Monatsthema: Der vollmächtige Retter
Predigtthema: Sein Wort beauftragt
Bibelstelle: Lukas 9, 1-9
Verfasser: Stefan Greiner
1. Zusammenhang
Die erste Hälfte des Wirkens Jesu (in Galiläa). Jesus wirbt um das Haus Israel (Mt.10,6) und setzt dazu seine Jünger ein.
2. Biblische Parallelen
Markus (6,-7-13) berichtet diese Aussendung genauso knapp wie Lukas. Matthäus (10,5-14) berichtet ausführlicher.
Aussendung der 72 Jünger – Lk.10,1-12
Herodes und Jesus – Mt.14,1-2; Mk.6,14-16
3. Der Aufbau des Textes
V.1-2 Sendung der Jünger
V.3 Gebot über die Ausrüstung
V.4-5 Gebot über ihr Verhalten
V.6 Die Ausführung
V.7-9 Herodes und die Frage nach Jesus
4. Einzelerklärungen
Sie sind im Wesentlichen eine Zusammenfassung der Kommentare zum Lukas Evangelium von Gerhard Maier, Fritz Rienecker und William Barclay.
V.1: Die „Zwölf“, das ist der engste Jüngerkreis (Lk.6,12-16). Jesus „gab ihnen Kraft und Vollmacht“. Kraft = die Fähigkeit zum Wunder (Lk.5,17; 8,46). Vollmacht = die von Gott verliehene Autorität (wörtl.: das Können, das Recht, die Erlaubnis). Nur Jesus ist der Geber, deshalb bleiben die Jünger total abhängig von ihm.
V.2: „senden“, wörtl.: weg-senden (griech.: apostollo) – Apostel = Gesandter
Nach Matthäus immer „zwei und zwei“. Doppelter Auftrag: Verkündigung und Heilungen. Wichtige Reihenfolge: Zuerst die Verkündigung, dann Heilungen.
V.3: „weder Stab“, zur Abwehr von Hunden. Im Markusevangelium wird ein Stab mitzunehmen erlaubt. Mögliche Lösung: Die, welche einen Stab schon haben, sollen ihn mitnehmen. Die anderen aber sollen sich keinen besorgen. „Keine Tasche“ (wörtl. Reisesack) = Vorratsbeutel. „Kein Brot“, also kein Proviant. „Kein Geld“, wurde in der Gürteltasche aufbewahrt. „Keine zwei Hemden“ = Unterhemd / Untergewand. Warum diese Kargheit? Um den Glauben zu schulen und um die Mission schnell und beweglich zu machen. Sie sollen sich mit nichts beschweren, der Auftrag ist dringlich. So sind die Jünger flexibel und gleichzeitig müssen sie vertrauen.
V.4: „In ein Haus (gleichzeitig auch Familie) gehen“ – Gastfreundschaft finden und dort „bleiben“. Eine Hausgemeinde ist der erste verbindliche Glaubensort. In diesen Häusern fanden die Jünger ihre Versorgung. „Zieht weiter“ – Sendungsbefehl nicht aus den Augen verlieren.
V.5: „Wenn sie euch nicht aufnehmen“, das ist wider das Gastrecht, das jedem eigentlich zustand. Das zeigt bewusste und feindselige Ablehnung. „Dann geht fort und schüttelt den Staub von den Füssen“ – Aufkündigung der Gemeinschaft und deutliches Gerichtszeichen.
V.6: Sie zogen los in die Dörfer. Gehorsam befolgten sie den Auftrag, bis in den letzten Winkel Galiläas. Sie verkündigten und heilten (Reihenfolge !)
V.7: Herodes = Herodes Antipas, der Sohn von Herodes d. Grossen. Regierte als Landesfürst („Tetrarch“) – also kein König – von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr. über Galiläa und Peräa. Er „hörte von allem was geschah“. Die Nachrichten von Jesus und die verschiedenen Meinungen über die Person Jesu versetzte Herodes „in große Unsicherheit“. Meinungen über Jesus: Johannes ist von den Toten auferstanden, . . .
V.8: . . . Elia ist erschienen oder einer der alten Propheten ist auferstanden. Dies könnte ein zweiter Mose sein, ein zweiter Jeremia, oder sonst ein wiederauftretender Prophet aus dem alten Bund. Solch eine Erwartung war in Israel lebendig.
V.9: „Wer ist dann der?“ Die Frage nach Jesus ist die damals dieselbe wie heute. Herodes wollte Jesus sehen. Hätte er es ernstlich gewollt, hätte er Erfolg gehabt. Die Begegnung zwischen Herodes und Jesus kam dann erst in der Passionswoche zustande (Lk.23,6ff).
5. Spitze des Textes
Jesus nimmt die Jünger mit in seinen missionarischen Auftrag hinein und bevollmächtigt sie zur rettenden Botschaft und zu heilendem Tun.
6. Der Text heute
6.1 Jesus nimmt alle seine Nachfolger in den „Aposteldienst“. Alle sendet er aus – Missionsbefehl (Mt.28,16ff). Er gibt auch uns den Auftrag, ein königlicher Auftrag. Die Gebote für die Art und Weise und die Strategie solchen Zeugendienstes sind bis heute gültig: Gehorsam, mobil und flexibel, deutliche Rede (auch vom Gericht) und das helfende Tun. Dazu bedarf es einer Basis (Gemeinde, Hausgemeinde).
6.2 Die Predigt ist das Erste und Entscheidende. Wunder sind nur zur Unterstützung des Evangeliums da. Nur aus der Predigt kommt der Glaube (Röm.10,17). Die Wortverkündigung muss im Mittelpunkt stehen. Wir wollen Jesus gehorchen und hinausgehen zu den Bedürftigen. Wir müssen deutlich davon reden, dass Menschen ohne Jesus verloren gehen.
6.3 Es darf nicht nur beim Hören bleiben. Man kann viel von Jesus hören, aber ich muss seine Worte annehmen, damit Rettung geschieht.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 Jesus sendet aus. Er traut seinen Jüngern etwas zu. Sie sollen selbständig werden. Er gibt ihnen Anteil an seinem Auftrag. So sollen auch wir einander etwas zutrauen. Aufgaben verteilen, denn jeder Christ wird gesandt und kann / soll somit mitdienen.
7.2 Ich soll nicht fragen: „Will mich Jesus als Zeuge?“, sondern: „Wo will mich Jesus als Zeuge?“
7.3 Jesus sendet die Jünger zu zweit aus. Es gibt in der Bibel keine christlichen Stars. Habe ich solch eine Zweierschaft?
7.4 Der materielle Verzicht fällt uns oft schwer. Aber zuviel Haben hindert. Kann ich auf
irdische Güter bewusst verzichten, um Jesus zu dienen?
7.5 Die missionarische „Strategie“ Jesu setzt nicht an Großveranstaltungen an. Die Hausgemeinde, der Hauskreis ist die Basis. Gottes Weg: von den Einzelnen zu den Vielen.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: E-Mail ist eine tolle Sache. Nachrichten, Briefe, Grüße in die ganze Welt verschicken. Ein Befehl ist notwendig, damit es geschieht: SENDEN. Das Evangelium von Jesus muss in die ganze Welt verschickt werden. Jesus selber gibt den Befehl: SENDEN. Jesus sendet uns.
Jesus sendet, das bedeutet . . .
1. die ständige Abhängigkeit von Gott
Den Sendungsbefehl ausführen sollte man nie allein. Zu zweit, mit der Gemeinde und vor allem mit Gott. In der Abhängigkeit und mit vollem Vertrauen soll losgezogen werden. Mobil, Flexibel und ohne Belastungen soll der Auftrag ausgeführt werden, denn es ist ein dringlicher Auftrag. Wo sind wir starr, eingefahren, traditionsgebunden, unflexibel? Der Reichtum, unser volles Haben, verführen zur „Sesshaftigkeit“.
2. offene aber auch verschlossene Türen
Missionarische Grunderfahrung: Aufnahme und Ablehnung. Wir sind die Vertreter von Jesus – Lk.10,16. Bei offenen Türen bleiben: lehren, begleiten, Glaubenswachstum. Bei verschlossenen Türen: weiterziehen. Warum sollte man vielfach gegen eine verschlossene Türe anrennen, wenn die Tür daneben offen ist. Der Weggang ist Zeichen des Gerichts. Wer den Boten Jesu ablehnt, lehnt Jesus ab.
3. Menschen hören von Jesus
Nachrichten hört man viele. Viele kann man schnell wieder vergessen, oder braucht man erst gar nicht hören. Die Nachricht von Jesus sollte man aber nicht nur hören, so wie der Herodes, sondern auch annehmen. Wie ist das bei dir: Du hast viel von Jesus gehört und das macht dich sogar unruhig. Du hast die freie Willensentscheidung auf das Gehörte zu reagieren. Aber nur hören reicht nicht. Das Gehörte muss in die Tat umgesetzt werden. Jesus annehmen und seinen Sendungsbefehl annehmen. Beim bloßen Hören geschieht nichts: keine Rettung und keine „Auftragsausführung“.
Schluss: Nicht fragen: Will mich Jesus als Zeuge?, sondern: Wo will mich Jesus als Zeuge? Wichtige, aber auch gefährliche Frage. So wie mein Computer den Befehl SENDEN akzeptiert und ausführt, so sollen wir den Sendungsbefehl von Jesus annehmen und den gegebenen Auftrag ausführen.
Die Theorie ist klar, jetzt folgt die Praxis in der nächsten Woche.
Abrundung: Lied Nr. 321 (Ich will dir danken): „Jesus, ich will gehen, sende mich.“