Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … hineinführt in die Gemeinschaft
Bibelstelle: Psalmen 133
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
Ein kurzer Psalm, der sich aber nicht nur für „Kurzandachten“ eignet…
Er könnte als Fortsetzung der Psalmen 127f gelten.
Friede und Eintracht sind die Ziele guter Politik in Völkern und Familien. Geistlicher Hausbau gelingt aber nur mit dem Segen Gottes. Jak 3, 16 + Jo 3, 16: Während Jakobus das oft Übliche beschreibt, das abhängig ist von Überzeugungen „Wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge“, stellt Jo 3, 16 die Möglichkeit des neuen, ewigen Lebens, allein durch Christus, vor.
Erklärungen und Tipps:
V 1 Zu „Siehe“: vgl. Predigttipp für Ps 132, 6 „Siehe“ meint Achtung, aufgepasst!
Das Wort „einträchtig“ steht nicht im Urtext, ist aber sachlich richtig und durch das „Beieinander“ angedeutet. (1) Das Beispiel stammt aus einer Zeit, als es in Israel noch Sitte war, auch nach dem Tod des Familien-oberhauptes das väterliche Erbe weiter in einer festen Wohn- und Arbeitsgemeinschaft zu bewirtschaften.
Das war nicht selten mit Reibereien verbunden (1. Mo 27, 41ff; 36, 7).
Wenn auch heute Verwandtschaften friedlich zusammenleben, fragt man: „Haben sie schon geteilt?“ Durch Erbstreitigkeiten entzweiten sich schon Königshäuser, Kinder und Ehepaare.
Der Psalmschreiber hält sich aber nicht mit den unerquicklichen Zuständen auf, sondern lenkt die Gedanken auf Gottes Tun (ab V 2).
Predigttipp: Entscheidend für das Leben von Gemeinschaften ist es, wie sie mit Konflikten fertig werden. Unbewältigte Konflikte lassen seelische Verletzungen entstehen, die schließlich auch das körperliche Befin-den beeinflussen. (2)
Paulus rät praktisch in Anlehnung an Jesus (Mt 5, 23f): „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen!“ (Eph 4, 26). Bereitschaft zur gegenseitigen Vergebung ist ein paulinisches Lieblingsthema (Rö 15, 1-7; 2. Ko 2, 7; Gal 6, 1f; Eph 4, 26.32; Kol 3, 13 – und etwas ironisch Gal 5, 15: „Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.“)
Die Vergebung Jesu nehmen Christen gern in Anspruch, aber das Weitergeben fällt ihnen manchmal schwer (Eph 4, 32). Jesus hat göttliche und zwischenmenschliche Vergebung unlösbar miteinander verbunden (Mt 6, 12). Paulus hat Ermahnung und Versöhnung nicht in den seelsorgerlich-privaten Bereich verschieben lassen. Der Auftrag der Gemeinde ist es, „zu vergeben und zu trösten, damit niemand in allzu große Traurig-keit versinkt.“ (2. Ko 2, 7) – und sich einer „einträchtigen Bruderschaft“ entzieht. (3)
Der anschließende Rat: „Darum ermahne ich euch, dass ihr ihm Liebe erweist.“ (2. Ko 2, 8)
Es geht nicht um verordnete Vergebungsstimmung! „Ablegen und Töten des alten Menschen“ (Eph 4, 22; Kol 3, 5.9) durch immer wieder neu notwendige Ausrichtung auf Jesus entzieht allem ichhaften Streiten den Boden.
So kann der GANZE Leib (Gemeinde) wachsen (Eph 4, 15).
Jesus versteht unter DEM Kennzeichen seiner Leute nicht zuerst Fischaufkleber, goldene Kreuzanhänger, Schaukästen oder die „rechte“ Gemeindezugehörigkeit, sondern schlicht und einfach die LIEBE unter seinen Geschwistern (Jo 13, 35). Die fällt auf.
V 2 Aaron war der „Ur-Vater“ aller Priester, von Mose gesalbt (3. Mo 8, 12).
Das Bild vom Salböl entspricht altem, orientalischen Verständnis. (4)
Salböl ist das Siegel der Einsetzung und Begabung durch Gott (1. Sam 10, 1; 16; 1. Kön 1, 32-35).
Der Hohepriester wird beschrieben: „auf dessen Haupt das Salböl gegossen und dessen Hand gefüllt ist und der angezogen ist mit den heiligen Kleidern“ (3. Mo 21, 10). Die heiligen Kleider, die Mose für Aaron anferti-gen ließ, werden in 2. Mo 28, 2-39 beschrieben. Das Salböl floss „bis auf den Halssaum seines Gewandes“.
Übrigens auch ein Bild für das „Einssein der Brüder“ (V1): Wie das Salböl die einzelnen Haare zusammen-hält, bleiben Brüder eins – „trotz Wind und Wetter“.
Gesalbter gilt auch als Bezeichnung des verheißenen Messias (vgl. Ps 2, 2), der Israel in Jesus Christus gesandt wurde (Jo 1, 41). Er ist König, Priester und Prophet in einem und von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt (Apg 4, 26; 10, 38).
V 3 „Von dem einen Ort gelangt gottgewirktes Leben zu den Vielen.“ (Dieter Schneider).
Vom Herrn allein geht der Segen aus (Neutestamentlich: Apg 4, 12). (5)
Vom Tau des Hermon ist Israel bis heute abhängig. (6) Aber nicht der Ort, das Gebirge, wird verehrt, so wie es in Kanaan und anderen Naturreligionen üblicherweise geschah, sondern der Herr, der auch durch natürli-che Vorgänge segnen kann. Dabei wird die Natur nicht zum Götzen.
Gott lässt von bestimmten Stellen aus einen Segen ins Land gehen. Neutestamentlich: Der „Berg der Brot-vermehrung“, der Teich Bethesda, Golgatha, die Westmauer des Tempels sind NUR Hinweise auf den Gott, der in Jesus Christus wirkt und segnet.
Gliederungsvorschlag:
1. Für Eintracht sind wir alle.
2. An Gottes Segen ist alles gelegen.
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Fußnoten
(1) Luther- und Elberfelder Übersetzungen fügen das Wort ein, die Zürcher Übersetzung nicht.
(2) Magengeschwüre sind häufig Hinweise auf ungelöste Konflikte. Die Bibel kennt psychosomatische Zu-sammenhänge. Vergebung und Versöhnung sind wirksame und kostensparende Therapien.
(3) Dietrich Bonhoeffer: „Sünde will mit dem Menschen allein sein. Sie entzieht ihn der Gemeinschaft…“.
(4) Der lang herabwallende Bart ist noch heute im Orient das Zeichen männlicher Schönheit und Würde. Das duftende Öl, das vom Haupthaar (bei Priestern unbeschnitten) ins Barthaar träufelte, wurde auch bei Grie-chen und Ägyptern als Köstlichkeit gerühmt.
Das Salböl dient also nicht kosmetischer Hautpflege. Durch Salbung werden Diener Gottes zu besonderen göttlichen Aufträgen Berufene und Geweihte. Mit der Salbung ist die Begabung mit dem Heiligen Geist ver-bunden (vgl. 1. Sam 10, 1ff), der den Menschen ändert und zum göttlichen Auftrag befähigt.
(5) Im Volksmund hielt sich diese Erkenntnis: An Gottes Segen ist alles gelegen. Alles Gute kommt von o-ben.
(6) Wie kommt das Land Israel eigentlich zu seinem Regen, und wie kommt es zu dem reißenden Jordan-fluss mit seinen fruchtbaren Auen? Der aus der arabischen Wüste von Süd nach Nord wehende heiße Wind schlägt sich an den immer kühlen, weil hoch gelegenen und oft verschneiten Hängen des Hermongebirges nieder. Das bei dem Zusammenprall von heißer und kalter Luft kondensierende Wasser wird in den Nacht-stunden bei entgegengesetzter Luftbewegung wieder auf den Norden und die Mitte des Landes als reichlich sich niederschlagender Tau abgegeben und speist natürlich insbesondere die Jordanquellen. Das ist der Tau des Hermon, der sogar herabrinnt auf die Berge Zions. So kommt gewissermaßen von einer einzigen Region das lebensnotwendige Nass auf das ganze Land – ebenso ist es mit der Segenskraft des Priesteröls, das vom Haupt Aarons die einzelnen Fasern des Körpers und der Dienstkleidung durchtränkt. (aus Dieter Schneider, Das Buch der Psalmen, Wuppertaler Studienbibel, Brockhaus)