Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … den Einblick eröffnet
Bibelstelle: Jesaja 43, 19a
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
Ein Gotteswort, zuerst an sein Volk Israel, das zum großen Teil in babylonischer Gefangenschaft ist (587 – 538 v. Chr.). Es ging ihnen allerdings nicht schlecht. (1) Trotzdem wirkten Heimweh und Sehnsucht nach dem Tempel.
Gott ERMUTIGT (43, 1f) und ERINNERT (V 3ff).
Gute Vorsätze werden gefasst, Ängste und Erwartungen werden spürbar. Beim Mut fassen und Gehen erster Schritte soll die Vergangenheit nicht lähmen (V 18). Das trauernde, zurückgewandte Sich-Klammern an Früheres (2) kann zermürben und das Offensein für Gottes wunderbare Möglichkeiten und Führungen verdunkeln (s. Beispielvorschläge 3).
Textbausteine:
V 18 Die angebotene Vergebung soll das Hängen an einer Vergangenheit beenden, die Gott schon bereinigt hat. Genauso lenkt das „Vergolden“ früherer Zeiten vom Heute ab. (3) Die „Fleischtöpfe Ägyptens“ schmeckten im Laufe der Zeit in den Erinnerungen immer besser (2. Mo 16, 3). Kinder, in der Gefangenschaft geboren, waren mittlerweile erwachsen und z. T. in persischer Welt integriert. Sie waren noch dankbar für Gottes Errettung aus Ägypten, empfanden aber das Heute in Babylon als nicht so unangenehm.
V 19a SIEHE bedeutet „Aufgepasst! Achtung!“ (4), also keine Zumutung, Unglaubliches zu glauben.
Gott wurde in seinem Eingreifen zwar oft deutlich erkannt, allerdings überwiegend in weltweiten oder persönlichen Krisenfällen.
Zeugnisse sind oft authentische Berichte von Gottes überraschendem Eingreifen und sein Bewirken in Zuhörern, das Geschehene bildhaft nach- und mitzuerleben.
NEUES sprosst. KEIMzeit.
Auch Anfänge des Handelns Gottes kann man wahrnehmen.
Der kommende Messias wurde als „Spross“ bezeichnet. Der Kirchenlehrer Hieronymus (349-419 n. Chr.) erwähnt, dass mit Jes 11, 1 „Reis, Spross“ der Nachfolger Davids gemeint sei, der Messias.
Jesus war nicht nur der Mann aus Nazareth, sondern der „Spross“, der Messias. (5)
V 20f Der Schöpfer hat ein Herz für die Gläubigen aus Israel und die Jesusnachfolger. Ihn beschäftigt aber auch das Seufzen der Kreatur / Tierwelt. Das Ende der Leidenszeit seiner Leute wird auch das Ende der Leidenszeit seiner Kreatur sein.
Franz Delitzsch: „Die Menschheit ist das Herz des Universums und das Volk Gottes ist das Herz der Menschheit.“ Das eigentliche Herz bildet nach Jesu Auferstehung und Pfingsten die Gemeinde Jesu.
ERKENNEN heißt: Gesehenes, Gehörtes, Erlebtes verstehen und als Tatsachen übernehmen und einordnen können. Das Wort beschreibt auch eheliche Gemeinschaft (1. Mo 4, 1). Durch Einswerden verstehen und begreifen (1. Tim 2, 4).
Das war Gottes Problem mit Israel: Trotz Sehen und Erleben, was Gott kann und schafft, war die Überzahl „blind“. Wann wird Israel zum Sehen – Begreifen – Glauben kommen (Röm 9-11; Jo 19, 37; 2. Ko 3, 13-16!)? Jesus erkennen geht auch ohne große Erfahrungen, sogar ohne Augenlicht. (6)
Echt DRAN ist heute die Anfrage an Jesusnachfolger: Wie sah die Begleitung des guten Hirten in meinem Leben aus? Jesus erkennen heißt – einig und eins mit ihm sein (Jo 17, 21ff).
Gliederungsvorschlag
1. Neues schafft Gott
2. Hinsehen sollten WIR
3. Erkennen heißt: Einig, eins mit Gott sein.
Zum allg. Neujahrstag:
153 n. Chr. verlegten die Römer den Jahresbeginn nach ihrem damaligen Kalender vom 1. März auf den 1. Januar, auf den Tag des Amtsantritts ihrer Konsuln.
Das Fest wurde erst ab Mittelalter im westlichen Kulturraum eingeführt, hat keinen direkten, biblischen Hintergrund. Glück- und Gesundheitswünsche kamen in diesem Zusammenhang auf. (7) Viele Religionen feiern den Jahreswechsel zu unterschiedlichen Zeiten. Christen dachten wohl an Lk 2, 22ff (Darstellung und Beschneidung Jesu im Tempel).
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Fußnoten:
(1) Im babylonischen Exil konnten die Juden ihre Traditionen und ihre religiöse Identität bewahren. Die in und um Babylon angesiedelten Juden assimilierten sich dann recht schnell in die babylonische Gesellschaft. So tauchen bald jüdische Namen auf Inschriften auf, die belegen, dass Juden im Hofstaat und im Militär Nebukadnezars Karriere machen konnten. Auch gibt es Berichte über jüdische Bankiersdynastien. Nach der Eroberung des babylonischen Reiches erlaubte der Perserkönig Kyros II. den Gefangenen die Rückkehr in ihre Heimat und den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels.
Wie die Juden ihre Lage während des Exils empfanden, kommt sehr gut in Psalm 137, 1-6 zum Ausdruck.
(2) Das werde ich dem nie vergessen! Weißt du überhaupt, was der mir angetan hat, wie man mir begegnet ist, wie ich abgelehnt wurde? – schlimmer noch: wie ich mich SELBST nicht mehr leiden konnte? Vergangenheit kann Lehr- und/oder Leidenszeit sein.
(3) Z. B. Über der Tür eines Bauernhauses in Nottuln (Kr. Münster, Westf.) steht: „Gott kennt dein Gestern, gib ihm dein Heute, er sorgt für dein Morgen.“ Altes muss nicht verdrängt werden, aber es darf das Neue nicht verstellen!
(4) Obwohl es an vielen Stellen nichts zu SEHEN gibt („…ich komme bald!“, „… ich bin bei euch…“, „euer Lohn ist groß im Himmel!“, usw.) Wer Gottes Tun erleben will, muss mit dem Herzen sehen wollen, (siehe auch Antoine de St. Exupéry, der seine Kinderjahre in einem christlichen Internat verbracht hatte, in „Der kleine Prinz“).
(5) Bargil Pixner, Mit Jesus durch Galiläa, Rosh Pina 1992, ISBN 965-434-000-3.
(6) Der Blinde (Luk 18) hört von Jesus, dem „Nazoräer“ und assoziiert das hebr. Wort für Spross „Nezer“: „Jesus, du Sohn Davids, …“
(7) Der Wunsch „Guten Rutsch“ beruht auf einem Missverständnis. Viele deutsche Redewendungen haben ihren Grund im Jiddischen und Hebräischen. Der Neujahrswunsch „Guter Rutsch!” ist eine deutschsprachige Verballhornung und hat mit Rutschen wahrscheinlich nichts zu tun. Aus dem jiddischen Gruß „Gut Rosch” (Rosch = Kopf, Anfang; also etwa: „Gutes Neujahr”) könnte der deutsche Neujahrswunsch „Guter Rutsch” entstanden sein.
Beispielvorschläge
1. Der indische Evangelist Sadu Sundar Singh (*1888): Was ist im Leben die Nummer eins? Was ist das erste im Neuen Jahr? „Christus ist die Nummer eins. Stellen wir die Eins an den Anfang und fügen eine Anzahl Nullen an, so wird die Summe immer größer, denn die Eins steht am Anfang. Setzen wir die Nullen nach links und die Eins an den Schluss, werden alle Nullen bedeutungslos bleiben. Wer Jesus ans Ende rückt, bleibt eine Null, wer ihn an die Spitze stellt, wird aufgewertet.“
2. Hanns Dieter Hüsch, (1925-2005), Schriftsteller, Kabarettist, Christ:
Wenn das Jahr beginnt
Ist man in Gedanken
Gehört am Ende man
Zu den Gesunden oder Kranken
Vieles wird passieren
Freude und auch Leid
Jeder muss addieren
Hoffentlich Zufriedenheit
Das Jahr ist jung und übertreibt
Infolgedessen sehr
Was von uns allen übrigbleibt
Das weiß bald keiner mehr
Drum hebe doch das alte Haupt
Und bleib bei deinen Dingen
Auch wenn es kein Mensch glaubt
Am Ende werd ich singen.
3. Neues erfährt man nicht durch tiefsinnige Überlegungen in der Sofaecke, sondern durch neue Schritte:
Christoph Kolumbus wird nach seiner Rückkehr aus Amerika während eines Essens bei Kardinal Mendoza im Jahr 1493 vorgehalten, es sei ein Leichtes gewesen, die „Neue Welt“ zu entdecken, es hätte dies schließlich auch jeder andere vollführen können, immerhin fänden spanische und andere Kapitäne den Weg in die Neue Welt inzwischen ohne größere Probleme. Daraufhin verlangt Kolumbus von den anwesenden Personen, ein Ei auf der Spitze aufzustellen. Es werden viele Versuche unternommen, aber niemand schafft es, diese Aufgabe zu erfüllen. Man ist schließlich davon überzeugt, dass es sich hierbei um eine unlösbare Aufgabe handelt, und Kolumbus wird darum gebeten, es selbst zu versuchen. Dieser schlägt sein Ei mit der Spitze auf den Tisch, so dass sie leicht eingedrückt wird und das Ei stehen bleibt. Als die Anwesenden protestieren, dass sie das auch gekonnt hätten, antwortete Kolumbus: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!“