Matthäus

Predigthilfe vom 11. März 2018 – Matthäus 26, 47-68

Predigtthema: Gott ist gebunden  

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Unser Predigttext ist recht lang und in zwei klare Abschnitte unterteilt. Vers 47-56 handeln im oder am Garten Gethsemane. In Vers 59-68 sind wir im Haus des Hohepriesters Kaiphas. Die zentrale Linie, die sich durch diese Verse hindurch erkennen lässt, ist die Bereitschaft und Freiwilligkeit Jesu diesen Weg zu gehen. Er hat im Garten Gethsemane die letzte Bestätigung und Klarheit für diesen Weg erhalten und geht ihn jetzt mit allen Konsequenzen. So lässt sich Jesus verhaften ohne sich zu wehren. Er steht im Verhör, ohne sich gegen die falschen Anklagen zu verteidigen. Er verteidigt sich auch nicht, als er vom Hohenpriester zum Schwur genötigt wird, sondern gibt das klares Bekenntnis, dass er der Sohn Gottes ist. Auch gegen Demütigungen am Ende des Verhörs setzt sich Jesus nicht zur Wehr.

Diese Bereitschaft Jesu aus Liebe zu uns, wollen wir den Hörern vor Augen stellen.

Genauso wie die Herrlichkeit Jesu in diesen Versen aufleuchtet, erblicken wir auch den Abgrund der menschlichen Verlorenheit. Wir sehen hier auf sehr drastische Weise, was Joh 1,11 bedeutet: „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Die versammelte geistliche Leitung mit ihrer vermeintlich großen Kenntnis der Heiligen Schrift war so blind war für Gottes Handeln, weil sie ihre Herzen Jesus gegenüber verschlossen hatten. Sie waren nicht bereit umzukehren und zu glauben. Und auch Judas, einer der Jünger Jesu, stellt sich in diese Reihe und verrät seinen Herrn auf schändliche Weise.

Genau in diese Dunkelheit der Welt ist Jesus gekommen um Menschen zu retten und noch in tiefster Not betet er dann am Kreuz für die, die ihm so viel Böses tun: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Gerhard Maier: Matthäusevangelium  (Edition C Band 2)

* Fritz Rienecker: Das Evangelium des Matthäus (Wuppertaler Studienbibel)

* Gerhard Maier: Das Evangelium des Matthäus. Kapitel 15-28 (HTA)

* Douglas O’Donnell: Matthew. All Authority in Heaven an on Earth (Preaching the Word)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.47 -50

Die besondere Tiefe des Verrates besteht darin, dass Judas, der Jesus verraten hat, einer der 12 Jünger war. Nicht einmal in diesem engsten Kreis war Jesus sicher. Judas tritt Jesus entgegen und nennt ihn Rabbi, nicht Herr. Jesus erwidert diese distanzierte Anrede, indem er Judas mit Freund anredet. In den beiden anderen Stellen, in denen im Matthäusevangelium dieser Begriff als Anrede benutzt wird, kommt auch eine Distanz zum Ausdruck (Mt 20,13; 22,12). Die Frage Jesus hat einen deutlich vorwurfsvollen Ton.

Bei der Zusammenstellung der Schar, die Jesus verhaftet, sind sich die Ausleger nicht einig. Manche meinen besonders im Blick auf das Johannesevangelium, dass es sich um eine gemischte Truppe aus Römern und Juden gehandelt hat. Andere gehen davon aus, dass die Truppe, die ja von den Hohepriestern und Ältesten geschickt wurde, wohl die jüdische Tempelpolizei war.

V.51-54

Bei Matthäus, Markus und Lukas wird nicht erwähnt, dass es Petrus war, der zum Schwert griff. Erst bei Johannes finden wir die Namen Petrus und Malchus. Malchus wird „der“ Knecht des Hohenpriesters genannt, was wohl auf eine besondere Stellung schließen lässt. Jesus lehnt diese Art der Verteidigung in dieser Situation ab. In V.53 unterstreicht er, dass es Gottes Sache ist, seinen Sohn zu verteidigen. Das Vertrauen des Sohns in den Vater ist ungebrochen.

Jesus betont, dass er freiwillig und im Willen Gottes diesen Weg geht. Wieder zeigt Jesus, wie extrem wichtig es ihm ist, ganz im Willen seines Vaters unterwegs zu sein, der sich eben auch besonderes in den Verheißungen des Alten Testaments zeigt. Wir sehen hier auch das Ergebnis aus dem Gebet im Garten Gethsemane. Jesus geht seinen Weg in tiefem Vertrauen und tiefer Gewissheit über den Willen des Vaters.

V.55 -56

Die Frage, die Jesus an die Soldaten stellt, zeigt die ganze Widersprüchlichkeit dieser Verhaftung. Jesus hätte jederzeit im Tempel festgenommen werden können, aber offensichtlich fürchteten sich die Verantwortlichen vor einem Aufstand des Volkes. Der Trupp ist eigentlich angemessen um einem aufständischen Zeloten zu begegnen. Dabei hat Jesus nicht ansatzweise einen Aufstand inszeniert, sondern immer wieder das Gespräch gesucht, Menschen geheilt und seine Botschaft verkündet.

Sogar die Gegner Jesu haben ihre Rolle in Gottes Heilsplan. Obwohl sie sich gegen den Sohn Gottes auflehnen wollen, tragen sie doch ihren Teil dazu bei, Gottes Plan Wirklichkeit werden zu lassen. Immer wieder wird erklärt, dass alles, was auch in diesen schweren Stunden geschieht in Gottes Heilsplan und treu nach seiner Vorhersage geschieht. Gott ist der souveräne Herrscher, der alles in seiner Hand hält. Auch in der Aussage über die Jünger sollte Jesus Recht behalten und mit ihm die Botschaft im Alten Testament (Sach 13,7)

Jesus lässt es zu, dass Judas und die Soldatenschar ihren Auftrag ausführen. Sie nehmen Jesus unauffällig fest, ohne dass eine Unruhe im Volk entsteht.

V.57-58

Im Haus von Kaiphas ist schon alles auf die Ankunft Jesu vorbereitet. Die Verantwortlichen wollen das Problem „Jesus“ jetzt lösen und haben sich versammelt. Ob auch die Mitglieder des Rates, die Jesus positiv gesinnt waren, bei diesem Prozess anwesend waren, wird hier nicht erwähnt. Das Ziel des Verfahrens war von vorneherein klar. Jesus sollte aus dem Weg geräumt werden.

Petrus, bricht seine Flucht ab und geht mit einem anderen Jünger (vgl. Joh 18,15) zum Haus des Hohepriesters um zu sehen, wie es mit Jesus weitergehen sollte.

V.59 – 61

Matthäus berichtet uns nur über das Verhör vor Kaiphas. Nach Johannes (18,13) wurde Jesus vorher noch von Kaiphas Vorgänger und Schwiegervater Hannas verhört. Das Verhör vor Kaiphas dreht sich vor allem darum 2-3 Zeugen zu finden, die Jesus ein todeswürdiges Verbrechen vorwerfen können. Sie finden keine entsprechenden Zeugen und die letzten beiden Zeugen, über die ausführlicher gesprochen wird, sind falsche Zeugen, denn sie drehen Jesus das Wort im Mund herum (vgl. Mk 14,57ff). In Joh 2,19 lesen wir, was Jesus gesagt hat: „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.“ Und dabei meinte er noch nicht einmal den Tempel, sondern seinen eigenen Körper. Die Zeugen können also keinen echten Beleg vorbringen.

V.62-64

Die Reaktion von Kaiphas deutet ebenfalls darauf hin, dass er mit den Zeugenaussagen nicht zufrieden ist. Aber er scheint davon auszugehen, dass doch etwas an den Vorwürfen dran sein könnte, dass Jesus etwas Verwerfliches über den Tempel gesagt hat. Dies wäre eine sehr ernsthafte Anschuldigung. So konfrontiert er Jesus mit der Zeugenaussage und fordert von ihm eine Reaktion darauf. Aber er bekommt von Jesus keine Antwort. Jesus erduldet die falschen Anschuldigungen und versucht nicht etwas richtig zu stellen.

Dann kommt der Hohepriester zum entscheidenden Punkt und stellt ihm die Bekenntnisfrage. Er fordert Jesus auf unter Eid auszusagen, ob er der Messias, der Sohn Gottes ist? Damit stellt Kaiphas klar, dass Israel eben auf diesen Messias und Gottessohn wartet. Und außerdem geht er offensichtlich davon aus, dass Jesus sich selbst so bezeichnet hat.

Die Antwort von Jesus ist ein ganz klares Bekenntnis, das er noch mit Vers 64 ergänzt. Jesus gibt einen ganz komprimierten Blick in die Zukunft. Er betont noch einmal: Ich bin der, der im Alten Testament schon so lange verheißen ist. Ich bin der Menschensohn aus Dan 7,13. Ich bin der, den Gott zu seiner Rechten setzt (Ps 110,1). Ich bin der, der zum Gericht wiederkommen wird.

Jesus bekennt, dass er der Messias und Gottessohn ist, der Richter der Welt, der auf dem Thron mit dem Vater sitzt.

V.65-68

Die Reaktion des Hohepriesters ist sehr drastisch. Jetzt ist die Suche nach Zeugen definitiv zu Ende. Er und die anderen Mitglieder des Hohen Rates haben selbst gehört, wie Jesus, nach ihrer Meinung Gott gelästert hat. Das Problem war nicht, dass er sich als Messias bezeichnet hat. Das große Problem für sie ist, dass Jesus sich selbst als Gottes Sohn bezeichnet und damit göttliche Autorität in Anspruch nimmt (Joh 10,33.36). Das wiederholt Jesus in dieser Situation ganz klar und so ist für die Anwesenden das Urteil klar: Todesstrafe wegen Gotteslästerung.

Es wurde manchmal argumentiert, dass im Falle Jesu der Hohe Rat das Recht gebeugt hätte. Gerhard Maier legt sehr gut dar, dass der Vorwurf der Rechtsbeugung nicht so einfach zu begründen ist. (Vgl. Maier (HTA), S.583f) Sein Fazit: „Wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass der jüdische Prozess gegen Jesus gemäß der damaligen Rechtsordnung durchgeführt wurde.“

Die anschließende Misshandlung Jesu, die uns Matthäus in den letzten Versen berichtet, unterstreicht, wie sehr er verabscheut wurde. Jetzt nach dem eindeutigen Urteil lassen die Menschen ihrem Hass gegenüber Jesus freien Lauf.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Durch die Länge des Predigttextes können wir nicht auf jedes Detail eingehen. So ist es wichtig, wie bereits in 1.1 erwähnt, dass wir die große Linie, die sich durch unseren Bibeltext zieht, deutlich herausarbeiten. Auch in diesem Abschnitt wollen wir herausheben, wie Jesus die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt und wie er so sehr deutlich unterstreicht im Willen seines Vaters unterwegs zu sein.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Gerade die Passionszeit ist immer wieder eine wichtige Gelegenheit über die absolute Grundlage unseres Glaubens nachzudenken. Jesus Christus, der Sohn Gottes, starb für unsere Schuld. Auch wenn die Abschnitte der Bibel, die wir in diesen Tagen predigen vielen unserer Hörer sehr bekannt sein dürften, wollen wir wieder neu genau hören, was Gott uns in seinem Wort sagen möchte. Wir beten darum, dass Gott unseren Glauben auf eine feste Grundlage stellt, die uns auch durch die Herausforderungen unserer Zeit trägt. In dem Sinne wollen wir uns den Apostel Paulus zum Vorbild nehmen, der zu der Gemeinde in Korinth sagen konnte: „1.Kor 2,1 Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. 2 Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt.“

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Besonders im Blick auf den Prozess Jesu und die Grausamkeit oder den Hass, der hierin zum Vorschein kommt, stehen wir leicht in der Gefahr, das eigentliche Problem hinter dem Ganzen aus dem Fokus zu verlieren. Jesus geht diesen Weg um für unsere Schuld zu bezahlen. Unsere Schuld hat ihn in diese furchtbare Situation gebracht. Dieser Blick bewahrt uns davor hochmütig auf andere herabzuschauen und unseren eigenen Anteil zu vergessen. Und er macht uns zutiefst dankbar für den Leidensweg unseres Herrn, den er aus Liebe zu uns gegangen ist.

Jesus hat seinen Anspruch, der ewige Sohn Gottes zu sein, nicht versteckt. Er hat immer wieder sehr deutlich gemacht, dass ewige Rettung nur durch ihn möglich ist.  Wir wollen diesen Anspruch Jesu auch in unserer Zeit der Vielfalt immer wieder klar bezeugen.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen neu erfassen, was es für uns bedeutet, dass sich Jesus, der Sohn Gottes, freiwillig für uns gefangen nehmen und verurteilen ließ. Sie sollen erkennen, dass Jesus gerade deshalb verurteilt wurde, weil er den Anspruch erhob, der Sohn Gottes zu sein.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott ist gebunden.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Der Verrat (V.47-56)
  2. Das Verhör (V.57-61)
  3. Das Bekenntnis (V.62-64)
  4. Das Urteil (V.65-68)

(Tobias Schurr)