Monatsthema: Von Gott geleitet durch die Wüste
Predigtthema: Die Anweisung Gottes achten
Gottesdienst Einleitung: 1Kor 10,1ff
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Das Volk Israel befindet sich wieder in der Wüste Zin. Nach dem tragischen Scheitern, das Land Kanaan von Kadesch Barnea einzunehmen (4Mo 13), wanderte das Millionenvolk 38 Jahre durch die Wüste. In dieser Wüstenzeit musste das Volk viele Erfahrungen der Selbsterkenntnis machen. Der ständige Unglaube und der immer wieder aufbrechende Ungehorsam bis hin zur Rebellion gegen Gott sollte das Böse in ihrem innersten Wesen offenbar machen. Mose erinnert in 5Mo 8,2:
Und du sollst an den ganzen Weg gedenken, durch den der HERR, dein Gott, dich geführt hat diese 40 Jahre lang in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.
Gott führt uns durch die Wüste, damit offenbart wird, was tief in der menschlichen Seele verborgen ist. Diese wertvolle Selbsterkenntnis wird in Zeiten des Mangels durch Glaubens- und Gehorsamsprüfungen gewonnen.
Der Text zeigt uns (a) zum wiederholten Male das misstrauische Herz des Volkes und (b) den emotionalen Ausraster Moses, der dazu führte, dass er später nicht in das verheißene Land einziehen durfte (vgl. 5Mo 3,26-27; 32,52; 34,4).
Weiter sehen wir in dem geschlagenen Felsen ein wichtiges Bild auf die Erlösung des Kreuzes.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Maier, Gerhard, Wuppertaler Studienbibel, „Das vierte Buch Mose“, Brockhaus Verlag
Wiersbe, Warren.W, „Sei zuverlässig“ Studien des Alten Testamentes 4Mo 1-16, CLV
Mackintosh, C.H., „Die fünf Bücher Mose- Gedanken zum 4.Buch Mose“, CSV
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Zu beachten ist, dass dieses Ereignis sowohl eine Vorgeschichte als auch ein folgenschweres Nachspiel für Mose hatte. Für die Vorbereitung ist es daher zu empfehlen folgende Kapitel zu lesen (2Mo 17; 4Mo 20; 5Mo 3,13-18 und 1Kor 10). Alle vier Abschnitte gehören zusammen.
2Mo 17 berichtet wie Gott dem Volk Wasser aus dem Felsen gab und Mose dazu aufforderte den Felsen mit seinem Stab einmal zu schlagen. Es geschah ganz am Anfang im ersten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten.
4Mo 10 berichtet von einem anderen Ereignis als Gott dem Volk wieder Wasser aus dem Felsen gab. Hier sollte Mose aber nur zum Felsen sprechen. Dies geschah ganz am Ende der Wüstenzeit, im 40. Jahr nach dem Auszug aus Ägypten.
5Mo 3 berichtet wie Mose Gott nochmals bat, ihn doch ins verheißene Land gehen zu lassen. Gott wehrte ab und gebot Mose vielmehr, Josua, seinen Nachfolger zu stärken, der das Volk ins Land einführen würde.
1Kor 10 berichtet von der tiefen geistlichen Deutung des Geschehens. Das Volk Israel wird zum Beispiel für die Gemeinde – ihr Unglaube und Ungehorsam brachte sie in große Not, dennoch folgte ihnen Christus – der Fels wurde nicht nur zum Begleiter, sondern zum Lebensretter.
20,1-5 Wieder die gleiche Leier – eine tragische Erkenntnis über das böse Herz
Das Volk kommt aus der Spirale des Murrens, der Unzufriedenheit und Rebellion nicht raus. Immer wieder dasselbe Gejammer. Wie eine Schallplatte, die hängt, wiederholt sich dieselbe Leier. Tief verbittert und voller Hader klagen und streiten (Mara) sie wieder gegen Mose und Aaron und somit gegen Gott.
Auch geographisch gingen sie ihm Kreis. Das Volk befindet sich wieder in der Wüste Zin, in der Nähe des Ausgangspunktes von Kadesch Barnea (vgl. 4Mo 13,21), an der Grenze zum verheißenen Land. Vor 38 Jahren scheiterten sie genau dort wegen ihres Unglaubens. Nun sind sie im 40. Jahr nach dem Auszug (vgl. 4Mo 20,28 + 33,38) am selben Ort und nichts hatte sich geändert. Das Herz des Menschen hatte sich nicht gebessert. Nicht einmal die 40-jährige Wüstenzeit, in der Gottes Gnade immer wieder sichtbar wurde (Versorgung durch Manna und Wachteln, Schutz für Gefahr, Begleitung und Wegweisung der Wolkensäule), veränderte ihr Herz. Selbst die neu heranwachsende Generation hatte ein böses und trügerisches Herz (vgl.1Mo 6,5; Jer 17,9-10; Mt 12,34f; Mt 15,18-19).
- Das unbekehrte und unerneuerte Herz ist unersättlich, es ist undankbar und voller Vorwürfe. Das unbekehrte Herz hat immer einen Hang zur Welt. Wenn es sich nicht im Vergnügen der Welt oder der Befriedigung seiner Lüste baden kann, wünscht es sich lieber den Tod (V.4-5).
20,6-7 Wieder flieht Mose zum Herrn – eine harte Realität über die schwere Last des Dienstes
Auch das erlebten Mose und Aaron nicht das erste Mal. Nichts hatte sich geändert. Wieder waren sie nicht nur der Kummerkasten des Volkes, sondern die Ursache für das Problem, die Schuldigen, die Verantwortlichen, die Sündenböcke. Wieder mussten sie ertragen, wie schmerzhaft es ist, ein Leiter und Anführer dieses Volkes Gottes zu sein. Wieder mussten sie mit anhören, dass Gott alles andere als gut ist und keine Ahnung hat, was er tut. Welch eine tiefe Kränkung für Mose, wenn man den Gott der Herrlichkeit derart missachtet und erleben muss, wie das Volk von einem völlig falschen Gottesbild getrieben wird.
Mit der ganzen Last und Verzweiflung zieht Mose und Aaron sich in die Stiftshütte zurück. Im Gebet schütteten sie ihre eigene Not vor dem Herrn aus, aber sie bekannten auch das, was im Herzen des Volkes war. Trotz der Kränkung erfüllen sie ihren Priesterdienst für dieses nicht gerade liebenswerte Volk.
- Wie tröstlich und wertvoll ist es mit einem Bruder gemeinsam auf den Knien vor Gott zu liegen, um für die Anliegen der Gemeinde und des Volkes einzustehen. Persönliche Lasten abzulegen und in der Stille für Gott ruhig zu werden.
- Der Herr lässt sich erbitten wo ernstlich in Einmütigkeit für eine Sache gebetet wird (Mt 18,19).
20,8-9 Wieder erbarmt sich der Herr über sein Volk – eine Offenbarung der Gnade und Geduld Gottes
Zum wiederholten Male erscheint der HERR sichtbar in der Herrlichkeitswolke und offenbart Mose was er tun soll. Es scheint das bekannte Vorgehen zu sein, wie schon wenige Monate nach dem Auszug vor fast 40 Jahren (Vgl. 2Mo 17). Damals hatte die erste Generation gemurrt – und erlebte das Wunder, dass Gott Wasser aus dem Felsen gibt.
Nun macht die neue Generation denselben Fehler. Auch sie stellen das Misstrauensvotum gegen Gott, lehnen sich auf und hinterfragen Gottes Güte und Führung. Sie hatten kein Vertrauen in Gottes wunderbare Fürsorge, noch hatten sie von ihren Vorfahren Vertrauen gelernt.
- Doch Gott schenkt jeder Generation neu seine Gnade und Barmherzigkeit (Ps 103,8; Klag 3,22-23; Joh 1,16).
20,10-13 Nicht wieder lässt sich der Fels schlagen – ein Bild auf die Erlösung durch das Kreuz
Seltsam mag die harte Reaktion Gottes auf Mose auf uns wirken. Nur weil er mit seinem Stab gegen den Felsen schlug, darf er künftig das verheißene Land nicht betreten. Hat er doch sein Leben für den Herrn gelebte und sich für das Volk abgemüht. Dass der Auslöser seines emotionalen Zorns durch das mürrische Volk provoziert war, spielte keine Rolle.
Auf Gottes Anweisung achten – wie ernst es Gott damit meint, lernen wir bei Mose.
Gott will, dass wir seinen Anweisungen Folge leisten – nicht nur ein bisschen oder etwas oder grob der Linien entlang, sondern genau! Auf Gottes Anweisung achten, das betrifft das Volk, aber vor allem auch die Diener und Mitarbeiter Gottes.
Wie ernst Gott das nimmt hatte Mose schon oft erlebt (vgl. Nadab und Abihu 3.Mo 10,1+8-9).
Gott fordert die genaue Umsetzung seiner Anweisung und Nüchternheit im Dienst!
Folgende Fehlerkette ist bei Mose zu beobachten:
- Mose ließ sich von ungeistlichen Leuten provozieren.
- Mose ließ sich zu einer emotionalen Handlung hinreißen (Zorn, Ausgelassenheit, Unnüchternheit, Verlust von Selbstkontrolle).
- Mose vertraute nicht allein auf die Macht des Wortes – er sollte nur zu dem Felsen reden.
- Mose schlug mit seinem Stab zwei Mal – einmal hatte gereicht, jetzt sollte er nur reden.
- Mose tat mit eigener Kraft sein eigenes Werk zu Gottes Wort dazu und raubte damit Gott die alleinige Ehre.
- Gott erwartet von seinen Dienern Nüchternheit, Besonnenheit, Selbstdisziplin (vgl. Tit 1,5ff). Gott erwartet 100% Vertrauen in sein Wort (Tit 1,9).
Weder sollen wir etwas zu Gottes Wort hinzutun, noch hinwegnehmen (Off 22,18-19). Gottes Wort allein ist wirksam – es braucht unser menschliches Hinzutun nicht. Alles menschliche Machwerk würde nur Gottes Ehre und Ruhm rauben.
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Zum Verständnis des Textes sind folgende Aspekte hilfreich zu beachten:
- Allegorische (versinnbildlichte) Auslegung:
Paulus selbst legt in 1Kor 10 die Grundlage zur geistlichen Auslegung und Anwendung dieses Textes. Er vergleicht den Felsen mit Christus. Das Manna ist die geistliche Speise.
Das Wasser ist der geistliche Trank.
Übertragen auf die Geschichte in 4Mose können wir folgendes festhalten.
Der Stab Moses = Gericht 2Mo 4,20; 9,23
Der Stab war das Gerichtswerkzeug mit dem der Herr die Ägypter geschlagen hatte.
Auch wurde mit dem Stab der Fels einmal geschlagen, so dass von dort Wasser aus dem Felsen strömte.
Der Fels = Jesus 5Mo 32,4
Er starb für unsere Sünden, unser Misstrauen und Bitterkeit und Hader am Kreuz. Dort wurde er einmal gekreuzigt und vom Gericht Gottes ein für alle Mal geschlagen (Heb 10,10).
Das Wasser = Quelle des Lebens
Wie aus dem Felsen, so strömte aus den Wunden Jesu Blut und Wasser – ein Bild auf das ewige Leben (Joh 7,28). Dieses Wasser ist ein Bild auf das lebendige Wasser (Joh 4), das Jesus gibt und findet sich im Lebensstrom der Ewigkeit wieder (Off. 22,1+17). Das Wasser ist auch ein Bild auf die reinigende, vergebende und erfrischende Kraft (Eph 5,26).
- Heilsgeschichtliches Verständnis
Warum Mose nicht ins verheißene Land durfte hat auch seine heilsgeschichtliche Bedeutung. Mose ist der Vertreter des Gesetzes. Menschenwerk (sein Schlag gegen den Felsen) und Gesetzeswerk bringen den Menschen nicht in die Ruhe Gottes. Daher starb Mose und konnte das Volk nicht nach Kanaan führen (vgl. Heb 3,7- 4,10).
Erst mit Josua, der ein Typus auf Jesus ist (Josua ist das hebr. Wort für Jesus), war es möglich, das Volk über den Jordan zu führen. Nicht das Gesetz und das Menschenwerk, sondern die Gnade und der Glaube bringen uns ins verheißene Land (vgl. Joh 1,17).
- Biblische Lehre
- Das Herz des Menschen bleibt immer dasselbe
- die sündhafte Natur des Menschen verbessert sich nicht durch die Erfahrungen des Lebens.
- Der Priesterdienst für den Menschen bleibt immer derselbe
- Es benötigt einen Mittler, der vor Gott für den Sünder einsteht und bittet.
- Die Quelle der Erlösung bleibt immer dieselbe
- das Kreuz (Felsen) an dem Christus für uns einmal geschlagen wurde ist ein für alle Mal für uns geopfert worden (Heb 10,10). Es braucht kein weiteres Opfer, sondern nur ein Wort der Buße und der Vergebung. Die Wunden sind Jesus bereits geschlagen. Ein Wort des Glaubens genügt um gerettet zu werden.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
- Einleitung mit der Wichtigkeit des Wassers: Erst in einer längeren Trockenphase (heißer Sommer) wird die Wichtigkeit des Wassers deutlich. Wasser ist immer ein Bild auf Erfrischung und Leben.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Man kann das Wesen des menschlichen Herzen gut auf uns heute übertragen:
- Wie oft drehen wir uns mit ein und derselben Klage und Verbitterung im Kreis,
- machen Menschen für unsere Lebenssituation verantwortlich,
- übertreiben unverhältnismäßig und wünschen uns oder anderen lieber das Lebensende.
- Taten, die aus Unbeherrschtheit oder Zorn hervorkommen tragen keinen Gewinn.
- Gott möchte, dass wir sein Wort ernst nehmen und seine Anweisungen genau beachten.
- Wie wertvoll ist es, mit Geschwistern in einer intensiven Gebetsgemeinschaft zu stehen, gemeinsam Lasten zu tragen.
- Trotz Anfeindungen haben wir keinen Grund aufzuhören, die Menschen zu segnen, die uns fluchen.
- Wir sollen Fürbitte tun auch für die, die uns böse gesinnt sind.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Einmal soll dem Zuhörer verdeutlicht werden, dass die Ursache des Konfliktes vom Unglauben des Volkes ausging. Der Mensch neigt zum Streit mit Gott. Er hadert über Gottes Führung im Leben. Hier sollen wir lernen, dass Gott gut führt – auch wenn es durch die Wüste geht, durch Glaubens- und Gehorsamsprüfungen geht.
Zum Zweiten soll uns bewusstwerden, dass Gott ein völliges Vertrauen in sein Wort erwartet. Ungehorsam bringt uns immer in eine missliche Lage. Als leitende Mitarbeiter sind wir Vorbilder und sollen Gott verherrlichen. Mose stellte sich durch seine Art des eigenmächtigen Handelns vor Gott und rückte den Herrn aus dem Mittelpunkt. Unser Tun soll immer Jesus ins Zentrum rücken. Unsere Taten sollen von uns weg auf Jesus weisen.
Zum Dritten sehen wir ein wunderbares Bild auf die Erlösung am Kreuz. Der Fels, der für das Volk geschlagen wurde und aus dem die Quelle des Lebens in überreichem Maß fließt, ist Christus. Wir dürfen durch seine Wunden heil werden (Jes 53,4ff).
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Die wichtigste Anweisung, der ein Mensch folgen muss, ist der Anweisung Gottes zum Heil. Gottes Wort genügt. Keine eigenen Taten, kein eigenes Werk, sondern sein Wort ist lebendig und wirksam. Nur im Glauben auf das Wort Gottes öffnet sich uns Quelle zum ewigen Leben.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Der Fels auf dem wir stehen
- Ein Gott der uns folgt
- Ein Gott der für uns stirbt
- Das Wort auf das wir hören
- Wort des Vertrauens zum Heil
- Wort der Gerechtigkeit zum Gericht
- Die Quelle von der wir leben
- Wasser zur Durststillung
- Wasser zur Reinigung
- Christus, der geschlagene Fels
- Christus, das gültige Wort
- Christus, die unversiegbare Lebensquelle
(Klaus Eberwein)