Predigtthema: Nur mit Gottes Hilfe siegen wir
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
* Wir befinden uns an einem herausragenden Punkt der Geschichte Israels. Gottes Versprechen an Abraham beginnt in Erfüllung zu gehen (1Mo13,14ff). Es ist der Anfang/die erste Schlacht der Landnahme.
* Das Land Kanaan diente als „Puffergebiet“ zwischen den großen nördlichen (Mitanni, Hetiter, Arier, etc.) und südlichen (Ägypten) Reichen. Häufig änderten sich Machtverhältnisse und Bündnisse. Es bildeten sich Stadtstaaten, die sich in Bedrängnis zu Hilfe kamen.
* Die Religion Kanaans war polytheistisch. Die Götter waren unmoralisch. Dies ist einer der Hauptgründe, wodurch die Bevölkerung zu einem unethischen Leben kamen. Zur Zeit Josuas brachten Kanaaniter Kinderopfer dar und betrieben Kultprostitution. Ehebruch, Inzest, homosexuelles Verhalten und sexuelle Interaktion mit Tieren war Praxis. Die Bibel bestätigt diese sündigen Verhältnisse, indem sie dem Volk Israel zahlreiche Verbote und Warnungen gibt (3Mo18;20-21; 5Mo12,31).
* Eine Herausforderung stellt Gottes Aufforderung zur Vernichtung der Bevölkerung Kanaans dar. Hier helfen die oben genannten Zustände dem Verständnis. Aufgrund der Gräueltaten traf Gottes Gericht diese Menschen (3Mo24-25; 5Mo12,29-31). Israel sollte diese Nationen zudem ausrotten, damit sie von ihrem sündhaften Verhalten nicht beeinflusst und von Gottes Wegen abgebracht werden (5Mo20,17-18).
* Die Zerstörung Jerichos gehört zu den bekanntesten Ereignissen des Alten Testaments. Die Historizität wurde und wird viel diskutiert. Zu dieser Thematik empfiehlt sich der unter 1.2 aufgeführte Vortrag von Roger Liebi.
* Die Landnahme wird in drei Feldzüge unterteilt, den zentralen, den südlichen und den im Norden. Der zentrale Feldzug trennte strategisch die verschiedenen feindlichen Gebiete voneinander. Er bestand hauptsächlich aus den Schlachten um Jericho und Ai.
* Auf dieses Ereignis wird im weiteren Verlauf der Bibel Bezug genommen (1Kön16,34, Hebr11,30).
* In Josua 2 wird detailliert beschrieben, wie Jericho ausgekundschaftet wird. Diesen Abschnitt lohnt sich, in der Vorbereitung mit einzubeziehen.
* Gilgal dient Israel als Ausgangsstation während ihren Feldzügen (Jos4,19; 9,6; 10,6; 10,15). Von hier aus wird das Heer nach Jericho aufbrechen und wieder zurückkehren.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Bibelvortrag Roger Liebi: https://www.youtube.com/watch?v=_byNLgewr-I
* Buchvideo Bibel Projekt: https://www.youtube.com/watch?v=5EOv0AUXo1Q
* Samuel J Schultz: Die Welt des Alten Testaments
* Dagmar Börner-Klein: Jalkut Schimoni zu Josua
* Warren. W. Wiersbe: 1.Mose bis Esther, Kommentar zum Alten Testament, Band 1,
* William McDonald: Kommentar zum Alten Testament
* Martin Holland: Das Buch Josua, Wuppertaler Studienbibel, AT Band 3
Bitte studiert auch den Predigttipp von Eckhard Löffler vom 29.01.2006 zu Josua 6,1-21 unter www.studienbibel.de.
Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bieten Studienbibeln, wie die von MacArthur, Ryrie oder Thomson.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V. 1: Dass Jerichos Tore verschlossen waren und blieben, lässt sich auf die Angst der Bewohner der Stadt und des ganzen Landes zurückführen (Jos2,9-11; 5,1). Die Strategie Gottes, sieben Tage lang um Jericho zu ziehen, war nur dadurch möglich. Ein Unterschied stellt dann das Verhalten der Bewohner von Ai dar. Sie verließen ihre Stadt, als Israel das zweite Mal angriff (Jos8,14).
Niemand ging hinein: Das damalige Jericho lag auf einem Hügel und hatte eine Fläche von drei bis vier Hektar. Die Stadt war durch mächtige Wehranlagen gesichert. Sie besaß zwei Mauern, die 5 Meter auseinander standen. Die äußere Mauer hatte eine Stärke von 1,80 Metern, die innere eine Stärke von 3,60 Metern. Ausleger gehen von einer Mauerhöhe von über neun Metern aus.
Israel war ein Volk von Beduinen, ohne große Kampferfahrung und ohne Wissen über Kriegsmaschinen, o.ä. Zehn von zwölf Kundschaftern waren damals wegen Städten wie Jericho davon überzeugt gewesen, dass das Land uneinnehmbar wäre (4Mo13,28).
V. 2: Bei dieser Aussage Gottes handelt es sich um eine Tatsache. Gott hat Jericho bereits vor der Schlacht in Josuas Hand gegeben. Der Sieg ist schon beschlossene Sache. Gott kämpft die Kämpfe, Israel wird daran beteiligt. Diese grundlegende Wahrheit findet sich auch in der Aussage des Engels in den Versen vor unserem Text (Jos5,13-15).
V. 3: Gottes Strategie wird vorgestellt. Hier sollten wir nicht zu schnell drüberlesen. Nach militärischen und taktischen Vorstellungen ist diese Vorgehensweise unsinnig. Menschlich gedacht wäre eine List, eine Belagerung, o.ä. schlau gewesen.
Die Methode des einmaligen Umrundens soll sechs Tage durchgeführt werden. Gottes Beweggründe für dieses Vorgehen werden nicht genannt. Möglich wäre, dass ER Israels Vertrauen erproben und die bereits vorhandene Angst der Menschen Jerichos noch weiter verstärken wollte. Gott wendet auch an anderen Stellen der Bibel vermeintlich unsinnige Taktiken an (Ri7,16ff, Joh6,5-6).
Da die Einnahme Jerichos sieben Tage dauerte, beinhaltete sie auch einen Sabbat. Jüdischen Auslegungen gehen davon aus, dass die Mauer am Sabbat (am siebten Tag) gefallen ist.
In Jos4,13 wird gesagt, dass 40 000 Kriegsleute ins Tal von Jericho zogen.
V.4: Die Bundeslade Gottes sollte elementarer Teil des Trosses sein. Diese Vorgehensweise Gottes erinnert an den Durchzug durch den Jordan (Jos3,3). In der Bundeslade ist der Bundesvertrag/die Zehn Gebote und einige andere Gegenstände. Sie war aus Akazienholz hergestellt und komplett mit Gold überzogen. Zwei Engel aus purem Gold schmückten sie (2Mo25,10). Normalerweise stand sie im Zentrum des Lagers, im Allerheiligen in der Stiftshütte/dem Wohnzelt Gottes. Sie diente als Thron Gottes auf Erden. Dadurch wurde sie zum heiligsten Möbelstück des Planeten. Normalerweise wird die Bundeslade nur beim Aufbruch zu einer anderen Lagerstätte bewegt. Aufgrund ihrer Heiligkeit muss sie sorgfältig abgedeckt werden. Nur geheiligte Priester dürfen sie an Stangen tragen. Während der Landnahme wurde sie kein weiteres Mal mit auf einen Feldzug genommen.
Der Zug ähnelte mehr einer Prozession als einer Heeresordnung.
Am siebten Tag sollte die Stadt sieben Mal umrundet werden. Sieben stellt im jüdischen Leben eine entscheidende Zahl dar (sieben Schöpfungstage, das siebte Jahr ist das Sabbatjahr, das Jobeljahr kommt nach sieben mal sieben Jahren). In der jüdischen Zahlenlehre steht sie für Vollständigkeit/ Vollkommenheit. Die Sieben ist eine heilige Zahl/die Zahl Gottes.
Die Widderhörner wurden zeremoniell und nicht kriegerisch gebraucht. Sie dienten dazu im Jobeljahr im Land Freilassung für alle Bewohner auszurufen (3Mo25,10). Die Landnahme war eher eine Art Jobeljahr für Israel als ein kriegerisch-egoistischer Feldzug.
V. 5: Nachdem der langanhaltende Schall der Hörner verstummt, sollen sie ein großes Kriegsgeschrei ertönen lassen. Manche Ausleger meinen, dass hierdurch (durch menschliches Wirken) die Mauern zusammenfielen. Unser Text und der Kontext widerlegen das allerdings stark.
Die Mauern fielen in sich zusammen und bildeten eine Rampe, sodass die Israeliten leicht in die Stadt kamen. Im Vortrag von Roger Liebi (siehe 1.2) wird dies näher dargelegt.
V. 6-16: Die Anweisungen Gottes werden an das Volk weitergegeben. Israel gehorchte, wie auch schon beim Zug durch das Rote Meer. Dieser Gehorsam sollte nicht als selbstverständlich genommen werden. In der Vergangenheit zeichnete sich das Volk vielmehr durch seinen Ungehorsam aus.
Bei Gottes Anweisungen in Bezug auf das Blasen der Widderhörner in V.5 ist nur vom siebten Tag die Rede. Dass die Hörner bei den vorherigen sechs Tagen auch geblasen wurden, sollte nicht als Ungehorsam gesehen werden. Wahrscheinlicher ist, dass Gottes Anweisungen an Josua ausführlicher waren, als sie der Text wiedergibt.
V. 17-19: Interessanterweise gibt Josua kurz vor dem Kriegsgeschrei erneute Anweisungen. Wir müssen uns das bildlich vorstellen: Die Soldaten wollen gerade loslegen, doch davor wird auf einmal eine Rede gehalten. Die Intension Josua könnte gewesen sein, dass er den Soldaten, bevor das Gemetzel losgeht, Gottes klaren Rahmen für die Schlacht einschärfen wollte. Es sollte ihnen die ganze Zeit im Gedächtnis sein. Wie schnell hätte es sonst sein können, dass im Eifer des Gefechts Rahab und ihre Sippe mit niedergemacht worden wäre.
Alles, außer den metallenen Gegenständen (sie gehören Gott), soll getötet, verbrannt und vernichtet werden.
Ein interessanter Gedanke, der bei verschiedenen Auslegern erscheint: Jericho wurde als „Erstlingsfrucht Kanaans“ vollständig Gott geweiht. Ihm stand die Erstgeburt und der erste Teil verschiedener Dinge zu (2Mo22,27ff, 4Mo15,21). Aus diesem Grund durfte das Volk nichts von der Beute nehmen.
V.20: Israel gehorcht und handelt nach den Anweisungen. Gottes Vorhersagen treffen eins zu eins ein.
V.21: Diese heftige Vernichtung kann Fragen aufwerfen und Unverständnis bewirken. Zur möglichen Klärung siehe die Ausführung in 1.1.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
* Dieser Text befindet sich an einem besonderen Abschnitt der Heilsgeschichte in Gottes fortlaufender Offenbarung. In erster Linie ist es eine beschreibende, historische Darstellung eines wahren Ereignisses. Es handelt sich nicht um einen Lehrtext, der relativ direkt auf das heutige Leben angewandt werden kann.
* Die Regierungsform der Juden war die Theokratie (gottgeführt), in der Gott an oberster Spitze als Leiter stand. Diese Regierungsform findet sich heute bei Gottes geistlichem Volk so nicht mehr. Die Gemeinde ist kein Volk im Sinne einer Nation und strebt auch keinen Landbesitz an. Die verschiedenen Aussagen und Anweisungen sollten auf geistlicher Ebene in das heutige Leben übertragen werden.
* Bei diesem Text handelt es sich um hundertprozentig inspiriertes Wort Gottes (2Tim3,16). Allerdings sollte die Gattung der altorientalischen Kriegsbeschreibung bedacht werden. Hierzu sind die Ausführungen des Bibel-Projekt-Videos hilfreich.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen
* Im Kirchenjahr ist der 11.09.2022 kein außerordentliches Datum.
* An diesem Sonntag enden in Baden- Württemberg die Sommerferien. Für die Kinder beginnt das neue Schuljahr und für mehrere Arbeitnehmer ist es das Ende des Sommerurlaubs. Der Einstieg wird für Viele eine Hürde sein.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
* In diesem Text wird klar dargestellt, dass Gott der Handelnde ist. Er gibt verständliche Anweisungen, wodurch der menschliche Part klar definiert wird. Gott kämpft für seine Leute und beteiligt sie dabei. Es ist nicht andersherum. Diese Tatsache kann auf den Lebensalltag sämtlicher Altersstufen, in allen Lebenslagen angewandt werden. In der Not ist es ein Trost, in guten Zeiten gibt es Grund zum Dank und zur Anbetung.
* Der Aspekt des Kampfes wurde im christlichen Glauben an einigen Stellen nach und nach weitgehendst ausgeblendet. Die Macht des Bösen ist aber eine reale und biblische Tatsache (Eph2,2; 1Petr5,18). Beim christlichen Glauben handelt es sich allerdings nicht um einen Kampf, der noch nicht entschieden ist (Jing und Jang). Jesus hat das Böse besiegt (Kol2,15). Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er den Teufel vollkommen handlungsunfähig macht. Bis dahin sollen wir in voller Kampfmontur (Eph6) den eigenen (hinten angestellten) Teil leisten.
* Wir haben heutzutage keine Bundeslade mehr dabei, die Gottes Gegenwart deutlich macht. Gott ist heutzutage durch den Heiligen Geist allerdings noch näher (Gal2,20), als damals. Er hat alle guten Werke vorbereitet, die wir vollbringen sollen (Eph2,10) und wird uns darin anleiten.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
* Der Hörer soll erneut realisieren, dass Gott in vermeintlich ausweglosen Situationen eine gute Lösung hat. Die Mauern von Jericho waren für das israelitische Volk selbst unüberwindbar. Ihr Gott ließ durch einen töricht und unsinnig wirkenden Plan ein Wunder geschehen. Dieses Ereignis wurde durch die Zeiten weitergeben und zählt zu den bekanntesten Wundern in der Bibel.
* Es gilt Gott zu vertrauen, aber auch seinen Wegen und seinen Anweisungen zu folgen. Das war der aktive Anteil des Volkes Israel. Diese Wahrheit sollte den Zuhörern zudem vermittelt werden.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Thema des Predigtplans: Nur mit Gottes Hilfe siegen wir
Weitere Ideen: Wenn Mauern fallen
Die Mauer muss weg!
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Gottes Wort kommt (V.1-5)
b) Gottes Wort wird vertraut/geglaubt oder umgesetzt (V.6-14)
c) Gottes Wort trifft ein (V.15-21)
Nach Wiersbe:
a) Bevor es in den Kampf geht:
Daran denken, dass man aus dem Sieg
heraus kämpft, nicht um den Sieg. (V.1-5)
b) Während man im Kampf steht:
Daran denken, dass man den Feind
durch Glauben überwindet. (V.6-16)
c) Wenn der Sieg errungen ist:
Daran denken, Gottes Geboten zu
gehorchen und ihm die Ehre geben. (V.17-21)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
* Beispiele übernatürlichen Eingreifens Gottes in Kirchengeschichte und Missionsgeschichte (Bonifatius fällt die Donar Eiche; John Paton und Engel um Hütte).
* Es findet sich zahlreiches übernatürliches Eingreifen Gottes in der Bibel selbst (Elisa, das Engelheer und die Blindheit der Feinde; Gideon, Fackeln und Tonkrüge).
* Ein Lied, dessen Inhalt die Gedanken des Textes aufnimmt: Mein Gott ist größer – Glaubenszentrum live
(Levin Illi)