Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Befragen!
Predigttext: 1. Samuel 28, 3-25
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Der Predigttext ist sicherlich herausfordernd. Erfahrungsgemäß werden die wenigsten zu diesem Text schon eine Predigt gehört haben.
Dieser Abschnitt stellt den Tiefpunkt in Sauls geistlicher Entwicklung dar: Er greift auf ein Mittel zurück, dass Gott ein absolutes Gräuel ist, was Saul selber ja auch bewusst ist oder zumindest bewusst war. (Vers 3+9) In seinem Verworfen-Sein geht er den Weg der Sünde bis zum größten Gräuel und endet dann schlussendlich im Selbstmord (1. Sam 31,4). Damit ist der Weg frei für David und dann den Davidsohn.
Hier zeigen sich durchaus Parallelen zu Judas: Auch Judas „musste“ einen Part in der Heilsgeschichte übernehmen, für den er aber trotzdem zur Rechenschaft gezogen wird und dessen Weg dann im Selbstmord endet. (Mt 26,24; 27,3)
Saul muss den Part des ersten irdischen Königs übernehmen, zumal er sich nicht beworben hat, sondern von Gott/Samuel auserkoren wurde, und der irdische König ist in 5. Mose 17, 14ff angelegt.
Saul muss dann versagen, damit die Menschen verstehen, dass auch ein irdischer König Israel nicht schützen kann, denn Israel verliert deshalb seine Kriege, weil es Gott vergisst und in Sünde lebt.
Dieser König wird dann durch einen besseren ersetzt, David, der aber letztlich auch nur im Umgang mit seiner Schuld besser ist als Saul. Langfristig läuft es darauf hinaus, dass die Davidlinie eingesetzt wird im Blick auf den einen Davidsohn, Jesus Christus, so dass am Ende eben doch Gott der „König der Könige“ sein wird.
Damit ist dieser Abschnitt in der (geistlichen) Abwärtsentwicklung Sauls zu sehen:
Nach seiner Verwerfung, der Ahnung, dass David sein Nachfolger wird und dem drohenden Untergang durch die Philister greift Saul nach dem „letzten Strohhalm“ und will einen letzten Rat vom gestorbenen Samuel.
Damit ist in diesem Abschnitt bei allem praktischen Glaubensleben auch die Heilsgeschichte im Blick zu behalten:
A) Der von Israel gewünschte irdische König (der allerdings in 5. Mose 17, 14ff auch angelegt ist) erweist sich als ungeeignet, so dass er nicht König bleiben kann (siehe besonders Kapitel 13+15). Aber das ist letztlich auch nötig, damit das Königreich auf jemand anders übergehen kann: Natürlich ist hier seit Kapitel 16 David im Blick, aber dann erfüllt es sich vollkommen im Messias, dem Davidssohn. Was geschieht muss geschehen, damit sich Jesus als wahrer König erweisen kann.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Die wesentlichen Informationen zur Auslegung bieten alle gängigen Studienbibeln. Besonders hilfreich für diesen Text sind die Genfer Studienbibel und die Studienbibel von John MacArthur (die gibt es als PDF frei verfügbar)
Weitere Möglichkeiten:
Darby, John Nelson: Betrachtung über das erste Buch Samuel, (unter http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=comment&comment_id=182&structure_id=313&part_id=1210 )
Gaebelein, Arno C.: Kommentar zum Alten Testament : Band 1: 1. Mose bis 2. Chronik. 1. Aufl. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
MacDonald, William: Kommentar zum Alten Testament, 1. Aufl. – Bielefeld : CLV
Holland, Martin: Das erste Buch Samuel. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag,
Walvoord, John F. [Hrsg.] Das Alte Testament erklärt und ausgelegt: Band 1 (Erster Mose bis Zweiter Samuel). 1. Aufl.. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt; Hänssler,
Anmerkungen:
Vers 1+2 kann man gut dazunehmen, denn so wie es zunächst aussieht kommt es ja damit auch zum „Showdown“ zwischen Saul und David: Saul auf der einen Seite und auf der anderen Seite die beiden Feinde Sauls vereint: Die Philister und sein „Thronrivale“ David, der sich den Philistern angeschlossen hat.
Die Fragen rund um das okkulte Phänomen (Ist es wirklich Samuel? Warum lässt Gott das zu? Etc.) können und sollten in einer erbaulichen Predigt nicht (erschöpfend) beantwortet werden. Für die Praxis haben sie keine Relevanz, von daher sollte man sie aus der Predigt raushalten.
Evtl. kommen nach der Predigt dann fragen, dafür kann man sich eine Meinung bilden, darf aber auch aus freiem Herzen sagen, dass man es nicht so genau weiß, es aber auch für den Alltag nicht so wichtig ist. Wichtig ist, dass Saul keine neuen Informationen bekommt und wir in der Praxis von so etwas die Finger lassen sollen!
Vers 17: Seither war es immer Sauls Ahnung, hier ist es nun von Gott eindeutig bestätigt, dass David der Nachfolger von Saul wird.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Es ist grundsätzlich wichtig, immer wieder die Vorgeschichten aufzugreifen, da wir gerade aus den Sommerferien kommen und nicht jeder jeden Text vorher gehört hat.
Darüber hinaus bietet der Text verschiedene Anknüpfungspunkte: Die Folgen der Verwerfung eines Menschen, Okkultismus und natürlich der Fortgang der Heilsgeschichte bzw. des Heilsplanes Gottes.
Im Blick auf Okkultismus leben wir in einer zwiespältigen Welt: Einerseits sehr rational, andererseits im Bereich der „Unterhaltung“ (Film, Fernsehen, Computerspiele) sehr vertraut mit der geistlichen Welt und den dortigen Mächten.
Insgesamt sollte man sich aber überlegen, inwieweit man wirklich einen Schwerpunkt auf Okkultismus legt, da dem größten Teil unserer Hörer völlig klar ist, dass sie auf Abstand bleiben müssen gegenüber der okkulten Welt. Was man evtl. sagen und betonen kann, ist das, was hier offensichtlich ist: Saul bekommt keine neuen Informationen! Die Informationen, die wir wirklich brauchen, die bekommen wir durch Gottes Wort. Zusätzliche Informationen aus der okkulten Welt sind entweder falsch oder versetzen uns in Angst und führen in die Zerstörung – deshalb Finger weg!
Evtl. sollte man den Schwerpunkt eher beim Schweigen Gottes legen (Vers 6) und was wir tun können, damit es dazu nicht kommt. Das ist natürlich ein schwieriges Thema, über das man viel diskutieren kann, aber auch im Neuen Testament wird angedeutet, dass man sich zu weit von Gott entfernen und dann nicht mehr zurückkommen kann (Hebr 3,12; 1. Joh 5,14ff; Mk 3, 29). Vom Alten Testament her kann man sagen, dass eine solche Verwerfung/Verstockung immer dort geschieht, wo Menschen dauerhaft wider besseren Wissens an einer Sünde festhalten.
Natürlich ist das „spannend“, aber wir dürfen diese Spannung nicht voreilig auflösen: Natürlich haben wir im Neuen Testament einen Gott zu dem man immer zurückkommen kann, aber es scheint den Moment zu geben, wo man dauerhaft so weit von Gott weggelaufen ist, dass man nicht mehr zurückkommen will. Und das scheint durchaus auch eine Form von Gericht zu sein (Röm. 1, 28ff).
In diesem Sinne kann man sehr ernst um den Gehorsam ringen, den Saul eben von Anfang an nicht wirklich gelebt hat (siehe Predigttexte der letzten Wochen), so wie im Neuen Testament ja auch um den Gehorsam gerungen wird. Aber natürlich darf man die Gnade Gottes dabei nicht außer Acht lassen.
Von der positiven Seite her kann man auch zum Gottvertrauen aufrufen: Saul hat sein Leben lang nicht wirklich Gott vertraut, ihm waren Rituale, das (magische) Herbeiholen der Bundeslade oder dann verschiedenste Orakel wichtiger, als einfach auf Gott zu hören und ihm zu vertrauen, dass er da ist und den scheinbar übermächtigen Feind im Griff hat.
Etwas allgemeiner kann man natürlich auch in die Richtung gehen, dass Saul hier in eine unsichere Lebenslage kommt und nun Hilfe auf dem falschen Weg sucht. So können wir z. B. bei Krankheit in Versuchung kommen, bei falschen „Heilern“ Hilfe zu suchen. Aber dabei darf man nie Sauls besondere heilsgeschichtliche Situation außer Acht lassen.
Liedvorschlag: Wer auf Gott vertraut; Vertraut auf den Herrn; Toben auch Stürme der Herr kennt die Seinen
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Auf die heilsgeschichtliche Einordnung einerseits und das Thema des praktischen Gehorsams andererseits ist oben schon hingewiesen worden.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Auch dieses Kapitel dürfte treuen Gemeindegliedern zumindest bekannt sein, aber vergessen wird oft die heilsgeschichtliche Tragweite der Verwerfung Sauls und Einsetzung Davids.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte die Predigt damit der Hörer einerseits ein vertieftes Verständnis von der Heilsgeschichte Gottes bekommt,
andererseits aber auch erkennt, wie tief man fallen kann, wenn man sich leichtfertig von Gott entfernt, bzw. dass man sich immer wieder wirklich Gott anvertraut und nicht seinen eigenen Stärken oder irgendwelchen magischen oder okkulten Ritualen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Befrage!
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
V3-6: Wenn Gott schweigt …
– Bei Saul ist das der Tiefpunkt seiner Verwerfung und Folge des dauerhaften
Ungehorsams
Bleibe von Anfang an in Gottes Nähe, höre auf ihn, gehorche ihm, vertraue ihm.
– Am Ende steht die Botschaft, dass Saul in den Tod gehen wird (V19) und dass
ausdrücklich David sein Nachfolger wird (V17) .
Damit steht die Heilsgeschichte vor der nächsten Runde: David wird der nächste
König und bereitet das Feld für den Davidsohn, den König der Könige: Gott selbst
wird wieder König sein.
V7-25: Befrage nicht die Falschen!
– Es ist Gott ein Gräuel (deshalb hatte Saul sie zunächst ausgerottet)
– Es führt in Angst und Schrecken! (
– Es bringt keine hilfreichen neuen Informationen!
Gott vertrauen und auf sein Wort hören (sein Wort befragen)! (Dies als bessere Alternative besonders ausführlich ausführen …) In seinem Wort steht alles was wir brauchen!
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Veranschaulichung zur „Verwerfung“: Gott ist wie ein Magnet: Je weiter du dich entfernst, desto mehr verliert er seine Anziehungskraft für dich!
Es gibt positive Veranschaulichungen in der Bibel, wo Gläubige wirklich Gott vertraut haben trotz einer Übermacht des Feindes.
(Mirko Lau)