Monatsthema: Leben in der Ewigkeit beim Herrn
Predigtthema: AUsblick in die neue Schöpfung des Herrn
Bibelstelle: Offenbarung 21, 1-8
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Die Offenbarung ist das Buch der leidenden Gemeinde, die auch ecclesia pressa genannt wurde.
„Dieses Buch wird hauptsächlich in der Anfechtung geschätzt“ (J.A. Bengel). Es sollte in erster Linie die Gemeinden in Kleinasien zur Standhaftigkeit im Leiden ermuntern, aber auch der ganzen Gemeinde Jesu aller Zeiten Trost und Halt bieten.
Die Offenbarung war also nicht vorrangig als „Fahrplan“ für die Endzeit gedacht.
Die beiden letzten Kapitel handeln vom neuen Himmel und der neuen Erde.
Nach dem Herausritt des weißen Reiters (19, 11) folgt nun das Herabsteigen der vollkommenen Gottesnähe auf die (erneuerte) Erde.
Die Verse 1-8 beschreiben den langersehnten Gipfel der Geschichte. Endlich wird das Allerheiligste wieder sichtbar: Gott ist alles in allem (1. Ko 15, 28; Eph 1, 23; Kol 1, 17).
Deshalb ist auch dieser Text KEIN DROHTEXT – trotz V8 -, sondern eine Frohe Botschaft: Evangelium.
Erklärungen und Tipps:
V 1 Jesaja meinte mit Neuschöpfung noch eine Reparatur, Verklärung oder Wiederauferstehung der alten Welt. (1) Der alte Kosmos wird aber radikal durch Neues ersetzt: ALLES.
Der wiederkommende Herr gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche (Mk 2, 22). Er ist viel radikaler als alle Weltverbesserungsprogramme. (2)
Die Offenbarung zeigt aber auch, dass die Menschen dann nicht „in den Wolken“, in einem visionären Himmel mit Gott allein zusammen sind. Die neue ERDE meint greifbare Zustände.
Adam (übersetzt: Erdling“) lebte auf der Erde (hebr.: adama). Die Menschen gehören seit der Schöpfung zur Erde. Und deshalb weisen die Propheten im AT bei Erdkatastrophen immer auf Menschensünde und Gottes Gegenwart hin.
Die neue Welt ist dämonenfrei.
Die neue Welt kennt keine Ozeane. (3) Weltmeere? Fehlanzeige.
V 2 Kein formloser Haufen von gläubigen Menschen wird vorgestellt, sondern eine ordentlich gebaute Stadt. (4) Es wird also ORDENTLICH zugehen, ein Sehnsuchtsziel aller Menschen. Alle Gemeinschaftsprobleme unserer Zeit werden gelöst sein.
Hier geht es um das HOCHZIEL aller Gläubigen; die vollkommene Vereinigung mit Gott.
Gott erlöst nicht nur personal („Hauptsache, ICH bin gerettet und komme in den Himmel!“), sondern universal.
Jerusalem überdauert als einzige Stadt der Welt seit 1000 vChr. Der damals gestiftete Bund Gottes hatte schon die gesamte Menschheit im Blick. Das Herzstück des Bundes: Ich bin da! (5)
Jerusalem und sein Tempel waren das „Absteigequartier Gottes“ (Adolf Pohl). Von hier aus wollte Gott alle Völker erreichen, sie zurückholen und segnen.
Gott hat Israel die Treue gehalten trotz Zerstörung, Zerstreuung und Zertretung, bis nur noch ein Rest seiner Gegenwart deutlich war: Jesus am Kreuz. Er war allein noch „Tempel“ (Jo 2, 19ff).
Gottes Geduld verzögert noch die Offenbarung des neuen „Jerusalem“ und des neuen Lebens (Kol 3, 3). Deshalb gilt „Unsere Hauptstadt ist im Himmel“ (Phil 3, 20), ist „droben“ (Gal 4, 26).
Das neue Jerusalem wird nicht von unten nach oben gebaut wie alles Menschliche und wie der Turm von Babel. Menschliche Anstrengungen errichten weder eine Gottesstadt noch einen Gottesstaat. Gott macht das „von oben her“ – ohne jedes Zutun von Menschen. Der „Baumeister und Schöpfer“ (Hebr 11, 10) ist Gott selbst.
Das Bild der Braut (19, 7f) wird mit der Vorstellung einer Stadt verbunden. (6)
V 3 Hebr 11, 9 bezeichnet das „Zelten“ als Gegensatz zum Wohnen in einer befestigten Stadt. Abraham war noch nicht am Ziel.
Das „Zelt“ erinnert an die Stiftshütte.
Aus dem Gegeneinander wird ein Miteinander. Der Mensch muss nicht mehr außerhalb des Paradieses wohnen.
„SEINE Völker“ irritiert das Ohr des geübten AT-Lesers (Hes 11, 20; 14, 11; 34, 24; 36, 28; 37, 23; Jer 7, 23; 11, 4; 24, 7; 30, 22; 31, 1. 33; 32, 38).
Gott beschränkt sich nicht auf die heute als fromm bekannten Leute. ER hat an allen Interesse (1. Tim 2, 4).
V 4 Ein Missverständnis der biblischen Bildersprache wäre der Schluss, dass auf den Strassen des neuen Jerusalems noch geweint würde. Es geht um das vollkommene Heil, das nicht mehr getrübt ist (Jes 25, 8; 35, 10; 65, 19). Der Gott des Trostes wird klar erkennbar.
Auch der Tod ist endgültig vernichtet. „Es hat sich ausgetötet.“ (Adolf Pohl).
V 5 Gott lässt nicht nur von sich hören. Er spricht selbst direkt Alle an.
„Siehe!“ meint nicht zuerst das optische Erscheinungsbild, sondern: „Passt jetzt auf!“
„Neu“ bezieht sich auf V1. (7)
Gott lässt sein Wort u. a. aufschreiben, damit man ihn befragen kann.
Johannes schrieb hörend und gehorsam (Offb 1, 11).
Auf Gott hören und ihm gehorchen schafft Gewissheit (Rö 5, 21).
V 6 Das göttliche Amen erinnert an seine Beurteilungen von 1. Mo 1. Alle seine Worte haben sich nun umgesetzt in Tatsachen (Ps 33, 9), keins von ihnen ist verloren, vergessen und hätte sich nicht erfüllt.
Die „lebendige Quelle“ ist der Traum wohl jedes Menschen (Jo 4, 15; 6, 35; Ps 107, 5; Offb 7, 16). (8)
Wasser kann auch als Feind des Menschen wirken (siehe Fußnote 3), sobald es aber aus Quellen fließt oder mit dem Regen erlebt wird, ist es ein Element des Lebens, das kaum weniger wichtig ist als Licht.
Die Menschheit „dürstet“ nach Gott. Alle ahnen oder glauben, dass ein Gott ist. Sie wissen nur nicht WER der wahre Gott ist (Rö 1, 21). (9)
Durch Freude an Gott wird der Mensch „getränkt“ (Ps 42, 2f; 36, 9f; 63, 2-4; Jer 2, 13; 7, 13).
David wertet diese Versorgung durch Gott höher als sein eigenes Leben (Ps 63, 2-4). Durst nach Gott ist letztlich der Wunsch nach einer Rückkehr ins Paradies, in die unmittelbare Gottesnähe zurück. DIESEN Durst will Gott stillen. Es geht dabei nicht um ein Hoffen auf ein Schlaraffenland!
„Und was soll des koschte? – Nix!“. UMSONST. Gnade verschenkt Gott. Sie kostet den Menschen nichts außer ein Akzeptieren und Annehmen, dafür den Sohn Gottes aber das Leben.
Jesus starb nicht „umsonst“, aber die Vernichtung aller Schuldbriefe und -listen ist umsonst (Kol 2, 14).
„Es ist vollbracht!“ (Jo 19, 30) erweist sich nun auch sichtbar als Realität. Glauben wird zum Wissen und Erleben.
V 7 Das „umsonst“ wird durch die Beschreibung des „Erben“ und des adoptierten Sohnes unterstrichen. Erbe wird zugeteilt, nicht verdient.
Dieses Erbe umfasst alles, was „Leben“ (V6) bedeutet. Kein Jesusnachfolger wird bei der „Testamentseröffnung“ dadurch überrascht, dass er eventuell leer ausgeht.
Der Satz hängt mit V3 allgemein zusammen, bezieht sich aber auf das persönliche Verhältnis zu Gott, auf die Gotteskindschaft. (1. Jo 3, 2). Und im Textzusammenhang dieser Verweisstelle zieht Johannes die Konsequenz: „Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich.“ (1. Jo 3, 3).
Jesusleute sind folgerichtig Leute, die ihm schon hier richtig folgen.
V 8 Dieser Vers wird in den meisten Predigttextvorschlägen ausgelassen, aber er gehört (leider?) dazu.
Die „Marschkolonne der Verlierer“ (Adolf Pohl). Vornedran sind die „Feigen“. In der ersten Christenheit war
damit der Glaubensabfall gemeint (Jo 14, 27; Mt 8, 26; Mk 4, 40; 2. Tim 1, 7; Hebr 10, 36), das „Waffen strecken“, die Resignation der Leute, denen ihr Wohl letztlich wichtiger war als ihr Heil. (10)
Die Übrigen in dieser Aufzählung hatten ihren Übertritt auf die Gegenseite bewusst vollzogen und so was hat sittliche und religiöse Folgen.
Über die zukünftigen, allerdings krass unterschiedlichen Wohnorte der Gläubigen und Ungläubigen wird auch spekuliert. Bleiben wir deshalb beim Text. Der feurige Pfuhl muss nicht ausgemalt werden.
Für die Jüngerschaft beim Herrn Jesus und für das Reich Gottes werden Kandidaten GEWONNEN, nicht durch Verängstigung in Gottes Arme getrieben (1. Ko 9, 19; 2. Ko 5, 11).
Es wird ein „Drinnen“ und ein „Draußen“ geben (1. Jo 5, 12). Der Tod des Gottessohns hat nach dem Sündenfall die schwerwiegendsten Folgen aller Zeiten. Er war nicht umsonst.
Der „zweite Tod“ beschreibt den endgültigen, ewigen Verlust des Lebens nach der Beerdigung.
Gliederungsvorschläge
A (von Konrad Eissler)
1. Statt Untergang Neuanfang
2. Statt Runderneuerung Totalerneuerung
3. Nicht Vertröstung sondern Trost
B (nach Günter Wachler)
1. Die neue Welt durch Gott
2. Das neue Leben mit Gott
3. Die neuen Menschen aus Gott
C
1. Das Schönste kommt noch
2. Gott ganz nah
3. Die neue Welt ganz heil
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Fußnoten
(1) Ole Hallesby geht viel zu weit, wenn er die Neuschöpfung als eine genaue Auferstehung der alten Welt auslegt: „So werden wir das Ganze am Morgen der Auferstehung wiederfinden: unser schönes Land (Einschub: er denkt an sein Norwegen), an das uns Gott mit so vielen und feinen Bindungen gebunden hat. Der liebe Wohnflecken mit den vielen Erinnerungen, die das alte Gemüt so jung und das harte Herz so weich wie Wachs machen können, der alte Hof …, das Pferd, der Hund, die Katze und das Schaf – wir werden das alles zusammen wiederbekommen.“ Allerdings fügt er hinzu:
„Wohl weiß ich, dass hier der eine oder andere Philister verfängliche Fragen stellen kann.“ (Hallesby, Himmel, Tod und Hölle, Wuppertal 1958, s. 94).
(2) Ökologisches Verhalten, Klimaschutz, Bankenrettungsmaßnahmen sind gemessen an der Neuschöpfung Flickwerk.
(3) Das Meer wurde vom Menschen immer als Feind betrachtet.
Aus dem Meer tauchte das „Tier“ auf samt Lästerung, Verführung, Verfolgung und Mord (13, 1). Diese böse Quelle ist in der neuen Welt verschwunden zu Gunsten des neuen Quells (22, 1.17).
(4) Die Griechen erwarteten in der STADT (griech: polis) eine fortschrittliche, bürgerliche Verfassung und Rechtsordnung, weniger an Stadtmauern.
In Israel war gerade das Wohnen hinter schützenden Mauern wichtig.
Städte haben aus verschiedenen Gründen Anziehungskraft und bewirken die „Landflucht“.
(5) Martin Buber (jüd. Theologe und AT-Übersetzer ins Deutsche) formuliert den Gottesnamen nicht mit „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mo 3, 14) sondern „Ich bin doch da!“.
(6) Bräute zeigen sich bei der Hochzeit in jeder Beziehung von der allerbesten Seite, unübertrefflich.
(7) Die Lehre der sog. Allversöhnung/Wiederbringung erwartet hier noch eine komplette Neuschaffung, auch im Bezug auf die Insassen des Feuerpfuhls inkl. Teufel. Hier ginge es nur um eine Überleitung zu einer vollen Zielerreichung, bis also nach V5 auch der Feuerpfuhl erneuert werden soll. Konkrete, unmissverständliche Gottesverheißungen für diese These existieren nicht.
(8) Lebendiges Wasser wird als Bild bleibenden Lebens gebraucht (Sach 14, 8; Jo 4, 10; 7, 38; vgl. Offb 7, 17; 21, 6; 22, 1.17).
Der Durst nach Leben kann ohne Jesus nicht gestillt werden.
Goethe: „So tauml‘ ich von Begierde zu Genuss, und im Genuss verschmacht‘ ich nach
Begierde.“ (Faust I, Wald und Höhle)
Shakespeare: „Nichts ist gewonnen, alles ist dahin, stehn wir am Ziel mit unzufriednem Sinn.“ („Macbeth“, 3. Akt, 2. Szene / Lady Macbeth).
Siehe auch Jer 2, 13.
(9) Das Erahnen eines Gottes gehört zum Menschsein. Und wer den lebendigen Gott nicht akzeptieren will, schafft sich unweigerlich eigene Götzen. Die Vielfalt der Gottesbilder in den Religionen sprechen Bände. Auch die Atheisten kommen nicht davon los. „Das Langweiligste an den Atheisten ist, dass sie ständig von Gott reden müssen.“ (Heinrich Böll).
(10) Es ging dabei oft um Tod und Leben und wir können heute kaum mitreden. Wenn jemand den Kaiser nicht als Gott verehrte, wurde ihm geholfen. Er brauchte z. B. nur zwei Weihrauchpillen in der flachen Hand zu halten, die dann ein Anderer durch Darunterschlagen ins geweihte Feuer beförderte. Nicht vergessen: Es ging oft um das nackte Überleben auch der engsten Familienangehörigen.