Monatsthema: Unter Gottes Augen leben: David
Predigtthema: Mit Gottvertrauen
Bibelstelle: Psalmen 23
Verfasser: Mirko Lau
1. Der Zusammenhang
Der direkte geschichtliche Zusammenhang ist nicht genannt. Es könnte aber natürlich gut sein, dass der Psalm in der Zeit entstanden ist, als David selber Hirte war. Das war dann in erster Linie seine Jugendzeit. Später war er ja auf der Flucht vor Saul oder selber König.
Evtl. hat er (siehe Vers 5) diesen Psalm auch kurz nach der Salbung durch Samuel (1. Sam. 16) geschrieben. Da hatte er schon viel Hirtenerfahrung, war aber „auf dem Sprung“ zum König. Und ihm war klar, das harte Zeiten auf ihn warteten, denn solange Saul oder einer seiner Söhne lebte, würde es schwer sein, den Thronanspruch durchzusetzen. David gehörte menschlich einfach nicht zur Dynastie!
David hätte dann diesen Psalm in jungen Jahren geschrieben, und aufs neue können wir bei ihm staunen, was für eine geistliche Reife er schon in seiner Jugend hatte.
Wir können uns von ihm eine „Scheibe abschneiden“!
2. Biblische Parallelen
An vielen Stellen wird die Beziehung zwischen Gott bzw. Jesus und seinem Volk mit einem Hirten und dessen Herde verglichen (Joh. 10; Mt. 9,36; Sach 13,7; Hes. 34,8).
Die übrigen Parallelen werden in der laufenden Kommentierung genannt.
3. Der Aufbau
Vers 1-3a: Gottes gute Versorgung im Alltag
Vers 3b: Gottes Hilfe zum Gehorsam Davids
Vers 4: Gottes Hilfe in der größte Versorgung
Vers 5: Gott steht zu David absolut
Vers 6: Davids lebenslange Nähe Gottes
4. Einzelerklärungen
Vers 1: Der Psalm ist eindeutig von David
David benutzt zur Anrede den Gottesnamen „Jahwe“, er steht für die Treue Gottes: Wenn er verspricht, für uns zu sorgen, dann tut er es auch. (Vgl. auch Mt. 6,24ff)
Am Anfang steht ein ganz fester Satz: Der ist mein Hirte! Für David ist das eine unverrückbare Tatsache. In diesem Vergleich ist David das Schaf! Und das Schaf hat einen Hirten und dieser Hirte ist Jahwe! David weiß, wo er hingehört!
Und er weiß, was er davon hat: Ihm wird nichts fehlen!
Aus diesem Auftakt spricht ein unbändiges Vertrauen: David weiß, wo er hingehört, und er weiß, dass ihm dort, bei Jahwe, niemals irgendwas fehlen wird!
Vers 2: Man muss wissen, dass in Israel das Weideland nicht immer dieses frische Grün hat. Viele Flächen sind Wüste und nur selten kommt Regen und macht alles richtig grün!
Umso schöner ist es, wenn David von Gott das frische Grün bekommt! Gott lässt David auf frischem Grün lagern!
Und Gott führt ihn zum Wasser „der Ruhe“: Keine umkämpften Wasserplätze, wo vielleicht noch andere Tiere sind oder andere Herden, die hektisch alle Wasser brauchen.
Nein, David kann sich in Ruhe stärken! Er ist gut versorgt!
Vers 3: Gott baut Davids Seele wieder auf. Die „Seele“, das ist das Ich, die Persönlichkeit, es ist David selber! Gott baut David wieder auf, wenn er kraftlos ist!
Gott leitet David auf dem Weg der Gerechtigkeit! Gott hilft David, gehorsam zu leben und das um Gottes Willen! David weiß, dass es nicht um ihn selber geht. Gehorsam ist nicht in erster Linie ein Mittel, um in den Himmel zu kommen, sondern Gehorsam ist ein Mittel, dass Gott Ehre bekommt! Es geht um Gott. David geht auf dem Weg des Gehorsams und er geht dort für Gott.
Das geistliche Leben hängt von Gott ab und es soll auch auf Gott ausgerichtet sein!
Vers 4: Das „finstere“ Tal, bzw. das Tal „der Todesschatten“, das ist das Tal der großen Gefahren, der dämonischen Gefahren. Hier geht es ums Überleben!
Aber auch dort fürchtet David nicht das „Unheil“ bzw. „das Böse“, denn „DU“ bist bei mir!
Hier fällt der Personenwechsel auf. Bisher hat David in der dritten Person über Gott geredet, jetzt spricht er ihn auf einmal persönlich an! Hier wird noch zusätzlich unterstrichen, dass Gott da ist. Gott ist so sehr da, dass David ihn anreden kann!
Wenn wir Gott auf unserer Seite haben, dann brauchen wir keine Angst zu haben.
„Stecken und Stab“ können trösten, weil sie David aus dem einsamen Tal zurückholen. Der Hirtenstab war gebogen, und damit konnte der Hirte jederzeit nach dem Schaf greifen.
Außerdem war früher der Stab wohl auch so eine Art Tagebuch: Jedes Mal wenn etwas Gutes passierte, machte sich der Hirte eine Kerbe in den Stab als Erinnerung! Der Stab war also eine Erinnerung an die mächtigen Taten Gottes in der Vergangenheit! David spielt hier also evtl. auch darauf an, dass er in der Vergangenheit schon oft von Gott Hilfe bekommen hat und das ist ein Trost für ihn, wenn er wieder einmal im „finsteren Tal“ ist.
Vers 5: Gott versorgt David gerade auch im Angesicht der Bedränger! Gott steht zu David! Er lässt die Bedränger nicht triumphieren, sondern hält zu David!
Hier könnte jetzt ein Hinweis liegen, wann David den Psalm geschrieben hat, aber das ist natürlich vage. David wurde ja zum König gesalbt, und wenn er hier darauf anspielt, dann sehen wir das tiefe Vertrauen bei David, dass Gott ihn auch zum Ziel führen wird. Durch alle Schwierigkeiten hindurch wird Gott zu David stehen!
Davids Becher fließt über. David weiß, dass Gott ihn reich gesegnet hat – überreich!
Vers 6: Der Hebräische Vers fängt mit einem Wort an, dass „nur“ oder „auf jeden Fall“ bedeuten kann. Inhaltlich halte ich „auf jeden Fall“ für wahrscheinlicher: David hat einen solch starken Glauben, dass es für ihn ganz klar ist:
Gottes Gutes und Gottes Gnade werden ihm folgen alle Tage seines Lebens!
Das ist auch diese Sicherheit, wie wir sie z. B. von David kennen, als er Goliath gegenübersteht (1. Sam 17, 45-47), David ist sich sicher, dass Gott das Gute tut, und das Gott ein gnädiger Gott ist. Und diese Gnade hat er ja auch besonders nach seinem Ehebruch und seinem Mord erlebt, als Gott gnädig wahr, obwohl das Gesetz an dieser Stelle keine Gnade kannte!
Wir sehen hier, wie nah David Gott steht: Er ist sich ganz sicher, dass Gott ihn gnädig und gütig begleiten wird! David weiß genau, was Gott denkt und will. Wann fangen wir an zu beten, intensiv zu beten, dass wir Gott auch so kennen lernen? Und wann werden wir unseren Alltag umstellen, wo es nötig ist, um Gott so kennen lernen zu können?
Und David legt so eine Art Gelübde ab, dass er immer wieder zu Gott kommen wird, zu seinem Haus, um ihm dort zu begegnen. Man muss das vom Alten Testament her verstehen, wo Gott eben in erster Linie an seinem Heiligtum angebetet wurde. Das „Haus“ steht hier einfach allgemein für den Ort, wo Gott eben damals war, in diesem Fall war es das Zeltheiligtum.
David kann sich offenbar ein Leben ohne Gott nicht vorstellen (Joh. 6,68). Auch hier noch einmal die Frage, was wir tun, um Gott so nahe zu sein wie David?
5. Die Spitze des Textes
Dieser Psalm ist so dicht, dass schwer ein Höhepunkt auszumachen ist. Aber ein besonderer Höhepunkt ist diese tiefe Nähe zwischen David und Gott, wie sie z. B. in Vers 6 rauskommt. David ist sich sicher, dass Gott treu bleibt, und deshalb wird er auch treu an dem Bund festhalten und ins Heiligtum gehen.
6. Der Text heute
6.1 Du kannst wissen, wo du hingehörst!
Überall müssen wir heute unsere Rolle spielen und alle wollen was von uns: Arbeitnehmen, Familienvater, Gemeindemitarbeiter. Kaum hat man mal die Möglichkeit innezuhalten und aufzutanken. Wo kann ich da wirklich zur Ruhe kommen? Wo kann ich sein wie ich bin? Wo bin ich zuhause?
Bei Gott! Gerade Vers 1 macht sehr deutlich, wie David bei Gott wirklich zur Ruhe kommt!
6.2 Du kannst unbändig vertrauen, dass Gott Dir gibt, was du brauchst!
Jesus sagt es (etwas anders als ich hier): Seht die Lilien auf dem Feld, die stehen faul rum und machen nichts und kriegen von Gott trotzdem was sie brauchen! Wie viel mehr wird Gott uns versorgen!
Und wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? (Römer 8,31)
6.3 Für wen leben wir unseren Glauben, für wen wollen wir wachsen, für uns oder für Gott?
David geht auf dem Weg der Gerechtigkeit um Gottes Willen. Das hinterfragt uns: Für wen starten wir unsere frommen Bemühungen? Geht es uns wirklich um Gott? Geht es um seine Ehre und seine Freude?
Oder wollen wir letztlich doch auch uns selber was beweisen, wollen uns den Himmel nachträglich „absichern“, wollen geistlich weiter sein als andere (ja, diese Gefühle sind menschlich!), wollen das gute Vorbild sein, wollen bewundert werden, dass wir so fromm sind!
Wer steht wirklich auf dem ersten Platz in meinem Leben? Ist der Glaube nicht auch oft nur Mittel zum Zweck?
6.4 Nehmen wir den Überfluss wahr, den Gott uns schenkt?
Wir leben im „goldenen Westen“ und auch wenn die Konjunktur gerade nicht so gut aussieht, haben wir ein Dach über dem Kopf, Heizung, fließend warm Wasser, so viel Essen, dass manchmal was verschimmelt. Uns geht es gut!
Natürlich gibt es Christen, denen es schlechter geht, aber gerade für uns gilt auch ganz äußerlich, dass Gott uns voll und ganz versorgt!
6.5 Wie nahe stehen wir Gott?
Der ganze Psalm zeigt die Nähe Davids zu Gott. Und gerade der letzte Vers macht deutlich, wie sicher David in der Liebe Gottes verankert ist. Zwischen ihm und Gott gibt es eine „Liebesbeziehung“.
Wie sieht das bei uns aus? Wahrscheinlich gibt es keinen, der eine solche Beziehung zu Gott hat wie David, aber was tun wir, um sie zu bekommen?
Wie wertvoll ist uns der Glaube, dass wir wirklich unser Leben umstellen, um zu beten, um Bibel zu lesen? Wo nehmen wir Seelsorge bzw. Hilfe von Freunden in Anspruch, weil wir im Glauben schon seit langer Zeit immer an der gleichen Stelle „schwächeln“.
Was ist uns wichtiger: Unsere konkreten Glaubenszweifel geheim zu halten, oder mit Hilfe eines Anderen im Glauben endlich weiterzukommen?
Es gibt einiges, was man tun kann, um geistlich zu wachsen. Tun wir es endlich! Oder ist uns letztlich Gott doch nicht so wichtig?
7. Beispiele und Verdeutlichungen (entsprechend der Unterpunkte zu 6)
7.1 Bei diesem Punkt kann man gut den „verlorenen Sohn“ oder das „verlorene Schaf“ aufgreifen, wo der Vater, bzw. der Hirte ohne Vorwürfe, ohne nachtragend zu sein, dem Verlorenen eine Heimat und einen Ruhepunkt gibt!
Es gibt auch die Geschichte von dem Vater, der seinem Sohn seine Vergebung zeigt, indem er nicht nur ein weißes Tuch, sondern den Baum voll mit weißen Tüchern hängt (näheres auf Anfrage bei Mirko Lau …)
Wir können verdeutlichen, dass es keinen Menschen gibt, bei dem wir nie überlegen müssten, wie wir ihm z. B. etwas negatives am Besten „beibringen“.
Bei Gott müssen wir nicht überlegen, wir müssen nicht überlegen, wann der richtige Zeitpunkt ist, wir müssen nicht überlegen, wie es die richtigen Worte sind und wir müssen nicht überlegen, ob die Beziehung das überhaupt aushält!
Bei Gott sind wir wirklich zuhause!
7.2 Vielleicht können wir einmal ganz persönlich Zeugnis geben oder von einer Lebenssituation eines anderen berichten, wo Gott wirklich alles so gegeben hat, wie es gerade nötig war. Vielleicht sogar etwas negatives, was sich im Nachhinein als gut rausstellte!
7.3 Hier ist einfach große Ehrlichkeit vor sich selber gefragt!
Gute Selbstprüfungsfragen sind auch:
– Tue ich auch die Arbeiten in der Gemeinde, die von keinem wahrgenommen werden?
– Mache ich meine Sachen wirklich (meistens) mit Freude?
– Bin ich beleidigt, wenn ich kein Dankeschön bekomme?
7.4 praktischer Vorschlag: Mache eine Liste, was Du hast, was andere Christen auf der Welt nicht haben …
7.5 Wer sich Zeit für Hobbys (Formel 1, Fußball …) nimmt, kann sich auch Zeit für Gott nehmen…
Sportler sind bereit, alles zu geben, um ihr hohes Ziel zu erreichen! Was sind wir bereit, zu geben?
8. Material und Gliederung des Textes
Hand aufs Herz, wie sieht es aus mit unserem Gottvertrauen? Wie nahe stehen wir Gott wirklich? Welchen Platz hat er in unserem Leben?
Textlesung
Eine ehrliche Bilanz – Hand aufs Herz:
1. Für wen lebst du wirklich deinen Glauben (6.3)
2. Wie nahe stehst du Gott? (6.5)
Der nächste Schritt: Warum Du Gott vertrauen kannst …
1. Du weißt, wo du hingehörst (6.1)
2. Gott gibt Dir mehr als Du brauchst (6.2 + 6.4)
Für die Praxis: Was Du tun kannst, um im Gottvertrauen zu wachsen:
– Gebet, Bibellesen, Seelsorge, Zweierschaft, mal was wagen!
Abschluss:
Viele kennen den Psalm! Er zeigt uns, was möglich ist.
Wenn Du es nicht möchtest, dann bete, dass Gott Dir ein williges Herz schenkt.
Wenn Du es möchtest, dann fang an!