2.Petrus

Predigthilfe vom 14.12.2008 – 2.Petrus 3, 1-10

Monatsthema: Leben im Advent des Herrn
Predigtthema: Das Ziel im Auge behalten

Bibelstelle: 2.Petrus 3, 1-10

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Es geht um die Zukunftserwartung biblisch-realistischer Art.
Besonders machten Vertreter der Gnosis (s. Bibellexikon) den ersten Christen Schwierigkeiten. Sie meinten, dass Jesus nicht „im Fleisch“ kam, um durch seinen Tod am Kreuz Verlorene zu retten. Genauso wenig erwarteten sie eine Wiederkunft Jesu und spotteten über die Enderwartung der Gemeinde (s. V3f). (1)

Erklärungen und Tipps:
V 1f Die Apostel gingen immer davon aus, was eine Gemeinde schon hat und weiß (1. Ko 15, 1ff; das häufige „Wisst ihr nicht…?“ bei Paulus, auch 1. Jo 3, 21; 1. Thess 4, 9-12). Die „lautere Gesinnung“ schützt vor Sonderlehren, muss aber auch ständig wach gehalten werden.
Die „vorher gesagten Worte“ der Propheten haben Gewicht. Zwar wurde das Gesetz durch das neue Gebot ersetzt. Aber damit hängt die Zukunftserwartung eng zusammen (s. V11ff).
Das Warten auf den wiederkommenden Herrn gehört zu den Geboten.
Und der HERR wird wahrhaftig und sichtbar sein, wenn er kommt. Sein Rettungswerk wird dann vollendet am Ziel sein.

V 3f Die Gnosis (von altgriech. Gnôsis = [Er-]Kenntnis) bestritt nicht nur irgend eine „zweitrangige“ Wahrheit des NT, sie wirkte (nagte) durch die Abwertung der Zukunftserwartungen am Kern der christlichen Botschaft. „Und falls euer Jesus doch nicht wiederkäme…“, siehe Paulus 1. Ko 15, alle Verse.
Zur letzten Zeit gehören auch zunehmend die Spötter (vgl. Judas V17f). 2)
Und der Grund für diesen Spott ist 1. , dass die Menschen von ihren Begierden beherrscht werden und 2. die Unsicherheit vor dem „vielleicht doch“ kommenden Gottesgericht.

Die Gemeinde erlebte damals eine starke Krise: Warum kommt der Herr nicht wieder, wenn sogar schon einige seiner Nachfolger beerdigt wurden? Paulus begegnete dem gleichen Argument in Thessalonich (1. Thess 4, 13-17). Die „Naherwartung“ der Wiederkunft konnte damals nicht mehr länger bestehen.

Unter den Spöttern waren wahrscheinlich auch welche, die den Herrn zu Lebzeiten zurück erwartet hatten und sich enttäuscht von Anderen überzeugen ließen.
Wie stark hat sich auch heute die Zukunftserwartung der Christen auf ihre persönliche Unsterblichkeitshoffnung reduziert?

V 5f Die Spötter beriefen sich von jeher auf die „Unveränderlichkeit der Natur“: Nur „ewige, eherne“ Naturgesetze sollen unser Dasein bestimmen. Ereignisse wie die Sintflut wurden ausgeblendet (3), wie alle Argumente, die für einen lebendigen Gott sprechen. Sie sind (griech.) Wollende, Behauptende. (4)
Die vernichtete Welt (kosmos) bezieht sich hier nicht auf die Erde, die ja nicht verschwand, sondern auf die Menschenwelt. (5)

V 7 Die Völker ahnen den kommenden Weltenbrand. Weltfinanzkrisen, Terrorismus, Kriege wegen Ölvorhaben, Katastrophen wie z.B. durch Tsunamis deuten auf die Machtlosigkeit der verantwortlichen Politiker hin.

Gottlose Menschen erwartet eine andere Zukunft als Gläubigen. Es wird auch ein Verderben geben.
Das letztliche Vergehen der Gottesgegner wird schon von den AT-Propheten mit Feuer in Zusammenhang gebracht (Jes 33, 11ff; Joel 2, 3; Sach 12, 6).

V 8 Die Sintflut geschah durch Wasser. Das wird nie mehr so sein (1. Mo 9, 11ff).
Schrecklicher ist die Vernichtung durch Feuer. Wasser und Feuer sind für den Menschen überlebenswichtig, aber keine anderen Elemente können so vernichtend wirken.
Petrus erinnert an Ps 90. Er erliegt nicht der Versuchung, mit dem Kalender zu rechnen und zeigt auf, dass unsere kopernikanische Zeitmessung nicht mit Gottes Zeitrechnung vergleichbar ist.
WIR können uns nur in unseren Zeit- und Raumsystemen „frei“ bewegen, d. h. wann und wo wir sein wollen, dürfen wir mitbestimmen. Aber der Herr ist immer noch größer! (6) (7)

V 9 Gott verschläft keine Termine. Wenn er mit dem Endgericht noch zögert, liegt das an seiner Langmut, seiner Großmut. (8)
Gottes Geduld und seine Barmherzigkeit verschaffen den Menschen noch ein Zeitfenster: GNADENZEIT.

Es geht nicht nur um die ureigene, persönliche Errettung, sondern um Gottes Heilsplan und SEINE Gedanken.

V 10 Dieser Zeitpunkt kommt unberechnet und überraschend (Mt 24, 42ff).
Zur Gewissheit seiner Wiederkunft kommt die Ungewissheit des Zeitpunkts (1. Thess 5, 2). (9)

Vor dem „Tag des Herrn“ haben die AT-Propheten gewarnt (z. B. Amos 5, 18ff). Und wer heute etwas von den Kräften der Nuklearenergie weiss (Hiroshima…), kann verstehen, dass sich Elemente in der Glut auflösen können. Die Erde und alle menschlichen Werke werden vergehen (Mt 24, 35; Lk 21, 36ff). Die größten „Helden der Geschichte“ werden den Zerfall ihrer Verdienste erleben. Was bleibt, ist die in Gottes Wort vorausgesagte Wirklichkeit.

Gliederungsvorschlag
1. Keine leichte Zeit.
2. Glaubwürdig bleibt nur Gottes Wort.
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Fußnoten
(1) „Sankt Nimmerlein“ ist z.B. ein erfundener Heiligenname, der umgangssprachlich verwendet wird, um nach ihm einen Termin zu benennen (den „Sankt-Nimmerleins-Tag“), der niemals eintreten wird.
(2) Clinton Richard Dawkins (* 1941 in Nairobi, Kenia), ist ein britischer Zoologe, theoretischer Biologe und Autor populärwissenschaftlicher Literatur, – KEIN Theologe. Seine Bücher „Der blinde Uhrmacher“ und „Der Gotteswahn“ richten sich scharf gegen jede Vorstellung, ein Gott habe die Welt erschaffen, begleite sie und hätte mit ihr noch was vor. Dawkins ist überzeugter Atheist, Humanist und Mitglied der „Brights“ (engl.: hell, klar), die ein naturalistisches Weltbild vertreten, ohne alle religiösen oder übernatürlichen Elemente. Ihre Überzeugungen und Handlungen sollen „frei von allen Vorstellungen sein, die einem ‚Gotteswahn’ erlegen sind.“
(3) Der Sintflutbericht wurde von den Professoren J.C.Whitcomb und H.M.Morris wissenschaftlich überprüft und überzeugende Nachweise gefunden (TELOS – Wissenschaftliche Reihe Nr. 4009).
(4) „Petrus sieht, was die moderne Tiefenpsychologie wieder neu entdeckt hat, wie sehr hinter unseren scheinbar ‚objektiven’ Behauptungen und Denkvorstellungen ein verborgenes WOLLEN steht. Weltanschauliche Theorien und Systeme haben ihre eigentlichen Wurzeln oft in nur halbbewussten Wünschen.“ (Uwe Holmer).
(5) Adolf Schlatter versteht darunter die „damals lebende Welt“.
(6) Viel stärker als Albert Einsteins Relativitätstheorie, die etwas Einblick über die letztlich eben NICHT zuverlässigen „ehernen Naturgesetze“ verschafft hat, wird Gott souverän handeln. Wie immer.
(7) Beispiel: Ein Boot sucht den Heimathafen. Immer wieder versperren Wellenberge die klare Sicht auf das Ziel. In den Wellentälern scheint nur Wasser zu sein. Aber der Schein trügt. Wellen können zwar zeitweise die Sicht versperren, aber das Schiff nähert sich trotzdem dem Hafen.
(8) Die Frage in großen Nöten: „Wo ist er denn?“ hat ihren Ursprung im beschränkten Horizont unseres Denkens. Eine Frau Dorothea Sölle (emerit. Theologieprofessorin) meinte hilflos: „Wenn ich heute was von Gott zeigen sollte, zeige ich die verhungernden Kinder von Biafra“. Der afrikanische Bereich Biafra war zeitweise von Nigeria getrennt und erlebte Kriege und Völkermord.
(9) Ungewissheit stärkt die Wachsamkeit.
Der Bau von Ritterburgen hatte seinen Grund in den Unsicherheiten der Besitzer.
Jedes Versicherungsunternehmen baut auf die Unsicherheiten seiner Versicherungsnehmer.
Unsichere Autofahrer passen besonders gut auf.
Ungewissheit schärft die Sinne.