Matthäus

Predigthilfe vom 20.4.2008 – Matthäus 24, 45-51

Monatsthema: Leben aus der Beziehung zum Herrn
Predigtthema: Mit der richtigen Einstellung füreinander leben

Bibelstelle: Matthäus 24, 45-51

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Der Textzusammenhang ist wichtig! – wenigstens ab V 32.
Drei Gleichnisse verdeutlichen nun das „Immer bereit sein“. (1)

Erklärungen und Tipps:
V 45 Das Wort von den Knechten (griech. Sklaven) bezieht sich zuerst auf die Jünger, dann besonders auf Verantwortliche in der Gemeinde (2) und schließlich auf alle, die dem Herrn dienen wollen.
Das Wort für „treu“ bedeutet ursprünglich zuverlässig und glaubwürdig.
„Klug“ meint auch verständig, einsichtsvoll, auf etwas bedacht sein.
Unter „zu essen geben“ ist sicher diakonisches Handeln gemeint, aber es geht auch um das Wort Gottes, die „geistliche Speise“ (Jo 6, 27.55; 1. Ko 3, 2; 1. Petr 2, 2; Hebr 5, 12f).
„Rechte Zeit“ (s. Ps 145, 15) (3). Das Evangelium soll zu JEDER Zeit weitergesagt werden (2. Tim 4, 2).
Verantwortliche Knechte haben die Aufgaben, 1. keine Zeit zu versäumen und 2. für „Vollwertkost“ zu sorgen. (4) (5)
Gerhard Maier: „Gepredigt werden muss zur Zeit oder zur Unzeit“, d. h. immer (vgl. 2. Ko 4, 13). Zur Seelsorge und Verteidigung des Glaubens jedoch braucht man Weisheit und den gottgeschenkten Augenblick (Eph 4, 29; 5, 15ff; Kol 4, 6).“

V 46 „Glücklich“ ist das Wort aus den Seligpreisungen. (6)
Wichtiger als Wissen und sein (auch geistliches) Wissen von sich geben ist das TUN (Mt 7, 21).
Menschlich große Leistungen haben vor Gott noch lange nicht den gleichen Stellenwert. Menschen wurden mittlerweile auf LEISTUNG getrimmt. (7)

V 47 Wahrlich = Amen. So wurden grundsätzliche Erklärungen eingeleitet. D. h., Hört jetzt genau her! Hier geht es um Wesentliches!
Nachfolger Jesu werden einmal mit ihm im 1000-jährigen Reich regieren (1. Ko 6, 2f; 1. Thess 4, 17; Offb 3, 21; 20, 4ff.) und auf Thronen sitzen.

V 48 Jesus bringt ein BEISPIEL und stellt diesen Knecht nun ganz anders vor.
Dieser Mitarbeiter denkt (griech: sagt sich in seinem Herzen). Das „Denkergebnis“ ist Ungehorsam gegenüber seinem Herrn.
Atheisten meinten zu allen Zeiten (8): Der Messias kommt nie wieder (Mt 25; 2. Petr 3, 3ff).

V 49 D. h. Verantwortliche beginnen, ihre Mitarbeiter zu bedrängen. Gründe können sein: Äußerer Eindruck des Gemeindekreises: zu klein, zu wenig „action“, kaum vorzeigbare (!) Erfolge.
Solche verfallen leicht der Trunkenheit der Diesseitigkeit. Was sichtbar ist, zählt. Gott gewichtet aber auch hinter unseren Kulissen.
Die Gemeinden und Werke, z. B. die Äußere Mission, wuchsen dort sogar sichtbar, wo Gottes Wort über allen anderen Worten stand. Die Liste der „Missionen“, die in gesellschaftliche Themen abglitten, andere Religionen und ihre Götter wertschätzten, und heute nicht mehr existieren, sind lang.
Der äußere Zulauf ist nie letztes Symptom für geistliches Wachstums.

V 50 Unerwartet. Die Ungewissheit der Rückkehrtermine ihres Herrn sollte Knechte zum Handeln bringen.
Der Termindruck verführte allerdings auch treue Knechte immer wieder zum Rechnen mit dem Kalender. Termine gab´s auch noch und nöcher. (9)

V 51 “Vierteilen“ gehörte zu den schlimmsten Bestrafungen. (10) Vierteilungen waren in Israel aber nicht erlaubt. Jesus will das ganze Gewicht der Untat beschreiben.
Leitende Glieder sind mit besonderer Verantwortung betraut und dürfen sie nicht aufgrund ihrer „langjährigen Erfahrung“ oder ihrer eigenen Fähigkeiten wahrnehmen.
Nach diesem Wort kommen auch Christen wegen ihrer Verantwortung ins Gericht (Mt 10, 32f; 13, 49f; 22, 11ff; Rö 14, 10; 2. Ko 5, 10).
„Heulen und Zähneklappern/Zähneknirschen“ ist Beschreibung des Ortes, der im Blick auf die persönliche Vergangenheit den zu späten Wunsch weckt, im vergangenen Leben stärker auf Gottes Wort gehört zu haben.
Nicht vergessen den Trost für alle, die „nur“ Jesus nachfolgen wollen (Jo 5, 24).

Gliederungsvorschlag (nach Gerhard Maier)
1. Christ und Christ ist nicht dasselbe.
2. Welche Leute sucht Jesus?
3. Welche Leute sucht Jesus nicht?
4. Was tun, bis er kommt?
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Fußnoten
(1) Pfadfinderinnen und Pfadfinder gehen oft ins Lager. Unter den älteren Jugendlichen wird dann und wann unterwegs folgende Übung abgehalten: Die jungen Leute müssen innerhalb kurzer Zeit parat sein für einen mehrtägigen Ausflug in die Umgebung. Beim ersten Mal ist das eine heikle Sache: Was muss auf jeden Fall mit, was will man mitnehmen, was ist Ballast? Irgendwann hat man den Bogen raus und weiß sich zu beschränken. Der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, hat solche Übungen unter das Motto gefasst: Be prepared – Allzeit bereit!
(2) Ver-Antwortliche (im wahrsten Sinn des Ausdrucks): Vom überregionalen Gremienmitglied bis zum Gemeindeleiter. Auch hier die ganze Bandbreite: Vom manchmal verzagten Jüngeren, gerade mit der Aufgabe betraut, bis zum Treuen im Dienst ergrauten, der nicht rechtzeitig seinen Nachfolger aufgebaut hat.
Von der Kinderbetreuerin bis zum Hauskreisleiter. Wer Ver-Antwortung übernommen hat, wird auch einmal Antwort geben müssen.
Die Zahl der Gemeinden (Gemeinschaften), die sich nach dem Heimgang eines großen Bruders stark verkleinerten oder gar eingingen, ist zu groß. Beispiel: Unter großen Eichen wächst nur wenig Neues nach.
(3) Beispiel: Zur rechten Zeit … Sogar die Seelöwen im Zoo wissen von Fütterungszeiten. Wer nicht dabei ist oder nichts bekommt, bleibt hungrig. Sogar der Storch weiß seine Zeit (Jer 8, 7).
(4) Wenn verantwortliche Brüder bestimmte Bibeltexte weglassen oder ihre Lieblingsstellen zur Hauptsache machen, drohen der Gemeinde geistliche Entzugserscheinungen.
z.B. Skorbut (manchmal auch als Möller-Barlow-Krankheit bezeichnet) ist eine Erkrankung, die durch einen Mangel an Vitamin C (Ascorbin) ausgelöst wird. Folge: U. a. fallen Zähne aus. Durch Herzschwäche kann der Tod eintreten. Im Mittelalter starben viele Seeleute durch einseitige Ernährung (Pökelfleisch und Schiffszwieback). Die ersten Versuche, den Südpol zu erreichen, hatten durch Skorbut größte Nöte (Amundsen – Scott)
In den deutschen Konzentrationslagern („3. Reich“) und in Arbeits- und Vernichtungslagern der Sowjetunion (Archipel Gulag) starben viele Gefangene auch aus diesem Grund.
(5) Einseitige Wortauslegung ähnelt der Genmanipulation. Es wächst dann nicht mehr, was ursprünglich gemeint war.
(6) „Glückselig“ (griech: Makàrios), dasselbe Wort wie in den SELIGPREISUNGEN (Mt 5). Im Altertum nannte man die Insel Zypern im Volksmund „Makarios“ = glückselig. In den griechischen Sagen ist Zypern die „Insel, wo die Götter Urlaub machen.“ Makarios nannten sich zahlreiche Herrscher bis zum Erzbischof Makarios III., der seinen ursprünglichen Namen änderte und Zypern ab 1960 regierte.
Jesus verwendet hier einen Ausdruck, der in der damaligen Welt bekannt war.
(7) Beispiele: Wer eigene Leistung bringt ist anerkannt, vom Schüler bis zum hochgezüchteten Motor im Auto.
(8) Heinrich Böll (gläubiger, kathol. Schriftsteller): „Das Langweiligste an den Atheisten ist, dass sie ständig über Gott reden müssen.“
(9) Beispiele genug. Sie könnten aber konkret publizistisch wirken und das Vertrauen in Brüder einschränken, die sonst Hervorragendes über Gottes Wort sagten.
(10) In Römerzeiten wurde diese Höchststrafe durch das Schwert vollzogen, bis zum Mittelalter durch vier Pferde, die den Delinquenten zerrissen.