigt Jesu noch einmal, dass die Jünger rein seien, durch das Wort, das er zu ihnen geredet hat, aber zu diesem Zeitpunkt ist Judas nicht mehr bei Jesus und den anderen Jüngern. Er verlässt sie in Joh 13,30. Judas hat das Wort von Jesus nicht für sein Leben angenommen und deshalb hat er auch keinen Anteil an der Reinheit, die Jesus schenkt.
Vers 12-17:
Nachdem Jesus die Fußwaschung beendet hat, erklärt er seinen Jüngern die Konsequenz, die sein Verhalten für sie hat. Er hat ihnen als ihr Herr und Lehrer vorgelebt, wie sie sich untereinander verhalten sollen. Jesus hat in der Fußwaschung gezeigt, dass er seinen Jüngern dient. Auf noch viel größere Weise zeigt dies Jesus schlussendlich in seinem Tod am Kreuz.
Jesus fordert von seinen Jüngern die gleiche, von Liebe geprägte, Dienstgesinnung, wie sie sie bei ihm gesehen haben. Als Sklaven und Gesandte von Jesus sollen sie die Haltung ihres Herrn widerspiegeln.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir predigen diesen Abschnitt am 3. Advent. Wenn wir über das Kommen von Jesus nachdenken, ist Mk 10,45 eine ganz entscheidende Grundlage. Jesus Christus ist auf die Welt gekommen, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Dieses Dienen zog sich durch das ganze Leben von Jesus hindurch. Mit der Fußwaschung macht Jesus seinen Jüngern noch einmal dieses Prinzip des Dienens deutlich, bevor wir dann am Tag darauf in seinen Tod am Kreuz den größten Liebesdienst sehen, und schlussendlich die Erfüllung von Mk 10,45.
Gerade in der Adventszeit müssen wir immer wieder den Blick auf das ganze Wirken Jesu richten, damit wir eben nicht in einer falschen Weihnachtsnostalgie stehen bleiben, sondern das Evangelium im Blick haben.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Für das Verständnis des Abschnitts ist es wichtig, dass wir sehen und deutlich machen, wie Jesus mehrere geistliche Brücken von der Fußwaschung baut. Einmal vergleicht er die Fußwaschung mit der grundsätzlichen Reinigung, die bei der Widergeburt geschieht (V.8). Dann benutzt er die Fußwaschung als Bild für die tägliche Reinigung im Leben als Christ (V.10). Und schließlich benutzt Jesus die Fußwaschung als ein Beispiel für die selbstlose Dienstgesinnung, die er von seinen Nachfolgern erwartet (V.14-16).
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen durch die Predigt die Hörer einladen, neu in den Blick zu nehmen, mit welcher Liebe und Hingabe Jesus Christus uns dient. Dieser Blick auf die Liebe und den Dienst Jesu, soll das Vertrauen auf Jesus und die Liebe zu ihm stärken. Gleichzeitig sollen die Hörer herausgefordert werden, sich von Jesu Vorbild prägen zu lassen und ihm als liebevolle Diener zu folgen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus dient uns
- Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jesus dient uns – indem er sich in Liebe erniedrigt (V.1-5)
2. Jesus dient uns – indem er uns von unserer Schuld reinigt (V.6-11)
3. Jesus dient uns – indem er uns ein klares Vorbild gibt (V.12-17)
(Tobias Schurr)