Monatsthema: Jesus stillt unsere Bedürfnisse (Texte zur Jahreslosung)
Predigtthema: Das Ende unserer Sehnsüchte: Warum wir uns auf den Himmel freuen
Predigttext: Offb.21,1-8
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Gerade beim Buch der Offenbarung ist es wichtig, sich einen groben Überblick über das gesamte Buch zu verschaffen. Das finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte. Als Kommentar ist empfehlenswert: Grünzweig, Fritz. Offenbarung des Johannes. Edition C.
Predigthilfe von Eckhard Löffler vom 2.11.2008: https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-2-11-2008-offenbarung-21-1-8/
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
V.1
Johannes sieht am Ende der Offenbarung zwei „neue“ Dinge: neuer Himmel, neue Erde.
Er lässt keine Zweifel daran, dass es sich hier nicht um eine Verbesserung des alten Himmels und der alten Erde handelt, sondern um eine Auswechslung des Alten, denn das Alte ist „vergangen“ (V.4).
Diese neue Welt kennt kein „Meer“ mehr. Das fehlende Meer kann einerseits ein Zeichen der neuen Welt sein – es gibt dort eben kein Wasser mehr in Form eines Meeres (sehr wohl aber eines Flusses). Andererseits kann das fehlende Meer aber auch eine Aussage darüber sein, dass jetzt in der neuen Welt das Böse nicht mehr da ist, denn in der Offenbarung war das „Meer“ der Ort, aus dem das Böse herauskam (Offb.13,1). Das würde unterstreichen, was eigentlich seit Kap.20,10-15 schon klar ist: Die neue Welt ist bzgl. dem Bösen im Unterschied zu allem Bisherigen „keimfrei“.
V.2
Johannes sieht nach den neuen Rahmenbedingungen („neuer Himmel und neue Erde“) dann in einem zweiten Blick die neuen Inhalte: die optimale Wohnstätte für die Ewigkeit, das neue „Jerusalem“, die neue Stadt (ein neues Miteinander). Der Name Jerusalem ist Programm und steht für den Ort der Gemeinschaft mit Gott. Dieser neue Wohnort wird absolut erstrebenswert beschrieben: wie eine „Braut“ für den Bräutigam. Die „Statik“ (hier im Sinne von Herkunft) der Stadt ist bemerkenswert: sie wächst nicht wie Babel von unten nach oben (weil menschengemacht), sondern von oben nach unten (weil gottgemacht). Sie kommt herab „von Gott“, wo es sie schon immer gab (vgl. Gal.4,26; Hebr.12,22). Die Stadt ist fertig vor-„bereitet“ (vgl. Joh.14,2ff „Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“).
V.3
Hier wird gezeigt, was in dieser optimalen Wohnstätte sein wird: Gegenwart und Wohnort Gottes. Das Zusammenleben mit Gott erinnert an die Gegenwart Gottes beim Volk Israel im Bundeszelt (vgl. 2,Mose 33,7ff), an das 1.Kommen Jesus auf diese Welt (vgl. Joh.1,14; 1.Joh.1,2), an das Innewohnen des Heiligen Geistes im Gläubigen (vgl. 1.Kor.6,19). Neu ist nun allerdings, dass dieses Wohnen ungetrübt von Sünde erfahrbar ist. Hier schließt sich ein Kreis und: vor dem Sündenfall war ein ähnliches Beisammensein, das aber hier noch unmittelbarer erscheint.
V.4
Hier wird gesagt, was in dieser ewigen Wohnstätte nicht mehr sein wird: der Tod (der Sünde Sold) und seine Folgen: Tränen, Leid, Geschrei, Schmerz. Der Grund der Fehlanzeige wird genannt: „Denn das Erste ist vergangen“. Die Heilsgeschichte ist jetzt definitiv in einer neuen Phase. Alle Folgen des Sündenfalls sind getilgt. In gewisser Weise hat ein „Reset“ stattgefunden. Ein definierter Grundzustand ist (wieder) da.
V.5
„Siehe (d.h. Achtung! Aufgepasst!). Ich mache alles neu!“ Das ist der erste Satz im Buch der Offenbarung, den „der auf dem Thron“ (Gott) selber spricht – und wenn Gott spricht, dann geschieht es (vgl. 1.Mose 1). Nicht der Mensch schafft die neue Welt, sondern Gott (z.B 2.Kor.5,17 eine neue Kreatur in Christus). Gott gibt es uns Menschen, die zeitlich vor der Vollendung leben die klare Zusicherung für das Neue. Er gibt es uns schriftlich: „Schreibe!“. Gott bürgt mit seinem persönlichen Wort für diese Wahrheit des kommenden Neuen.
V.6-8
„Es ist geschehen!“ Weil Gott (ver-)spricht, ist das für uns Zukünftige ist so gut wie geschehen und kann auch so formuliert werden, wie wenn es schon geschehen ist. Verlässlicheres als das Wort Gottes gibt es nicht. Was Gott begonnen hat, wird er vollenden.
Die Verse 6-8 klingen wie eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte der Offenbarung (Kapitel 1-20):
- Gott stellt sich vor (A und O) (V.6) (vgl. Offb. 1 Jesus stellt sich als A und O vor)
- Gott sagt einladend und werbend, was er will (lebendiges Wasser geben, umsonst) (V.6) (vgl. auch Joh.4 und Joh.7,37 Jesus gibt das Wasser zum (ewigen) Leben)
- Gott sagt, wem diese herrlichen Aussichten gelten: dem, der an Jesus glaubt und auch in schweren Zeiten am Glauben festhält (V.7) (vgl. Joh. 15 wer in Jesus bleibt, in seinem Wort bleibt) (vgl. Offb. 1,9; 12,17 und 13,12; 20,4 die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu)
- Gott sagt, wem diese herrlichen Aussagen nicht gelten: denen, die das Wasser des Lebens von Gott (also Jesus) ablehnen (V.8)
„Feige“, die leidensscheu zurückweichen.
„Ungläubige“, die Jesus das Vertrauen gekündigt haben.
„Frevler“, die Gott nicht die Ehre geben.
„Totschläger“, die über Leichen gehen für ihre eigenen Ziele.
„Unzüchtige“, die alles für die Lust des Augenblicks hergeben.
„Zauberer“, die alle Kräfte anzapfen um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
„Götzendiener“, die ihre Liebe anderen Götzen geben und nicht Gott.
„Lügner“, die den Feind Gottes verinnerlicht haben.
Sie erleben nach der Auferstehung zum Gericht den „Zweiten Tod“ – es geht um Endgültigkeit.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Es handelt sich bei unserem Text um einen Text aus der Offenbarung. Das heißt, wir stehen vor den besonderen Herausforderungen der apokalyptischen Textgattung. Was ist Bild, was ist nicht Bild? Wie ist die Chronologie? Usw. (vgl. „Effektives Bibelstudium“ S. 279ff oder Studienbibeln in den einleitenden Erklärungen)
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text ist beinhaltet die Jahreslosung, d.h. der Text wird am Anfang des Jahres gepredigt. Viele Zuhörer schauen vermutlich gespannt auf das neue Jahr und fragen sich, was es bringen wird. Manche halten in diesen Tagen des Jahreswechsels Rückschau, erleben und gestalten die Tage des Jahresanfangs als eine Art Zäsur. Diese besondere Zeit gibt der Predigt dieses Textes nochmals mehr Relevanz und unterstreicht: Wir wollen am Anfang des Jahres (wie eigentlich ständig) vom Ende her denken. Wir schauen uns das Schlussbild an, auf das alles hinausläuft und richten unser Leben danach aus.
Beim Auslegen der Jahreslosung 2018 (Offb. 21,6b) besteht möglicherweise die „Gefahr“, dass man den Text ohne den Kontext betrachtet. Diese Reduzierung hätte erklärbare Gründe: Zum einen ist das Bild vom Wasser, der Quelle,… usw sehr ergiebig (Joh.4, Joh.7,…), denn die Aussage des Verses an sich ist schon stark. Zum anderen müsste man sich aber die Mühe machen, sich in die Offenbarung einzulesen, um den Vers in seinem Kontext (Offb. 21 bzw die ganze Offenbarung) zu verstehen – und das ist mit Schweiß und Arbeit verbunden und wird womöglich gemieden. Lasst uns die Herausforderung annehmen: Warum steht die Jahreslosung gerade da, in diesem Kontext? Ich möchte dazu ermutigen, sich gründlich mit dem Kontext zu befassen, um dann nochmal mehr zu staunen und beschreiben zu können, wie gut es Gott mit uns Menschen meint, wenn er uns dieses Angebot auf dem Weg durch diese Welt macht (Wasser für Durstige!) und diesen Ausblick auf das Ende des Weges schenkt (Leben an der Quelle!).
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte diese Predigt…
… um die Zuhörer am Anfang des Jahres mit dem Ausblick auf den Himmel zu erfreuen und im Glauben an Jesus zu stärken, so dass sie (trotz allen möglichen Schwierigkeiten) auf dem Weg mit Jesus bleiben wollen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Das Ende unserer Sehnsüchte: Warum wir uns (am Anfang des Jahres) auf den Himmel freuen
Vorschlag für die Schriftlesung: Offb 21,1-8
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
„Das Ende unserer Sehnsüchte: Warum wir uns auf den Himmel freuen“
- Daheim sein – Weil Gott eine neue Wohnung bei sich gibt (V.1-4)
- Sicher sein – Weil Gott diese neue Wohnung persönlich verspricht (V.5)
- Dabei sein – Weil es jetzt schon klar ist, wer diese Wohnung bekommt (V.6-8)
- Klug sein – am Anfang des Jahres vom Ende (unserer Sehnsüchte) her denken
„Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause – WBB“
- W – Das wunderbarer Wohnungsangebot (V.1-4)
- B – Die Bestätigung von höchster Stelle (V.5)
- B – Die allgemeinen Bewerbungskriterien (V.6-8)
(Ähnlichkeiten mit bekannten Abkürzungen sind rein zufällig)
„Das Schlussbild der göttlichen Heilsgeschichte“ (angelehnt an Fritz Grünzweig)
- WAS auf diesem Schlussbild ist und WAS nicht (V.1-6a)
1.1. Was auf dem Schlussbild ist
Ein neuer Rahmen (V.1) Ein neuer Himmel, eine neue Erde
Eine neue Stadt (V.2+3) Ein neues Jerusalem
1.2. Was auf diesem Schlussbild nicht mehr ist
Der alte Rahmen: Alter Himmel und alte Erde (V.1)
Das alte Problem: Tränen (V.3), Tod, Leid, Geschrei, Schmerz (V.4)
1.3. Der Grund der großen Veränderung (V.4)
„Das Erste ist vergangen“
1.4. Ganze Neuschaffung (V.5-6a)
Gott, der Schöpfer und Vollender
- WER auf diesem Schlussbild ist und WER nicht (V.6b-8)
2.1 Wer sich auf dem Bild befindet (V.6b-7)
Wer sich beschenken lässt (V.6b)
Wer überwindet (V.7)
2.2 Wer sich nicht auf dem Bild befindet (V.8)
Eine Liste von Menschen (V.8a)
Die Konsequenz für diese Menschen (V.8b)
- WAS sagt UNS dieses Schlussbild AM ANFANG EINES NEUEN JAHRES?
(Anwendungen kurz wiederholen / auflisten)
Prioritäten setzen: am Anfang des Jahres vom Ende her denken
Entscheidendes klären: wer ist Jesus für mich
Tränen akzeptieren: wir sind noch auf dem Weg
An der Quelle bleiben: bei Jesus
Sich von Jesus beschenken lassen
(weitere Anwendungen)
„Das neue Jerusalem“ (auch als Bibelarbeit verwendbar, nach M. Neumann)
- Woher kommt diese Stadt?
1.1 von Gott, aus dem Himmel – eine neue Schöpfung (Offb. 21,1-2.5; Hebr. 11,10; Gal.4,26)
1.2 von Jesus Christus für die Seinen bereitet (Joh.14,2ff)
- In welcher Beziehung steht die Stadt zu Gott?
2.1 Sein Wohnort (Offb. 21,3; 22,3; „Thron“), seine Braut (21,2.9), sein Eigentum (Hebr.12,22)
2.2 Er ist ihr Tempel (Offb. 22,1) und ihre Lichtquelle (Offb.21,23; 22,5)
- Wer hat Zutritt zu dieser Stadt?
3.1 Wer teilhat an der Ersten Auferstehung (Offb. 20,6; Joh.5,24-29; 1.Kor.15,23)
3.2 Wer geschrieben steht im Buch des Lebens des Lammes (Offb. 21,27 vgl. 20,11-15)
3.3 Wer überwindet (Offb.21,7 vgl. Röm.8,37-39; 1.Joh.5,4)
3.4 Wer seine Kleider gewaschen hat ((Offb. 22,14; 1,5; 7,14; Joh.13,10; 1.Kor.6,11; Tit.3,5)
3.5 Wer dort durch Auferstehung bzw. Entrückung hingelangt (Joh.14,2ff; 1.Thess. 4,17)
3.6 Das gläubige Israel (Offb. 21,12; Hebr. 11,10) ; Gemeinde (Offb.21,14); Engel (Hebr. 12,22)
- Wie ist die Stadt angelegt?
4.1 heilig (Offb. 21,2.10); herrlich (Offb. 21,11); prächtig (21,18-21)
4.2 quadratisch (Offb. 21,15ff); geschützt (21,12.17); zugänglich (21,13; 25f); ökologisch (22,1f)
- Wie wird das Leben in dieser Stadt / in der Ewigkeit sein?
5.1 Ein Leben der Gemeinschaft mit dem Herrn (Joh.17,24; 1.Joh.3,2; Offb. 21,3; 22,4)
5.2 Ein Leben des Dienstes (Offb. 22,3), der Anbetung (Offb.19,1), Ruhe (14,13), Freude (21,4)
5.3 Ein vollendetes Leben (Offb. 21,6), heiliges Leben (21,27)
- Was ist der Zweck der Kapitel 21 und 22? Zu zeigen…
6.1 Gott berietet uns eine ewige, herrliche Zukunft mit ihm (Offb. 21,3ff; 22,3-5)
6.2 Gott verbürgt sich – sein prophetisches Wort ist absolut zuverlässig (Offb. 21,5)
6.3 Gott steht souverän am Anfang und am Ende aller Schöpfung (Offb. 21,6; 22,13)
6.4 Gott will, dass wir seinen Plan kennen(lernen) und bereit sind (Offb. 22,6ff. 10)
6.5 Gott ist anzubeten (Offb. 22,8-9) und sein Sohn ist aktiv zu erwarten (Offb. 22,17.20)
3.4 Veranschaulichungen
Wenn wir ein spannendes Buch lesen, dann sind wir geneigt dazu, auf die letzten Seiten zu blättern. Dort sehen wir, worauf alles hinausläuft. Manche wollen sich den Spannungsbogen erhalten und verkneifen sich das, andere müssen wissen, wie es ausgeht, um durchzuhalten. Die letzten Seiten der Bibel zeigen uns, auf was alles hinausläuft. Willst du es nicht auch wissen?
Schnorr von Carlosfeld hat diese Szene in Offb. 21,1-8 eindrucksvoll gemalt („Johannes erblickt das neue Jerusalem“; so kann man das Bild im Internet suchen). Das Bild kann eine Hilfe sein, sich die Situation vorzustellen. Klar ist, dass das Bild eine Interpretation des Textes ist. Aber zum Erfassen der Elemente des Textes kann es hilfreich sein, sich das Bild genau anzuschauen und auf sich wirken zu lassen. Beinahe automatisch kommt man zur Frage: Was ist wohl im Text bildlich gemeint und was nicht? Wie muss man sich das Geschilderte vorstellen? Um was geht’s?
Unser Text gehört zum „veranlassenden Schluss“ und der „seelsorgerlichen Zuspitzung“ der Offenbarung: Wer überwindet, der wird das alles ererben. Egal, wie viel wir von der Offenbarung verstehen – eines ist spätestens am Ende jedem Leser klar: Jesus ist Herr! Jesus ist das Zentrum! Um Jesus dreht sich alles! Deshalb: Bei dir Jesu will ich bleiben…. und: Maranatha (Unser Herr, komm!).
(Günther Ott)