Monatsthema: Jesus-Erzählungen
Predigtthema: Jesus ist der Arzt für Zöllner und Sünder
Predigttext: Markus 2,13-17
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Markus 2,13-17) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
(Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Gerhard Maier (Edition C Bibelkommentar NT Bd.3)
und von Adolf Pohl (Wuppertaler Studienbibel NT Bd.2).
1.2 Hinweise zum Verständnis des Predigttextes
Bitte auch die Parallelstellen aus Matthäus 9,9-13 und Lukas 5,27-32 beachten.
Sie erhalten wertvolle Ergänzungen zu unserem Textabschnitt.
Zöllner: Sie standen damals auf einer Stufe mit Räubern und Dieben.
Diese Berufsgruppe galt als religiös unrein, da sie gemeinsame Sache mit der damaligen Besatzungsmacht, den Römern machte.
Man kassierte Gelder für Rom und ein nicht unerheblicher Teil wanderte in die eigene Tasche.
Alles auf Kosten des eigenen Volkes.
So machte man sich natürlich keine Freunde.
Zöllner waren für die Pharisäer Menschen, mit denen Gott nichts zu tun haben wollte.
Sie nannten sie in einem Atemzug mit den Heiden, die den lebendigen Gott nicht kannten.
Pharisäer (die Abgesonderten): Der Name war bei ihnen Programm.
Sie wollten keine Gemeinschaft haben mit Sündern.
Das Ziel der Pharisäer war es, das Gesetz Gottes ganz und vollkommen zu erfüllen.
Unzählige, von ihnen gemachte, Zusatzgebote sollten das gewährleisten.
Dadurch wurden den Menschen Lasten auferlegt, die sie niemals tragen konnten.
In dem religiösen System der damaligen Zeit fehlte das Leben (nämlich Jesus selbst), es fehlte die Nächstenliebe (3,1-6), es fehlte die Freude (2,19).
Levi: Dieser Zöllner erkannte seine Schuld. Levi spürte, dass er gefesselt war von der Habgier und dass diese ihn innerlich zerstörte.
Er war leer und abgeschafft, wie die meisten Menschen zur Zeit Jesu (Mt 9,36).
Deshalb ließ er auch alles bereitwillig stehen und liegen, als Jesus ihn in seine Nachfolge rief (Lk 5,28).
Levi war ein sehr demütiger Mensch. Im Matthäusevangelium, das er verfasste (vom Geist Gottes inspiriert), nennt er diesen wichtigen Hinweis seiner eigenen Opferbereitschaft nicht (Mt 9,9-13).
Levi wurde, unter dem Namen Matthäus (Mt 10,3), einer der zwölf Jünger Jesu.
Fest (V.15): Levi veranstaltete ein großes Fest. Sehr
interessant ist es, die Liste der geladenen Gäste einmal genauer zu betrachten. Viele Zolleinnehmer befanden sich darunter.
Auch sie sollten Jesus näher kennenlernen und zu ihm finden.
Jesus, der sie annimmt trotz ihres Lebensstils und ein ernstes Interesse an ihnen hat.
Diese Erkenntnis wollte Levi nicht nur für sich in Anspruch nehmen.
Er wusste, dass seine Freunde und Kollegen genauso rettungsbedürftig waren wie er selbst.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir beschäftigen uns diesen Sommer über mit ausgewählten Jesus-Erzählungen (Monate Juni- September): Unser Herr möchte uns in seiner grenzenlosen Macht neu groß werden.
Beim Hörer kann dabei eine Gefahr auftreten.
Man ertappt sich bei dem Gedanken: „Das kenne ich schon seit meiner Jungscharzeit“ und schaltet vorzeitig ab.
Deshalb sollten wir bereits in der Vorbereitung intensiv beten, dass Gott durch seinen Geist neu in den Einzelnen wirkt.
Geschwister sich neu ansprechen lassen und Weisung für ihr Leben erfahren.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
In unserer derzeitigen Predigtreihe dreht sich alles um die ersten vier Kapitel des Markusevangeliums.
Diese nehmen uns mitten hinein in den Dienst und Auftrag Jesu (Mk 1,38).
Jesus verkündigte, von Anfang an, den Rettungsplan Gottes in Wort und Tat.
Zeichen und Wunder (z.B. Heilungen u. Dämonenaustreibungen)
bekräftigten seine Botschaft.
Unser Herr zeigte zu Beginn seines Dienstes öffentlich: „Ich bin der Messias, der Sohn Gottes, der einzige Weg zum Vater“.
Jeder einzelne Hörer sollte jetzt eine persönliche Entscheidung treffen.
Viele glaubten seiner Botschaft und vertrauten ihm ihr Leben an (2,14).
Menschenmengen hingen an Jesu Lippen (3,8),
da er mit Vollmacht predigte (1,22.27).
Der Großteil von ihnen hatte aber falsche Erwartungen damit verbunden.
Die Menschen wollten einen irdischen König, der ihre Wunden und Verletzungen heilt (1,32;3,10) und der all ihren Mangel stillt (6,34-44).
Gleich zu Beginn des Wirkens Jesu gab es eine gewaltige Opposition gegen ihn.
So versuchte die Mehrheit der Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus auszulöschen (3,6).
Sie lehnten Jesu Worte entschieden ab (7,8.13).
Jesus stand ihrem religiösen System (es ging ihnen u.a. um Macht und Einfluss) im Wege.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Das Vorbild unseres Herrn fordert uns heraus:
1. Nah bei den Menschen zu sein
Unser Herr holt die Menschen da ab wo sie stehen.
Er begegnet Levi am Arbeitsplatz und wartet nicht erst darauf, dass er zu ihm kommt.
Wir dagegen erwarten oft, dass Jesusfernstehende unser Gemeindehaus
betreten (z.B. durch Evangelisationsveranstaltungen) und
sind enttäuscht, wenn es nicht passiert.
Eine spannende Frage: Wer sind die Menschen, in der Nachbarschaft unserer Gemeinde, zu denen uns Jesus ruft?
Haben wir einen Blick für sie, so wie Jesus den Zöllner Levi SAH (V.14)?
2. Kein Ansehen der Person (Jakobus 2,1ff)
Levi stand am äußersten Rand der Gesellschaft.
Aber Jesus hat ihn trotzdem dazu eingeladen in seiner Nähe zu leben.
Denn eines wird immer wieder deutlich in der Schrift: Unser Herr hat sich von der Sünde fern gehalten, aber nicht von den Sündern.
Er hat ihre Rettungsbedürftigkeit stets vor Augen gehabt (Bild des Kranken, der dringend einen Arzt benötigt).
Wer sind heute diese „Zöllner“, mit denen man nicht an einem Tisch sitzen möchte? Eventuell sind es die Investmentbanker.
Auch öffentlich überführte Steuerbetrüger gehören sicherlich dazu.
Das sind nur Beispiele. Werden diese Menschen von vornherein von uns abgestempelt und ausgegrenzt?
Oder dürfen sie bei uns Heimat finden und erkennen, dass Jesus ihnen vergibt und sie in seiner Liebe annimmt.
Gibt es bei uns „hoffnungslose Fälle“?
3. Konsequente Nachfolge
Levi ist bereit alles stehen und liegen zu lassen. Sein Leben verändert sich grundlegend und er erkennt die Herrschaft Jesu an.
Als der Jünger Matthäus stellt er sich ganz in den Dienst Jesu.
Herausfordernd: Was muss jeder Hörer persönlich bereit sein aufzugeben,
um Jesus lebendig nachzufolgen?
Welche Dinge stehen hier womöglich im Wege?
4. Jesus setzt „Frommen“ den Spiegel vor
Die Pharisäer erkannten ihre eigene Schuld vor Gott nicht.
Sie „schwebten“ erhaben über den Dingen und waren davon überzeugt, dass bei ihnen alles in bester Ordnung ist.
Daraus resultierte ihre Lieblosigkeit den Randgruppen gegenüber (V.16).
Sie hielten sich für etwas Besseres.
Jesus hält uns vor Augen: Wir leben auch als Kinder Gottes aus seiner Gnade und Vergebung. Täglich!
Nur mit dieser Grundhaltung können wir Menschen,
die Jesu nicht kennen, begegnen.
Sonst wird sich wenig in ihnen verändern.
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung kann das Anhören der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 28.10.1997 mit dem Titel: „Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern“ eine Hilfe sein. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Jesus sucht das Verlorene. Das ist von Anfang an sein Kernauftrag.
In Lukas 19,10 heißt es: „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“
Der Arzt kann nur die behandeln, die sich selber als krank ansehen.
Um gerettet zu werden, muss ich also erkennen, dass ich verloren und krank von Schuld bin.
Ich brauche Jesus. Nur er allein kann mich von aller Schuld heilen und befreien.
Das ist die Rettungsbotschaft, die es zu verkündigen und vorzuleben gilt.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jeder Mensch darf umkehren zu Jesus Christus.
Es gibt keine Schuld, die er nicht vergeben kann.
Diese Tatsache will auch unser Leben immer wieder verändern, will uns ganz neu in seinen Dienst und seine Nachfolge stellen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a. Der Ruf Jesu gilt ausnahmslos jedem (V.13.14)
b. Konsequente Nachfolge (V.14.15)
c. Die eigene Schuld bekennen und Rettung erfahren (V.16.17)
Nach Gerhard Maier:
Jesus nachfolgen – was heißt das eigentlich?
a.) Es heißt: Berufen sein
b.) Es heißt: Dem Ruf folgen
c.) Es heißt: Die Retterliebe mit Jesus teilen
(Andreas Gerlach)