Lukas

Predigthilfe vom 10.8.2003 – Lukas 5,1-11

Monatsthema: Unter Gottes Augen leben: Petrus
Predigtthema: Von Jesus berufen

Bibelstelle: Lukas 5,1-11

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

1. Zusammenhang
Jesus beginnt seine öffentliche Wirksamkeit. Er predigt in Nazareth und tut große Zeichen in Kapernaum (4,14-44). Nun begegnet er am See Petrus und seinen Gehilfen und beruft sie als seine Jünger (unser Text). Dann zieht er mit ihnen weiter und tut die Machtzeichen des Messias.

2. Biblische Parallelen
Der Schreck des Jesaja bei seiner Berufung (Jes. 6,1-7), ebenso die Furcht des Jeremia (Jer. 1,4-10).
Matthäus (4,18-22) berichtet keine Einzelheiten, nur die Berufung; ebenso Markus (Mark. 1,16-20).

3. Aufbau des Textes
a) Der große Lehrer V 1-3
b) Der große Fischzug V 4-7
c) Die große Wende V 8-11

4. Einzelerklärungen
V 1 Jesus erlebt größten Zulauf. Das Volk bedrängt ihn, wörtl.: ganz nahe rücken. Jeder wollte möglichst klar seine Verkündigung hören.

V 2 Jesus steht – normalerweise sitzt ein Rabbi bei der Lehre. Die zwei leeren Boote kommen wie gerufen.

V 3 Jesus bittet Simon ein Stück hinaus zu fahren: Jetzt kann er vom See aus, im Boot sitzend, lehren.

V 4 Nach der Predigt – lehren meint: grundsätzliche biblische Linien ziehen – der Befehl an Simon. Die Netze sind Schleppnetze.

V 5 Normalerweise wird nachts gefischt; da sind die Fische mehr an der Oberfläche. Doch Simon gehorcht: Das ist der entscheidende Glaubenssatz: „Auf dein Wort hin“.

V 6 Der Fang ist so groß, dass das Schleppnetz zu bersten droht. Das wäre ein großer Schaden.

V 7 Gefährten, wörtl.: Teilhaber. Simon und Andreas arbeiteten wohl in einer Kooperative mit Jakobus und Johannes (V.10). Gemeinsam wurde gearbeitet und auch der Ertrag geteilt.
Ein überwältigender Fang: beide Boote überladen. Jesus gibt reichlich.

V 8 Simon reagiert unerwartet: Er fällt ehrerbietig nieder – die Unterwerfungsgeste – und kann die Gegenwart Jesu nicht ertragen: Ich bin ein sündiger Mensch. Dahinter steht der „Gottesschreck“, vgl. Jes. 6,5

V 9 An dem völlig außergewöhnlichen überreichen Fang – für Simon ein Wunder – erkennt er die Göttlichkeit Jesu. Der Schreck: ein zitterndes Staunen, furchterfüllt. Eben weil Simon weiß: Er kann Gott nicht begegnen, wie er ist.

V 10 Das erfasst auch seine Teilhaber. „Fürchte dich nicht“, wörtl.: du wirst nicht fliehen; so oft Jesus. Er sagt Simon seinen Auftrag an: „Menschen fangen“, wörtl.: Menschen zum Leben, für das Leben fischen. Der Jesusberuf!

V 11 Kurz und Knapp die Konsequenzen. „Von jetzt an“! Die Wende im Leben der Vier: Zuerst – wie nüchtern – ziehen sie die Boote an Land, den Fang verwerten sie aber nicht mehr. Dann: Sie verlassen alles, wörtl: hinter sich, weg von sich lassen. Ein radikaler Schnitt, und drittens: Sie folgen Jesus nach, wörtl.: Weggenosse sein. Sie gehen äußerlich und auch innerlich den Jesusweg.

5. Die Spitze des Textes
„Auf dein Wort hin“ – das ist Glaube.

6. Der Text heute
a) Nicht Wunder und Krafttaten stehen im Vordergrund, wie heute oft enthusiastisch proklamiert, sondern das vollmächtige Wort. Deshalb strömten die Menschen zu Jesus. Sie 2strömen“ auch heute noch, wo und wenn vollmächtige, biblische Verkündigung geschieht.
b) „Auf dein Wort hin“, das ist Glaube. Wagen wir solches Vertrauen? Gerade auch in den praktischen Situationen unseres täglichen Lebens? Zum Beispiel: „Ist jemand krank, der rufe sich die Ältesten…“Jak. 5
c) Die Vier werden mobil. Dazu müssen sie alles was „Immobilien“ sind weg von sich lassen. Paulus: „Haben, als hätte man nicht“. „Sach“ macht sesshaft, auch geistlich.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) Tausende Menschen sind Jesus begegnet. Diese Vier kommen auch in Bewegung.
b) Sucht die Jugend heute wirklich nur „events“? Wo schlicht das Bibelwort verkündigt wird ist großer Zulauf.
c) Jesus bittet den Petrus: Gott als Bittender, vgl. dazu 2. Kor 5, 20: „Wir bitten an Christi Statt“
d) Vergeblich gearbeitet! Alles, was nicht vor und für Jesus getan ist, ist und bleibt vergeblich.
e) Ich bin ein Sünder! So beginnt Glaube. Das wirkt der hl. Geist. Der natürliche Mensch sagt: „Ich bin schon recht! Mir kann niemand was nachsagen!“
f) „Fürchte dich nicht“, wörtl.: Haken schlagen wie ein flüchtender Hase. Also: nicht wegfliehen, sondern hinfliehen zu Jesus. Die Richtung ist entscheidend.
g) Der Gottesschreck: Jesus ist nicht unser Kumpel. Begegnung mit ihm, wie Feuer, das Reisig verbrennt. Doch: Jesus verbrennt uns nicht. Er zündet an.
h) Menschen zum Leben fischen. Sonst Fischen: die Fische sterben.
i) Der Auftrag an Petrus: Im Reich Gottes gibt es keine Zierbäume, nur Fruchtbäume.

8.Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Petrus ist Jesus schon einmal begegnet (vgl. Joh 1,42), jetzt kommt er in Bewegung.

1. Vergeblich
Jesus trifft Petrus mitten im Alltag: Netze waschen = nur Unrat drin. Vergebliche Arbeit. Wie oft bei uns!? Gefrustet. Das macht müde, resigniert. Auch beim geistlichen Dienst. Nichts im Netz! Doch Jesus du. Er redet in Frust hinein. Zuerst: Jesus als Bittender (Boot), dann Jesus als vollmächtiger Prediger, erst dann: Jesus als Helfer. Das Wort vor dem Wunder.

2. Überreichlich
Jesus greift ein. Bei und mit ihm gibt es kein vergeblich. Er ist, hat und gibt die Fülle (vgl. Joh. 10,10). Der große Fischzug! Petrus: Auf dein Wort hin: So wird aus „vergeblich“ Überfluss – im Äußeren, gewiss aber geistlich. Wie viel Fülle haben wir, schon an äußeren Gütern. Der bewusste Dank dafür! Geistlich: Das klare Gotteswort, die Gemeinschaft der Glaubenden – das Geschenk: WBB! Persönliche Heilsgewissheit etc. Der Schreck des Petrus: Nicht wegfliehen, sondern hinfliehen: Christen sind Leute, die als Sünder zu Jesus fliehen.

3. Erstaunlich
So wird Petrus „Christ“. Er erkennt sich als Sünder. Da kann der Sünderheiland mit ihm anfangen. Die Kranken brauchen den Arzt. Das ist das Evangelium. Er bekommt ewigen Auftrag: Menschen für das Leben zu fischen. Sonst fischt man lebende Fische, die sterben dann. Jetzt: Tote Menschen fischen, sie leben dann! Sind wir Menschenfischer? Das heißt: Sind wir dort wo die „Fische“ sind? Sind unsere Netze in Ordnung? Haben wir die Geduld, die zum Fischen gehört?

Schluss: Die Vier machen ernst: Ganze Abkehr und entschlossene Nachfolge.