Monatsthema: Jesus – Erzählungen
Predigtthema: Zuerst Neu werden, dann das Neue tun
Predigttext: Markus 2,18-22
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Markus 2,18-22) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
(Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Gerhard Maier (Edition C Bibelkommentar NT Bd.3)
und von Adolf Pohl (Wuppertaler Studienbibel NT Bd.2).
1.2 Hinweise zum Verständnis des Predigttextes
Bitte auch die Parallelstellen aus Matthäus 9,14-17 und Lukas 5, 33-39 beachten.
Sie erhalten wertvolle Ergänzungen zu unserem Textabschnitt.
Neu: Unser Herr macht alles komplett NEU (Offenbarung 21,5).
Das wird an vielen Stellen deutlich in seinem Wort. Jesus will nicht lediglich runderneuern, er möchte nicht nur die Oberfläche verändern.
Einige Beispiele dafür:
2 Korinther 5,17: In Jesus sind wir eine neue Schöpfung (das Alte ist vergangen).
Kolosser 3,5-11: Gottes Wort gebraucht hier das Bild der alten und neuen Kleidung. Wir sollen uns mehr und mehr von Jesus verändern lassen. Das neue Leben in Jesus soll sichtbar werden in und an uns.
2 Petrus 3,13: Unser Herr wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Eine neue Welt, in der er selbst in seiner Gerechtigkeit regieren wird.
Pharisäer (V.18): Sie wollten Jesus immer wieder Fallen stellen. Die Mehrheit von ihnen hatte nur ein Ziel: Jesus sollte von der Bildfläche verschwinden (3,6).
Jedes Mittel war ihnen recht, ungewöhnliche Bündnisse gehörten auch dazu (2,18;3,6).
Fasten (V.18-20): Zur Zeit Jesu war das Fasten zu einem Ritual verkommen. Die Pharisäer machten eine fromme Pflicht daraus. Fasten war zweimal in der Woche bei ihnen vorgeschrieben (Lk 18,12.13).
Das Gesetz Gottes verlangte dagegen nur ein einmaliges Fasten im Jahr: Am großen Versöhnungstag (3 Mose 16,29.31).
Fasten in der Gemeindezeit: Das Fasten hat auch heute noch seine Berechtigung. Es geht aber um die Art und Weise des Fastens. Jesus ist die richtige Herzenshaltung dabei wichtig. Das Leistungsdenken der Pharisäer und ihre „fromme“ Zurschaustellung verurteilte er scharf (Mt 6,16.18).
Die ersten Gemeinden fasteten zum Beispiel, um Klarheit und Wegweisung vor wichtigen Entscheidungen zu bekommen (Apg 13,2-4;14,23).
Freudenfest (V.19): Wir haben es bereits bei Levi festgestellt. Wo Jesus in das Leben kommt, da beginnt ein Freudenfest (2,15).
Jesus vergleicht seine Gegenwart deshalb mit einer Hochzeitsfeier. Eine Hochzeit stand damals für überschwängliche Freude und ungetrübte Gemeinschaft.
Feinde versöhnten sich miteinander und Schriftgelehrte unterbrachen sogar ihr Thorastudium für diesen Anlass.
Fasten, das oft mit Trauer verbunden war, war dadurch fehl am Platz.
Jesus, als „Bräutigam“, war mitten unter dem Volk. Die Freudenbotschaft der Schuldvergebung war in ihm zu Greifen nah.
V.20: Das Fasten (im Sinne der Trauer) sollte wieder seine Berechtigung bekommen, wenn der Messias von ihnen genommen wird (Kreuzigung).
Keine Vermischung zwischen Alt und Neu (V.21.22):
Die Lehre der damaligen geistlichen Elite (Leistungsprinzip, selbst auferlegte Lasten) war nicht mit der befreienden Botschaft Jesu (Rettung allein aus Gnade) vereinbar.
Beides passte nicht zusammen, denn das Angebot des Herrn Jesus ist etwas ganz Neues!
Ein „frommes“ Regelwerk und das Angebot Jesu sind also nicht kompatibel miteinander.
Jesus verdeutlicht das anhand von zwei Bildern:
Flicken (V.21): Hier wird ein Bild aus dem Alltag der Frauen zur Zeit Jesu genannt.
Damals wurde Kleidung sehr lange getragen. Entstanden Risse und Löcher, wurden diese geflickt.
Der Stoff des aufgesetzten Flicken sollte nicht frisch vom Webstuhl kommen, da er sich bei Nässe stark zusammenzog und dadurch wieder ausriss.
Idealerweise wurde Material von einem bereits getragenen Tuch verwendet, das zum restlichen Stoff passte.
Wein (V.22):
Man füllte damals grundsätzlich keinen Wein in alte und gebrauchte Schläuche.
Die Schläuche wurden aus Ziegenfell samt Innenhaut angefertigt (der Bock wurde gehäutet und ein wasserfester Schlauch daraus gefertigt).
Wenn neuer Wein in diese alten Ziegenfelle gefüllt wurde, dehnte er sich über die Kapazitäten des Schlauches hinaus aus.
Neuer Wein ist dynamisch, da steckt eine Kraft dahinter.
Er arbeitet und beansprucht sehr stark das Material. Alte und poröse Schläuche sind dadurch einfach geplatzt.
Die Botschaft Jesu zieht also eine totale Veränderung nach sich.
Wer das Neue haben will, der muss bereit sein das Alte (alles was von Jesus trennt) loszulassen.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir beschäftigen uns diesen Sommer über mit ausgewählten Jesus-Erzählungen (Monate Juni- September): Unser Herr möchte uns in seiner grenzenlosen Macht neu groß werden.
Beim Hörer kann dabei eine Gefahr auftreten.
Man ertappt sich bei dem Gedanken: „Die Geschichten kenne ich schon seit meiner Jungscharzeit“ und schaltet vorzeitig ab.
Deshalb sollten wir bereits in der Vorbereitung intensiv beten, dass Gott durch seinen Geist neu in den Einzelnen wirkt.
Geschwister sich neu ansprechen lassen und Weisung für ihr Leben erfahren.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
In unserer derzeitigen Predigtreihe, dreht sich alles um die ersten vier Kapitel des Markusevangeliums.
Diese nehmen uns mitten hinein in den Dienst und Auftrag Jesu (Mk 1,38).
Jesus verkündigte, von Anfang an, den Rettungsplan Gottes in Wort und Tat.
Zeichen und Wunder (z.B. Heilungen u. Dämonenaustreibungen)
bekräftigten seine Botschaft.
Unser Herr zeigte zu Beginn seines Dienstes öffentlich: „Ich bin der Messias, der Sohn Gottes, der einzige Weg zum Vater“.
Jeder einzelne Hörer sollte jetzt eine persönliche Entscheidung treffen.
Viele glaubten seiner Botschaft und vertrauten ihm ihr Leben an (2,14).
Menschenmengen hingen an Jesu Lippen (3,8),
da er mit Vollmacht predigte (1,22.27).
Der Großteil von ihnen hatte aber falsche Erwartungen damit verbunden.
Die Menschen wollten einen irdischen König, der ihre Wunden und Verletzungen heilt (1,32;3,10) und der all ihren Mangel stillt (6,34-44).
Gleich zu Beginn des Wirkens Jesu gab es eine gewaltige Opposition gegen ihn.
So versuchte die Mehrheit der Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus auszulöschen (3,6).
Sie lehnten Jesu Worte entschieden ab (7,8.13).
Jesus stand ihrem religiösen System (es ging auch um Macht und Einfluss) im Wege.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Bereit sein, alte und hinderliche Dinge loszulassen und Gott ganz zu vertrauen.
In allen Bereichen meines Lebens.
Gar nicht so einfach in der Praxis.
Das Volk Israel hatte damit auch seine gewaltigen Probleme.
Obwohl sie Gott folgten, hatten sie zusätzlich noch die Götzenfiguren ihrer Väter und Großväter dabei.
Für alle Fälle, falls der Glaube an den lebendigen Herrn doch nicht ausreichen sollte (Josua 24).
Neues ja, aber nicht auf Kosten der scheinbar bewährten Dinge.
Heute kann das ein Klammern an alten und liebgewordenen Traditionen sein, die sogar über den Inhalt des Evangeliums gestellt werden.
Beispiele gibt es in der weltweiten Gemeinde Jesu genügend dafür.
Das Bild des neuen Weines, das Jesus gebraucht, ist sehr passend.
Jesu Botschaft ist dynamisch und kraftvoll. Sie will sich ausbreiten und in der ganzen Welt bekannt werden.
Menschen auf allen Erdteilen sollen zum lebendigen Glauben kommen und Befreiung erfahren.
Unser Herr möchte sich, durch den Heiligen Geist, aber auch „ausbreiten“ in unserem persönlichen Leben (Epheser 5,18).
Die Früchte des Geistes wollen immer wieder neu sichtbar werden in uns (Galater 5,22-26).
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung kann das Anhören der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 04.11.1997 unter dem Titel: „Die Frage nach dem Fasten…“ eine Hilfe sein. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Jesus befreit von allen menschlichen Zwängen und zeigt auf, dass kein Mensch aufgrund von Leistung vor Gott bestehen kann.
Er schenkt ein komplett neues Leben, das allein auf seiner Gnade basiert.
Dieses neue Leben möchte sichtbar werden in uns.
Aber in der Hektik und in den Versuchungen unseres Alltags, wird das oft auf eine harte Probe gestellt.
Es gilt sich immer wieder neu von Jesus füllen zu lassen, neu seine Nähe zu suchen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Neu werden (zum lebendigen Glauben kommen) und das Neue dann auch zu leben (aus Gottes Kraft heraus).
Beides gehört untrennbar zusammen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a.) Gegen den Strom (V.18)
b.) Freude statt Trauer (V.19.20)
c.) Komplett NEU (V.21.22)
Nach Gerhard Maier:
a.) Versuche am Alten herumzuflicken, gibt es genug
b.) Jesus ist der Messias
c.) Jesus stiftet den Neuen Bund
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Freiheit durch Loslassen:
Ich las, dass es in Afrika eine grausame Methode gibt um kleine Affen zu fangen. Man stellt mit Mandelkernen gefüllte Tonkrüge auf und versteckt sich in der Nähe. Sobald ein Affe seine »Leibspeise« wittert, kommt er und greift mit seiner Pfote gierig in den Krug. Allerdings bekommt er die gefüllte Pfote nicht mehr heraus, weil der Krug an der Öffnung eng ist. Der Affe müsste »nur« die Mandeln loslassen, um Freiheit und Leben zu retten. Aber Affen fressen die süßen Mandeln nun einmal »für’s Leben gern«, und so kommt es, dass sich die Affen lieber totschlagen lassen, als die Mandeln loszulassen.
Das erinnert an viele suchtkranke Menschen, die nicht loslassen. Eigentlich wissen sie, dass das Festhalten ihren Tod bedeuten wird. Doch sie sind eben süchtig und können nicht loslassen. Vielleicht wollen auch manche nicht. Viele dachten anfangs, sie wären frei, etwas zu tun, und heute spüren sie, wie versklavt sie sind.
Ursprünglich schuf uns Gott als freie Menschen. Die ersten Menschen ließen sich leider verführen, indem sie ausgerechnet von der von Gott verbotenen Frucht aßen. Als Folge verloren sie ihre Freiheit, Gott schickte sie aus dem Paradies, aus seiner Gegenwart.
Dieses Nachgeben für einen kurzen zeitlichen Genuss beschert der Menschheit bis heute viel Not. Ein Leben unter der Fremdherrschaft des Bösen hat seinen Lauf genommen. Doch Gott möchte uns genau aus dieser »Falle« befreien. Loslassen ist möglich, weil Jesus uns von dem befreit hat, was uns ewig festhalten würde: Schuld und Tod. Gott möchte uns Vergebung und wieder echte Freiheit schenken. Loslassen erfordert Mut – garantiert aber wahre Freiheit!
Karl-Ernst Hoefflin – Leben ist mehr, vom 26. Juni 2010
(Andreas Gerlach)