Philipper

Predigthilfe vom 11.2.2007 – Philipper 1, 18-26

Monatsthema: Gott schafft neues, indem er…
Predigtthema: … mit Hoffnung erfüllt

Bibelstelle: Philipper 1, 18-26

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
V 18 wird erst durch die Verse davor verständlich. Die Verkündigung, das „Vornedranstehen“, anderen den Weg weisen, gern gehört zu werden können auch eine persönliche Machtstellung vermitteln. Macht kann süchtig machen.
Paulus war die Weitergabe des Evangeliums (V 14 „das Wort reden“) wichtiger als sein eigenes Wohlbefinden. Das war nicht unbedingt unter allen Brüdern üblich.

Texterklärungen
V 18 Christus verkündigen auf JEDE Weise…, auch wenn die Motive nicht immer ganz lauter sind. (1)
Wenn die Verkündigung inhaltlich stimmt, wird Gottes Wort nicht leer zurückkommen (Jes 55, 11).
Grund zur Freude!
Wer das Evangelium „aus Liebe“ zu den Verlorenen (V 16) weitergibt, wird allerdings auch persönliche Märtyrersituationen, sogar den Tod einkalkulieren müssen.

V 18b.19 Paulus freut sich auch auf das Kommende – obwohl seine Gefangenschaft mit einer Hinrichtung enden könnte.
Paulus nutzt zwei Gehstützen: Die „Gebete“ der Geschwister und den „Beistand des Geistes Jesu“. (2) Gott kann alles heilen (Rö 8, 28), heute und in Ewigkeit (Offb 21). Im AT verstand man das ganz praktische, alltägliche Eingreifen Gottes als Heil und Rettung. Im NT erhält Heil das Gewicht ewiger Erlösung. Damit ist das alte Verständnis nicht überholt. Gott kann in jeder aktuellen Situation eingreifen und Heil schenken.
Braucht Gott, der Allmächtige, unsere Gebete, um helfen zu können? Er ist allerdings nicht der Gott aller anderen Religionen, der souverän schaltet und waltet, sondern sucht das Miteinander – am deutlichsten durch Jesus Christus.
Hans von Keler (Landesbischof i. R.): „Gebet ersetzt keine Tat. Aber Gebet ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann.“
Jesus ermuntert zum Bitten, Suchen und Anklopfen (Mt 7, 7f) und verspricht Erhörung. Gott sucht das Liebesverhältnis zu Menschen, die nicht zweckgebunden beten, sondern Seine Ehre suchen.
Der „Beistand des Geistes“ erinnert an seinen Vertretungsdienst vor Gott (Rö 8, 26.34).
Der Text liefert auch einen Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes.

V 20 Ein Prozess vor Gericht steht bevor. Paulus will trotzdem „einzig und allein“ an Jesus hängen, ob im Leben oder im Tod. (3) „Wenn nur Christus…„ (V 18).
„In sehnlicher Erwartung und Hoffnung“ (Elberfelder) beschreibt auch die gespannte Erwartung eines Tiers, das den Hals in die Richtung streckt, in die es begehrend oder verängstigt blickt.

V 21 s. a. Gal 2, 20.

V 22 Eine größere Chance für das Evangelium verbindet Paulus mit seinem eventuellen Weiterleben. Die Länge seines Lebens war ihm zweitrangig. (4)

V 23f Bei der Güterabwägung belegt die LÄNGE des Lebens nur die hinteren Ränge.
Auch die „Erfüllung“ im Dienst kommt nicht zur Sprache. Es kommt nicht darauf an, was MIR zusagt.
Das LebensENDE kann in ausweglosen Situationen auch als Trost erscheinen. Aber Paulus will Christus dienen und keinen eigenen Lebensentwurf verwirklichen – nicht „mit links“: Er LEIDET an dieser Entscheidung.

V 25f ZUVERSICHT (s. Predigttipp Phil 1, 3-11, V6-7).
Seine Argumente:
– Zur Förderung des Evangeliums
– Zur Freude am Glauben
– Damit das Rühmen in Christus Jesus durch ihn zunimmt.
In Gefängnismauern eingeschlossen – aber ihn umgibt auch die größere Macht, das Gebet und die Treue Gottes.

Predigttipps
Die besorgte Philippi-Gemeinde nimmt teil am Schicksal des Paulus. (5)
Auf die Frage, wie es IHM gehe, reagiert der Apostel mit einem Bescheid, wie es dem EVANGELIUM geht.
Eine klare Vorstellung von Mt 6, 33. Wen das Evangelium erst einmal erfasst hat, bei dem wird es zur gewichtigen Kraft.
Menschen, deren Gedanken immer nur um ihr eigenes Schicksal kreisen, HABEN dann auch ein schweres Schicksal. Ein Leben in Hingabe an Jesus und Mitmenschen erzeugt Erfüllung und Freude, trotz eigener Beschwerden. Hauptsache: das Evangelium.
Die Geschichte der Gemeinde Jesu zeigt, dass alle Berechungen der Christenverfolger Milchmädchenrechungen waren. Sie erreichten meistens ungewollt das Gegenteil ihrer Bemühungen. Gott gibt sein „gutes Werk“ nicht auf, auch wenn der Apostel „Fesseln“ trägt.

Die Gegner des Paulus sind unterschiedlich motiviert, aber sie predigen KEIN ANDERES Evangelium, sonst würde der Fall Gal 1, 6ff eintreten.
Das Evangelium gilt, auch wenn seine Zeugen zu oft nicht fehlerfrei leben. (6)

Paulus kennt die „Lust, aus der Welt zu scheiden“ – das Wort beschreibt auch das Losmachen eines Kahns, aber wichtiger als das eigene Schicksal ist das Ergehen des Evangeliums. Seine Zuversicht (V 6) und Gewissheit ruht auf der Zuverlässigkeit seines Herrn. „Wir wissen aber…“ (Rö 8, 28). „Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben… (Rö 8, 38f). Gott wird´s WOHL machen (Ps 37, 5).
Sollte es zum Todesurteil kommen, dann nicht, weil Gott sich zurückgezogen hätte. Kommt es zum Freispruch bleibt es ebenfalls beim Leben „in Christus“.
Paulus redet nicht von einem Leben NACH dem Tod, sondern vom Leben des Christus. Dem Herrn leben, dem Herrn sterben (Rö 14, 8): „Wir werden allezeit beim Herrn sein“ (1. Thess 4, 17).

Gliederungsvorschlag
Freude auch in schlimmster Lage – wenn man sagen kann
1. Hauptsache: das Evangelium
2. in jedem Fall: Christus
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Fußnoten
(1a) Welcher Zeuge und Verkündiger kann von sich sagen, dass seine Motive umfassend und jederzeit ganz der Botschaft untergeordnet sind und er seine gelungenen Beiträge nicht hin und wieder doch auf SEIN Wirken bezieht.
(1b) Müssen sämtliche Chormitglieder, Instrumentalisten und Mitarbeiter in der Jungschar (nicht Leiter!) wiedergeboren sein? Beispiel: Eine Masterarbeit in Adelshofen über Mitarbeiter in Gemeinden weist nach, „dass heute mehr junge Erwachsene eine Beziehung zum persönlichen Christus durch MITARBEIT gewinnen, als durch Evangelisationsveranstaltungen“. (Infoheft 4/2006, S.19)
Dr. Paul Murdoch: „Wichtig ist, WAS gesagt wird, nicht warum.“
(2) Wie stark beschäftigt uns und unsere Gemeinde die Fürbitte? Nicht Pflicht, sondern Kür: Wir dürfen Jesus in alles „einspannen“, was uns bewegt.
(3) Der Unterschied zu allen falschen Messiassen und ihren tragischen Enden wurde aktuell bei der Hinrichtung Saddam Husseins: Jesus starb ausschließlich für ANDERE.
(4) In dieser Welt scheint die LEBENSLÄNGE allerhöchstes Gut zu sein – seiner „Lebenslänge eine Elle zusetzen“ können. Jungbrunnen, Zellkuren, Vitaminspritzen, nichts bleibt unversucht trotz horrender Preise.
Sogar „Sport ist Mord“ (Winston Churchill) könnte im Einzelfall eintreten, wenn das „Fit-Bleiben“ extensiv das eigene Leben verlängern soll.
Durch die Sünde des Menschen (1. Mo 3) wurde der Tod für Jeden unausweichlich (Mt 6, 27; Lk 12, 20.25). Nur Christus hat den Tod besiegt.
(5) Ein Menschenschicksal wog damals wenig. Gerieten Menschen in Gewalt anderer (z. B. Kriegsgefangenschaft), dann war ihr Los nicht nur Leibeigenschaft, Zwangsarbeit in Bergwerken und auf Galeeren; man hat z. B. im Jahr 70 Hunderte an einem Tag gekreuzigt; man hat sie, ebenfalls zu Hunderten, in Arenen den wilden Tieren ausgeliefert, bis keiner mehr am Leben war. Das gehörte zur römischen Philosophie der Kaiser: Gebt dem Volk Brot, Spiele und etwas Religion. Die Herrscher machten sich beim Volk beliebt, indem sie Menschenblut sehen ließen. In dieser Zeit lebte Paulus.
Was konnten Menschen aller Zeiten nicht alles ihren Mitmenschen antun?
F. Nietzsche bezeichnet den Menschen als „das herrliche Raubtier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende Bestie“ (Zur Genealogie der Moral 1).
(6) Augsburger Bekenntnis Artikel 8: Auch das Abendmahl darf ich im Glauben an den Herrn annehmen, auch wenn mir die geistlichen Schwächen des Austeilers bekannt sind.