Predigtthema: Liebe konkret
Predigttext: Römer 12,14-18
Zur Gottesdiensteinleitung: Rö 12,1-2
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Kontext:
In den ersten elf Kapiteln des Römerbriefs hat Paulus das Evangelium dargelegt und gelehrt. Er lehrte die Rechtfertigung aus Gnade durch Glauben. Diese großartige Lehre bringt Paulus am Ende dazu, dass er Gott über die Maßen lobt und preist (Rö 11,33-36). Weil Gott sich so sehr erbarmt hat, ermahnt er nun zu einem Gott wohlgefälligen Leben in Rö 12-15,13. In diesem Teil geht es um die gelebte Lehre, um praktische und konkrete Anweisungen, wie ein Christ leben soll. Wem so viel Gnade widerfahren ist, der kann sein Leben nicht weiterführen, als wäre nichts passiert. Paulus ermahnt durch die Erbarmungen Gottes zu einem Leben, das sich Gott ganz als Opfer hingibt, weil das die angemessene Reaktion auf Gottes Erbarmungen ist. Zuerst kommt die Lehre der Gnade, danach ethische Anweisungen. Aus dem Evangelium entspringen Gehorsam und ein Gott wohlgefälliges Leben. Ethische Anweisungen alleine befähigen nicht dazu. Zuerst kommt die Veränderung des Herzens, danach die Veränderung des Tuns.
Der Aufbau des Römerbriefes sollte in unserem Textabschnitt besonders beachtet werden. Denn unser Text befindet sich in einem Abschnitt, in dem es ausschließlich Anweisungen gibt. In der Predigt muss dringend darauf geachtet werden, dass nicht an der Intension des gesamten Abschnitts vorbei gepredigt wird, welcher da ist, durch die Erbarmungen Gottes zu einem Gott wohlgefälligen Leben zu ermahnen.
So geht es in Rö 12,1-8 um das Verhalten innerhalb der Gemeinde. Paulus weist an, wie die Gemeinde mit den verschiedenen Gnadengaben umgehen soll. In Rö 12,9-21 macht Paulus konkrete Anweisungen, wie Gläubige miteinander und mit Ungläubigen umgehen sollen. Der Umgang ist dabei durch und durch von Liebe, Mitgefühl und Gnade geprägt. Anschließend fordert er jeden dazu auf, sich dem Staat unterzuordnen, weil jeder Staat von Gott eingesetzt ist (Rö 13,1-7). In Rö 13,8-10 fasst Paulus alle konkreten Ermahnungen in dem Gebot der Liebe zusammen.
Texte mit ähnlichen Anweisungen, gesammelt in einer Liste, sind 1Thes 5,12-22 und 1Petr 3,8-12.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Heiko Krimmer. Römerbrief – Edition C Bibelkommentar Bd. 10.
* Werner de Boor. Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT.
* Adolf Pohl. Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT – Ergänzungsreihe.
Predigttipps können unter Predigthilfe vom 16.1.2011 – Römer 12, 9-21 von Thomas Richter eingesehen werden.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V. 14 Paulus ist durchdrungen von der Liebe Jesu und von seiner Lehre. Denn Jesus lehrte in der Bergpredigt genau das gleiche, wie Paulus in V. 14. Jesus sagt in Mt 5,44 „Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen“ Warum sollte das getan werden? Die Antwort folgt sogleich „damit ihr Söhne eures Vater seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (vgl. auch Lk 6,27-35) Wir sollen also genauso sein, wie unser Vater im Himmel. Er selbst tut denen Gutes die Böses tun und böse sind. Wer selbst so von Gott behandelt und geliebt wurde, der wird dazu befähigt auch andere so zu behandeln und zu lieben (1Joh 4,11.19).
V. 15 Christen sollen Mitgefühl zu allen Menschen haben. Wir sollen unseren Mitmenschen gegenüber nicht gleichgültig sein und Anteil haben an ihrer Trauer.
Auf der einen Seite sollen wir uns allezeit in Jesus freuen (Phil 4,4). In Jesus haben wir persönlich einen festen Grund der tiefen Freude, auch wenn sich die Umstände zum Negativen verändern. Trotzdem gibt es für alles seine Zeit: „Für alles gibt es eine [bestimmte] Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel [gibt es] eine Zeit: Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen“ (Pred 3,1.4). Es ist lieblos, wenn wir uns nicht mit den Freuenden mitfreuen. Genauso lieblos ist es, wenn wir nicht mit den Weinenden mitweinen. Allerdings ist es leichter mit den Weinenden zu weinen, denn auf das Leid ist keiner neidisch. Schwieriger ist es, sich mit den Freuenden von Herzen zu freuen, denn im Herzen könnte Neid und Missgunst gegenüber dem sich Freuenden entstehen. Es ist auch schwierig sich mit jemanden zu freuen, wenn es einem selbst nach Weinen ist.
V. 16 „Seid gleichgesinnt gegeneinander“. Damit meint Paulus, dass Christen gleich denken sollen. Keiner soll auf Außergewöhnliches fokussiert sein, durch das er besonders aus den anderen Christen hervorsticht und sich so einen besonders angesehenen Platz in der Gemeinde verschafft. Christen sollen eine echte Einheit sein, indem alle auf niedrige Dinge oder Menschen achten. Hier könnte beides gemeint sein. Aber egal ob das Niedrige sich auf Menschen oder auf Dinge bezieht, die Bedeutung bleibt dieselbe. Christen sollen eine Einheit sein, indem sie ihre Gedanken auf das Niedrige richten und so nicht mehr von sich halten als sie sind (vgl. Rö 12,3). Wenn jeder auf das Niedrige bedacht ist, dann gibt es keine besonderen Menschen mit einer besonders hohen Stellung. Es gibt auch keine Niedrigen, die vernachlässigt werden, weil alle an die Niedrigen denken. Jesus selbst ist der König der gekommen ist um zu dienen (Mk 10,43-45).
V. 17 Ein Christ soll das Böse mit dem Guten überwinden (V. 21). Jedem einzelnen Menschen soll Böses nicht mit Bösem vergolten werden. Dieser Maßstab ist hoch, deshalb sollte die Kraft bei dem gesucht werden, der bereits Böses mit Gutem vergolten hat und der bereits das Böse mit dem Guten überwunden hat.
Christen sollen in erster Linie so leben, wie es Gott gefällt (Rö 12,1-2). Allerdings sollen Christen auch aktiv darauf bedacht sein, was vor den Menschen ehrbar ist. Nicht alle Menschen haben die gleiche Meinung davon, was ehrbar ist. Der Fokus liegt nicht darauf, allen Menschen gleichzeitig zu gefallen. Wenn ich allerdings in einem Umfeld lebe, in dem den Menschen bestimmte Sachen wichtig sind, dann sollte ich mich darum bemühen so zu leben, dass mein Verhalten ehrbar ist. So heißt es auch in 1Timo 3,7 über Älteste, dass sie ein gutes Zeugnis von Ungläubigen haben sollen. Christen sollen vor Gläubigen und Ungläubigen ein gutes Zeugnis haben und sich bemühen vor allen Menschen das Ehrbare zu tun. Wenn die Menschen sich allerdings gegen Gottes Gebote erheben und Gottes Gebote für unehrbar halten, dann sollen Christen immer das tun, was in Gottes Augen ehrbar ist (Apg 5,29).
V. 18 In diesem Vers geht es inhaltlich um das Jahresthema „suche Frieden und jage ihm nach“ (Ps 34,15). Jesus sagte: „Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.“ (Mt 5,9). Christen sind Kinder Gottes und somit auch Friedensstifter. Wir sollen die Feindschaft anderer Menschen nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv Frieden suchen. Wir sollen alles dafür tun, um mit unseren Mitmenschen in Frieden zu leben. Das geht sogar so weit, dass wir die segnen, die uns verfolgen (Rö 12,14). Natürlich kann ich nicht mit einer Person in Frieden leben, die mich verfolgt. Aber nur weil eine Person mir gegenüber böse gesinnt ist und keinen Frieden will, heißt das noch lange nicht, dass ich mich damit zufrieden gebe und gerne im Unfrieden lebe. Wir sollen uns im Herzen nach Frieden sehnen, auch wenn wir gerade keinen Frieden mit einer Person haben. Paulus weiß allerdings genau, dass es manchmal nicht möglich ist mit Menschen in Frieden zu leben. Die Ursache des Unfriedens sollte aber nie im Christen zu finden sein.
V. 19-21 Diese Verse gehören zu unserem Abschnitt dazu, weil sie V. 18 genauer erklären, also wie und warum wir in Frieden mit allen Menschen leben sollen.
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Der Text ist direkt an Christen gerichtet und somit auch direkt für uns anwendbar. In der Predigt ist darauf zu achten, dass durch die Erbarmungen Gottes zu einem Gott wohlgefälligen Leben ermahnt wird. Denn so tat Paulus es auch in seinem Brief. Der Abschnitt besteht zwar nur aus Anweisungen, diese Anweisungen sind aber die Folge der großen Gnade Gottes. Deshalb sollten deutliche Anweisungen gegeben und erläutert werden. Sie dürfen aber nicht von der Gnade Gottes gelöst werden.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Die Predigt ist zu Beginn des Jahres. Der Hörer hat bereits Predigten zum Thema Frieden gehört. Nun sollte er zu konkreten Handlungen und Denkweisen aufgefordert werden, so wie es auch der Text tut.
Der Prediger sollte sein eigenes Leben reflektieren und die Predigt zuerst auf sein eigenes Leben anwenden. Er selbst soll seine Feinde segnen, Anteil haben an Freud und Leid seiner Mitmenschen, Einmütigkeit anstreben, auf niedrige Menschen und Dinge fokussiert sein, sich selbst nicht für klug halten, nicht Böses mit Bösem vergelten, auf das achten, was vor allen Menschen ehrbar ist und alle mögliche dafür tun, mit allen Menschen in Frieden zu leben.
Wer diesen Maßstab zuerst an sich selbst legt und danach lebt, der predigt seelsorgerlich, mit Gnade und Verständnis. Denn dann hat man selbst erfahren, wie sehr man von Jesus abhängig ist, um diesen Maßstab ganz konkret zu leben. So treibt der Prediger seine Zuhörer zu dem großen Hirten Jesus, weil sie ihn brauchen, um so zu leben. Wer sich selbst nicht dem Text stellt, der steht in der Gefahr die Schafe mit dem Hirtenstab hart anzutreiben und zu quälen, statt sie zu Jesus zu treiben, damit sie Trost, Hilfe und Veränderung erfahren.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Die Predigt sollte alle Anweisungen genauso weitergeben, wie sie im Text stehen. Keine von ihnen darf abgeschwächt werden. Die Hörer könnten wiederholt gefragt werden, ob sie die einzelnen Anweisungen in letzter Zeit, in den verschiedensten Umfeldern, gelebt haben. Es sollte nicht nur bei Fragen bleiben, sondern auch zu konkreten Aufforderungen kommen.
Nachdem alle Anweisungen erfolgt sind, steht der Hörer vor einem unüberwindbaren Berg. Dieser Berg darf keinen Millimeter verschoben werden. Stattdessen sollte jeder Zuhörer von seinem jetzigen Standpunkt verschoben werden, hin zu Jesus. Denn Jesus ist derjenige, der all das hat und ist, was wir brauchen um diesen Berg zu überwinden. Wir sollen alles von dem erwarten, der alles hat und kann.
- Sagen, wo es hingeht
Siehe die Predigthilfe vom 16.1.2011 – Rö 12,9-11 von Thomas Richter.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte diese Predigt um konkrete Anweisungen zu geben, wie ein Christ leben soll. Dadurch soll ein Christ zu Jesus getrieben werden und somit auch die Anweisungen leben.
Denn wem Gnade widerfahren ist, der soll sein Leben Gott als wohlgefälliges Opfer hingeben und in Abhängigkeit von ihm leben. Das ist die einzig angemessene Reaktion darauf.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
In der Predigt führe ich konkret aus, was es bedeutet seinen Nächsten zu lieben und durch die Erbarmungen Gottes zu leben.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) (V. 14-15) Verhalten allen Menschen gegenüber
b) (V. 16) Verhalten innerhalb der Gemeinde
c) (V. 17-18) Verhalten allen Menschen gegenüber
(Rainer Rotärmel)