Psalmen

Predigthilfe vom 19.8.2007 – Psalmen 132

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … hineinführt in den Gehorsam

Bibelstelle: Psalmen 132

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen:
Ein seltener Predigttext. Die Texterklärung ist einfacher als die Auslegung. (1) Das bedeutet aber nicht, dass der Psalm weniger Wichtiges über Gott und seine Leute enthielte.
Erinnerungen an Erlebnisse mit dem Herrn können neuen Mut für die nächsten Schritte wecken (Ps 103, 2; 2. Petr 3, 2; s. Konkordanz unter „denken, gedenken“).
Einen ewigen Gnadenbund hat Gott mit dem Haus Davids geschlossen: Seine Zuwendung bleibt unverdient. Davids Beispiel zeigt: EIFER UND DEMUT GEHÖREN ZUSAMMEN.
Ausleger verbinden deshalb Ps 132 mit der Rückführung der Bundeslade (2. Sam 6).
Gott hatte David sein Vorhaben mitgeteilt, einen festen Wohnsitz zu beziehen (2. Sam 7, 12f), der gleichzei-tig sichtbares Zeichen seiner Gegenwart und Treue sein sollte.
Man vermutet, dass dieser Psalm eventuell sogar von Salomo für die Tempeleinweihung verfasst wurde, vorgetragen und anschließend zur Liturgie des jährlichen Tempelweihfestes (Jo 10, 22 / = Chanukka) gehör-te.

Erklärungen und Tipps:
V 1 wörtl.: „Denke an Davids ganze Mühseligkeit, (die er sich´s hat kosten lassen)“. GOTT wird gebeten, nicht zu vergessen. Gleichzeitig erinnert der Text auch die Psalmsänger an Gottes Taten. Gottesdienst ver-bindet zuerst Gottes Dienst an uns mit unserem Wunsch, Ihm dafür dienen zu können.
Wer sich erinnert, hat eine Geschichte. „Erinnern springt über die Zeitgräben hinweg und setzt die Herrschaft Gottes über Welt und Geschichte voraus. Zeugen des Herrn sind Erinnerer an das Tun Gottes. (2)
V 2 Der Eid Davids entsprach dem Eid Gottes (s. V11). Gott ist treu und erwartet das auch von seiner Ge-meinde. (3)
V 3f „Ich will“ bedeutet keine Eigensinnigkeit, sondern die bewusste Hinkehr zum Herrn mit allen Folgen (4)
Die Wohnung Gottes beschäftigte David. Nachdem Gottes Wohnung während der Wüstenwanderung nur aus einem Zelt (Stiftshütte) bestand, konnte David es nicht ertragen, selbst in einem Palast/Haus aus Ze-dernholz zu wohnen.
„Gottes Wort wurde Fleisch“ in Christus (Jo 1, 14). Jesus wohnt nun in seiner Gemeinde und in den Herzen seiner Geschwister (Kol 3, 16). Frage: Wie einladend ist sein Wohnsitz? (5)
V 5 Der „Mächtige Jakobs“ bezieht sich auf die Stämme Israels. Im Erzvater Jakob war Israel (noch) eins gewesen.
V 6 „Siehe“ ist ein gebräuchlicher Ausdruck, der Aufmerksamkeit, Hinhören, Konzentration fordert.
An vielen Stellen gibt es aber (noch) nichts zu sehen (6). Die leiblichen Augen reichen nicht in den Bereich der Gotteswirklichkeit (Mk 8, 24f). Während der Mensch aber nur sieht, was vor Augen ist, sieht Gott das Herz an (1. Sam 16, 7) und schaut ins Verborgene (Mt 6, 4). Auch Jesus sieht die Gedanken des Herzens (Mt 9, 4; Lk 9, 47). Die tiefsten Geheimnisse der Liebe Gottes aber hat kein Auge gesehen (1. Ko 2, 9).
Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen (2. Ko 5, 7), müssen Gott lieben, den wir nicht sehen (1. Joh 4, 20), und ihm vertrauen, als sähen wir ihn (Hebr 11, 27).
Das Sehen (mit dem Herzen) kann aber auch das erlösende und bewahrende Handeln Gottes mit einschlie-ßen (Hiob 33, 28; vgl. Ps 36, 10). (7)
V 7 Machthaber hatten zur Erleichterung längerer Sitzungen Fußschemel, kleine Hocker. (8) (Siehe Klagel 3, 34; Hebr 2, 8).
Davids Königtum kann keine selbstgerechten, terroristischen Züge entwickeln.
„Wer sich vor Gott beugt, kann andere nicht mehr erniedrigen!“ (Dieter Schneider)
V 8f Eine Einladung an den Herrn.
David bittet Gott, den Ruheort selbst zu beziehen.
Die Lade war Zeichen von Gottes Gegenwart und seiner Stärke.
V 9f wörtl.: “ … und deine Frommen sollen jubeln“. Priester „kleiden sich in Gerechtigkeit“ und Gläubige freu-en sich über das „Kleid der Gerechtigkeit“ (Rö 8, 14; Gal 3, 27; Ko 3, 12; Offb 3, 4). (9)
Jesus wird alles unter die Füße getan (Hebr 2, 8) und für den Satan steht dasselbe Schicksal „in Kürze“ un-ter den Füßen der Überwinder bevor (Rö 16, 20).
V 11 wörtl.: „Geschworen hat Jahwe dem David Treue“. Ohne Davids Treueschwur hätte Gott ihm wohl auch keine Treue geschworen. Eine Einschränkung in V12f „wenn deine Söhne meinen Bund halten…“.
Die Geschichte der Könige Israels ist allerdings leider auch eine Geschichte des Abfalls.
V 13ff In etwa werden Teile der ersten Psalmhälfte wiederholt.
V 14ff Gott wohnt nicht unter jedem grünen Hügel, in „Friedwäldern“ (Angebot für Urnen-Beerdigungen) oder steinernen „Gotteshäusern“, sondern in seinen Leuten, seiner Gemeinde. (10)
Kein anderer Weg zum Heilwerden ist möglich ( Apg 4, 12). (11)
V 17 Jesus ist gemeint. Gott lässt sich heute nur im „Davidssohn“ (Mt 21, 9) finden. In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit (Ko 1, 19; Jo 1, 14). ER wird mit „Preis und Ehre“ gekrönt und bleibt allein in Ewigkeit Kö-nig aller Könige.
Sein Wohnort ist aus LEBENDIGEN Steinen gebaut (1. Petr 2, 5).
David war der Wohnort des Herrn überaus wichtig. Uns auch?
GOTT selbst wird einmal bei seinem Volk für immer wohnen (Offb 21, 3ff).

Gliederungsvorschlag:
1. Der Herr ist treu
2. Wo lässt er sich finden?
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Fußnoten
(1) Sogar Calvin klagte, dass ihm die „Auslegung viel Not“ mache.
(2) Die Möglichkeit, im Gottesdienst dankbar Erinnerungen weiterzugeben, ermutigt die Zuhörer.
(3) Der Begriff „Treue“ hängt im Deutschen zusammen mit „Ver-trauen“, „Trost“, „getrost“, im Indogermani-schen auch mit „Eiche“ (stark, fest, unerschütterlich wie eine Eiche).
(4) David übte diese Hinwendung auch nach schwerwiegendem Versagen (s. 1. Sam 21 und Ps 34).
Ohne Gott ist „des Menschen Wille“ nie „sein Himmelreich“, oft empfindet er die Konsequenzen schon zu Lebzeiten eher als „Hölle“.
(5) Wenn das Gotteswort Herzen bewohnen soll (Kol 3, 16), wird es automatisch prägen. „Ich bin gewohnt, was mich bewohnt“. Deshalb rät Paulus: „reichlich“.
Nebenfrage: Wie sehen unsere Gemeinderäume im Vergleich zu unseren Privatwohnungen aus?
(6) 1. Mo 28, 15; Jes 39, 6; Mt 28, 20; Lk 6, 23; 1. Ko 15, 51; Offb 1, 7; 3, 8.11.20; 21, 5)
(7) Zu allen Zeiten wurden Gläubige verdächtigt, Unsichtbares, Nicht-Nachweisbares für wahr zu halten.
Ein recht schlichtes Beispiel:
Albert Nepple, klein von Person, aber wuselig, so wurde er beschrieben, arbeitete im Albstadt-Ebinger Kran-kenhaus u. a. als Assistent in der Pathologie. Der langjährige Chefchirurg, Dr. Bauer, hatte ihn besonders ins Herz geschlossen. Da waren die beiden wieder einmal beim Sezieren, und Dr. Bauer meinte zu seinem Helfer: „Guck her, Mendle! I hau jetzt scho so viele verschnidda, sieschd du vielleicht a lebendige Seel, von dera du ällaweil seischt?“ Der Albert, nicht erschrocken, antwortete: „Herr Doktor, hosch du scho amoal dein Verschtand gsea?“ Daraufhin der Chefarzt: „Kerle, mit dir wuid ma et feertig!“ (Übersetzung: et = nicht)
(8) Fußschemel drückten auch die Wichtigkeit des Besitzers aus.
Beispiel: Im Kairoer Ägyptischen Museum befindet sich der goldene Fußschemel Tut-Ench-Amuns. Der nied-rige Hocker aus Gold besteht aus Nachbildungen seiner besiegten Feindkönige, die mit ihren Rücken, klein, eng nebeneinander kniend, dem Pharao „unter die Füße“ geraten waren.
(9) In der Herrlichkeit gilt dann tatsächlich „Kleider machen Leute“ (Offb 3, 4).
(10) …was nicht zum Trugschluss verleiten darf, das eigene Gemeindehaus vernachlässigen zu dürfen. Als Ort des Zeugnisses vor dieser Welt wird hier abgelesen, wie wichtig Gott seinen Leuten ist.
(11) Vorschläge für den Weg zu Ruhe und Frieden in dieser Welt sind mehr als genug vorhanden, aber Mao-Tse-Tung, Hans Küng, Mahatma Gandhi, der Dalai Lama u. v. a haben es nur gut gemeint, aber echte Ruhe bringt letztlich nur Jesus. Für diese Welt gibt es in unserer Zeit keine Ruhe. Erst wenn man „Ehre sei Gott in der Höhe“ singt, wird „Friede auf Erden“ sein.