Monatsthema: Ganzes Christsein
In der Seelsorge Jesu: Eines ist wichtig: Wiedergeboren zu neuem Leben
Predigttext: Johannes 3,1-15
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren Gerhard Maier (Edition C Bd. 6) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel).
1.2. Wichtige Gedanken in unserem Abschnitt
Wir sind mit dem heutigen Text beim 4. Sonntag und sollten den seelsorgerlichen Aspekt im Auge haben. Mit der Geschichte von Nikodemus haben wir eine gute Möglichkeit ganz zentral und grundsätzlich über Entscheidung und Jesusnachfolge zu predigen.
Wichtige Aussagen:
1. Jeder kann zu Jesus kommen und muss nicht an seinen gesellschaftlichen Hürden scheitern
2. Ich kann mit allen Fragen zu Jesus kommen, er nimmt mich ernst und hat Antworten auf
meine Lebensfragen.
3. Jeder der glaubt hat ewiges Leben
4. Gottes Liebe gilt den Menschen in dieser Welt
5. Jesus ist gekommen um zu retten
Nikodemus hat trotz seiner Schriftkenntnis nicht erkannt, dass Jesus im Fleisch gekommen ist. Es ist wie bei so vielen Menschen auch heute, Jesus darf alles sein, nur nicht Erlöser, Retter, Sohn Gottes und einziger Weg zum Vater.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Nikodemus ist Pharisäer, er gehört zur damaligen „geistlichen Elite“, zu den Führern und Ältesten in Israel. Da viele Pharisäer zu den Gegnern Jesu gehörten, war es vermutlich nicht ganz einfach mit einem persönlichen Anliegen ganz offen zu Jesus zu gehen, kam er deshalb bei Nacht, oder war in der Nacht kein so großer Trubel mehr um Jesus, beides ist möglich.
Nikodemus gehörte vermutlich zu der reicheren Schicht in Jerusalem. In Johannes 19,39 finden wir ihn beim Begräbnis Jesu wieder. Er bringt dort eine sehr große Menge, etwa 100 Pfund Myrrhe und Aloe mit. Seine Beteiligung an der Beerdigung Jesu lässt darauf schließen, dass sein Nachtgespräch eine tiefe Wirkung auf ihn hatte und er seine Entscheidung für Jesus getroffen hat.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Johannes gibt uns in diesen Versen eine klare Anweisung wie neues Leben und Neugeburt geschehen kann. In der Verdeutlichung durch die Geschichte mit der erhöhten Schlange aus 4. Mose 21weist Jesus auf seine eigenes Sterben und Erhöht werden am Kreuz hin. So wie beim Volk Israel Rettung nicht durch Leistung und eigenen Kampf gegen die Schlangen möglich war, so sind eigene Werke kein Weg zum ewigen Leben. Wir haben die zentralsten Aussagen über die Liebe Gottes zu den Menschen in unserem Text. Jeder Mensch ist geliebt und eingeladen zu einem Leben mit Jesus. An diesem Sonntag sollte keiner den Gottesdienst verlassen, dem wir nicht deutlich das Evangelium von Jesus gesagt haben. Vers 17: Jesus kam mit dem klaren Auftrag in die Welt, uns Menschen durch seine eigene Person Erlösung und Rettung zu bringen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
2.3.1. Die Anfrage:
Nikodemus war ein suchender Mensch. Der Schriftgelehrte kommt mit echten, tiefen Fragen zu Jesus. Er ist umgetrieben von dieser Lebensfrage. Sicher hat er miterlebt wie Jesus nach Jerusalem kommt, den Tempel reinigt. „Wer autorisiert dich:“ – auch dahinter stand natürlich die Frage: „bist du der Messias auf den wir alle warten, bist du der Retter der Welt“. Die Menschen in Jerusalem waren aufgewühlt, voller Fragen – Kap. 2,23 und viele glaubten an ihn. Zu diesen fragenden Menschen gehörte Nikodemus. Selbst Johannes der Täufer ließ bei Jesus nachfragen: Bist du der Messias?
Ganz sicher hat Nikodemus mit sich gerungen, ob er zu Jesus gehen soll. Das hat nichts mit Angst zu tun oder dass er nicht gesehen werden wollte. Wenn Rabbiner arbeiteten durften keine Laien dabei sein. Diskutieren war ein hohes Gut. Vielmehr damit, dass man Nachts besser reden konnte, die drückende Hitze war weg, es war kühler, weniger Einflüsse, das „Tel. klingelte nicht mehr“. Jesus ließ sich einladen zu einem theologischen Nachtgespräch.
Nikodemus ein wissender Mensch… Er gehörte zum Sanhedrin zum Kreis der 70, die verantwortlich waren für den geistlichen Auftrag in Israel. Und er wusste viel, er gehörte zu den Menschen die wirklich auf den Messias warteten. So beginnt er sein Gespräch mit einer hohen Wertschätzung. Er der selbst ein Schrift-Studierender ist, erkennt Jesus als einen Lehrer und Rabbi an. Nikodemus hat in seinem eigenen Umfeld gesehen, was Jesus Joh. dem Täufer geantwortet hat. Blinde sehen, Lahme gehen und den Vielen wird die Botschaft der Vergebung verkündet. Für den offenen Menschen ist es offensichtlich, dass hier Gott im Spiel ist.
Nikodemus ist ein fragender Mensch. Auch König Herodes war fragend, als er von der angekündigten Geburt des neuen Königs hörte, doch er war verschlossen, verärgert und misstrauisch: „ist das ein König der meinen Thron will“. Ein positives Beispiel sind die drei Weißen und Nikodemus, bei ihnen sehen wir die wirkliche Suche nach dem Messias, sie suchen und sie gehen hin, sie glauben und wagen etwas – und sie finden.
2.3.2. Die Existenzfrage
Die Antwort Jesu hat oberflächlich betrachtet nicht viel mit der Aussage von Nikodemus zu tun. Das Gespräch bekommt mit dem Reden Jesu aber eine ganz unerwartete Wende und eine andere Qualität. Nikodemus, dir fehlt die Grundlage um über die Vollmachtsfrage zu diskutieren. Den Messias, Jesus erkennen hängt nicht an Ausbildung oder Studium, kein theologisches Wissen öffnet den Zugang – Nikodemus hatte ja beides.
Die Frage haben wir noch im Ohr von Maria als ihr die Geburt Jesu angekündigt wurde – wie „soll das geschehen, wo ich doch keinen Mann erkannt habe“.
Matth.1, Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten – hier entdecken wir schon die Antwort die auch Nikodemus bekommt: von oben, von Gott aus nur kann das geschehen.
Es gibt hier kein dazwischen, keine Auslegungsmöglichkeit mehr. Das Reich Gottes kann nur sehen wer mit Jesus gestorben ist und mit Jesus auferstanden ist.
Das widerspricht allen menschlichen Wunschvorstellungen die Verbindung von uns zu Gott zu schaffen. Von jeher hat das den Menschen fasziniert. Im Turmbau zu Babel wollte man zeigen: „wir brauchen keinen Erlöser, wir schaffen das alleine“. Wer getauft ist kommt in den Himmel, wer seinen Ablass bezahlt kommt in den Himmel – Jesus stellt das alles auf den Kopf. Wiedergeboren von oben, von neuem ohne Möglichkeit, irgendetwas von uns aus beizutragen.
Das Denkproblem des Pharisäers ist – „wir müssen und können das Gesetz halten, wenn alle in Israel das tun würden, nur einen Augenblick, dann würde der Messias kommen“. Nikodemus ist fixiert auf Leistung, die er erbringen muss. Für ihn steht mit der Antwort Jesu alles bisherige auf dem Spiel. Das ist wie in der Mathearbeit, der falsche Denkansatz führt trotz dem richtigen Rechnen zum falschen Ergebnis. Jesus wenn das stimmt, dann müsste der Greis zurück in der Leib der Mutter, um dann von neuem geboren zu werden. Vers 4 und 6
Noch einmal die Situation mit den Kindern neu angehen, noch einmal im Verhältnis mit deinen Eltern neu beginnen. Die Situation in der Ehe von vorne beginnen. Noch einmal ganz ohne Hypothek von vorne beginnen – wesenhaft neu werden, das wäre klasse.
Aber, so sagt Nikodemus, das ist ein unmöglicher Traum. „Man muss immer bleiben, der man ist. Man hat die Last der Prägung, Erziehung, des Charakters – unveränderbar, erst recht wenn es um das ewige Leben geht: In Vers 5 antwortet Jesus in einer ganz starken Formel, „wahrlich, wahrlich, ganz bestimmt dein Traum kann Wirklichkeit werden“.
Du kannst ganz von vorne beginnen. Wodurch? Durch Wasser und Geist, durch Geburt von Neuem. Nun müssen wir zurück in die Symbolik des AT, dort war Nikodemus zu Hause und dort finden wir den Schlüssel zu den Worten Jesu. In Hesekiel 36,25 – 27 lesen wir „nicht mehr aus dem Gesetz, aus Liebe aus dem Wollen aus dem neuen und lebendigen, liebesfähigen Herzen heraus“. Wasser steht für Vergebung und Reinigung – Geist steht für die Erneuerung im Herzen.
Aus Wasser und Geist geboren werden heißt, die göttliche Art bekommen, nur so ist Erlösung möglich. Noch einmal betont Jesus, was aus dem Fleisch, meiner alten Art ist, ist und bleibt Fleisch. Damit wird das Wesen des von Gott getrennten Menschen beschrieben. Das alte, natürliche führt von der Geburt an unweigerlich in den Tod. Rö.3,23 „der Lohn der Sünde ist der Tod“.
2.3.3. Die Entscheidungsfrage
1. Wir sind persönlich angesprochen – ich, Jesus sage Dir Vers 11 – 13
2. Wir sind persönlich in die Entscheidung gestellt – so wie in 4. Mose 21,4-9
Jesus nimmt noch einmal ein Bild aus dem irdischen Verstehensbereich des Pharisäers.
Schau Nikodemus, du weißt doch wie das mit Mose und den Schlangen in der Wüste war. Weil Israel gemurrt hat, Schuld auf sich geladen hat, deshalb hat Gott seine Hand zurückgezogen und die Schlangen konnten kommen und töten. Damals war die Rettung im Blick auf Gott und das Symbol war die erhöhte Schlange. Die Rettung lag in der persönlichen Entscheidung, „ich glaube dem Wort und schau auf die Schlange, weil Gott es gesagt hat“.
3. Wir sind persönlich zum Glauben gerufen Vers 15 „jeder“ „einzelne“.
Jeder der Jesus vertraut und glaubt, dessen Schuld ist vergeben und er wird ewig leben.
Durch Glauben wird der alte Mensch beerdigt, das ist Karfreitag. Durch Glauben werden wir mit Jesus zum neuen Menschen, das ist Ostermorgen. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe. Vers 16
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
In dieser Predigt kann ich klar und unverkrampft zu einer Entscheidung für Jesus aufrufen.
Nikodemus hat diese Entscheidung getroffen, darauf deuten einige Dinge hin, z.B. Joh. 7,50 die Fürsprache für Jesus bei seinen Kollegen im Hohen Rat oder sein hoher Einsatz beim Begräbnis Jesu.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Ewiges Leben gibt es nur mit Jesus und durch eine neue Geburt.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Die Anfrage – wie kannst du diese Zeichen tun (Vers 1-4)
2. Die Existenzfrage – wie kann ich von neuem geboren werden (Vers 5-15)
3. Die Entscheidungsfrage – persönlich zum Glauben gerufen (Vers 16-17)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Kinder können ja erfrischend und entwaffnend sein. Da macht man mit seinen Kindern den Weihnachts- oder Osterbesuch, macht noch etwas Konversation, setzt sich an den Kaffeetisch und plötzlich mitten ins Gespräch hinein kommt die alles entscheidende Frage: Wo ist mein
Geschenk? Die Nebensächlichkeiten werden zur Seite geschoben – kommt jetzt bitte zum Wesentlichen, deshalb sind wir doch hier. So kommt Jesus in aller Kürze zum Wesentlichen für Nikodemus. Ich sage dir: „ein Mensch der nicht von oben von neuem geboren, kann das Reich Gottes nicht sehen“.
(Hans Pfau)