1.Petrus

Predigthilfe vom 30.11.2008 – 1.Petrus 1, 3-12

Monatsthema: Leben in der Ewigkeit beim Herrn
Predigtthema: SOS – deshalb mit dieser hoffnung leben

Bibelstelle: 1.Petrus 1, 3-12

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
(siehe auch Predigttipp 1. Petr. 1, 1-12 vom 04.12.2005)
Der Petrus-Brief gehört zu den „katholischen“ (= allgemeinen) Briefen (1) – lange bevor sich eine Kirche „römisch-katholisch“ nannte.
Empfänger waren die „erwählten Fremdlinge in der Zerstreuung“ (= Diaspora). Die Diaspora-Existenz gehört in dieser Welt zum Gemeindealltag. Ein Brief von der Fremdlingschaft der Gemeinde, die zu allen Zeiten belächelt, bedrängt oder verfolgt wurde.

Erklärungen und Tipps:
V 3 Grundlage der Gemeinde ist die subjektiv erlebte Tat Gottes durch Jesus Christus, die völlig Neues in Menschen bewirkt. Wiedergeburt ist allein Gottes Tat. Sie gilt nicht objektiv allen Menschen ohne ihr Wissen und Wollen, sondern nur denen, die im Glauben zustimmen. (2)
Barmherzigkeit ist Gottes Grundlage für seine Kontakte mit Menschen (s. Konkordanz, bes. AT).
Der Eingriff Gottes durch Jesus Christus übertrifft das AT, die alte jüdische Synagoge bei weitem. Es geht aber nicht um eine neue, religiöse Gruppe oder Formation: Gemeinde Jesu ist Neuschöpfung, Wiedergeborene haben NEUES Leben.
Es geht um 1. das Ergebnis des göttlichen Erbarmens, 2. dass die Wiedergeburt allein die Frucht des schöpferischen Gotteswortes ist, 3. dass die Wiedergeburt der Beginn eines neuen Lebens ist.

V 4 Dieses Erbe existiert nicht in Gefühlen und Träumen, sondern ist Realität. Das Erbe besagt: Die Erlösten haben als Kinder Gottes noch Großes vor sich, nämlich die Vollendung ihrer Existenz und Anteil an der himmlischen Welt Gottes. Paulus spricht von „Miterben mit Christus“ (Rö 8, 17). Was Christus gehört, gehört auch seinen Miterben.
Erbe zu sein, heißt aber noch nicht, das Erbe schon vollkommen erhalten zu haben. Man kann heute schon Erbe sein und doch das Erbteil noch nicht „haben“. Wiedergeborene sind schon Erben, aber noch nicht Besitzer. (3) Für die genaue Beschreibung des Erbes reichen unsere Worte nicht aus, deshalb negative Beschreibungen durch die Vorsilbe „un-„: „unvergänglich, unbefleckt, unverwelklich“. (4) Mit menschlichen Erbteilen ist das nicht vergleichbar: Weltliches Erben hängt oft zusammen mit baldigem Verlust, manchmal auch mit nicht ganz ehrlichen Vorgeschichten beim Zustandekommen des Erbteils (befleckt). In der Regel werden Erbschaften angelegt und vergehen bald. (5)
In der Welt verliert alles Schöne seine Frische, jeder Siegeskranz verwelkt, kein Besitz hält ewig. Irdisches Erbe vergeht spätestens, wenn der Erbe selbst „verwelkt“.
Wertschöpfung und Wertschaffung versprechen Finanzberater. Der sicherste Tresor steht aber im Himmel (Mt 6, 20; 19, 21; Mk 10, 21; Lk 18, 22; Kol 3, 2; 1. Tim 6, 19; Hebr 10, 34).
Errettung wird in doppelter Weise beschrieben: 1. Die bereits geschehene (Eph 2, 8), 2. die zukünftige (Jo 5, 24; 6, 47; 1. Thess 1, 10; 2. Tim 1, 10; Rö 8, 24).
Im Griechischen steht „kairòs“ für einen bestimmten ZeitPUNKT, „chrónos“ für einen ZeitABSCHNITT.
Hier geht es um den von Gott herbeigeführten, mit bestimmten Ereignissen gefüllten Zeitpunkt: Die Gottesherrschaft setzt sich total durch (Lk 21, 8; 1. Petr 5, 6; Offb 1, 3; 11, 18).

V 5 Das Erbe wird nicht nur in den Himmeln (Plural! Siehe Elberfelder) (6) bewacht, auch die Gotteskinder (Erbberechtigte) werden schon auf der Erde bewahrt in der Kraft Gottes. Das ist kein Synergismus! (7)

V 6 Die Zeit der Versuchungen ist begrenzt (1. Ko 10, 13).
Freuen und Jubeln ist in schwierigen Zeiten nur möglich, wenn die Befreiung ganz kommt. Der Hebräer kannte noch nicht die Trennung zwischen Schein und Sein, die in westlichen Ländern fast Normalfall geworden ist. (8)
Leiden werden durch das „eine kleine Zeit“ nicht verharmlost. Das würde niemanden trösten. Der Vergleich mit der Treue Gottes relativiert aber jede Not auf Erden. Im „Licht Gottes“ sieht Vieles anders aus (2. Ko 4, 17f). Größte Not kann zum „augenblicklichen Leichtgewicht“ werden, wenn der Ausgang dieses Unten-durch-Müssens absehbar und sicher ist (2. Ko 1; 4, 17f).
Der VERGLEICH zwischen „Heute und Morgen“ gibt die Kraft für aktuelle Durststrecken.

Für Anfechtungen, Prüfungen, Erprobungen benutzt der Grieche dasselbe Wort. (9)
Edelmetalle können nur durch große Hitze gereinigt werden. (10)

V 7 Sogar Gold ist vergänglich. Ziel des Lebens mit Christus ist die Ehre Gottes, aber ohne Glauben ist das unmöglich (Hebr 11, 6). Ebenso zählt, etwas zu sein „zum Lobe seiner Herrlichkeit“ (Eph 1, 12).
Zeitlicher Zielpunkt ist die Enthüllung des Jesus als Messias. (11) Obwohl er schon jetzt als Heiland und Herr gegenwärtig ist, wird allen Menschen klar, wer er war und ist. Und DANN wird man SEHEN!

V 8 Sie haben den Heiland schon kennen gelernt. Und WISSEN, dass sie ihn sehen werden, wie er ist (1. Ko 13, 12; 2. Ko 5, 7; 1. Jo 3, 2). Und die Freude auf das Treffen mit ihm (1. Thess 4, 17) gibt heute Kraft und Grund zum Jubeln.

V 9 Das Wort „Ziel“ kann auch „Ende“ heißen. Wenn das Ziel des Glaubens erreicht ist, geht der Glaube ins Schauen über. Zielgerichtetes Leben ist also angesagt.

V 10f Die Propheten des AT hatten UND Engel (V12) haben stärkstes Interesse an der Errettung.
Seit dem Sündenfall ist die komplette Menschheit verloren. Die Sünde wurde zur Grundnot der Welt. Deshalb suchten und forschten die Propheten nach der Rettung durch Gott. Sie interessierten sich sehr für das WANN und das WIE. (12)
Der Geist Christi war offenbar schon unter den Propheten des Alten Bundes aktiv. Die „Heilsgeschichte Gottes“ beginnt also nicht erst mit Bethlehem. Christus war schon an der Schöpfung der Welt beteiligt (Jo 1, 3; Kol 1, 16), auch bei der Wüstenwanderung (1. Ko 10, 4).
Also waren auch alle Propheten des AT schon inspiriert vom Geist des Christus.

V 12 Die Propheten registrierten, dass sie nicht nur hilfreiche Worte für ihre Zeit sagten, sondern auch schon den Weg für den Gemeinden des Neuen Bundes ebneten. Prophetie zielt immer auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ab.
Das Heil wird verkündigt durch die, die das Evangelium bringen, sie bieten das Heil an. Wort Gottes verkündigen heißt also Menschen „das Heil nahe bringen“, es „weiterreichen“. Das geschah in der Geschichte der Gemeinde Jesu auf verschiedenste Art; Vom Einzelgespräch bis zur Massenevangelisation, auf Grund eines Zeugnisses oder durch persönliches Leid. Wichtig für alle Zeugendienste ist der Inhalt der Botschaft (siehe auch V11) und durch die Kraft des „vom Himmel gesandten Geistes“.
Gott lässt keinen seiner Zeugen hängen. Im Gegenteil!

Sogar die Engel würden gern mehr wissen. Sie sind Gott sehr nahe (Mt 18, 10) und wissen doch nicht alles, z.B. weder Tag noch Stunde der Wiederkunft Jesu (Mk 10, 32). Wie der Herr aus einer randvoll mit Sünde gefüllten Welt eine Schar von Leuten herausrettet, sammelt, heiligt, vorbereitet, sendet und schließlich vollenden wird.
Das gibt´s nur bei Gott. .

Gliederungsvorschlag 1
1. Weshalb Gott loben?
2. Auch wenn´s schwierig wird?
3. Das Schönste kommt noch!

Gliederungsvorschlag 2 (nach Ernst Aebi)
1. Die Herrlichkeit der Heilshoffnung (V3-5)
2. Die Prüfung der Glaubenshoffnung (V6-9)
3. Das Zeugnis der Propheten (V10-12)
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Fußnoten
(1) Luther original: „Wer nun die Epistel fasset, der hatt on zweyfel gnug, das er nit mer bedarff, on dz gott auss überfluss eben das in andern büchern auch reichlich leeret. Es ist aber über das nichts anders, dann hie hat der Apostel nichts vergessen, was not ist eim Christen zu wissen.“
(2) Das Plakat „Alle Menschen sind Gottes Kinder“, in kirchlichen Schaukästen vor Jahren publiziert, lässt Gottes Wort außer Acht (Jo 3, 16; 1. Jo 5, 12). Der Wunschtraum, sämtliche Menschen harmonisch in Gottes Reich zu fügen, bleibt aber trotz Irrtum aktuell (z.B. Prof. Hans Küng. Zur Erhaltung des Weltfriedens ist für ihn ein Religionsfrieden Voraussetzung. Deshalb meint er, dass die verschiedenen Weltreligionen in den zentralen Grundfragen – wie etwa bei den Zehn Geboten – tatsächlich eine ähnliche Ethik haben sollen. Deshalb entwickelte er das Projekt Weltethos, denn nur über die Bewusstmachung gemeinsamer Werte könnten verschiedene Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben.)
(3) Die Märtyrer der ersten Jahrhunderte schöpften viel Kraft aus diesem Wissen: Keine Optimisten, keine Pessimisten sondern Realisten!
(4) Sicher nicht zufällig stehen diese drei Adjektive im Buch der Weisheit Salomos als Aussagen über die himmlische Welt (Weish 12, 1; 18, 4; 4, 2; 6, 13;
(5) In der Bibel kommt der Himmel meist im Plural vor. Dadurch wird angedeutet, dass er verschiedene Dimensionen hat (2. Ko 12, 2), die von Menschen noch nicht vollkommen beschrieben werden können.
(6) Wie leicht und nachhaltig weltweite Finanzkrisen durch Missmanagement, Raffgier und Betrug entstehen können, wurde spätestens 2008 klar.
(7) Synergismus (griech: Zusammenwirken) bezeichnet die falsche Lehre, die in der Errettung des Menschen eine Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch sieht. Man muss nur… (S. sämtl. Religionen). Das Evangelium betont: Das macht Gott ganz allein! Nirgends sonst wird der Stolz der Menschen so verletzt wie am Kreuz Jesu. Man will doch auch seinen Beitrag leisten… Antwort: Aber nicht hier! (Rö 3, 28; Phil 2, 5-11; Hebr 9, 12).
(8) „Uns Christen geht´s zwar dreckig, wir zeigen´s nur nicht so.“
Die Freude der Hebräer erfasste den GANZEN Menschen, war ECHT. Bibelstellen, die wir heute dagegen kaum propagieren: 2. Sam 6, 14; Mal 3, 20. So was „schickt sich doch nicht“.
(9) Aber die Leiden und Anfechtungen bei Abschlussprüfungen haben den Sinn, bestandene Examen bescheinigt zu bekommen. Niemand wünscht einem Prüfling mehr Druck, aber jeder hofft für ihn auf eine gutes Ende.
(10) Die DEGUSSA (Dt. Gold- und Silberscheideanstalt) reinigt z. B. Edelmetalle durch Hitze. Das schadet dem Metall nicht, befreit es aber von Verunreinigungen. Echtes bleibt erhalten.
(11) Wie in der Antike siegreiche Feldherren ihre Rückkehr und Ankunft prächtig gestalteten, wird Jesus seine Leute zum Jubeln bringen. Er kommt in Macht und Herrlichkeit (2. Thess 2, 8; Offb 19, 11ff).
(12) Daran änderte sich nichts. „Herr, wann…?“ (Mt 24, 3; Mk 13, 4; Lk 21, 7) war immer hochinteressant. Und Prediger aller Zeiten wurden besonders gern gehört, wenn sie zwischen aktuellen Ereignissen und der Wiederkunft Jesu verlässliche Verbindungen sahen. In kaum einem anderen Bereich wurde so viel analysiert, spekuliert und prognostiziert – und dadurch auch viel Leid produziert. Ganze Völkergruppen verließen ihr Heimatland im guten Glauben, ihrem Herrn „entgegen zu gehen“.
Trotzdem schmälern eigenmächtige Auslegungen nicht die Kraft des Wortes Gottes und die Sicherheit der Wiederkunft des Herrn.