Predigtthema: Jesus, das Licht
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Maier, Gerhard. Johannes Evangelium (Edition C Bibelkommentar)
- Lüthi, Walter. Johannes – das vierte Evangelium.
- De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
- Köstenberger, Andreas: John (Baker Exegetical Commentary)
1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Geschichte des blinden Mannes zeigt uns, wie er Jesus, dem Licht der Welt (Joh 8,12) begegnet und wie dieser Mann Schritt für Schritt sehend wird. Zunächst geschieht die körperliche Heilung und abschließend sehen wir, wie dieser Mann auch geistlich sehend wird und sich vor Jesus niederwirft (V.38)
Vers 1
Die Heilung des Blinden wird von Johannes zeitlich nicht genau eingeordnet. Es ist aber deutlich, dass sich Jesus noch in Jerusalem befindet (wahrscheinlich dann in der Zeit zwischen dem Laubhüttenfest und dem Fest der Tempelweihe). Woher die Jünger wussten, dass dieser Mann von Geburt an blind war, wird nicht gesagt.
Vers 2-3
Die Jünger denken hier ähnlich wie die Pharisäer (vgl. V.34). Und der Gedanke ist nicht grundsätzlich falsch. In 2Mose 20,5 lesen wir, dass Gott die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern der dritten und vierten Generation. Allerdings lesen im AT auch, dass die Söhne eben nicht für Schuld der Väter getötet werden sollen (vgl. 5.Mo 24,16). Auch wenn die Folgen von Sünde oft über Generationen spürbar sind, ist der Einzelne doch nicht an die Schuld der Vorfahren gebunden und ist eingeladen zu Gott umzukehren.
Wie sich die Jünger, das Sündigen des Gelähmten genau vorstellten, bleibt unklar. Vielleicht gingen sie wie manche Rabbis von der Möglichkeit aus, dass er schon im Mutterleib gesündigt hatte? Oder sie stellten sich die Blindheit als Strafe für Sünden vor, die er später noch tun würde.
Jesus gibt seinen Jüngern eine Antwort, mit der sie wahrscheinlich nicht gerechnet haben. Jesus verbindet die Lebenssituation des Blinden mit seinem Auftrag. Der Blinde ist für genau diesen Moment blind, in dem Jesus die Macht Gottes an ihm erweist und damit seine Vollmacht als Messias unter Beweis stellt.
Vers 4-5
Jesus blickt auch in dieser Situation voraus auf das Dunkel, das ihn erwartet, wenn er auf seinen Tod zugeht. Solange er mit seinen Jüngern in Israel unterwegs ist, wirkt er als Licht in das Leben der Menschen hinein.
Es ist nicht klar, ob Vers 4 ursprünglich mit „Ich muss“ oder mit „Wir müssen“ begonnen hat. Wenn Jesus hier in der Pluralform spricht, dann nimmt er seine Jünger in seinen Auftrag mit hinein und gibt ihnen vielleicht auch schon eine Lektion für ihren späteren Dienst. Auch die Jünger haben den Auftrag als Zeugen für das Licht der Welt in diese Welt hineinzuwirken, solange Gott ihnen die Möglichkeit dazu gibt.
Vers 6-7
Die Art, wie Jesus diesen Blinden heilt, ist besonders. Jesus berührt ihn nicht nur, er spricht nicht nur ein Wort, er behandelt ihn mit einem Brei aus Erde und Speichel und schickt ihn los, um sich zu waschen.
Noch an zwei anderen Stellen benutzt Jesus seinen Speichel, um zu heilen. Im Mk 7,33 heilt er einen Taubstummen, indem er ihm die Finger in die Ohren steckt und die Zunge des Mannes mit Speichel berührt. In Mk 8,23 spuckt er einem Blinden in die Augen, um ihn zu heilen.
Dass Jesus einen Brei aus Speichel und Erde herstellt, um einen Menschen zu heilen wird nur hier berichtet. Es scheint, dass Jesus hier einen deutlichen Verweis auf 1.Mose 2,7 gibt, wo berichtet wird, wie Gott den Menschen aus Erde geschaffen hat. Jesus unterstreicht also, dass er in der Schöpfermacht Gottes handelt und dass er das Leben dieses Mannes, der noch nie sehen konnte, ganz grundsätzlich verändert. Jesus ist der Sohn Gottes, der neues Leben schafft.
Nachdem Jesus dem Blinden den Brei auf die Augen geschmiert hat, schickt er ihn los, um sich zu waschen. Als Parallele im Alten Testament fällt uns der aramäische Feldhauptmann Naaman (2.Kön 5) ein, der vom Propheten Elisa aufgefordert wird sich im Jordan zu waschen.
Durch diese Aufforderung bindet Jesus den Blinden in die Heilung mit ein. Er muss selbst Verantwortung übernehmen und diesen Vertrauensschritt gehen. Dass Jesus ihn zum Teich Siloah sendet, weist nochmal darauf hin, dass Jesus selbst derjenige ist, der vom Vater gesandt wurde. Das hat Jesus in Vers 4 erneut betont. Der Mann gehorchte dem Auftrag von Jesus und erlebte seine Heilung.
Vers 35-37
Während der Auseinandersetzung zwischen dem Blinden und den Pharisäern bleibt Jesus im Hintergrund. Wie so oft ging es bei einem Wunder, das am Sabbat geschehen war, um die Frage, ob Jesus denn nicht durch sein Handeln gegen das Gesetz Gottes verstoßen hatte.
Ab Vers 35 sehen wir dann, dass Jesus mit dem ehemaligen Blinden noch nicht fertig war. Der Mann war zwar körperlich sehend geworden, aber geistlich war er noch immer blind, weil er bisher noch nicht erkannt hatte, dass Jesus der Sohn des Menschen, der verheißene Messias war.
Diese Blindheit behandelt Jesus nun bei dieser nächsten Begegnung. Wir einen großen Kontrast zwischen dem Geheilten und den Pharisäern. Der Geheilte kommt mit einem offenen Herz zu Jesus. Er ist wirklich auf der Suche nach dem Messias und ist bereit auf Jesus zu hören. Der Geheilte geht offensichtlich davon aus, dass Jesus ihm die Frage beantworten kann, wer der Messias ist. Und als Jesus ihm klar bezeugt, dass er selbst der Messias ist, nimmt der Geheilte diese Botschaft von Herzen an und wirft sich anbetend vor Jesus nieder.
Was für ein Unterschied zu den Pharisäern, die den Mann als Sünder von sich gestoßen hatten (vgl.34) und nicht bereit waren zu hören. Jesus nimmt diesen Mann an. Er offenbart sich ihm. Er heilt ihn nicht nur körperlich, er heilt ihn auch geistlich.
Vers 38-41
Jesus nutzt die Umkehr des Geheilten, um noch einmal seinen Auftrag zu unterstreichen. Wir sehen, dass das Gericht, das Jesus in diese Welt bringt, sehr unterschiedliche Folgen haben kann. Auf der einen Seite stehen die Blinden, die von Jesus sehend gemacht werden und auf der anderen Seite stehen Menschen, wie die Pharisäer, die sich selbst für sehend halten. Jesus macht deutlich, dass echte Blindheit darin besteht, seine eigene geistliche Blindheit nicht zu erkennen, und sich selbst für sehend zu halten.
Der Geheilte wusste um seine Blindheit. Er kannte den Messias nicht, und war im wahrsten Sinne dafür bereit, sich von Jesus die Augen öffnen zu lassen.
Die Pharisäer dagegen waren so stolz auf ihre eigene Frömmigkeit, dass sie nicht erkannten, wie blind sie doch gegenüber Gottes Wirken waren. Sie erkannten nicht, wie tief sie in ihrer eigenen Schuld verstrickt waren, und wie dringend sie einen Retter brauchten. Sie hielten sich selbst für sehend und lehnten Jesus, das Licht der Welt ab.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Gerade in der Adventszeit, wenn wir erneut das Kommen Jesu in den Blick nehmen, ist es wichtig, dass wir deutlich machen, wie tief unsere Welt und auch wir selbst in der Finsternis unserer Schuld verstrickt sind. Ohne Jesus, dem Licht der Welt, haben wir keine Hoffnung.
Deshalb wollen wir auch in dieser Adventszeit wieder darauf hinweisen, wie wichtig es für uns persönlich ist, dass Jesus unser Leben erleuchtet. Zunächst einmal grundsätzlich, dass er uns Glauben an ihn schenkt. Aber wir brauchen diese Erleuchtung auch immer wieder in unserem Alltag, wo so viele Dinge unseren Blick verdunkeln wollen und wir das Licht des Lebens aus dem Blick verlieren.
Auch im Blick auf unsere Mitmenschen wollen wir wieder neu verstehen, wie sehr sie Jesus brauchen. Als Gemeinde können wir viele verschiedene Angebote machen, aber wenn wir den Menschen nicht das Licht des Lebens bringen, sind diese Angebote keine echte, bleibende Hilfe.
2.2. Hinweise für homiletische Überlegungen
Unser Abschnitt ist heute zweigeteilt. Die Vers 1-12 und 35-41 sollen im Zentrum der Predigt stehen. Damit die Hörer, die mit der Geschichte nicht so vertraut sind, dennoch gut folgen können, ist es wichtig den Verlauf der Geschichte von Vers 13-34 kurz und klar zusammenzufassen.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt soll gerade am ersten Advent die Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass Gott in Jesus sein Licht auf die Welt gesandt hat. Die Predigt soll erinnern, wie dringend wir selbst und unsere Mitmenschen Jesus als ihr ganz persönliches Licht des Lebens brauchen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus, das Licht
- Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Das Licht Gottes kommt in die menschliche Hoffnungslosigkeit (V.1-5)
2. Das Licht Gottes kümmert sich um den einzelnen Menschen (V.6ff)
3. Wer seine eigene Blindheit erkennt, ist offen für das Licht Gottes (V.35-38)
4. Wer seine eigene Blindheit nicht erkennt, ist blind für das Licht Gottes (V.39-41)
(Tobias Schurr)