Jona

Predigthilfe vom 1.6.2008 – Jona 1, 1-16

Monatsthema: Leben unter der Leitung des Herrn
Predigtthema: Gebotene Retterliebe

Bibelstelle: Jona 1, 1-16

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Jona ist der einzige Prophet im AT, der vor Gott floh. Der Verfasser des Buches ist nicht bekannt. Die Symbolik des Buches wurde allerdings weltbekannt: Jona und der Fisch, Ninive und der Rizinusstrauch.

Die Geschichtlichkeit der Person ist vor allem durch Jesus belegt (Mt 12, 38-41; 16, 4; Lk 11, 29-32).
Das Buch zeigt die LIEBE GOTTES, aber auch den engherzigen Nationalstolz der damaligen Juden (Jona 4, 1-3). Ninive war Hauptstadt des in dieser Zeit schlimmsten Feindes Israels, das religiöse Zentrum in Assyrien. Jona ist auch ein Bild des Volkes Israel, das seinen Auftrag an die Heidenwelt nicht erfüllt hat.
Ebenso wird hier schon Jesus Christus angedeutet (Mt 12, 40).
Jesus, seine Zeitgenossen, auch Luther hielten das Buch Jona für einen wahren Bericht.
Es wird deutlich, dass Glaube nie Vorherwissen ist und dass GOTTES WORT das Entscheidende bleibt.

Erklärungen und Tipps:
V 1 Gott spricht nicht nur: sein Wort GESCHIEHT! (1. Mo 1, 3ff; 1. Sam 15, 10; Jes 38, 4; 40mal bei Jeremia; Ps 33, 9; Jo 11, 43ff; u. v. a.). Sein Wort WIRKT mächtig (Jer 23, 29; Mt 8, 8.16).

V 2f „Aufmachen und gehen“ sind Schlüsselworte für Gehorsam. Konsequenzen ziehen aus Gottes Wort. Vieles erfährt man in Gottes Schule nicht beim Bibellesen oder Zuhören: Man muss Schritte wagen (1)
Auch Gemeinden (besser: Gemeindeglieder!) müssen wieder lernen, hinzugehen. Das übliche „Komm-Prinzip“ der Gemeinden (Einladende Programme, fesselnde Predigten und beeindruckende Räumlichkeiten) muss auch wieder „GEH-Prinzip“ werden (Hingehen, persönlich Menschen einladen und gewinnen, sie auch vor, während und nach der Wortverkündigung begleiten).
TUN, was Gott will.
Jona muss allerdings Gericht predigen – und das in Feindesland mit ungewissen Konsequenzen. Für den eingefleischten Israeliten eigentlich unvorstellbar und schon deshalb unangenehm.
Größer als Jonas Angst vor den Feinden war wahrscheinlich die Sorge, dass Gott außer Israel auch dessen Feinden gnädig sein könnte (Ps 9, 4-7.16-21). Er wollte, dass alle Heiden erführen, dass sie verloren sind. Als er prophezeien durfte, dass im Norden das ganze Gebiet von Hamath bis ans Meer für Israel zurück gewonnen würde, war er sofort und gern dabei (2. Kö 14, 23-25).
Mission ist aber immer auch Passion im Sinn von Leiden – aber auch von Leidenschaft.
Menschen wollen Gottes Wort zu jeder Zeit gern ausweichen (Rö 1, 21). Sie wissen, dass es einen Gott gibt, wissen aber nicht WER dieser Gott ist und bilden sich zwangsläufig Götzen (s. auch V 5).
Auch Gläubige können zeitweise versuchen, ohne Gott zu sein (Ps 139).
Ninive (s. Bibellexikon), eine Weltstadt im Land der erbittertsten Feinde Israels. Aber „Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken“ (Jes 55, 8).

V 3 Jona gehorcht nur teilweise. (2) Ein Beispiel für Christsein ja, aber doch nicht so ganz, ein Problem aller Generationen von Gläubigen (1. Kö 18, 21).
„Gott will uns auf ganzer Linie haben mit Denken, Fühlen, Wollen und Vollbringen“ (Gerhard Maier).
Tarsis lag am allerletzten Ende der Welt (s. Bibellexikon) (3). Heute ein unbedeutendes Dorf beim spanischen Huelva. Tarsis war eine reiche Stadt, in der Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Mangan und Zinn gefördert wurden.
Jona flüchtete ins Ausland, ging „hinab nach Jaffa“, eine Philisterstadt. Aber auch in seinem Herzen ging es „abwärts“ mit ihm. Er kam hinab, immer tiefer. Ein Weg für den die Unkosten/Fahrtkosten umsonst gezahlt werden.

V 4 Gott schuf und beherrscht die Natur. Stürme kann er „werfen“ und als seine Engel (Hebr 1, 7) und Diener einsetzen. Dem See Genezareth sagt er: „Schweig und verstumme!“ (Mk 4, 39), ein anderes Mal schickt er Erdbeben und Feuer (1. Kö 19, 11f), beim Tod Jesu ist auch die Natur berührt (Mt 27, 51ff), noch deutlicher am Ende der Weltzeit (Offb 16).

V 5 Matrosen waren immer eine internationale Truppe. Trotz Hochsee-Erfahrungen erinnert sich jeder an seinen Gott, nur Jona nicht. Heiden wissen, DASS ein Gott ist (Rö 1, 20ff), aber nicht WER Gott ist.
Not lehrt beten – aber sonst auch fluchen. (4)
Luthers Übersetzung „Ladung“ waren genauer „Geräte“, d. h. Anker, Kompass, evtl. auch Seilwinden usw.,
überlebenswichtige Utensilien. In der Not zeigt sich, was einem wichtig ist. „Wenn alle Stricke reißen“ zeigt sich, woran unser Leben hängt.

V 6 Schlafen kann man, wenn einen nichts mehr interessiert. Im Schlaf vergisst man.
Auch Elia schläft auf seiner Flucht unter einem Wacholder ein (1. Kö 19, 4f). Ermattung und kein Interesse an der Zukunft. (5)
„Schiffsherr“ ist ein heidnischer Kapitän und der erinnert einen Mann aus dem Gottesvolk an seinen Gott.
Israel hat öfter solche Impulse von außen gebraucht, – wer nicht? (6)
Hier entlädt sich der Zorn eines Heiden gegenüber einem Gläubigen, der den Rest der Welt im Stich lässt.
Zwar hatten auch die Athener Heiden aus Vorsicht einem „unbekannten Gott“ einen Altar gebaut (Apg 17, 23), aber auch Heiden planen vor, sichern sich ab, beugen möglichst allen Eventualitäten vor. (7)

V 7 Auch Heiden rechnen mit dem „Schicksal“. (8) Im tiefsten Grund ahnen sie die Folgen der Sünde gegen Gott und damit zwangsläufig die Trennung von Gott.
Die SCHULDFRAGE wird gestellt, typisch menschlich.
„Meister, WER hat gesündigt…?“ (Jo 9, 2).
Lose werden geworfen, wenn Menschen mit ihrer Weisheit am Ende sind (Jos 7, 10ff; 1. Sam 10, 17ff; Jes 44, 9ff; Ps 115). Dieses Loswerfen endet Pfingsten, ein letztes Mal Apg 1, 26. Seitdem gilt: „Welche der Geist Gottes leitet, die sind Gottes Kinder“ (Rö 8, 14).
Genauso wie Gott der menschlichen Unvollkommenheit entgegenkommt und sich klein macht (Jo 20, 27), spricht er Jona über dessen Kontakt mit Heiden an. (9)

V 8 Bewundernswert, dass kein „kurzer Prozess“ folgt.

V 9f Endlich kommt das Bekenntnis, „Hebräer“ zu sein (5. Mo 26, 5; 5. Mo 6, 24), also eigentlich einer, der dem lebendigen Gott gehören will.
Die „Furcht vor Jahwe“ ist in diesem Fall nicht nur Ehrfurcht, sondern die innere Einstellung eines ertappten Sünders.
Aber sogar die Angehörigen anderer Religionen wissen, dass man vor einem Gott nicht weglaufen kann (Ps 139).

V 11 Heiden bitten einen Gottesmann um Rat! (10) Jona bekennt sich zu seiner SCHULD vor Gott und weiss, dass er den Tod verdient hat.
GENAU DESHALB ging Jesus ans Kreuz! (2. Ko 5, 21; Phil 2, 7ff; Rö 6, 23). Gottes Hilfe ist rettende Gnade durch Christus (Rö 6, 8).

V 12 Jona bekennt seine Schuld und weiß, dass die Folge das Gericht Gottes ist.
„Besser, er sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk…“ (Jo 11, 50ff).
Aber Gott hat Jona nicht fallen lassen.
Für uns: Wer einmal etwas mit Jesus erlebt hat, kann nie mehr so tun, als ob nichts wäre. (11)
Gerhard Maier: „In diesem Abschnitt des Jonabuches erkennen wir drei Grundmotive im Handeln Gottes: seine Treue, seine geduldige Liebe, seine Beharrlichkeit in der Durchführung seiner Pläne.“
Jona möchte hier immer noch „was TUN“ für seine Schuld, auch wenn es seinen Tod bedeutet: Wenn dadurch nur Gott zufrieden gestellt wird. (12)
Gott braucht keinen Jona, aber Jona und alle Leute auf ähnlichen Wegen brauchen Gott.

V 13 Heiden geben sich größte Mühe um einen „Heiden“ aus ihrer Sicht. (13)
Typisch für alle menschlichen Versuche: „Sie konnten nicht!“. Gegen Gott kann kein Mensch ankommen. Weder die Flucht noch aktives Gegensteuern können helfen.
Gottes Hilfe und Beistand ist REINE GNADE (1. Petr 1, 13).

V 14 Endlich rufen sie sogar Jahwe, den fremden, aber lebendigen Gott an. Heiden wollen kein „unschuldiges Blut“ vergießen. Und dass Götter Opfer verlangen, um ihren Zorn zu stillen, ist jeder Religion bekannt.
Sie bekehrten sich nicht, strebten nur die Rettung aus ihrer aktuellen Not an. Typisch menschlich.

V 15 Für die Seeleute galt: Lieber ein Ende mit Schrecken als …
Jona wird „für Wichtigeres“ geopfert. Das Meer war immer Bild für Gefahren und den Tod.
Manchmal muss Gott bis zum Äußersten gehen, um seine Leute vor Schlimmerem zu bewahren. (14)

Gliederungsvorschlag
1. Gott will was
2. Nichts wie weg
3. Gott bleibt gnädig
__________________________

Fußnoten
(1) Kolumbus hätte nie etwas von Amerika gesehen, wäre er nicht hingefahren. Hudson Taylor machte seine „Riesen-“Erfahrungen mit Gott im fernen China.
(2) Gottes Weisungen wurden oft halbherzig befolgt. So wurden sogar Leiter von Missions- und Diakoniewerken zu „sozial ausgerichteten Gutmenschen“.
(3) Noch weiter entfernt konnte man sich kein Land mehr vorstellen. Erst viel später fuhr Kolumbus von hier ab nach Amerika.
(4) Ein Bruder sagte, dass man in Not und Leid immer ein Stück vorwärts kommt, – allerdings fast immer nur in der Richtung, in der man sich vor der Not bewegte.
(5) „Lasst den Karren laufen!“ sagten die Knechte, die ab 1792 verurteilte Delinquenten in Paris karrenweise zur Guillotine (Fallbeil) transportierten, wenn ihnen das bergab schlitternde Fahrzeug entglitt, d. h. „Es hat eh´ keinen Wert mehr.“
(6) Melchisedek (1. Mo 14, 17ff), Bileam (4. Mo 22-24), Ebed-Melech (Jer 38, 7ff).
Prälat Oetinger spricht von der „Weisheit auf der Gasse“.
(7) „Wenn es nur hilft, auch wenn ich nichts davon verstehe“ fast ein Glaubenssatz homöopathisch ausgerichteter Patienten, denen die Wirkstoffe eigentlich egal sind.
(8) Ganz deutlich im griechischen Denken: Untaten werden von den Göttern bestraft bis in die Hölle hinein: Errinyen, Furien, Megären, Rachegöttinnen quälten die Untäter noch nach deren Tod.
(9) Gott kann seine Leute sogar über Anhänger des Islam auf Wichtiges hinweisen lassen. Wenn er ALLEN helfen will, dann gehört sogar ein Dalai Lama dazu (1. Tim 2, 4). Wer Heiden gern meidet, wird sie kaum für das Evangelium gewinnen können.
(10) Im großen Leid sind Menschen offener für Rat und Hilfe, s. Trauerfamilien und Beerdigungen.
(11) Jungscharleiter, Eltern und gläubige Verwandte leiden schwer darunter, wenn ein ihnen Vertrauter „nicht mehr auf dem Weg ist“: Wieder die Welt lieb gewonnen (2. Tim 4, 10), geschieden, o. a., eben „nicht mehr dabei“. Der Herr hat einen langen Arm und einen langen Atem und hat auch einen Thomas angenommen und aufgebaut (Jo 20, 24-31).
(12) Dietrich Bonhoeffer: „Ein ‚unbiblisches Denken, das von menschlichen Problemen ausgeht und von dorther nach Lösungen sucht.’“ Bonhoeffer schrieb weiter: „Nicht von der Welt zu Gott sondern von Gott zur Welt geht der Weg Jesu Christi und daher der Weg alles christlichen Denkens.“
(13) Man kann sich manchmal auch von Leuten, die nicht an Jesus glauben, „eine Scheibe abschneiden“. Ein geduldiger Lehrer, ein weitherziger Polizist, ein sich aufopfernder Notarzt, ein nachsichtiger Richter, usw.
Auch Menschen, die Gott nur ahnen, sind Geschöpfe Gottes und haben mehr „mitgekriegt“, als sie selber wissen.
(14) Gott im Bremserhäuschen. Erst als Jakob endlich am Ende war, konnte ihm Gott wieder begegnen (1. Mo 32, 23-32). Manchmal hilft nur Gottes Bremse: Anders kommen wir von unserem hohen Ross nicht herunter.