Predigthilfe für den 10.03.2019
Monatsthema: Mit Jesus unterwegs
Predigtthema: Gott gibt gerne Gutes
Zur Gottesdiensteinleitung: Jak 1,5 + 17
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
„Mit Jesus unterwegs“, so lautet das Monatsthema, das wir auf Grundlage von vier Bibeltexten aus der Bergpredigt behandeln wollen.
Als Jesus diese „Wortpredigt“ vor einer großen Volksmenge verkündigte, sprach er vor allem zu seinen Jüngern. Er lehrte sie über das Reich Gottes und zeigte ihnen wie dieses kommende Gottes Reich (Königreich der Himmel) aussieht. Jesus sprach:
- von den Bürgern des Reiches Gottes (Mt 5,3-16)
- von dem Neuen Gesetz des Reiches Gottes (Mt 5,17-48)
- von einem neuen Gottesdienst im Reich Gottes (Mt 6,1-18)
- von einem neuen Leben im Reich Gottes (Mt 6,19- 7,12)
- und endetet mit der Einladung zum Reich Gottes (Mt 7,13-29)
Unter den Zuhörern waren die Jünger, zu denen er predigte und es waren Zuhören, die interessiert waren, die neugierig waren und hören wollten, was Jesus Neues zu bieten hat.
Die frohe Botschaft vom Reich Gottes zielte nicht darauf ab, dem Menschen weitere äußere religiöse Formen abzuverlangen oder Gesetzesforderungen an den Menschen zu stellen. Vielmehr geht es um die Veränderung des inneren Herzens, wo Menschen durch die Gabe des Heiligen Geistes bereit sind, ihr Leben an Jesus Christus ausrichten zu lassen. Ganz nach der inneren Haltung: „Herr was willst Du, dass ich tun soll?“
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 187-196).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 230-234).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 179-216).
* Wiersbe, W.Warren. Wiersbe Kommentar NT Band 1 Matthäus bis Apostelgeschichte, CV Dillenburg
Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Thomas Richter vom 9.5.2010.
https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-9-5-2010-matthaus-7-7-12/
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Der Predigtabschnitt von Mt 7,7-11 behandelt nicht vorrangig das Thema Gebet.
Das Gebet wurde in der Bergpredigt bereits in Mt 6 ausführlich behandelt.
Jesus wiederholt sich auch nicht, sondern erklärt das Gebet als ein Mittel, das vielmehr aufzeigt: „Woher bekomme ich Hilfe – woher bekomme ich das GUTE?“
Gott gibt gern Gutes!
Das Gebet ist ein Mittel zum Guten – das Bitten, das Suchen und das Anklopfen ist der Zugang zu der göttlichen Quelle allen GUTES.
Beachte bitte die Hinweise unter Punkt 2.1.“ Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)“
Das göttliche imperativ: die Suche nach Weisheit
V. 7-8 Bittet, suchet und klopft an, sind alles göttliche Aufforderungen (Imperative), die unter anderem den Mangel des Menschen offenlegen. Das Gebet wird somit zum Bekenntnis der Hilfsbedürftigkeit. Wenn ein Mensch betet bringt er damit zum Ausdruck,
a) dass er etwas braucht, was er nicht besitzt
– es muss ihm gegeben werden
b) dass er etwas sucht, was er trotz Mühe und Aufwand bisher nicht finden konnte
– es muss ihm geschenkt werden
c) dass ihm etwas verschlossen ist, wozu er keinen Zugang hat
– es muss ihm von Gottes Seite aufgeschlossen werden.
Konkret geht es um Kinder Gottes, die im Textzusammenhang nach Orientierung suchen und an ihrer Beurteilungsfähigkeit zweifeln und nach Gottes Willen fragen, um Klarheit zu bekommen, was richtig ist. Es ist die Bitte nach göttlicher Weisheit, denn nur Gott kann vollkommen beurteilen! Denken wir an Salomo, der als junger König gute und gottgewollte Entscheidungen zu treffen hatte und Gott um Weisheit bat und bekam (1Kö 3,3ff). Bitte lesen: Spr 3,13ff (vgl. Spr 14,6; Pred 3,16; 9,18). Allgemein bedeutet dies aber auch:
- Gott lässt sich erbitten und gibt dem, der ihn bittet
Diese Tatsache unterstreicht Jesus
a) in dem Gleichnis vom dem Mann, der um Mitternacht zu seinem Freund kommt und Hilfe erlebt (Parallelstelle aus Lk 11,5-13).
b) in dem Gleichnis von der Witwe, die immer wieder vor den Richter kam bis er sich ihrer Anliegen und ihres Rechts angenommen hatte (Lk 18,1-8)
Gott gibt gern Gutes, Gott gibt nicht das, was wir wollen, aber das, was wir benötigen – und was wir am allermeisten nötig haben ist Gottes Weisheit!
Sie muss uns in Jesus gegeben werden, sie finden wir nur bei ihm und sie wird uns durch Jesus Christus zugänglich.
Die göttliche Zuneigung: Gott gibt das GUTE
V. 9-11 Wie wir schon aus Mt 6 wissen, hatte Jesus den Jüngern bereits die Wichtigkeit und Bedeutung des Gebets erklärt. Nun betont Jesus nochmals am Bild von Vater und Kind, wie sehr es dem Willen Gottes entspricht, dass wir Gott den Vater im Himmel bitten dürfen (vgl. Mt 6,9).
- Gott der Vater will gebeten sein und gibt gern Gutes
Wir traurig oder komisch wäre es
a) für den Vater, wenn sein eigenes Kind dringend Hilfe benötigt, es aber nicht zu ihm kommt oder gar bei jemandem anderen Hilfe sucht
b) für das Kind, wenn der Vater seinem Kind nicht das gibt, was es so dringend zum Leben benötigt.
Dabei geht es nicht um belanglose irdische Wünsche. Der Vergleich von Brot statt Stein und Fisch statt Schlange deutet an, dass es hier um Lebensnotwendigkeiten geht. Brot, als eine Bitte des Kindes nach dem Grundbedürfnis des Lebens. Fisch, als ein Bild nach gesunder vollwertiger Nahrung. Steine sind dagegen hart und tot, die Schlange hinterlistig und ein Synonym für Böses.
Nur vom Vater im Himmel kommt jede vollkommene Gabe, die im Grunde genommen nichts anderes ist als der Heilige Geist (Jak 1,17). Diese Tatsache wird auch betont, indem Lukas an der Parallelstelle für Gutes als Synonym den Heiligen Geist verwendet.
„Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wieviel mehr wird der Vater im Himmel [den] Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“ (Lk 11,13)
Der Heilige Geist ist das wirklich GUTE und Vollkommene, was Gott der Vater seinen Kindern geben möchte. Es ist die gute Gabe von oben herab.
„Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich in ebenem Land!“ (Ps 143,10, vgl. Neh 9,20)
Das göttliche Grundprinzip: die Goldene Regel der Nächstenliebe
V. 12 Ein in der Welt bekannter Grundsatz zur praktischen Ethik ist die sogenannte „Goldene Regel“. Bekannt unter dem Zitat:
„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“
Der Ausdruck „golden rule“ wird seit 1615 von Christen gebraucht und hat seinen Ursprung in der Bibel (Mt 7,12; Lk 6,31). Eine Verhaltensregel, die seit Origenes als „Inbegriff eines allgemein einsichtigen Naturrechts, durch das Gottes Wille allen Menschen von jeher bekannt sei.“ Wikipedia Artikel „Goldene Regel“ ( https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel#cite_note-3 )
Aber erst die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in die Menschen ausgegossen wird (Röm 5,5), befähigt den Christen zu dieser Nächstenliebe. Daher steht das Erste und größte Gebot (Mt 22,28f), Liebe Gottes und die Liebe zum Nächsten in unzertrennlicher Verbindung.
- Die Goldene Regel gibt es nicht ohne die gute Gabe des Heiligen Geistes.
Vgl. Röm 13,10, Jak 3,17
Daher lässt sich der Text nur auf Kinder Gottes anwenden. Wer kein Kind Gottes ist, der darf Gott den Vater um seinen Heiligen Geist bitten, der diesen gern gibt.
„Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.“ (Joh 3,34)
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Um den Abschnitt richtig zu verstehen müssen wir den unmittelbaren Kontext betrachten.
Man könnte meinen, dass dieser Abschnitt ein Einschub ist und gar nicht so wirklich hier her passt, dem aber ist nicht so.
- Kurz zuvor geht es um das vorschnelle Richten und Verurteilen von Brüdern (Mt 7,1-6).
- Anschließend geht es um die Reaktion des Menschen auf die Einladung, durch die enge Pforte ins Reich Gottes einzugehen (Mt 7,13ff).
Beides, eine gute Beurteilungsfähigkeit und eine gute Entscheidung benötigen Gottes Weisheit!
Der Mensch benötigt göttliche Hilfe von oben, so wie es Jakobus 1,5 sagt:
„Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.“
Nur mit der Gabe des Heiligen Geistes lassen sich die geistlichen Strömungen unterscheiden und lässt sich der schmale Weg gehen, der zum Leben führt.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Als Einstieg lassen sich folgende Beispiel aufgreifen:
- Ein Kind, bittet nicht um Hilfe, sondern versucht alles selbst zu machen, bis es daran verzweifelt – dabei bräuchte es doch nur den Vater um Hilfe bitten – tut es aber nicht.
- Menschen, die vorschnell andere Meinungen oder geistliche Strömungen verurteilen, dabei aber kein geistliches Urteilungsvermögen besitzen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Der Text kann nicht als Formel für die Erfüllung von Gebetswünschen missbraucht werden, nach dem Motto: Gott gibt alles, was der Mensch von ihm bittet.
Vielmehr soll darin Gottes Prinzip deutlich werden, dass wir Gott fortwährend bitten sollen,
- dass wir ein geistliches Urteilungsvermögen bekommen
- dass wir nach Gottes Willen suchen und streben
- dass wir bei Gott anklopfen, damit er uns zu einem gottwohlgefälligen Dienst und Leben führt.
Dies geschieht dadurch, dass wir vom Heiligen Geist erfüllt werden, der uns dies alles schenkt.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Wichtigkeit des Gebetes ist ein elementarer Bestandteil des Glaubenslebens.
Doch genauso entscheidend ist
- der Inhalt des Gebetes – es geht um Gottes Wille und um das, was in Gottes Augen das Gute ist.
- die Haltung des Gebetes – es sollte selbstverständlich sein, dass wir Gott um das Alltägliche bitten, um Leitung, Beurteilungsfähigkeit, Wegweisung
- der Glaube des Gebetes – dass Gott es mit mir gut meint und der Vater im Himmel mir das gibt, was in seinen Augen für mich am dringendsten ist.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Wo gehe ich hin, wenn ich Hilfe und Klarheit für Entscheidungen im Leben benötige?
Wie alltäglich ist mein Gebetsleben als Christ?
Was verstehen wir darunter, dass „Gott gut und gerne gibt“?
Warum rechnen wir nicht vielmehr mit Gottes Güte und Großzügigkeit, sondern unterstellen ihm ein schlechteres Verhalten als von Menschen?
Welche Hindernisse gibt es in meinem Leben, warum es mir schwerfällt die „goldene Regel der Nächstenliebe“ zu leben?
Hast du schon mal Danke gesagt, für all die „guten Sachen“?
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Das göttliche imperativ: die Suche nach Weisheit
- Die göttliche Zuneigung: Gott gibt das GUTE
- Das göttliche Grundprinzip: die Goldene Regel der Nächstenliebe
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Zitate:
Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir, Dank sei dir dafür. Martin Luther
Der Herr ist gut und teilt sich willig mit; sein Wesen ist ein Brunnen guter Gaben. Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, ob wir nicht was von ihm zu bitten haben. Wo ist ein Herr, der so mit Knechten tut? Der Herr ist gut. Johann Jakob Rambach
Gottes Gaben werfen Licht auf Gottes Herz, Gottes gutes und großmütiges Herz. Jede Gabe ist ein Beweis von Gottes Liebe, aber keine Gabe zeigt seine Liebe besser als die Gabe des Kreuzes.
Max Lucado
Wir wissen, dass Gottes Herz gut ist und dass er seinen Kindern gute Gaben geben möchte. Richard J. Foster
(Klaus Eberwein)