2.Thessalonicher

Predigthilfe vom 12.12.2010 – 2.Thessalonicher 3, 6-15

Monatsthema: Wegweisungen des Herrn
Predigtthema: Auf diese Gemeinschaft können wir bauen

Bibelstelle: 2.Thessalonicher 3, 6-15

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Der Predigtanlass ist der 3. Advent. In 2Thess 1 ging es darum, wie sich die Gemeinde gegenüber der äußeren Bedrängnis und Verfolgung verhält. In 2Thess 2 ging es darum, wie die Gemeinde sich gegenüber einer falschen (Endzeit-) Lehre verhalten soll. Der Blick bleibt nun bei den inneren Angelegenheiten der Gemeinde und deshalb werden die praktischen Konsequenzen beleuchtet. Wie wirkt sich die hoffnungsvolle Erwartung der Gemeinde in der Gegenwart aus? Wie kann die Gemeinde ihre Umwelt für Jesus gewinnend leben? Wie stellt sich die Gemeinde den Realitäten des Alltags, ohne in der Vergangenheit stecken zu bleiben und die Zukunft aus dem Auge zu verlieren?
Der Predigttext (2Thess 3,6-15) zeigt dazu nicht nur den Anspruch auf, sondern beleuchtet auch die Realität. Aus diesem Grund tritt nun der Umgang mit den „Unordentlichen“ (ataktos = die, die aus dem Tritt gekommen sind; außerhalb der Marschordnung bzw. Schlachtreihe sind [militärischer Begriff] – vgl. V. 6.7.11 mit 1Thess 5,14) in den Vordergrund. Glaube zeigt sich nicht nur im Denken, sondern auch im praktischen Tun und damit das Zeugnis des Wortes durch die Tat unterstützt wird, ist es wichtig, dass die Gemeinde auch wirklich ist, was sie ist: „Auf diese Gemeinschaft können wir bauen“ (= Predigtthema)! Die Gemeinde veranschaulicht als Leib Christi wes Kind sie ist – hier leben die Kinder Gottes verbindlich miteinander von der Treue ihres Herrn.
Das Leben im Advent führt nicht zum Rückzug aus der Welt, sondern zum gelebten Zeugnis mitten im Alltag, weil der Herr seiner Gemeinde entgegenkommt und sie zu sich holen wird! Deshalb leben und verkündigen wir in der Haltung von 1Kor 15,57f: „Gott aber sei Dank! Durch Jesus Christus, unseren Herrn, schenkt er uns den Sieg! Haltet daher unbeirrt am Glauben fest, meine lieben Geschwister, und lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen. Setzt euch unaufhörlich und mit ganzer Kraft für die Sache des Herrn ein! Ihr wisst ja, dass das, was ihr für [bzw. durch] den Herrn tut, nicht vergeblich ist“.

Für die Textlesung (2Thess 3,6-15) ist die Verwendung der „Neue Genfer Übersetzung“ hilfreich (www.ngue.info).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes bieten z.B.
* Werner de Boor: Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher. Wuppertaler Studienbibel (S. 159-166).
* Eberhard Hahn: Erster und zweiter Thessalonicher-Brief. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 17 (S. 180-190).
* Ernest Wilson / Thomas Smith: 1.Thessalonicher / 2.Thessalonicher. Was die Bibel lehrt Bd. 11 (S. 185-199).
* Wilfried Plock: Warnung gegen Müßiggang – 2Thess 3,6-18 (Download unter: http://bitflow.dyndns.org/german/WilfriedPlock/2_Thessalonicher_3_6_18.pdf).

Bitte beachtet die Texterklärungen aus der MacArthur Studienbibel zu 2Thess 3,6-15 (S. 1775 – z.B. unter: http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/53-Der_Zweite_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Die_Thessalonicher.pdf).

„Es können Fälle eintreten, wo die Frage entsteht, wann, wozu und wie weit wir den Verkehr mit einem Mitchristen abbrechen sollen. Auf diese Frage antwortet unser Text. In feierlicher Weise gebietet Paulus in einem bestimmten Fall jeden brüderlichen, freundschaftlichen Verkehr zu unterlassen. Dabei zeigt er uns 1. Grund, 2. Zweck, 3. Grenze eines solchen Abbruches jeglicher Gemeinschaft:
* Paulus hatte vernommen, dass einige Mitglieder der Christengemeinde unordentlich wandelten, nichts arbeiteten, sondern Vorwitz trieben (V. 11). Dies veranlasste ihn zu einem ernsten und strengen Wort. Im Namen Jesu gebot er in solchem Fall, sich von den betreffenden zurückzuziehen, d.h. den unter ihnen üblichen brüderlichen Verkehr zu unterlassen (V. 6). Der Grund zu einem solchen Abbrechen der Gemeinschaft lag also hier nicht in einem einzelnen vorgekommenen Fehltritt, sondern in einem dauernden, beständigen Verharren in einem unordentlichen, d.h. Anstoß gebenden Wandel (wir wollen die Gegenwartszeitform in dem Ausdruck „der da unordentlich wandelt“ beachten. Sie zeigt, dass der Betreffende dies beständig tut und sich nicht davon abbringen lässt). Wo diese Voraussetzung zutrifft, da darf ein gläubiger Christ nicht den brüderlichen Verkehr beibehalten. Er würde dadurch sich selbst und der Sache des Herrn schaden.
* Ziel und Zweck solcher Unterlassung der brüderlichen Gemeinschaft mit einem Mitchristen dürfte nicht etwa der Wunsch sein, ihm recht weh zu tun, sondern ihn zur Selbsterkenntnis zu bringen („auf dass er schamrot werde“, d.h. in sich gehe und die Schwere seiner Verfehlung erkenne). Auch bei dem strengsten Verhalten hat der rechte Christ immer nur das Heil seines Mitbruders im Auge. Bei seiner Stellungnahme ist alles darauf gerichtet, ihm zurechtzuhelfen. Darum hat auch das Abbrechen des brüderlichen Verkehrs
* seine Grenze. Es darf nicht so weit reichen, dass man eine feindliche, gehässige Stellung zu ihm einnimmt. Auch im irrenden Bruder hat man den Mitchristen zu sehen, dessen Zurechtkommen uns sehr am Herzen liegen soll. Deshalb soll auch die Bemühung, ihn von seinem Irrweg abzubringen, nicht so leicht aufgegeben werden („sondern ermahnt ihn …“). So verbindet der Geist Gottes schärfste Strenge gegen die Sünde mit zarter Liebe gegen den Sünder. Wer nach dieser Regel des Apostels seine Stellung einnimmt, geht auf richtiger Bahn“ (Alfred Christlieb).

„Nehmt mich als Vorbild! Wer kann und darf einen solchen Satz sagen? Ich vermute, die meisten denken bei diesem Wort an Jesus. In der Tat: er ist für uns das Vorbild schlechthin, dem es zu folgen gilt. Aber nun gibt es dieses Wort auch vom Apostel Paulus. Er schreibt in 2Thess 3,9: „… sondern wir wollten uns selbst euch zum Vorbild geben, damit ihr uns nachfolgt.“ – Die falsche Scheu überwinden – Es ist allzu verständlich und auch gut, wenn uns die Aussage ‚Nehmt mich als Vorbild‘ nicht so leicht über die Lippen kommt. Ist das nicht anmaßend? Bin ich denn gut genug? Braucht man nicht einen gewissen Reifegrad? Das alles sind berechtigte Fragen. Aber machen wir uns klar: Wenn wir Verantwortung tragen für andere Menschen, dann sind wir Vorbild – ob wir es wollen oder nicht. Andere Menschen vergleichen und messen sich mit uns. Sie beobachten unser Reden und Handeln. Sie entscheiden, ob sie in uns ein gutes oder ein schlechtes Vorbild sehen. Eltern, Mitarbeiter, Leiter, Verkündiger sind automatisch Vorbild – im Guten oder im Schlechten. Es ist deshalb wichtig, sich diesem Thema zu stellen und es nicht zu verdrängen. Die Aussage ‚Nehmt mich als Vorbild‘ muss nicht aus Hochmut geboren sein nach dem Motto ‚Schaut her, wie gut ich bin‘. Die Aussage resultiert richtig verstanden aus der Tatsache, dass ich Vorbild bin. Wenn ich aber Vorbild bin, dann möchte ich mich bewusst dieser Aufgabe stellen und ein gutes Vorbild sein. Vorbild ist man allerdings nicht automatisch. Vorbild sein ist eine Beauftragung Gottes. Er hat uns zu seinem Ebenbild erschaffen. Wir sollen also ihn abbilden. Damit kommen wir zu einem ganz zentralen Punkt. – Vorbild kann sein, wer selbst ein Vorbild hat – Es gibt unzählige und sehr verschiedene Vorbilder, an denen sich Menschen orientieren. Jeder Mensch hat Vorbilder, ob ihm das bewusst ist oder nicht. Vorbild sein im geistlichen Leben bedeutet, man orientiert sich an einem Vorbild, an Jesus Christus. Er hat die Jünger in seine Nachfolge gerufen. Nachfolge bedeutet Schüler zu sein. Dabei ging es jedoch nicht um ein Lernen von Fakten, losgelöst von der Person. Die Jünger sollten vielmehr von Jesus als Person lernen, von seiner Art und seinem Wesen. Zu lernen war, wie er mit seinem himmlischen Vater in Verbindung stand und im Vertrauen auf ihn lebte. Zu lernen war auch, wie er mit Menschen umging. Dies gilt bis heute. Vorbild im Sinne der Aussage von Paulus ist nicht die Qualität der Person an sich, sondern die Qualität entscheidet sich daran, wie stark man sich am Vorbild von Jesus Christus orientiert. Jesus möchte seine Leute zu Vor¬bildern machen. Er hat von sich gesagt: ‚Ich bin das Licht der Welt‘. Und zu seinen Jüngern sagte er: ‚Ihr seid das Licht der Welt‘. Jesus verkündigte Gottes Wort. Zu seinen Jüngern sagte er: ‚Wer euch hört, der hört mich‘. Die Aufgabe ist von Jesus her eindeutig. Er beruft und macht diejenigen zu Vorbildern, die ihm nachfolgen. Vorbild in seinem Sinne sind wir, wenn sich in unserem Leben das Leben von Jesus widerspiegelt. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn wir uns an Jesus ausrichten. Wer in diesem Sinne Vorbild sein will, muss ständig an seinem eigenen Vorbild dranbleiben. Das heißt dann auch: Gute Vorbilder sind nicht diejenigen, die ihre Vorbildfunktion ständig betonen, sondern diejenigen, die sich selbst am wichtigsten Vorbild ausrichten. – Vorbild sein konkret – Wir haben bisher sehr grundsätzlich über das Vorbild geredet. Und zunächst geht es auch darum, dass man als Person insgesamt in umfassender Weise Vorbild ist. Dann entschei¬det sich das Vorbild-Sein jedoch an ganz konkreten Lebensbezügen. Paulus hat in 2Thess 3, 6-13 Christen im Blick, die ein unordentliches Leben führen. Offensichtlich ging es um Gemeindeglieder, die nichts arbeiten wollten und auf Kosten anderer lebten. Hier gilt es sehr genau hinzuhören. Es ging nicht um Menschen, die nichtarbeiten konnten oder die keine Arbeitsstelle bekamen. Paulus stellt ihnen gegenüber seinen Einsatz vor. Zusätzlich zu seiner missionarischen Arbeit hat er gearbeitet, um seinen Lebensunterhalt selbst bezahlen zu können. Darin macht er sich den Gemeindegliedern zum Vorbild. In 1Thess 1,6 geht es um eine viel grundsätzlichere Frage. Paulus schreibt: ‚Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist‘. Man darf sich also ganz bewusst und konkret fragen: Worin will ich Vorbild sein? Die Antwort orientiert sich auch daran, mit wem ich es in meinen Lebensbezügen zu tun habe. Worin möchte ich als Elternteil meinen Kindern Vorbild sein? Was möchte ich vermitteln und weitergeben? Das ist nicht allein mit Worten getan, sondern durch das Vorleben. Diese konkrete Frage stellt sich für jeden Bereich des Lebens. Dies konkret zu bedenken, soll nicht als Last verstanden werden, sondern als Be¬auftragung von Jesus. – Vorbild sein und um die eigenen Grenzen wissen – Ich habe anfangs vermerkt, dass wohl nicht wenigen das Wort ‚Nehmt mich als Vorbild‘ nicht leicht über die Lippen kommt. Das ist schon deshalb berechtigt, weil kein Mensch ständig nur ein gutes Vorbild ist. Wer ein Vorbild sein will, muss dazu offen stehen. Und nur wenn man dies tut, kommt die Vorbildfunktion nach biblischem Verständnis ins richtige Licht. Ein gutes Vorbild zeichnet sich dadurch aus, dass es um seine Schwächen und um seine Sünde weiß und dies nichtverheimlicht. Es zeichnet die biblische Berichterstattung aus, dass keine Heldengeschichten erzählt werden. Alle biblischen Personen, mit einer einzigen Ausnahme, werden auch als fehlerhafte Menschen dargestellt. Paulus, von dem wir die Bibelstellen zitierten, macht um sein früheres Leben kein Geheimnis. Er verfolgte die gläubigen Christen. Von Petrus wissen wir, dass er Jesus verleugnete. Zum Vorbild im biblischen Sinn gehört auch der Umgang mit Versagen und Schuld. Vorbilder zeichnen sich nicht nur durch ihre Stärken aus, sondern besonders durch den Umgang mit ihren Schwächen. König David zeigte darin wahre Stärke, dass er seine Schuld öffentlich bekannte. Das Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit wird zu einem letzten und entscheidend wichtigen Hinweis auf Jesus. Alle Vorbilder leben von seiner Vergebung. ‚Nehmt mich als Vorbild‘ – das ist kein Satz menschlicher Anmaßung, sondern göttlicher Berufung in der Nachfolge des einen großen Vorbildes Jesus Christus. Wir dürfen und sollen weitergeben, was wir von ihm lernen. Und wir können eingestehen, was uns ohne ihn misslingt” (Hartmut Schmid).

„Eine Gemeinde sollte einem Bienenkorb voll arbeitender Bienen gleichen. Wo alle tätig sind, sollte und wird auch Ordnung sein; da wird auch ‚stilles Wesen‘ (V. 12) sein; da wird auch Redlichkeit sein. Die Gefahr ist, dass wir zuerst der Tätigkeit müde werden und uns dann einbilden, genug getan zu haben oder wegen unsrer besonderen Wichtigkeit oder wegen unsrer erhöhten Beiträge von der persönlichen Tätigkeit entbunden zu sein. So lange aber noch Kräfte vorhanden sind, sollten wir unsre Arbeit für Jesus nicht einstellen. Es mögen sich jedoch manche einschleichen, die nicht geschäftige Bienen, sondern lässige Drohnen sind; sie arbeiten nicht um ihr eigenes Brot, sind aber sehr darauf bedacht, das Brot anderer zu essen; diese verursachen bald Unruhe und Zerwürfnisse, wissen aber nichts von ‚Gutes tun‘. Der Apostel ist bestrebt diese Krankheit zu heilen und darum gibt er:
* Einen Gesamtbegriff vom christlichen Leben. Er nennt es ‚Gutes tun‘
* Einige Ursachen des Müdewerdens im Gutestun
* Einige Gründe, aus welchen wir nicht verdrossen werden sollten, Gutes zu tun
Wenn andere den Frieden der Gemeinde stören, so sei es deine Aufgabe, ihn durch fleißigen Dienst zu erhalten und so den Segen von V. 16 zu genießen“ (Charles Spurgeon).

3. PREDIGTGLIEDERUNG

Auf diese Gemeinschaft können wir bauen!
a) Die Vorgabe – eine wortorientierte Gemeinschaft (V. 6)
b) Das Vorbild – eine motivierende Gemeinschaft (V. 7-10)
c) Die Vorwarnung – eine hoffnungsvolle Gemeinschaft (V. 11+12)
d) Der Vorrang – eine seelsorgerliche Gemeinschaft (V. 13-15)

oder nach Richard Kuppler:
a) Der Ton
b) Der Maßstab
c) Das Vorbild
d) Das konkrete Wort der Seelsorge