Predigtthema: Persönliche Reformation: Treue Nachfolge (Hiskia)
Predigttext: 2.Kön.18,1-12
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.
Gerade bei alttestamentlichen Texten ist es wichtig, sich einen groben Überblick über die Geschichte Israels zu verschaffen. Dies findet man z.B. in einigen Studienbibeln (z.B. Genfer Studienbibel) als Einleitung zu den jeweiligen Bibelbüchern. Auch ist es hilfreich, sich die geographische Situation mit einem Bibelatlas vor Augen zu führen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Bräumer, Hansjörg. Das zweite Buch der Chronik. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag. 2002.
Anmerkungen:
Berichte über König Hiskia finden sich in 2.Kön.12, in 2.Chr.29 und Jes. 38 + 39.
Hiskia zeichnet sich in den Berichten überwiegend durch Treue, Kontinuität und Vertrauen aus.
Er ist einer der wenigen Könige, die gut anfingen, gut regierten und gut endeten.
Es ist gewinnbringend, sich mit ihm ausführlich zu beschäftigen.
V.1-3: Eckdaten zu einem neuen König (V.1-3)
Zeitliche historische Einordnung (V1), Regierungsdauer (V2), Herkunft (V2), geistliche Grundausrichtung (V3)
V.2
„Regierte 29 Jahre“. Aufteilung der Regierungsjahre: 14 Jahre Koregentschaft mit seinem Vater Ahas. 18 Jahre Alleinherrschaft, 11 Jahre Koregentschaft mit seinem Sohn Manasse. Es ist erstaunlich, wie wenig Ahas letztlich seinen Sohn geistlich negativ geprägt hat. Ebenso erstaunlich ist, wie wenig Hiskia letztlich seinen Sohn Manasse geistlich positiv prägen konnte.
V.4
Hiskia zeichnet sich durch eine klare und mutige „Innenpolitik“ aus (V.4). Die reformatorischen Maßnahmen, die in 2.Kön. 18,4 in einem Vers stehen, werden durch den Bericht in 2.Chr.29 ergänzt (Reinigung und Weihung des Tempels, Reorganisation des Tempeldienstes, Feier des Passahfestes). Hiskia entfernt nicht nur das religiöse Unkraut, er stärkte auch das Gute, Gottgewollte. Abreißen (das Schlechte) und Aufrichten (das Gute) gehört zusammen.
Hiskia „Entfernte die Höhen“ auf denen Jahwe geopfert wurde. Er machte damit ernst mit dem Wort des Herrn, dass Jahwe in Jerusalem angebetet werden will (5.Mose 12). Hiskia erweist damit Treue gegenüber dem klar geäußerten Willen Gottes und betet Gott so an, wie Gott es will. Im Gegensatz dazu steht eine Anbetung nach dem Motto „jeder (betet an) wie ihm recht dünkt“ (5.Mose 12,1-8).
Hiskia „Zerschlug die eherne Schlange“. Sie war inzwischen zu einer religiösen Reliquie geworden, einem Fetisch, der früher einmal die Menschen auf Jahwe ausrichtete (4.Mose 21), inzwischen aber das Gegenteil bewirkte und von Jahwe ablenkte. Auch hierin zeigt sich Hiskias Treue zu Gott und seinem Wort (und dass er Gottes Wesen kennt), so dass er dieser Sache ein Ende bereitet. Das, was früher in einer bestimmten Situation auf die Anweisung Gottes hin zur Rettung führte (4.Mose 21), kann auch zum Fallstrick werden. Der Rettungsweg kann zur Religion werden, wenn die persönliche Beziehung zum Retter (Glauben) fehlt und Äußerlichkeiten entscheidend werden (Formen, Rituale, Routinen,…)
V.5+6
Das Geheimnis des Erfolgs: Hiskia „Vertraute dem Herrn, dem Gott Israels“. Das war das Markenzeichen Hiskias und hob ihn von anderen Königen ab. Vermutlich fürchtete er deshalb auch nicht die Befindlichkeiten mancher Israeliten (Abschaffung der bequemen Höhenanbetung, Abschaffung von attraktiven Götzen, Abschaffung von liebgewordenen aber entarteten Traditionen…) und er erklärt der Weltmacht Assyrien den Krieg (V7). Hiskia „hing dem Herrn an“, „wich nicht von ihm“. Hier klingt eine starke Beziehung an, die sich im Halten der Gebote äußert: „hielt Gebote“. Das bedeutete nicht, dass Hiskia perfekt oder gar sündlos war. Auch bei ihm gab es Entscheidungen, die deutlich machen, dass auch er Vertrauen immer neu lernen musste, und dabei nicht alles richtig machte (vgl. 2.Kön.18,14). Letztlich suchte Hiskia in der (selbstverschuldeten?) Not aber immer wieder den Herrn, beugte sich, hörte auf Gottes Propheten und blieb so Gott treu.
V.7a
Die Kraft des Erfolgs lag nicht in Hiskias Fähigkeiten, sondern es ist klar: „Der Herr war mit ihm“.
(vgl. Joh.15 Jesus sagt: ohne mich könnt ihr nichts tun; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht)
V.7b-8
Hiskia sieht den günstigen Zeitpunkt zu einer Unabhängigkeitserklärung gekommen, als es in Assyrien zum Thronwechsel kam. Hiskia tat, was sein Vater nicht wagte: Er „wurde abtrünnig“, d.h er bezahlte keine Gelder mehr, wie sein Vater Ahas es noch tat. Wohlwissend bzgl. einer möglichen Reaktion Assyriens bereitet er die Verteidigung vor (2.Chr.32).
V.9-12
Nach der „Logik des Segens“ im Südreich bei Hiskia (V.4-8) jetzt die „Logik des Fluchs / Gerichts“ im Nordreich (V.9-12). Während Juda unter Hiskia ein Beispiel des Segens ist, den Gott gibt, wenn ihm gehorcht wird, ist das Nordreich Israel ein Beispiel dessen, was es bedeutet, den Herrn zu verlassen. Es erlebt den Fluch / Gericht (V.9-11). Die Begründung wird wiederholend gesagt: sie haben „nicht gehorcht“ (V.12). Hier wird ein Kontrast gezeigt: Einerseits: Was für ein Ansporn, den Herrn zu suchen und in seinem Willen zu leben – und andererseits: Was für eine Warnung davor, den Herrn zu verlassen.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Es handelt sich bei unserem Text um eine alttestamentliche Geschichte des Volkes Israel (bzw. Juda). Dabei ist es wichtig, zuerst einmal die Geschichte in ihrer Zeit zu verstehen, ohne sofort zur Anwendung heute zu springen. So ist ein alttestamentlicher König eben nicht gleichzusetzen mit z.B. einem Gemeindeleiter in Deutschland. Geistliche Prinzipien, die wir im Text entdecken sollten daher immer am Neuen Testament geprüft werden.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text ist nicht in einen fortlaufenden Predigttext eingebettet, sondern als Thema herausgegriffen. Dies stellt uns als Prediger vor die Herausforderung, zum besseren Verständnis des Textes zumindest einen sehr groben geschichtlichen Abriss geben zu müssen. Gleichzeitig soll die Predigt keine Unterrichtsstunde in Geschichte Israels werden.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte diese Predigt…
… um die Gemeindeglieder zu ermutigen, erkannte nötige Reformen – egal in welchem Lebensbereich – treu gegenüber dem Willen Gottes und mit der Bitte um Gottes Kraft anzugehen und durchzuführen, im Kleinen und im Großen… und bin mir dabei bewusst, dass Treue immer etwas Kompromissloses, Radikales,… an sich hat.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
„Persönliche Reformation: Treue Nachfolge“
Vorschlag für die Schriftlesung: 2.Kön.18,1-12
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
treu nachfolgen…
a) …trotz schwierigen äußeren Startbedingungen (V.1-3)
- Hiskias Vater Ahas war ein ungläubiger König. 14 Jahr Ko-Regentschaft könnten / müssten (?) sich negativ auswirken. Es ist ein Wunder, dass Hiskia den Weg mit dem Herrn geht. (vgl. Noah: 1.Mose 6,8 fand Gnade vor Gott)
- NT: Eph. 1,4; Eph. 2,8-9 Gnade, nicht aus euch, nicht aus Werken
b) …mit ganzem Herzen (V.5-6)
- Hiskias Herz war ungeteilt beim Herrn, „hing an“, „wich nicht“, „hielt seine Gebote“. Das Geheimnis des Erfolgs.
- NT: Mt.6,33 trachtet zuerst; Mt.16,24 sein Kreuz auf sich nehmen und nachfolgen; Joh.14,21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt; Mk.10,21 Eins fehlt dir…
c) …mit Gottes Hilfe (V.7a)
- Hiskias Kraft kommt vom Herrn. (Vgl. Spr.16,3; Ps.37,5). Das Geheimnis der Kraft liegt nicht in Hiskia selbst.
- NT: Joh.15 bringt viel Frucht; Mt.28, 18-20 mir ist gegeben alle Macht – gehet hin – ich bin bei euch…
d) … im „Kleinen“, Nationalen (V.4)
- Hiskia entfernt offensichtlich Falsches (Anbetung von “Astarte“), zerschlägt Irreführendes (Anbetung der Schlangenreliquie), korrigiert Halbherziges (Anbetung Jahwes „light“ auf den Höhen). Mit seinen Mitteln setzt er treu das um, was er tun kann.
- NT: Joh.4: Anbetung, wie Gott sie haben will („im Geist und in der Wahrheit anbeten“); Lk.16,10; Lk.19,17 Wer im Geringsten treu ist, wird über Großes gesetzt…
e) … im „Großen“, Internationalen (V7b-8)
- Hiskia lebt seinen Glauben auf allen Gebieten und Ebenen seiner Politik: in der Innenpolitik und in der Außenpolitik. Er macht Ernst mit der Tatsache, dass es nur einen Gott und König über Israel gibt. (vgl. aber auch sein kurzzeitiges „Einknicken“ in 2.Kön.18,14). Trotz hält er daran fest und lässt es praktisch werden: Gott ist König allein (2.Kön.19,15)
- NT: Apg. 5,29 man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen; Apg. 4,13 sie wunderten sich – ungelehrte, einfache Leute…
f) … und was wäre die Alternative zur treuen Nachfolge? – ein „Fall-Beispiel“! (V.9-12)
- Was Hiskia im Südreich tut, wirkt beim Lesen so klar und selbstverständlich. Aber das Nordreich zeigt, dass es zum Lebensstil Hiskias auch für ihn immer eine Alternative gegeben hätte, die Hiskia aber nicht gewählt hat. Die Folgen für einen alternativen Weg (ohne Gott) sind verheerend. (vgl. auch Ps.1); Jos. 24,15 „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“
- NT: Offb.2-3 Die Sendschreiben sind Zwischenergebnisse und rufen zur Umkehr. 1.Kor. 3,13 ein jeder sehe, wie er darauf baut; Mt.7,24-29 und sein Fall war groß.
treu nachfolgen
- Trotz schwierigen Startbedingungen (V.1-3)
- Durch konsequentes Leben im „Kleinen“ (V.4)
- Durch konsequentes Leben im „Großen“ (V.7b-8)
- Das offene Geheimnis des Erfolgs (V.5-7a)
- Das offene Geheimnis des Misserfolges (V.9-12)
treu nachfolgen
- Ohne Klagen (über schwierige Familienhintergründe, … den allgemeinen Weltschmerz…)
- Ohne Kompromisse (den Willen Gottes kennen und in seinem Einflussbereich konsequent tun)
- Ohne Furcht (vor den eigenen Leuten, vor dem Rest der Welt)
- Woher kommt das? (V.5-7a) (soli deo gloria)
(Günther Ott)