Josua

Predigthilfe vom 23. Oktober 2022 – Josua 21, 43-45

Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Nur bei Gott kommen wir zur Ruhe

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zu Predigt und Predigttext

Im Mai wurde eine Reihe zu den ersten Kapiteln des Josuabuches begonnen und im September fortgesetzt. Im Oktober werden dann noch einige Auszüge vom Ende des Josuabuches angeschaut.

In der Vorwoche war der Christustreff. Die letzte Predigt zu Josua ist dann also 14 Tage her. Sie bezog sich auf Kapitel 20,1-9, die Schaffung der Zufluchtsstätte.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten der Abschnitt enthält und was Gott im Sinne von 2. Tim 3,16 dem Leser bzw. Predigthörer zeigen möchte.

Erst in einer zweiten Phase liest und hört man dann andere Auslegungen (inklusive dieses Predigttipps). Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.

Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen)

Weitere gute Hilfen:

# Die Thompson-Studienbibel bietet mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers gute Anregungen, welche Themen in einem Abschnitt enthalten sind, die man dann in der Predigt aufgreifen kann.

# Für Josua: „Das ALTE Testament“ ausgelegt von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag), ist eine weitere sehr gute Ergänzung im Sinne einer Studienbibel-Kommentierung.

# Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es z.T. als englische pdf frei im Internet)

# Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium auf sermon-online oder Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

(Die Anmerkungen beziehen sich auf die Formulierung der rev. Elberfelder Übers)

Es ist gut, sich noch einmal vor Augen zu führen, dass mit der Liste der besiegten Könige in Josua 12 die Kampfhandlungen zunächst einmal abgeschlossen sind.

Schwierig einzuordnen ist Josua 13. Es scheint ein Vorgriff auf das Lebensende von Josua zu sein (13,1 – „alt und hochbetagt“). Es scheint so zu sein, dass eben noch nicht alles erobert ist, aber man trotzdem nicht mehr kämpft. Ab Kapitel 14 wird dann über die Zuteilung der Stammesgebiete berichtet.

Josua 14,10 kann man so deuten, dass diese Zuteilung 5 Jahre nach dem Durchzug durch den Jordan war. So lange haben die Kampfhandlungen gedauert. Kaleb ist zu dieser Zeit 85 Jahre alte, Josua könnte ähnlich alt sein, falls er mit Kaleb Kundschafter war, aber das ist nicht sicher. Am Ende des Buches wird Josua 110 Jahre alt sein (Jos 24,29), aber wir wissen nicht, wie alt er in Jos 14,10 oder auch 13,1 war.

Die zeitliche Einordnung von Kapitel 13 ist aber nicht ganz so wichtig. Wichtig scheint, dass die Kapitel 14 bis 21 zur gleichen Zeit handeln. Unser Predigttext, der das Fazit dieses Abschnittes bildet, kann ca. 5 Jahre nach dem Durchzug durch den Jordan zeitlich verortet werden.

Was kann man nun als Fazit nach den Kampfhandlungen und der Landzuteilung festhalten?

Vers 43:

Der Gott Israels – Jahwe – ist treu! Er hält, was er verspricht bzw. geschworen hat (1. Mose 24,7; 26,3 (Isaak); 50,24 (Jakob zu seinen Brüdern))!

Es ist auch klar, dass ER das ganze Land gegeben hat. Ohne IHN hätte Israel es nicht geschafft!

„Wohnen“ ist mehr als sich das Haus hübsch zu machen. Es steht für Heimat und für eine freie funktionierende wirtschaftliche Existenz: 1. Mose 13,6; 2. Mose 16,35

„Besitz“ beinhaltet auch den Aspekt, dass man es weitervererbt: Es ist zukünftiger Besitz, es ist eine wirkliche „Bleibe“ für zukünftige Generationen.

„Sie nahmen es in Besitz“ -> Israel musste aktiv kämpfen (Gott hätte die Kanaaniter einfach so aussterben lassen können, aber in diesem Fall musste Israel eben kämpfen – Gott erwartet ein Mitwirken von Israel)

Dieser Vers 43 betont die „Erfolgsgeschichte“. Er beschreibt mit einer „Weitwinkelperspektive“ die ganz große Linie der Landnahme.

Warum „Weitwinkelperspektive“: Weil sich, wenn man es aus der Nähe betrachtet, ein paar „Wermutstropfen“ zeigen, die auch ganz ehrlich im Josuabuch berichtet werden:

Josua 15,63 – die Jebusiter sind noch in Jerusalem (die besiegt erst David) – sie konnten nicht vertrieben werden, aber sicher nicht, weil Gott zu schwach war, sondern weil Israel müde geworden war und nicht mehr seinen Beitrag leistete.

Josua 16,10 – Ephraim vertrieb nicht alle Kanaaniter, sondern macht sie zu Sklaven. Vgl 17,13 – siehe Ex 23,33/Num 33,52.55: Gott hatte ausdrücklich davor gewarnt, die Fremden im Land zu lassen! Weil Israel sonst zum Götzendienst verführt wird.

Jos 13,1ff – es ist noch nicht alles besiegt und offensichtlich sind zu Davids Zeiten die Philister auch immer noch da … Der Südgrenzverlauf von Juda nach Jos 15,4 legt nahe, dass das ganze Gebiet der Philister schon als Erbbesitz Juda zugedacht war. Aber offensichtlich, in diesem Moment und auch später nicht erobert wurde, obwohl Gott verspricht, es einzunehmen. Offensichtlich haben die Israeliten Gottes Hilfe nicht in Anspruch genommen … (Dies muss man in der Predigt nicht in dieser Ausführlichkeit darlegen).

Aber trotzdem beschreibt Vers 43 die Wahrheit: Gott war treu. Israel hat seinen Anteil übernommen und konnte wirklich im Land sein. Sie haben sich an einigen Stellen mit den Feinden arrangiert. Von Gottes Seite her hätte das aber nicht sein müssen und sein sollen. Vielleicht könnte man sagen: Israel hat Gottes Treue nicht zu 100% in Anspruch genommen.

Vers 44:

„Ruhe verschaffen“ ist nicht das typische „Schalom“, sondern steht für das „Niederlassen“. Dtr 5,14 zeigt aber, dass das Wort durchaus mit dem Sabbat und der SabbatRUHE verbunden ist.

Auch wenn kein Schwur zu finden ist, dass Gott WÖRTLICH diese „Ruhe verschafft“, ist die Aussage trotzdem wahr. Denn es geht hier nicht um bestimmte Worte, sondern eben um die inhaltliche Tatsache, dass Gott diese Ruhe verschafft und das Volk wirklich sesshaft werden kann und Heimat findet, nachdem es versklavt bzw. auf Wanderschaft war. So gibt es z.B. eine solche inhaltliche Zusage in 1. Mose 22,17.

Es ist auch wieder klar, dass JAHWE die Feinde in die Hand gab!

Vers 45:

Jedes Wort traf ein, das JAHWE geredet hat. Dabei hat er eben auch klar davor gewarnt, dass man die Feinde eigentlich vertreiben soll, weil sie sonst eben Gefahren mitbringen – und auch das hat sich später leider bestätigt …

Jahwes Wort ist „GUTES“ Wort!

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Zwei grundsätzliche Punkte sind wichtig: 1. Dieser Abschnitt geschieht im Sinaibund – es gelten evtl. andere Bedingungen als in unserem neuen Bund. 2. Es ist eine ganz bestimmte Situation mit speziellen Beteiligten. Es muss immer gut geprüft und neutestamentlich belegt werden, wenn wir von hier Prinzipien ableiten.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Es ist ein „normaler Sonntag“ – wie schon erwähnt eine Woche nach dem Christustreff, so dass der Josua-Kontext vielleicht nicht mehr ganz so präsent ist.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Es ist immer herausfordernd, über AT-Texte zu predigen, wenn die Grundlage wie hier der Sinaibund ist und nicht unser Neuer Bund. Dieser Predigttipp verfolgt den Ansatz, dass wir Prinzipien über das Wesen des ewigen und unveränderlichen Gottes entdecken und uns dann über das NT absichern, dass ER für uns heute noch genauso ist.

In diesem Sinn gibt es in diesem Abschnitt viel über die Treue Gottes zu lernen und darüber, dass Gott unsere Mitwirkung erwartet.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

(Es hilft, sich selber noch einmal in ein bis zwei prägnanten Sätzen deutlich vor Augen zu führen, was der Predigthörer am Ende der Predigt verstanden haben soll).

Der Zuhörer soll neu ermutigt werden, die Güte und Treue Gottes für sich zu sehen und sich dann von Gott mit in SEIN Werk nehmen zu lassen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Thema: Gottes Herz schlägt für dich!   

Punkt 1: Gott hat gute Worte – für dich (Vers 45)    

Punkt 2: Gott hält sein Wort – für dich (Vers 43-45)

Punkt 3: Gott wirkt – mit dir! (Zusammenhang)  

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Einstieg:

Die Zuhörer werden abgeholt, die Zweifel haben, wie Gott zu ihnen steht oder die denken, dass sie für Gott eine Enttäuschung sind und ER sie nicht wirklich liebt, sondern eher nur „duldet“ …

-> Diese Predigt soll zeigen: Gottes Herz schlägt für dich!

Hinführung zum Predigttext und in die geschichtliche Situation: Die Entwicklung im Josuabuch bis zu unserem Text (kann kurzgehalten werden – je nachdem wie die Zuhörer abgeholt werden sollten.)

TEXTLESUNG

Natürlich ist das zunächst Israels Situation. Aber das Wesen Gottes ist heute noch so wie damals und deshalb auf uns übertragbar – der ewige und unveränderliche Gott ist heute noch so wie damals!

1. Gott hat gute Worte – für dich!

Vers 45b – Gott redet GUTE Worte!

a) Es ist GUT, dass er überhaupt redet. Offensichtlich WILL er, dass wir ihn kennen. ER WILL, dass wir den Weg zu IHM finden! Gott offenbart sich!

b) Was er sagt, IST GUT, weil deutlich wird: Gott will eine Zukunft für Israel (hier könnte man die alten Versprechen mit „Milch und Honig“ zitieren.) So will er auch eine Zukunft für uns: Dem Zuhörer die GUTE Ewigkeit vor Augen führen, in der Gott uns haben will. ODER Römer 15,13, das uns zeigt, was Gott uns alles GUTES geben will! ODER Micha 7,18 – Gott liebt es, dir zu vergeben! Es ist Freude im Himmel, wenn ein Sünder zur Umkehr kommt (Wo steht da, dass das nur beim ersten Mal gilt?) -> Wenn du mit deiner Sünde zu Gott kommst, dann ist er nicht enttäuscht, sondern er freut sich riesig, dass er dein Leben in Ordnung bringen kann!

-> Gott hat (bis heute) gute Worte – für dich – weil sein Herz für dich schlägt!

(Dieser Abschnitt soll ermutigen, zu erkennen, dass Gott immer gut zu uns sein wird!)

2. Gott hält sein Wort – für dich!

Gott hatte Abraham und seinen Nachkommen etwas versprochen und dieses Versprechen hat er gehalten!

Und auch das ist sein Wesen: Gott hält ALLE seine Versprechen! Würde er etwas sagen und es dann nicht tun, dann wäre es ja eine Lüge gewesen. Aber Gott kann nicht lügen. (Titus 1,2b)

Was ist sein Versprechen für dich?

1. Joh 1,9

Römer 8,38f

(Oder andere …)

-> Gott hält sein Wort – für dich – denn sein Herz schlägt für dich!

(Auch dieser Punkt soll ermutigen, die Liebe und Güte Gottes neu zu erkennen und zu sehen, dass wir Gott nicht davon abbringen können, uns zu lieben)

3. Gott wirkt – mit dir!

(neben zwei Punkten des Zuspruches gibt es hier nun auch eine Herausforderung)

Vers 43 und 44 zeigen, dass der Erfolg letztlich natürlich von Gott kommt.

ABER in der Wirklichkeit musste Israel eben das Land erobern (angefangen von Josua 6 bis eben zur Landverteilung).

(Inwieweit man hier auch darauf eingeht, dass Israel seinen Teil nicht zu 100% erfüllt, bleibt dem Verkündiger überlassen und hängt auch etwas mit der Zeit und Gewichtung zusammen. Wenn man es erklärt, muss man es aber dann auch gut erklären!)

Nun müssen wir auch die Details sehen, die Josua nicht verschweigt:

Auf jeden Fall wird deutlich:

Gott wollte das Land schenken und er hat es auch gemacht. Aber anders als in 2. Mose 14,14 hat Gott hier (wie auch an vielen weiteren Stellen) von Israel erwartet, dass es mit-wirkt:

Gott lässt den Israeliten das Land nicht „in den Schoß fallen“, so wie es auch kein „Schlaraffenland“ war, sondern trotzdem Saat und Arbeit nötig war (Jos 5,12).

Kleine Babys bekommen alles „Mundgerecht“ zugeführt. Sie müssen nur noch schlucken. Aber reife Erwachsene müssen selber kochen/zubereiten/kauen und hinterher die Küche aufräumen … – Was wollen wir im Glauben sein – Säuglinge oder reife Erwachsene?

-> Gott traut dir zu, dass du erwachsen wirst im Glauben. Er möchte, dass du mit-wirkst wenn es darum geht, SEINE Verheißungen (das „verheißene Land“) zu erleben! -> Gesprächszeiten mit IHM; Studienzeiten mit seinem Wort; Verheißungen auswendig lernen; Buße: Das Leben reinigen von „eingebrannten Sünden“ – usw …

MIT DIR GEMEINSAM möchte er, dass du deine Verheißungen „einnimmst“ und erlebst und im Himmel dann einmal auf eine „reife Leistung“ zurückschauen und dich freuen kannst, wo Gott dich hat mitwirken lassen – denn sein Herz schlägt für dich!

Zum Abschluss noch einmal alles kompakt zusprechen!

4. Einige Tipps für die Verkündigung

# Arbeite (und bete) in der Vorbereitung so lange mit dem Abschnitt, bis er wirklich mit seinen Punkten dein eigenes Herzensanliegen ist!

# EVA – E=erkläre den Text gründlich / V=veranschauliche deine Predigtpunkte mit einem Bild / A – Anwendung: Zeige praktische Beispiele, wie dieser Punkt im Alltag (in deinem Alltag) Anwendung finden kann bzw. findet.

# Halte Blickkontakt! – vor allem an Anfang und Ende der Predigt (Lerne Einleitung und Zusammenfassung möglichst auswendig!)

# Eine „Predigt“ ist mehr als ein Vortrag/Referat, sie ist Zuspruch, der von Herzen kommt und zu Herzen gehen soll, sei es Ermutigung oder Ermahnung.

# Erzähle aus deinem Leben – ausgewogen – wo dir das eine oder andere vorbildlich gelingt, wo aber auch mal etwas nicht so gelungen ist, wie es sein sollte oder wo dir etwas schwerfällt.

# Werde wirklich praktisch und konkret: Wie kann eine Wahrheit wirklich im Alltag umgesetzt werden?

(Mirko Lau)