Bilder der Gemeinde: Braut Christi
Jahresthema: Bilder der Gemeinde
Predigtthema: Braut Christi
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
- Heiko Krimmer. 2.Korintherbrief. Edition C.
- John MacArthur. 2.Korinther. CLV-Verlag.
- N. T. Wright: Paulus für heute. Der zweite Korintherbrief.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Zum Bild der Braut in der Bibel allgemein….
- Das Bild der Braut bzw. der Vermählung wird schon im AT verwendet für die Beziehung zwischen Gott und seinem erwählten Volk (Jes. 54,4-5 „der dich gemacht hat, ist dein Mann“; 62,5 „wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.“; Hes.16,8 „Und ich ging an dir vorüber und sah dich an, und siehe, es war die Zeit, um dich zu werben. Da breitete ich meinen Mantel über dich und bedeckte deine Blöße. Und ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und du wurdest mein.“; Hos.2,18-21 „An jenem Tage geschieht’s, spricht der HERR, da wirst du mich nennen »Mein Mann« und nicht mehr »Mein Baal«.“)
- Johannes der Täufer nannte Jesus den Bräutigam (Joh.3,28)
- Jesus verglich seine Jünger mit einer frohen Hochzeitsgesellschaft (Mt.9,15)
- Die Apostel greifen das Bild auf und entwickeln es (2.Kor.11,2 Paulus vergleicht die Gemeinde und Jesus mit Verlobten; Eph.5,25-32 Paulus vergleicht das Verhältnis von Mann und Frau mit Jesus und der Gemeinde; Offb.19,7-8 Johannes sieht die Hochzeit des Lammes; 21,2+9 Johannes vergleicht das neue Jerusalem in seiner Erscheinung, wie eine Braut für ihren Mann; 22,17 Johannes sieht: die Braut lädt ein)
- Zu beachten ist: Die Braut ist nicht die einzelne Person, sondern immer die gesamte Gemeinde oder das gesamte Volk.
Aus der Menge der Bibelstellen bietet sich für die Predigt der Text aus dem 2.Korinther-Brief an (2.Kor.11,1-4), weil der Text zentrale Punkte für die Gemeinde anspricht.
Zum 2.Korintherbrief und der „Braut Christi“:
Wie verhält sich die Gemeinde, wenn sie mit falscher Lehre konfrontiert wird? Lässt sie sich verführen? Lässt sie sich von der apostolischen Lehre abbringen? Wie stellt sie sich zu denen, die wirklich von Jesus berufen sind? Um das geht es im 2.Korintherbrief. Das Bild der „Braut Christi“ wird von Paulus in diesem Kontext benutzt. Damit ist Paulus ganz in der Spur des AT, wo Gott das Bild der „Ehefrau und Ehemanns“ für sich und sein Volk benutzt.
Es geht bei dem Bild letztlich um die „erste Liebe“, das „ungeteilte Herz“, Treue, Loyalität, Nähe, Verbindlichkeit, Vertrauen, Exklusivität, Sehnsucht, Hingabe, Warten, Geduld,… Reinheit.
Wie leben die Korinther mit Jesus?
Vers 1
2.Kor.11,1 Lasst euch doch ein wenig Torheit von mir gefallen! Doch ihr ertragt mich ⟨ja⟩ auch.
Paulus will eigentlich nicht immer wieder sagen müssen, dass er ein echter Apostel Jesu ist. Aber seine Gegner zwingen ihn dazu, sich selber zu erklären und zu empfehlen. Er tut es, auch wenn er diese Art des Redens und Empfehlens als Torheit empfindet. Vielleicht orientiert er sich dabei an Spr. 26,5: „Antworte dem Toren nach seiner Narrheit, damit er nicht weise bleibt in seinen Augen!“
Paulus weiß, dass sich wohl die Mehrheit der Korinther durch den „Tränenbrief“ haben korrigieren und versöhnen lassen. Sie haben Paulus und seine Korrektur „ertragen“. (siehe 2.Kor.2,1-4: „Denn aus viel Bedrängnis und Herzensangst schrieb ich euch mit vielen Tränen, nicht um euch traurig zu machen, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich besonders zu euch habe.“ Oder 2.Kor.7,7 (NL): „Als er mir erzählte, wie sehr ihr euch auf meinen Besuch freut, wie leid euch alles tut, was geschehen ist, und mit welcher Treue ihr mich liebt, habe ich mich noch mehr gefreut!“) An diese erneuerte Beziehung zu den Korinthern knüpft er jetzt an, wenn er sein Apostelamt gegen seine Gegner in Korinth verteidigt, die es aber auch noch in Korinth gibt.
Vers 2
2.Kor.11,2 Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um ⟨euch als⟩ eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen.
Gott ist eifersüchtig, wenn es um die Liebe und das Herz seines Volkes geht. Er will, dass sein Volk mit ungeteiltem Herzen bei ihm ist. Beispiele und Aussagen dazu gibt es im AT genügend. (2.Mose 20,5; 2.Mose 34,14; 5.Mose 4,24; 5.Mose 32,16+21, …)
David nimmt diesen Eifer auf – auch die Konsequenzen, die das für ihn bedeuten: Ps.69,10. „…denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“
Der Eifer und die Sorge des Paulus um die Korinther ist groß und kostet auch ihn viel (siehe auch 2.Kor.11,28 „… und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, die Sorge für alle Gemeinden.“) Er hat sich diesen Eifer von Gott aufs Herz legen lassen.
Paulus benutzt hier für seine Sorge und seinen Eifer einen (bekannten) Vergleich: Er sieht sich als geistlicher Vater der Korinther (1.Kor.4,15 „Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durch das Evangelium.“). Als solcher hat er die Korinther bei ihrer Bekehrung mit Jesus verlobt. Damit gehören sie fest zu Jesus. Dahinter steht das jüdische Verständnis einer Eheschließung, die aus 2 Hauptelementen besteht: Verlobung und Hochzeitszeremonie.
MacArthur beschreibt das so: „Die Verlobungszeit dauerte für gewöhnlich etwa ein Jahr, obwohl manche Paare schon im Kindesalter miteinander verlobt wurden. Obschon es dem verlobten Paar noch nicht gestattet war, die Verbindung auch körperlich zu vollziehen, wurden sie rechtlich schon als Mann und Frau angesehen. Die Verlobung konnte nur durch Tod oder Scheidung aufgehoben werden und Untreue in dieser Zeit wurde als Ehebruch betrachtet (vgl. Mt.1,18-19). Die Verlobungszeit fand ihren Höhepunkt in der Hochzeitszeremonie, die die Vervollständigung des Bundes markierte. Während der Verlobungszeit war es die Verantwortung des Vaters, sicherzustellen, dass seine Tochter ihrem versprochenen Ehemann treu blieb. Er würde sie ihm dann bei der Hochzeitszeremonie als reine Jungfrau übergeben.“
Vers 3
2.Kor.11,3 Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, ⟨so⟩ vielleicht euer Sinn von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber ab⟨gewandt und⟩ verdorben wird.
Der Kern der Sorge des Paulus lag darin, ob die Korinther Jesus treu bleiben würden, denn die Korinther waren empfänglich für andere Bewerber, die um sie warben. Paulus wollte am Tag der Hochzeit (dem zukünftigen Treffen mit Jesus) eine reine Braut übergeben, die mit ihrem Herzen ganz und allein bei Jesus ist.
Eva glaubte der Falschinformation über Gott (1.Mose 3,1 „Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“. Das Halbwissen oder Unwissen über Gottes Wort wurde ihr zum Verhängnis. Diese Gefahr und der folgende Schaden will Paulus von der Gemeinde abwenden.
„Seitdem der Teufel Eva verführt hat, folgen Irrlehrer seinem Vorbild und stellen die Wahrheit als Irrtum dar und bieten anschließen den Irrtum als Wahrheit an … Die Gefahr, die von Irrlehrern ausgeht, besteht darin, dass sie den Schwerpunkt nicht auf Jesus Christus legen, sondern auf Rituale, Zeremonien, gute Werke, Wunder, emotionale Erfahrungen, Psychologie, Unterhaltung, politische und soziale Angelegenheiten und alles andere, was Menschen ablenkt. Treue zum Herrn Jesus ist im christlichen Leben nicht zu ersetzen – sie ist so wichtig, dass die Schrift erklärt: „Wenn jemand den Herrn Jesus nicht liebt, der sei verflucht!“ (1.Kor.16,22)“ (MacArthur)
Paulus hat große Sorge, dass die Korinther nicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden.
Vers 4
2.Kor.11, 4 Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das ⟨recht⟩ gut.
Wen meint Paulus hier („der, welcher kommt“)? Vermutlich beschreibt Paulus hier das, was schon passiert ist. Da sind Menschen in Korinth, die immer wieder hinstehen und in der Gemeinde ihre falschen, verführenden Gedanken weitergeben.
Paulus beschreibt in seinen Briefen die Irrlehre in Korinth nur wenig im Detail. Hier scheint er sie aber doch mit 3 Stichworten zusammenzufassen.
Ein „anderer Jesus“. Das könnte z.B. der Fall sein, wenn Jesus nicht mehr derjenige sein soll, der mit seinem Leben für unsere Sünde am Kreuz bezahlt hat. Das ist z.B. der Fall, wenn Jesus nicht mehr eine Person des dreieinigen Gottes ist, sondern nur noch ein besonders sozialer Mensch und weiser Lehrer. Maßstab der Christologie ist das Wort Gottes – und zwar mit allen Aussagen in der Schrift über Jesus.
Ein „anderer Geist“. Das könnte z.B. der Fall sein, wenn die gefühlte Harmonie wichtiger ist als die offensichtlichen Aussagen und Wahrheiten der Schrift. Der Teufel kann sich als Engel des Lichts verstellen, ebenso seine Diener (2.Kor.11,13-15: „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi.14 Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. 15 Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.“)
Ein „anderes Evangelium“. Das könnte z.B. der Fall sein, wenn die Frohe Botschaft nicht mehr mit dem „allein aus Gnade, allein aus Glauben, allein die Schrift, allein Jesus“ zusammenpasst.
Seine Sorge sieht Paulus als berechtigt an, weil Korinther die Folgen der Falschheit der Irrlehrer nicht erkennen bzw. Falschheit sogar bewusst dulden. Hier ist Schweigen eine Schuld.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
- Wir sollten uns darüber klar werden: Wer ist wer?
Wer ist an welcher Stelle in der Bibel die Braut oder wird als Braut beschrieben? (Israel, Jerusalem, Gemeinde,…?) Wer sind an welcher Stelle in der Bibel die Hochzeitsgäste? Was ist jeweils mit den Begriffen gemeint? Um was geht es aber immer?
2. Wir sollten uns den Kontext unserer Bibelstelle im 2.Korintherbrief klarmachen.
Was ist die Geschichte des Paulus mit der Gemeinde? Um was geht es in Korinth? Wer sind die Korinther? Wer sind die Gegner der Paulus? Was ist das Problem?
3. Wir haben mit dem Thema „Braut“ auch einen eschatologischen Bezug.
Wann ist die Hochzeit, wenn die Gemeinde die Braut ist? Wie ordnen wir die Ereignisse an? Wie detailliert müssen wir Bescheid wissen? Können allgemein können wir in der Predigt bleiben?
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
- Wir predigen im Rahmen des „Jahresthemas“
Es ist gut, wenn wir oder der Gottesdienstleiter den Zusammenhang herstellen. Wir haben inzwischen schon viele „Bilder der Gemeinde“ angeschaut: Gottes Familie. Gottes Weinberg. Leib Christi (Haupt). Gottes Bau. Gottes Tempel. Gottes Herde. Leib Christi (Körper). Gottes Volk. Pfeiler. Es stehen noch aus: Brief Christi. Braut Christi. Leuchter. Langsam wird das Gesamt-Bild immer kompletter. Wiederholung schadet hier nicht. Es ist doch wichtig zu wissen, wer wir sind.
2. Wir predigen das Thema 2024 am sog. „Ewigkeitssonntag“.
Manche kirchlich geprägten Zuhörer erleben den Tag als besonderen Rückblick auf das Jahr. In den Kirchen wird als Gedenken, die Namen der Verstorbenen des letzten Jahres verlesen. Auf den Friedhöfen spielen an manchen Orten Posaunenchöre. Das Kirchenjahr bedenkt in dieser Zeit die Endlichkeit des Lebens hier auf dieser Welt und das Leben mit Gott in der Ewigkeit.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
- Wir haben mehrere Texte in der Bibel zum Thema „Braut“:
Es empfiehlt sich, einen Text als Haupttext auszulegen und die Inhalte aus den anderen Texten zum Thema „Braut“ einfließen zu lassen. 2.Kor.11,1-4 empfiehlt sich als Haupttext, da er sehr eindeutig in eine Gemeindesituation hineingesprochen ist und damit viele Anknüpfungspunkte bietet.
2. Es gibt sehr persönliche Themen unserer Jesus-Beziehung, die im Bild der Braut anklingen:
Die erste Liebe (Offb.2), das ungeteilte Herz (1.Kön.8,61), Treue, Loyalität, Liebe, Nähe, Verbindlichkeit, Vertrauen, Exklusivität, Sehnsucht, Hingabe, Warten, Geduld,… Reinheit.
3. Gottes Wesen: Treue
Wenn Jesus in uns lebt und Gestalt gewinnen wird, dann ist Treue etwas, was man in unserem Leben sehen wird.
4. Buße tun: umdenken, zurück zu Jesus
Vgl. Offb.2-3 Sendschreiben. Lied: Nimmst du mich noch einmal an.
5. Gemeindeleitung und Verführung
Gute Gemeindeleiter haben die große Sorge der Verführung ihrer Schafe. Siehe die Aufforderung in der Abschiedsrede des Paulus (Apg.20.17ff) Wie unterscheiden wir richtig und falsch? Mangelndes Unterscheidungsvermögen ist ein großes Problem in Gemeinden.
6. Wem geben wir eine Plattform zum Reden?
In Korinth hat man sich an vieles gewöhnt. Es gibt Kriterien, an denen wir uns orientieren können: Wie lebt jemand mit der Schrift? Wie lebt jemand in der Gemeinde? Usw.
7. Das Gegenteil von Loyalität ist Verrat
Jesus will unsere Loyalität und Treue. Eine ernste Angelegenheit. Wo beginnt der Verrat an Jesus? Verraten wir Jesus womöglich schon, wenn wir Lüge dulden und schweigen? Wann verraten wir Jesus und das Evangelium?
8. Alles oder nichts
Das Bild der Braut lässt wenig Spielraum für einen Mittelweg. (vgl. 1.Kor.16,22: „Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei verflucht. Maranata!“)
9. Treue zu Jesus kann Folgen haben
Jesus sagt in Mt.10,34-38: Es kann unter Umständen wegen ihm zu schmerzhaften Trennungen kommen.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Das Ziel der Predigt ist, dass die Zuhörer erkennen, wer wir als Gemeinde sind (Braut Christi) und was das bedeutet.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Das Bild der Braut zeigt, wie wichtig wir Jesus sind, wie exklusiv und eng die Beziehung zu ihm ist und bleiben soll, und auf was für eine herrliche Zukunft wir mit Jesus zuleben („Das Schönste kommt noch“).
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Predigtgliederungen:
Jahresthema: Braut Christi
- Die versprochene Braut
- Die irritierte Braut
- Die vollendete Braut
Jahresthema: Braut Christi
- Geliebt von Gott
- Begleitet von Paulus
- Umworben von Konkurrenten
Jahresthema: Braut Christi
- Der Brautvater (Paulus)
- Die Braut (Korinther)
- Der Bräutigam (Jesus)
- Die Hochzeit (Probleme auf dem Weg zur Hochzeit; eine Hochzeit mit Hindernissen)
Heiko Krimmer: Eifersüchtig für Gott (11,1-6)
- Eifersüchtig für Christus
- Eifersüchtig gegen die Verführer
- Eifernd um das Wort Christi
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
N.T. Wright schreibt:
Viele Filme drehen sich um Hochzeitsfeiern, die im allerletzten Moment platzen. Der bekannte Film „The Graduate – Die Reifeprüfung“ aus den Sechzigerjahren endet damit, dass der Held in die Kirche stürmt, in der seine wahre Liebe gerade dabei war, jemand anderen zu heiraten, und sie entführt, bevor es zu spät ist. Später wurde das Thema im Film „Runaway Bride – Die Braut, die sich nicht traut“ gründlich überarbeitet; die Braut wird nicht von jemand anderem entführt, sondern rennt auf eigene Faust davon. Unterbrochene Hochzeiten sind auch in Romanen spätestens seit Jane Eyre ein Dauerthema.
Paulus sieht sich als Vater der Braut, der für seine Tochter eine Hochzeit arrangiert. (In seiner Welt, besonders in seiner jüdischen Welt, waren die meisten Ehen von den Eltern arrangiert; eine Braut war damals nach unseren Maßstäben sehr jung). Alles war aufgegleist und geregelt; der Bräutigam freut sich, die Braut auch; jedenfalls bis vor Kurzem. Der Vater macht sich plötzlich Sorgen, dass die Braut Panik bekommt und mit jemand anderem abhaut. Die Braut ist hier natürlich die Gemeinde in Korinth, der Messias selbst ist der Bräutigam. Hier, wie an anderen Orten, hat Paulus das Motiv von Israel als Braut JHWHs genommen und in das Motiv der Kirche als Braut des Messias umgewandelt (siehe z. B. Römer 7,4; Epheser 5,25–33). Sobald er ihr den Rücken kehrt, macht die Braut stattdessen anderen Männern schöne Augen …
An diesem Punkt nimmt Paulus ein anderes immer wieder zitiertes Thema aus dem jüdischen und christlichen Gedankengut dazu: die Verführung und Rebellion in Genesis 3. (Auch dies findet Echos an anderen Stellen wie Römer 5,12–21 und 7,9–11.) An anderen Stellen betont er, dass Adams Sünde all diese Probleme verursacht hat. Hier aber bezieht er sich wegen der anderen Illustration, die er verwendet, nur auf Eva und auf die List, mit der die Schlange sie dazu verführt hat, die verbotene Frucht zu nehmen. Paulus scheint sich über die Gefahr eines neuen „Sündenfalles“ Sorgen zu machen: Die „neue Schöpfung“, von der er in Kapitel 5,17 gesprochen hat, welche das Herzstück des ganzen Evangeliums bildet (siehe Galater 6,15), könnte wiederum einen „neuen Sündenfall“ nach sich ziehen, und so könnte – obwohl er nicht ernsthaft erwartet, dass dies eintritt – erneut Chaos ausbrechen.
Was ist also das Problem? Paulus klagt die Lehrer, die nach seinem Abschied nach Korinth gekommen waren, weit schwerwiegenderer Dinge an als alles, was er bisher erwähnt hat. Sie versuchen nicht nur, die Christen zu überzeugen, dass der angemessene Stil von Leiterschaft auffälliger und eindrücklicher sein muss als alles, was sie je an Paulus gesehen haben. Sie betonen nicht nur Formen von geistlichem Leben und Anbetung, die gesellschaftliche Spaltungen verschärfen. Nein, sie bieten den Leuten einen anderen Geist an, ein anderes Evangelium und schlussendlich einen anderen Jesus! Was könnte Paulus damit meinen?
Einige denken, dass sich diese Kapitel gegen ganz andere Lehrer wenden als gegen die, denen sich Paulus in den ersten sechs Kapiteln entgegenstellt. Vielleicht sind schlussendlich noch neuere Lehrer in Korinth aufgetaucht, so denken manche, welche die Gemeinde auf eine ähnliche Art beeinflussen wollten wie die konkurrierenden Lehrer in Galatien. Auch dort klagt Paulus sie schließlich an (Galater 1,6–9), ein anderes Evangelium zu verkünden. Ich halte es aber für viel wahrscheinlicher, dass er an dieselben Lehrer denkt, wie zuvor und dass er jetzt zum eigentlichen Punkt kommt, den er vor allem an ihnen kritisiert. Es ist nicht so, dass sie über eine komplett andere Person reden, einen anderen „Jesus“; natürlich gab es im ersten Jahrhundert viele jüdische Männer dieses Namens, es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass sie über einen anderen reden als über den Lehrer aus Nazareth, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden war. Sie bieten nicht einen völlig anderen Geist an als den, welchen die Korinther empfangen hatten; auf dem religiösen Markt jener Tage waren natürlich alle möglichen Geister im Angebot, die Lehrer nahmen allerdings für sich in Anspruch, vom selben Geist inspiriert zu sein, der schon immer in der Kirche an der Arbeit war. Es war auch nicht so, dass sie ein Evangelium anpriesen, das mit dem Evangelium nichts zu tun hat, das Paulus in 1. Korinther 15,3–8 zusammenfasst. Nein, das Problem ist viel subtiler.
Das Problem ist, dass sie wortgewandt von Jesus reden; sie beanspruchen die Kraft des Geistes; sie sind vom Evangelium begeistert – es gibt aber einen feinen und sehr wichtigen Unterschied zwischen ihrem Jesus, ihrem Geist, ihrem Evangelium und dem wahren. Der wahre Jesus hat unaussprechlich gelitten. Der wahre Geist stöhnt und seufzt mit der Welt (Römer 8,18–27). Das wahre Evangelium ist das Evangelium des gekreuzigten Herrn. Die Lehrer, die nach Paulus’ Abschied nach Korinth gekommen sind, haben diese harten, rauen Ecken des Evangeliums stillschweigend abgeschliffen. Sie passen nicht zu ihren sozialen und kulturellen Ansprüchen. Sie klingen nicht gut in rhetorisch geschliffenen Reden. Insbesondere verleihen sie ihnen nicht das Ansehen und den Status, nach denen sie sich sehnen. Wenn man wirklich an den leidenden Messias glaubt und sein Leben entsprechend gestaltet, so denken sie, dann sieht man am Schluss noch aus, wie … ja, wie dieser Paulus. Und das wollen sie auf keinen Fall.
In diesem Stadium des Briefes ist Paulus allerdings ziemlich zuversichtlich, dass die Braut nicht mit einem anderen abhauen wird. Titus hatte gute Neuigkeiten aus Korinth gebracht (Kapitel 7,5–16). Die Gemeinde als Ganzes steht fest an Paulus’ Seite und sie sehnt sich danach, ihn wiederzusehen und völlig mit ihm versöhnt zu werden. Die Lehrer sind aber nicht weggegangen. Sie könnten jetzt auf die Idee kommen, dass sie auf die Ankunft von Paulus warten, um ihn wiederum als Tölpel und Ignoranten hinzustellen, dem die grundlegenden sozialen und kulturellen Fertigkeiten abgehen. Diese Art von Konfrontation mit dem Potenzial, gewöhnliche Gemeindeglieder zu verwirren, ist das Letzte, was Paulus bei seiner Ankunft will. Also muss er sich dem Problem stellen, bevor es dazu kommt. Wird die Braut mit jemandem abhauen, der ihr durchs Fenster zuzwinkert? Oder wird sie bleiben, wo sie ist, und dem Messias treu bleiben, dem leidenden Messias, dem gekreuzigten und auferstandenen Messias, dem Messias, dessen Sterben und Auferstehung in Paulus’ eigenem Dienst ausgelebt wird?
(Günther Ott)