Lukas

Predigthilfe vom 22.9.2002 – Lukas 8, 40-56

Monatsthema: Der vollmächtige Retter
Predigtthema: Sein Wort bringt Leben

Bibelstelle: Lukas 8, 40-56

Verfasser: Stefan Greiner

1. Zusammenhang
Die Wirksamkeit Jesu in Galiläa (4,14 – 9,50). Die erste Hälfte des Wirkens Jesu.
Lukas berichtet (wie auch Mt. und Mk.) hintereinander die Sturmstillung, die Heilung eines Dämonischen, die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jairus. Diese Tatsachenberichte bezeugen den Höhepunkt der Wundermacht Jesu. Jesus bewies seine Vollmacht über die Naturgewalten, über die Dämonenwelt, über Krankheit und über Tod.

2. Biblische Parallelen
2.1 Matthäus (9,18-26) und Markus (5,21-43) berichten auch von dieser Krankenheilung und
der Auferweckung des Kindes.
2.2 „Spezialtruppe“ Petrus, Jakobus, Johannes – Mt.17,1; 26,37; Mk.13,3
2.3 Krankenheilungen werden in den Evangelien und in der gesamten Bibel viele geschildert.
2.4 Totenauferweckung – 1.Kö.17,17-24; 2.Kö.4,32-37; Lk.7,11-17; Joh.11,1-45; Apg.9,36-
43; 20,6-12

3. Der Aufbau des Textes
V. 40-42 Jesus und die Bitte des Jairus
V. 43-44 Heilung der Frau
V. 45-48 Jesus und das Gespräch mit der Geheilten
V. 49-56 Jesus und die Auferweckung des Kindes

4. Einzelerklärungen
Sie sind im Wesentlichen eine Zusammenfassung der Kommentare zum Lukas Evangelium von Gerhard Maier, Fritz Rienecker und William Barclay.

V.40 Wieder am Westufer des Sees Genezareth angekommen, „empfing“ eine „Menge“ Menschen Jesus, welche „alle auf ihn warteten“. Diese Geschichte spielt sich bei Kapernaum ab (Mt.9,1).

V.41 Jairus (deutsch: „Gott wird erleuchten“) war „Synagogenvorsteher“ / der bzw. ein Leiter der Synagoge. Dadurch war er mit Sicherheit Pharisäer. Jairus „fiel Jesus zu Füßen“, dies ist eine Handlung der Demut, und er „bat ihn, in sein Haus zu kommen“.

V.42 Grund der Bitte: Seine „einzige Tochter lag im Sterben“. Als einziges Kind war die Tochter erbberechtigt und mit „12 Jahren“ evtl. schon kurz vor der Heirat. Jesus macht sich gleich auf den Weg doch „das Volk umdrängte ihn“ (wörtl. Die Massen waren dabei, ihn zu ersticken“).

V.43 Die kranke Frau mit 12 Jahren Blutfluss (krankhafte Blutungen) tritt auf. Nach 3.Mo.15,25 war nicht nur sie unrein, sondern auch alles, worauf sie sich setzte, legte und wer sie anlangte wurde dadurch unrein. Somit war sie isoliert von den Menschen und durfte nicht in die Synagoge, in den Tempel und nicht auf den Markt. Sie versuchte mit allen Mitteln gesund zu werden, aber sie „konnte von keinem geheilt werden“.

V.44 Sie nutzte das Gedränge und „berührte von hinten die Quaste seines Obergewandes“. Dieses Obergewand (Mantel) hatte 4 Zipfel, an jedem hing eine Quaste aus blauem Purpur, welche zu Erinnerung an die Gebote Gottes dienen sollten (4.Mo.15,37ff). Durch diese Berührung wurde sie „sofort“ geheilt. Lukas, der Arzt berichtet sehr genau.

V.45 Jesus hat die Berührung gespürt und fragt, wer es war. Nachdem alle es verneinten, versucht Petrus (Sprecher der Jünger) die Berührung logisch zu erklären.

V.46 Jesus fragt aber nicht nach einer gewöhnlichen Berührung im Gedränge, sondern nach der Berührung durch die „Kraft“ (griech. Dynamis) von ihm „ausging“. Jesus wußte jemand hat ihn gezielt „berührt“ und dieser jemand glaubte an ihn und suchte Heilung bei ihm.

V.47 Erneut ein Fußfall, nun von der geheilten Frau. „Zitternd“ trat sie in die Öffentlichkeit und berichtete von der Heilung, weil sie es nicht verbergen konnte. Sie blieb bei der Wahrheit und bei ihrem Vertrauen zu Jesus.

V.48 Jesus nennt das Verhalten der Frau „Glaube“. Jesus sieht das Herz an. Ihr „Glaube hat sie gerettet“. Gerettet von der Krankheit, aber auch zur ewigen Rettung bedarf es den Glauben. Der Friedensgruß von Jesus drückt das aus. Jetzt hat die geheilte Frau neben ihrer Gesundheit auch den Frieden mit Gott. Alles aus dem Glauben.

V.49 In der Zwischenzeit ist die Tochter des Jairus gestorben. „Einer von seinen Leuten“ bringt ihm diese traurige Botschaft. Jetzt braucht er ganz offensichtlich und nach dem menschlichen Verstand „den Lehrer nicht mehr bemühen“.

V.50 Bevor Jairus zu Jesus etwas sagte, ergreift Jesus das Wort. Jesus will ihm die Furcht vor dem Tod nehmen und fordert ihn auf zu „glauben“. „Glaube nur“ – und doch schwer genug in dieser Situation. Ohne Glaube (= Vertrauen) will Jesus nichts tun. „Dann wird sie gesund“ (wörtl. gerettet) = ins Leben zurückkehren.

V.51 Jairus schwieg und glaubte, den sie kamen am Haus des Jairus an. Aber nur Jesus, Petrus, die Zebedäussöhne Johannes und Jakobus und die Eltern beraten das Haus. Es gab eine Rangordnung im Zwölferkreis. Die drei Jünger dienten auch als Zeugen im Sinne der alttestamentlichen Rechtsordnung (5.Mo.17,6). Das Dabeisein der Eltern ist eine besondere Barmherzigkeit, die den Glauben der Eltern festigen soll.

V.52 Im Haus herrschte die Totenklage. Jesus tröstet sie mit „weint nicht“, denn „sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft“. War das Kind nur scheintot? Der Ausdruck „schlafen“ bezeichnet in der Bibel sehr oft den Zustand, in dem sich die Verstorbenen befinden (1.Thess.5,10; Mt.27,52; 1.Kor.7,39). Gemeint ist der Zwischenzustand zwischen Tod und Auferstehung. Der Sinn der Aussage Jesu ist wohl: „Das Kind ist tot. Aber es existiert fort, und ich kann sie in dieses Leben zurückholen (aufwecken)“.

V.53 Daraufhin wurde Jesus ausgelacht. Nicht von den Jüngern und den Eltern, sondern von den Totenklägern (vgl. Mt.9,23ff; Mk.5,38ff). Aber alle wussten, dass das Mädchen wirklich „gestorben war“.

V.54 Nach Mt. und Mk. schickte Jesus nun auch die Totenkläger hinaus, mit Ausnahme der Eltern und den drei Jüngern. Jesus nahm die Hand der Toten und gab den Befehl aufzustehen. Jesu göttlicher Ruf erreicht also auch die Toten.

V.55 Der Geist kehrte zurück. Dies beschreibt die Wiederkehr des Lebens im irdischen Sinne. Biblisch betrachtet ist es so, dass sich beim Sterben die innere Persönlichkeit („Geist“) und der Leib voneinander trennen. Deshalb bezeichnet die Wiederkehr des Geistes in den Leib die Wiederbelebung. Das Mädchen muss aber deshalb, genau wie Lazarus oder der Jüngling von Nain, eines Tages wieder sterben. Dieses Wunder offenbart die Göttlichkeit Jesu. „Sofort stand sie auf“ und sollte etwas zu essen bekommen. Jesus handelt ganz natürlich.

V.56 Die Eltern „gerieten außer sich“. Aber Jesus mahnt sie es nicht zu erzählen. Natürlich konnte das Leben des Mädchen nicht verborgen bleiben, aber Jesus wollte keine Propaganda durch die Eltern. Jesus wollte zuerst seinen messianischen Auftrag vollenden, bevor man ihn missionarisch verkündigt.

5. Spitze des Textes
Der Glaube an Jesus hilft.

6. Der Text heute
6.1 Das Volk hat auf Jesus gewartet. Warten wir auch auf Jesus, auf seine Wiederkunft? In
diesem Warten geschieht manch leidvolles (z.B. Krankheit, Trauer, Sorgen). Wir wollen Jesus erwarten und von ihm seine Hilfe für unser Leben.

6.2 In dem Warten des Volkes haben sie ihre Geduld bewiesen. Auch Jairus brauchte Geduld,
bis Jesus endlich bei ihm Zuhause war. Jesus ist immer bei uns, aber manchmal handelt und wirkt Jesus nicht sofort und so wie wir es wollen. Da wollen wir die Geduld haben, die dem Herrn ganzen Spielraum lässt.

6.3 Menschen lachen Jesus aus. An den Tod wird mehr geglaubt, als an Jesus. Menschen
lachen uns und unseren Glauben aus. „Wer zuletzt lacht, lacht am Besten“.

6.4 Jesus ist der Herr des Lebens. Durch Jesus werde ich leben, auch wenn ich sterbe. Jesus schenkt mir das Leben (Joh.11,25-26). Jesus ist mächtiger als der Tod. Der Ruf Jesu dringt ins Totenreich. Wenn ich zu Jesus gehöre, dann wird er auch mich herausrufen und ich darf auferstehen zum ewigen Leben in der Gemeinschaft mit ihm. Jeder wird gerufen, die einem zum ewigen Leben bei Jesus, die anderem zum Gericht (Joh.5,25-29). Bei der Auferstehung müssen alle dem Ruf Jesu gehorchen.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 Telefonauskunft 11880 – Verona Feldbusch: „Hier wird ihnen geholfen“. Bei Jesus finden wir wirkliche Hilfe – Hilfe für das Leben jetzt und hier und in Ewigkeit.

7.2 Sind wir manchmal auch zu stolz um jemanden (Menschen und Gott) um Hilf zu bitten. Wir meinen das Leben allein meistern zu können. Doch nur wenn wir demütig und bescheiden mit unserer Not zu Gott kommen und ihn um Hilfe bitten, erfahren wir das Wunder seiner Gnade. Bittet, so werdet ihr empfangen – ohne zu bitten empfangen wir nichts.

7.3 Was unrein war, wurde durch Jesus rein. Und umgekehrt: Jesus, der Reine, nahm die Unreinheit auf sich und wurde um unseretwillen unrein. Jes.53,4: „Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen“.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Was braucht der Mensch, Tiere, Pflanzen zu Leben? Nahrung, Sauerstoff, Licht usw. Thema: Sein (Jesu) Wort bringt Leben!

1. Mit der Not zu Jesus
Jairus und die kranke Frau sind mit ihrer Not zu Jesus gegangen. Sie haben keinen anderen Ausweg mehr gewusst, als zu Jesus zu gehen. Jeder darf zu Jesus kommen, ob reich oder arm, Pharisäer oder Unreine, ob Mann oder Frau. Alle dürfen kommen und sogar ihre Not mitbringen. Es liegt nicht an Gott oder Jesus, dass nicht alle zu ihm kommen. Es liegt an uns, ob wir es tun! Geh mit deiner Not zu Jesus. Er wird dich nicht abweisen oder zurückschicken. Jesaja 59,1

2. Der Glaube an Jesus hilft
Was lernen wir persönlich aus dieser Glaubensgeschichte? Welche Rolle spielt bei Jesus der Glaube? Der Glaube hilft, nicht bei jeder äußeren Krankheit, aber 100 % bei der inneren Krankheit der Sünde. Der Glaube an Jesus, der den stellvertretenden Tod für mich starb, hilft mir von Gott angenommen zu werden, Vergebung zu empfangen. Die Frau wurde durch die Gesundheit wieder rein. Durch meine Sünde bin ich unrein, dreckig vor Gott. Mein Glauben an Jesus macht mich rein. Darüber hinaus hilft der Glaube mir, für mein Leben, für meine Beziehungen, für mein Verhalten. Durch meinen Glauben bekomme ich Gemeinschaft mit Gott und Frieden mit ihm. Halte den Glauben an Jesus durch, auch wenn alles dagegen spricht. Glauben, auch ohne zu sehen. Glauben (= Vertrauen) auch wenn es gegen unseren Ratio (Verstand) spricht. Der Glaube rettet. Auf den Glauben, der aus dem Herzen kommt, hat Jesus immer reagiert (Mt.8,8ff; Lk.7,50).

3. Sein Wort bringt Leben
Jesus ist der Sieger über den Tod. Er hat den Tod überwunden und besiegt. Der Glaube an Jesus ist stärker als der Tod. Wenn ich seinem Wort glaube, werde ich leben auch wenn ich sterbe. Wenn ich eine persönliche Beziehung zu Jesus habe, dann wird er mich aus dem Totenreich heraus rufen und mich „mitnehmen“ in die Herrlichkeit seines Vaters.

Abrundung: Lied Nr.331 (Ich will dir danken): „Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt“.